Finnische Diplomatie im kurzen zwanzigsten Jahrhundert


Hausarbeit, 2002

14 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Überlebenskampf bis 1945

3. Nach dem 2. Weltkrieg

4. Der Vertrag mit der Sowjetunion

5. Paasikivi-Kekkonen Line

6. Finnische Neutralität

7. Krisen

8. Nachbarn

9. Veränderungen

10. Schlussfolgerungen

11. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Als ich mich entschied mehr über finnische Diplomatie herauszufinden, geschah dies aus Interesse an einem Land über das ich viel zu wenig wusste. Ich wollte herausfinden warum und wie es Finnland immer zu schaffen schien als neutraler Vermittler aufzutreten. Die Frage stellte sich nun wie die diplomatische Tradition eines solchen Landes sei und ihre Geschichte als solches. Bevor ich mich mit dieser Arbeit zu beschäftigen anfing wusste ich kaum das Finnland einmal zum Schwedischen Reich gehörte und lange unter russischer Okkupation gelebt hatte bevor es als unabhängiges Land 1917 entstand. Doch viel interessanter scheint mir nun der Weg dieses neu ins Leben gerufenen Landes im Norden durch das krisengeschüttelte zwanzigste Jahrhundert bis ins neue Jahrtausend, indem es nun mit einer hervorragenden Position im europäischen wie im internationalen Kontext steht. Die im folgenden aufgezeigten Ereignisse werden klar machen, das dem nicht so sein müsste. Durch ein anderes Handeln in einem Augenblick der Geschichte hätte das Land schnell ein anderes Schicksal erleiden können, doch mittels ihrer klugen, auf Finnland zugeschnittenen Außenpolitik geht Finnland als Sieger des zwanzigsten Jahrhunderts hervor.

Auf den folgenden Seiten werde ich versuchen dieses spezielle Konzept Finnlands zusammenzufassen, welches dieses kleine Land sicher in den Wohlstand des 21. Jahrhunderts brachte.

2. Überlebenskampf bis 1945

Finnland liegt im äußersten Nordosten Europas und spricht eine Sprache welche kaum einer anderen gleicht. Diese zwei Faktoren waren und sind für dieses Land zentral, denn gerade die geografische Position dominierte die Außenpolitik immerzu.

1917 wurde Finnland unabhängig, doch die eigentliche Geschichte dieses Landes beginnt schon lange vorher. Gehen wir zurück nach 1807 als das Territorium von Schweden getrennt wurde, als Nebenprodukt eines Handels zwischen Napoleon und Alexander I. Gleich darauf besetzten russische Truppen Finnland und das Land wurde dem russischen Imperium als ein Großherzogtum des Zaren einverleibt. Noch heute ist es ein Ziel der Außenpolitik Finnlands sicherzustellen, dass das Land nicht noch einmal ohne ihren Willen in einem Handel zwischen Großmächten benutzt wird.

Zu diesem Zeitpunkt gab es kein finnisches Nationalbewusstsein, finnische Dialekte wurden sowohl auf der schwedischen als auch auf der russischen Seite des Großherzogtums gesprochen, ein Pufferstaat zum Schutz von St. Petersburg. Durch die 700 Jahre Herrschaft Schwedens blieb ein westliches Erbe wie die lutherische Religion, die konstitutionelle Monarchie, das schwedische Zivil- und Strafrecht oder die Freiheit der Bauernschaft erhalten.

Die arme „Entwicklungsregion“ Finnland entwickelte im Laufe der russischen Herrschaft, durch einen gesteigerten politischen Status, eine kulturelle Identität. Finnland bekam 1809 ein eigenes Ständeparlament und somit die Chance einen finnischen Nationalismus zu entwickeln. 1860 bekam das Land eine eigene Währung, die Markka und das Finnische wurde schließlich per Gesetz in den gleichen Status wie das Schwedische als offizielle Sprache erhoben. Finnlands Fortschritt baute unweigerlich eine Kluft zwischen dem Großherzogtum und Russland. Als General Nikolai Bobrikow 1898 den Auftrag bekam[1] die finnische Autonomie zu beschränken und das Großherzogtum in das russische System zu integrieren wandelte er den bis dahin von der Elite getragenen Nationalismus in ein Massenphänomen. Eine Kampagne des bürgerlichen Ungehorsams wurde gestartet, welche vor allem Zeit gewann. 1905 wurde Finnland erstmals durch Russlands Niederlage im Japanischen Krieg gerettet, da der Zar nun gezwungen war Forderungen nach konstitutioneller Herrschaft stattzugeben. In Finnland wurde 1906 ein Parlament mit nur einer Kammer gegründet und ein allgemeines Stimmrecht eingeführt, welches Finnland zum ersten Land der Welt machte das Frauen das aktive und passive Wahlrecht gewährte. Mit dem Sturz des zaristischen Regimes in Russland erklärte Finnland am 6. Dezember 1917 seine volle Unabhängigkeit, doch damit waren seine Probleme keinesfalls gelöst. Die neue Unabhängigkeit galt es erst zu beweisen und außerdem hatte die neue Nation zuerst ein anderes Problem. Ein Bürgerkrieg entfachte, der von Jänner bis Mai 1918 dauerte und 30 000 Tote forderte. Die „Roten Garden“[2] unterlagen schließlich der „Weißen Armee“ unter General Mannerheim. Dieser Sieg gelang nicht ganz ohne deutsche Hilfe und hätte es Deutschland geschafft seine Dominanz in Osteuropa zu wahren wäre Finnland ein deutsches Protektorat geworden.[3] Der Kampf zwischen rot und weiß ging weiter, doch 1930 wurde die Kommunistische Partei verboten, da sie für Russland arbeitete. Die Verbindung mit Deutschland blieb eng, doch der Nazismus erhielt wenig Unterstützung.

