Seit dem 01.01.2014 ist das Notfallsanitätergesetz in Kraft getreten.
In Baden Württemberg sind auf Landesebene, das Ausbildungscuriculum, Lehrplan und die Handlungsempfehlungen, von einen Expertengremium bestehend aus Vertretern des Innenministerium, Regierungspräsidium, alle anerkannten Rettungsdienstschulen und Hilfsorganisationen , erarbeitet worden und vom Sozialministerium herausgegeben worden.
In dem vom Gesetz beschriebenen Ausbildungsziele werden insbesondere die eigenverantwortliche Durchführung medizinischer Maßnahmen im Notfalleinsatz und die eigenständige Durchführung von heilkundlichen Maßnahmen beschrieben.
Die Handlungsempfehlungen bilden hier einen Leitfaden mit möglichen Handlungsabläufen, an denen sich der Notfallsanitäter halten kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Zusammenfassung
4. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch die Handlungsempfehlungen für Notfallsanitäter in Baden-Württemberg im Hinblick auf deren Rechtssicherheit, Vollständigkeit und das Verhältnis zu etablierten medizinischen Leitlinien, um Lösungsansätze für eine sicherere berufliche Praxis zu identifizieren.
- Rechtliche Absicherung bei heilkundlichen Maßnahmen
- Umgang mit nicht explizit in Empfehlungen aufgeführten Krankheitsbildern
- Vergleich der Handlungsempfehlungen mit internationalen und nationalen Leitlinien
- Rolle des Notfallsanitäters als eigenverantwortlicher "Notfalltherapeut"
Auszug aus dem Buch
Zu A.: Die Handlungsempfehlungen betreffen nur die Behandlung gewisser Krankheits- Verletzungsbilder.
Die anzuwendenden Medikamente sind in den Handlungsempfehlungen zwar eingebettet jedoch nicht in eine eigenen Handlungsablauf aufgenommen so dass für die Gabe und Auswahl des Medikaments keinen bestimmten Handlungsablauf vorgeschlagen wird.
Diese Medikamentengabe nach Handlungsempfehlungen Baden Württemberg ist immer im ABCDE Versorgungsschema für das jeweilige Krankheits- Verletzungsbild eingebettet, so dass eine Gabe im Fall eines Krankheits- oder Verletzungsbildes welches nicht beschrieben wird, keiner Vorgabe unterliegt und somit entweder aus den bestehenden abgeleitet oder andere Leitlinien herangezogen werden müssen.
Eine Handlung außerhalb von bestehenden Leitlinien ist nicht empfehlenswert, da der Notfallsanitäter rechtlich zur Haftung herangezogen werden kann falls im Rahmen eines Einsatzes Komplikationen mit Folgen entstehen.
Hier begibt sich der Notfallsanitäter rechtlich gesehen auf unbekanntes Terrain, da im Falle einer möglichen Komplikation durch die Medikamentengabe, fraglich ist wie die Rechtsprechung entscheiden würde.
Hier würde die Indikationsstellung analysiert werden und ob die Vorbereitung (Aufklärung, Allergien Abfrage,) auf die Gabe und die Gabe selbst Lege Artis erfolgt ist.
Der Ausgang eines solchen Verfahrens wäre trotzdem unvorhersehbar.
Diese Problemstellung hat der Kreis Steinfurt gelöst indem es für ausgewählte Medikamente Handlungsempfehlungen herausgegeben hat die auf jegliche Krankheits- Verletzungsbilderbilder anwendbar sind, auch wenn diese nicht gesondert in den Empfehlungen beschrieben worden sind.
Ein Beispiel für diese Problemstellung ist der Einsatz von Analgetika bei Verbrennungen, einen Verletzungsbild welches in den BW Handlungsempfehlungen nicht beschrieben worden ist.
Hier wird der Notfallsanitäter mit der Situation konfrontiert, ein Analgetikum geben zu müssen, ohne sich auf die Handlungsempfehlungen Baden Württemberg stützen zu dürfen.
In den Handlungsempfehlungen Kreis Steinfurt wird Ketanest - Dormicum als eigenständigen Algorithmus beschrieben, ohne speziellen Bezug auf einen Krankheits- Verletzungsbild.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es werden die Einführung des Notfallsanitätergesetzes und die Bedeutung der Handlungsempfehlungen in Baden-Württemberg sowie deren Abgrenzung zu ärztlichen Leitlinien erläutert.
Hauptteil: Hier erfolgt eine kritische Analyse der rechtlichen Grauzonen bei der Medikamentengabe, der Problematik der Unvollständigkeit der Empfehlungen sowie ein Vergleich mit Modellen anderer Regionen.
Zusammenfassung: Es werden konkrete Verbesserungsvorschläge für die Handlungsempfehlungen sowie die Notwendigkeit einer gesteigerten Handlungssicherheit des Personals formuliert.
Ausblick: Die Arbeit prognostiziert die Entwicklung des Notfallsanitäters zum eigenständigen "Notfalltherapeuten" und betont die Wichtigkeit der Integration wissenschaftlicher Leitlinien in die Ausbildung.
Schlüsselwörter
Notfallsanitäter, Handlungsempfehlungen, Baden-Württemberg, Rechtssicherheit, Notfallversorgung, Medikamentengabe, Morphin, Leitlinien, AWMF, Cochrane, Krankheitsbilder, Haftung, Eigenverantwortung, Rettungsdienst, Notfalltherapeut
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse der offiziellen Handlungsempfehlungen für Notfallsanitäter im Bundesland Baden-Württemberg.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Zentrale Themen sind die Rechtssicherheit bei der Anwendung von Medikamenten, die Vollständigkeit der Handlungsanweisungen und die Vergleichbarkeit mit medizinischen Leitlinien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Defizite in den derzeitigen Empfehlungen aufzuzeigen und Lösungswege aufzuzeigen, wie Notfallsanitäter rechtssicher und medizinisch fundiert handeln können.
Welche wissenschaftliche Methode wird genutzt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse geltender Handlungsempfehlungen, den Vergleich mit Modellen anderer Kreise sowie die Berücksichtigung juristischer Stellungnahmen und wissenschaftlicher Evidenz-Systeme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Probleme wie die Behandlung von Verletzungsbildern, die nicht explizit in den Empfehlungen gelistet sind, und die rechtliche Unsicherheit bei der Anwendung von Opiaten wie Morphin.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit ist geprägt durch den Fokus auf die praktische Anwendbarkeit der Regeln und die notwendige Balance zwischen vorgegebenen Handlungsabläufen und der fachlichen Expertise des Notfallsanitäters.
Wie unterscheidet sich die Lage in Baden-Württemberg von anderen Regionen wie dem Kreis Steinfurt?
Im Vergleich zum Kreis Steinfurt, der für einige Medikamente algorithmusbasierte, krankheitsbildunabhängige Empfehlungen bietet, wirken die BW-Empfehlungen in manchen Bereichen weniger flexibel.
Warum wird die Morphingabe als kritisch eingestuft?
Die Gabe von Morphin durch nichtärztliches Personal bewegt sich trotz ministerieller Freigabe in einem rechtlich sensiblen Bereich, für den viele Juristen eindeutigere Handlungsanweisungen fordern.
- Citation du texte
- Marcello Marongiu (Auteur), 2015, Analyse und kritische Auseinandersetzung mit den Handlungsempfehlungen für Notfallsanitäter (Baden-Württemberg), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335183