Franz Marc. Wirken und Nachwirken eines Münchner Künstlers


Facharbeit (Schule), 2015

23 Seiten, Note: 14


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Franz Marc als künstlerisches Aushängeschild Münchens

2 Biographie

3 Entwicklung und Besonderheiten seiner Kunst
3.1 Bedeutung von Farbe und Form
3.2 Tiere als zentrales Motiv

4 Franz Marcs Rolle im Blauen Reiter

5 Rezeption nach seinem Tod
5.1 1916 Gedächtnis-Ausstellung und Nachkriegszeit
5.2 ÄEntartete Kunst“ unter den Nationalsozialisten

6 Präsentation seiner Kunst heute
6.1 Das Lenbachhaus in München
6.2 Franz Marc Museum in Kochel

7 Fazit und Zukunftsausblick

8 Literaturverzeichnis
8.1 Primärliteratur
8.2 Sekundärliteratur

9 Abbildungsverzeichnis

1 Franz Marc als künstlerisches Aushängeschild Münchens

Franz Marc zählt heute zu den bekanntesten Künstlern Deutschlands und ist auch in internationalen Museen, wie im New Yorker Guggenheim, in Paris und Zürich vertreten.1 Von seiner Geburtsstadt München und der ländlichen Umgebung, wo er auch in der Künstlervereinigung ÄBlauer Reiter“ wirkte und sein Leben lang wohnte, ist er aber kaum zu trennen und zählt als eine besonders wichtige Persönlichkeit aus Kunst- und Kulturkreisen in München. Die große Beliebtheit an seiner Kunst zeigen auch eindrücklich die Besucherzahlen der Sonderausstellung ÄFranz Marc - Retrospektive“ des Münchner Lehnbachhauses: über 300.000 Besucher kamen, um die Zusammenstellung seiner berühmten Werke zu sehen, so dass diese 2005 zur meistbesuchten Einzelausstellung in Deutschland wurde.2 Es lohnt sich also, diesen Künstler und seine Werke genauer zu betrachten und auch zu ergründen, wie die Museen seine Kunst heute präsentieren, damit das Interesse der Besucher gewahrt wird. Deswegen möchte ich in der folgenden Arbeit im ersten Teil zunächst auf Franz Marcs Wirken zu Lebzeiten eingehen. Der Leser soll die Farb- und Formsprache der Kunstwerke genauso wie das so oft verwendete Tiermotiv verstehen, um hinter der so farbenfrohen Fassade die tiefgründigen Aussagen des Künstlers zu erkennen. Im zweiten Teil liegt mein Augenmerk auf der Rezeption von Franz Marcs Kunst nach seinem Tod. Die Auseinandersetzung mit seiner expressionistischen Kunst hat sich innerhalb von fast einem Jahrhundert, zwei Weltkriegen und verschiedenen politischen Ausrichtungen in Deutschland stark gewandelt. Genauso interessant ist es zu betrachten, wie Franz Marcs Kunst heute nach einer so langen Zeit immer noch in modernen Ausstellungskonzepten, im Franz Marc Museum in Kochel und im Lenbachhaus, präsentiert wird und ob man mit diesen zwei Museumsprojekten im Großraum München dem kulturellen Erbe der Stadt gerecht wird. Doch als Erstes möchte ich kurz auf Franz Marcs Biographie eingehen, um sein Wirken zeitlich einordnen zu können und über wichtige Lebensereignisse zu informieren, durch die auch seine Kunst beeinflusst wurde.

2 Biographie

Franz Marc wurde am 8. Februar 1880 in München als zweites Kind des Ehepaars Wilhelm und Sophie Marc geboren. Sein Vater war Professor an der Münchner Akademie und malte vorwiegend Landschaften und Genrestücke im altmeisterlichen, sehr realitätsnahen Stil der Münchner Schule.3 Es ist davon auszugehen, dass Franz Marc somit schon früh mit Kunst in Berührung kam und seine künstlerische Begabung durchaus gefördert wurde. Nach langen Überlegungen Theologie oder Philologie zu studieren, entschloss er sich endgültig dazu Maler zu werden und schrieb sich bei der Münchner Akademie ein.4 Im nächsten Jahr wurde Franz Marc von einem wohlhabenden Studienfreund nach Frankreich eingeladen, wo er die neue impressionistische Kunst von Monet, Renoir und vielen anderen kennenlernte und auch kopierte.5 Diese Reise veranlasste ihn im Jahre 1903 das Studium an der Akademie, die noch im alten Stil des 19. Jahrhunderts unterrichtete, abzubrechen und sich selbst weiterzubilden. Von da an begann eine künstlerische Findungsphase, in der er Reisen nach Frankreich und Griechenland unternahm und seinen eigenen Stil immer wieder veränderte und weiterentwickelt. Erst 1910, nachdem Franz Marc schon seine ersten für ihn typischen Tierbilder malte und auch einige Skulpturen aus Ton und Marmor schuf, wurde der Berliner Kunstsammler Bernhard Koehler auf ihn aufmerksam. Dieser verschaffte Marc, mit einem monatlichen Vorverkaufsvertrag von 200 Mark, eine gewisse finanzielle Absicherung und unterstützte auch viele spätere Projekte des ÄBlauen Reiter“. Im selben Jahr verließ er München und zog zusammen mit seiner späteren Frau Maria Franck nach Sindelsdorf in Oberbayern, ein idealer Platz, um sich von der Natur inspirieren zu lassen. In dem kurzen Zeitraum der nächsten vier Jahre entstanden beinahe alle bedeutenden Werke. Kurz nach einem Umzug nach Ried am Kochelsee brach der erste Weltkrieg aus6 und Franz Marc meldete sich freiwillig beim Militär, wie viele andere Künstlerkollegen, denn er war davon überzeugt, dass nach dem Krieg eine neues Europa entstehen würde7 und schrieb selbst von einer Äreinigenden Wirkung des Krieges“.8 Nachdem sich seine Einstellung zum Krieg inzwischen stark gewandelt hatte und er seiner Frau noch an seinem Todestag geschrieben hatte: Äja, dieses Jahr werde ich auch zurückkommen […] zu Dir und zu meiner Arbeit“9, wurde er am 4. März 1916 Opfer eines Granatdoppelschusses bei einem Kundschaftsgang.10

3 Entwicklung und Besonderheiten seiner Kunst

3.1 Bedeutung von Farbe und Form

Das vermutlich Erste, was dem Betrachter bei Franz Marcs Kunstwerken auffällt ist seine bunte Farbwahl, die bei den meisten Motiven im Kunstwerk nicht der Erscheinungsfarbe in der Natur entspricht. So malte er das Pferd in einem seiner bekanntesten Bilder ÄBlaues Pferd 1“11 nicht bräunlich, schwarz oder auch weiß, wie es in der Natur je nach Rasse zu sehen ist, sondern blau. Ebenso ist die Landschaft, die das Pferd umgibt, nicht grün wie das Gras oder grau wie eine Berglandschaft gemalt, sondern größtenteils knallig gelb, blau oder violett. Hinter dieser nicht naturgetreuen Farbgebung steckt Franz Marcs eigene Farbtheorie, nach der Farbe nicht nur ein ästhetisches Ausdrucksmittel ist sondern auch eine gewisse Symbolik und Bedeutung mit sich bringt. Diese erklärte Marc in einem Brief an seinen Freund August Ma>brutal und schwer und stets die Farbe, die von den anderen beiden bekämpft und überwunden werden muß!“12 Dementsprechend dominieren auch die Farben Blau und Gelb über eine nur kleine, rote Fläche im unteren Abschnitt des Bildes ÄBlaues Pferd 1“. Somit wird auch die vom blauen Pferd vermittelte Symbolik des Geistigen, das über die Materie siegt, deutlich.13 Doch in seiner Farbtheorie geht Marc noch weiter, indem er die Symbolik auch auf kombinierte Farben überträgt: ÄMischst Du z.B. das ernste, geistige Blau mit Rot, dann steigerst Du das Blau bis zur unerträglichen Trauer, und das versöhnende Gelb, die Komplementärfarbe zu Violett, wird unerläßlich.“14 Dieses Beispiel wird besonders im Bild ÄEselfries“15

deutlich, indem die deutlich dominierende Farbe Violett Trauer symbolisiert und diese sich auch in der gesenkten Haltung der Köpfe und den nicht fokussierten Blicken der Esel wiederspiegelt. Gedämpft wird diese Trauer nur durch einen gelben, allerdings viel kleineren Bildanteil im Hintergrund, den man als Blumenwiese deuten könnte. Im Laufe der Jahre, in denen sich Marc weiterentwickelte, rückte neben der Farbgebung auch die Form immer weiter ins Zentrum seiner Kunst. Während er 1909 das Bild ÄRehe in der Dämmerung“16 sowohl in seiner natürlichen Erscheinungsfarbe, als auch in seiner Form noch relativ detailreich und klar als Reh auf einer Wiese erkennbar malte, reduzierte Marc seine Tierbilder immer weiter auf die notwendigsten Umrisse. Zudem beeinflussten kubistische Elemente, inspiriert vor allem von Pablo Picasso, immer mehr sein Werk, indem er seine Motive in einfachen geometrischen, kristallinen Formen aufteilt.17 Bestes Beispiel hierfür ist das Gemälde ÄTiger“18 von 1911, in dem der Körper des Tieres durch viele Dreiecke mit spitzen Ecken und geraden Kanten dargestellt wird. Durch die etwas detailreichere Ausarbeitung der Gesichtspartie, die ebenfalls konsequent dem kristallinen Stil treu bleibt, ist das Motiv des Tigers dennoch klar zu erkennen. Im Gegensatz dazu lässt sich der Hintergrund, der aus verschiedenen bunten Formen besteht, kaum identifizieren und ist sehr abstrakt gehalten. Franz Marc setzt diese Formgestaltung vermutlich bewusst ein, um den Ausdruck des Bildes zu steigern. So erinnern die spitzen Formen an Reißzähne oder dolchartige Krallen und bringen somit ein bedrohliches und gefährliches Gefühl beim Betrachter erwecken - Eigenschaften die perfekt zur Natur eines Raubtiers passen.19

3.2 Tiere als zentrales Motiv

Besonders bekannt ist Franz Marc für seine schon angesprochenen Tierbilder, wie ÄBlaues Pferd 1“ oder ÄTiger“ und tatsächlich steht im größten Teil seines Oeuvres das Tiermotiv im Zentrum. Doch zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn war das noch anders. Marc kopierte Werke seiner Zeitgenossen aus Frankreich und malte Landschaften oder auch Porträts. Erst der Tiermaler Jean Bloé Niestlé inspirierte Marc dazu, Tiere zu malen und so fand er damit das richtige Mittel seine Gefühle darzustellen20:

ÄIch suche meine Empfindung für den organischen Rhythmus aller Dinge zu steigern, suche mich pantheistisch einzufühlen in das Zittern und Rinnen des Blutes in der Natur, in den Bäumen, in den Tieren, in der Luft […]. Ich sehe kein glücklicheres Mittel zur ‚Animalisierung‘ der Kunst, wie ich es nennen möchte, als das Tierbild.“21

Franz Marc geht es also nicht darum, Tiere so zu malen, wie sie der Mensch wahrnimmt, sondern er versucht die Umwelt aus der Sicht eines Tieres darzustellen. Das Tiermotiv wird aber vordergründig dazu eingesetzt, um die umfassende Harmonie der Natur und deren Rhythmus deutlich zu machen.22 Dies ist ihm besonders in seinen zahlreichen Pferdedarstellungen, wie exemplarisch im Gemälde ÄDie kleinen gelben Pferde“23, gelungen. Hier spiegeln sich die runden Formen und Konturen der Pferdekörper auch in der Landschaft im Hintergrund und den Wolkenformationen wieder, wodurch die Tiere fast untrennbar mit der Landschaft verschmelzen - die Natur in vollkommener Harmonie. Auch die Rückenansicht des linken Pferdes ist eine aufgegriffene Kompositionsform aus der Frühromantik, die den Betrachter dazu bringt, die Landschaftskulisse aus dem Blickwinkel des Tieres zu sehen, sich also in diese Rolle einzufühlen. Zudem ist festzustellen, dass keines der Tiere in die Richtung des Menschen als Betrachter blickt. Es wirkt also so, als wäre er für die Pferde nicht vorhanden und von der Naturharmonie ausgeschlossen. Passend dazu schrieb Marc rückblickend: ÄIch empfand schon sehr früh den Menschen als ‚häßlich‘; das Tier schien mir schöner, reiner“24 Mit der Zeit entfernte sich Marc immer weiter vom Tiermotiv weg, hin zur gegenstandslosen Kunst und vollzog 1914 den Schritt zur völligen Abstraktion. ÄKämpfende Formen“25 bleibt eines der ersten abstrakten und gleichzeitig sein letztes berühmtes Gemälde, bevor er in den Ersten Weltkrieg zog und dort fiel. Es lässt sich nur erahnen, wie sich Franz Marcs künstlerische Entwicklung fortgesetzt hätte und wie viele großartige Bilder uns dadurch für immer verborgen bleiben.

4 Franz Marcs Rolle im Blauen Reiter

Franz Marc besuchte in den Jahren 1909 und 1910 die beiden ersten Ausstellungen der ÄNeuen Künstlervereinigung München“ (kurz ÄN.K.V.M.“), bei der unter anderem Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin moderne Kunstwerke von sich aber auch von anderen französischen Künstlern der Avantgarde zeigten.26 Diese in der Münchner Galerie Thannhauser präsentierte moderne Kunst sollte nicht nur die äußere reale Welt darstellen, sondern auch eine innere gefühlsbetonte Seite zum Ausdruck bringen und nur das Notwendige abbilden. Münchens Künstlerkreise, die zum größten Teil noch sehr konservativ und naturgetreu im Stil des 19. Jahrhunderts malten, lehnten diese moderne Kunst der ÄN.K.V.M.“ ab und kritisierten deren Ausstellungen stark. Franz Marc war über diese negative Einschätzung in der Presse empört und entschloss sich dazu, selbst eine Rezension zu schreiben, in der er die ausgestellte Kunst in Schutz nahm und die neue gefühlsbetonte, leicht abstrahierte Darstellungsweise als zukunftsweisend erklärte. Dadurch wurde die Künstlergruppe erstmals auf Franz Marc aufmerksam, besuchte ihn wenig später in seinem Atelier in Sindelsdorf, um seine Gemälde zu sehen, und wählte ihn anschließend nicht nur zum Mitglied, sondern auch zum dritten Vorsitzenden ihrer Vereinigung. Kurze Zeit später lernte Marc auch Wassily Kandinsky persönlich kennen, von dem er auf Anhieb begeistert war: ÄFabelhafte Menschen. Kandinsky übertrifft alle, […] ich war völlig gefangen von diesem innerlich vornehmen Menschen und äußerlich patent bis in die Fingerspitzen“27 Doch die anfängliche Harmonie in der Vereinigung hielt nicht lange an und eine Auseinandersetzung bei der Jurysitzung für eine neue Ausstellung war wohl der Auslöser für einen Austritt von Kandinsky und Marc am 2. Dezember 1911.28 Demnach wurde Kandinskys Gemälde ÄKomposition V“ auf Grund seiner Übergröße abgelehnt. Von solchen zu strengen Vorschriften und Regeln fühlten sich Kandinsky und Marc eingeschränkt und auch die Meinungen dazu, wie die neue Kunst auszusehen habe, gingen immer weiter auseinander und so entschieden sie sich folgerichtig zum Austritt. Die Künstler Gabriele Münter, Alfred Kubin, Thomas von Hartmann und Henri Le Fauconnier zeigten sich solidarisch und traten ebenfalls aus.

[...]


1 Vgl. Düchting (1991), S.174.

2 Vgl. www.ganz.münchen.de

3 Vgl. Düchting, 1991 S.148.

4 Vgl. Partsch (1993), S.94.

5 Folgendes vgl. Düchting (1991), S.149 ff.

6 Vgl. Partsch (1993), S.95.

7 Vgl. Düchting (1991), S.130.

8 Zitiert nach Klingsöhr-Leroy, Franz Marc Junge Kunst (2013), S.56 4

9 Marc, Briefe aus dem Felde (1940), S.151.

10 Vgl. Partsch (1993), S.95

11 Siehe Abb. 1

12 Zitiert nach Jüngling & Roßbeck (2000), S.101.

13 Vgl. Friedel & Hoberg, Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München, (2013), S.164. 5

14 Zitiert nach Jüngling & Roßbeck (2000), S.101.

15 Siehe Abb. 2

16 Siehe Abb. 3

17 Vgl. Klingsöhr-Leroy, Franz Marc Junge Kunst (2013), S.33.

18 Siehe Abb. 4

19 Vgl. Stadler (1986), S.33.

20 Vgl. Düchting (1991), S.28 f.

21 Piper (1910), S.190.

22 Folgendes vgl. Klingsöhr-Leroy, Franz Marc Junge Kunst (2013), S.23 f.

23 Siehe Abb. 5

24 Marc, Briefe aus dem Felde (1940), S.63.

25 Siehe Abb. 6

26 Folgendes Vgl. Museum Frieder Burda, Friedel & Hoberg (2009), S.26 ff.

27 Zitiert nach Jüngling & Roßbeck (2000), S.106.

28 Folgendes vgl. Kandinsky, Marc, & Lankheit (2006), S.256 f. 8

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Franz Marc. Wirken und Nachwirken eines Münchner Künstlers
Veranstaltung
W-Seminar
Note
14
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V335285
ISBN (eBook)
9783668252820
ISBN (Buch)
9783668252837
Dateigröße
1241 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz Marc
Arbeit zitieren
Korbinian Lanz (Autor), 2015, Franz Marc. Wirken und Nachwirken eines Münchner Künstlers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335285

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