Das wichtigste Problem der finnischen Außenpolitik bestand in den 1930ern darin nicht in einen Konflikt zwischen Deutschland und Russland hineingezogen zu werden. Ein Schritt dazu war das internationale Image des Landes zu verbessern, z.b. indem Finnland als einziges Land den Vereinigten Staaten seine Schulden zahlte und diese Aktion in eine erfolgreiche Public-Relations-Operation verwandelte. Außerdem erklärte die Regierung 1935 dass sie eine skandinavische Orientierung verfolgen um die Neutralität Finnlands besser gewähren zu können. Doch wie wir jetzt wissen, hatte die finnische Diplomatie zu diesem Zeitpunkt wenig Erfolg. General Mannerheim erkannte früh, dass schwere Zeiten für die Länder anbrechen werden, die zwischen Russland und Deutschland situiert sind und drängte die USA zu einer Anleihe, ohne Erfolg. Die Situation um Finnland stand schlecht doch der Patriotismus war groß und das Land bereitete sich auf einen Krieg vor.

In den 1930ern kann man den Beginn der Finnischen Linie sehen, denn auch wenn das Land in der Theorie vor der Wahl stand zwischen Neutralität und einer Suche nach Schutz entweder bei der einen oder der anderen Seite, so hatten die Finnen in der Praxis keine wirkliche Wahl. Um als unabhängiges Land „davonzukommen“ konnten sie keine Allianz mit der Sowjetunion eingehen, denn das wäre einer bedingungslosen Kapitulation gleichgekommen. Auf der anderen Seite konnte auch Deutschland nicht zum Allianzpartner gemacht werden, denn das hätte die Sowjetunion nur herausgefordert und man fürchtete einen Präventivschlag.

Mit dem Nichtangriffspakt wischen der Sowjetunion und Deutschland am 24. August 1939, der später unter dem Namen der Außenminister Rippentrop und Molotow bekannt wurde bekam Russland freie Hand im baltischen Raum zugesichert. Mit 5. Oktober wurde erhielt die finnische Regierung eine Vorladung nach Moskau, wo Stalin erklärte das er eine tiefere Verteidigung Leningrads brauche und darum die finnische Grenze weiter nördlich von der Stadt verlegt werden müsse. Außerdem verlangte er einen Stützpunkt für seine Marine an der Südküste Finnlands, in Hanko in der Nähe von Helsinki. Die finnische Regierung stand ohne Unterstützung da und war bereit einiges an Territorium nördlich von Leningrad abzugeben, doch einen Stützpunkt so nahe an der Hauptstadt konnten sie nicht billigen. Darauf folgte im November 1939 Stalins Angriff, der in hundert Tage dauernden Winterkrieg endete. Die Alliierten standen unter dem öffentlichen Druck Finnland zu retten. Man beschloss ein Expeditionskorps zu senden falls Finnland um Hilfe ersuchen würde, doch das tat Finnland nie. Eine Durchführung des alliierten Plans hätte katastrophale Folgen für ganz Skandinavien gehabt und General Mannerheim erkannte wohl das die alliierte Hilfe zu spät und zu gering kommen würde und Finnland nicht retten könnte. Schließlich bekam Stalin was er wollte und noch mehr, doch Finnland bekam die Sympathie der Welt, denn für das kleine Land war es ein überwältigender Sieg. Die Unabhängigkeit war erhalten geblieben.

[...]


[1] Er wurde zum Generalgouverneur von Finnland ernannt. Wegen seines scharfen Vorgehens war er in anderen Teilen des Imperiums als Hardliner bekannt. 1904 wurde er von einem jungen finnischen Beamten erschossen.

[2] Die Bolschewiken ermunterten die finnischen Sozialisten zum Griff nach der Macht, wobei sie hofften, die Revolution werde Sowjetrussland zurückbringen. Die „Roten Garden“ wurden vom radikalen Flügel der sozialistischen Bewegung gebildet.

[3] Es wurde sogar ein deutscher Prinz zum König von Finnland gewählt, doch 1918 stand Finnland plötzlich allein da und der deutsche König betrat sein Land nie.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Finnische Diplomatie im kurzen zwanzigsten Jahrhundert
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaft)
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V33512
ISBN (eBook)
9783638339629
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finnische, Diplomatie, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Sabine Putzgruber (Autor), 2002, Finnische Diplomatie im kurzen zwanzigsten Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33512

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Finnische Diplomatie im kurzen zwanzigsten Jahrhundert



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden