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Künstliche Ernährung. Eine moderne Zwangsmaßnahme?

Zwischen medizinischem Segen und strafbarem Delikt

Title: Künstliche Ernährung. Eine moderne Zwangsmaßnahme?

Diploma Thesis , 2010 , 59 Pages , Grade: 1

Autor:in: Tamara Bachler (Author)

Law - Penology
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Die persönliche Freiheit des Menschen ist ein bedingungslos schützenswertes Gut. Besonders Menschen, welche aufgrund ihrer psychischen und physischen Verfassung nicht in der Lage sind, sich selbst gegen entsprechende Eingriffe zu wehren, bedürfen eines besonderen Schutzes. Künstliche Ernährung als segenreiche Erfindung für Menschen, welche auf natürliche Art und Weise keine (ausreichende) Ernährung mehr zu sich nehmen können und ansonsten verhungern würden, exakt das ist jenes Bild, welches in der medizinischen Fachwelt gerne wahrgenommen wird. Die andere Seite wird aber verschwiegen, bestenfalls in populärmedizinischer Literatur erwähnt. Nämlich jene Tatsache, dass künstliche Ernährung, besonders in Altenheimen mit Mangel an Pflegepersonal, oft als „Sparmaßnahme“ eingesetzt wird. Rechtliche Mittel, mit welchen sich die Patienten selbst oder deren Angehörige zur Wehr setzen können, werden aber selten bis nie ausführlich und nachvollziehbar in populärmedizinischen Büchern erwähnt. Ich will nun mit diesem Werk diese Lücke schließen und in einfacher Weise, aber doch problemlösungsorientiert und mit Hilfe von Tabellen sehr anschaulich darstellen, dass es einfache (Rechts)Mittel im Vorfeld, aber auch in der akuten Situation gibt, um das so schützenswerte Gut der persönlichen Freiheit wahren zu können. Ich handle dabei keine ausgefallenen Probleme ab, sondern zeige die Grundlinie auf. Die Darstellung der Problemlösung stützt sich dabei auf die herrschende Lehrmeinung und die Rechtsprechung der letzten Jahre.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die künstliche Ernährung

1.1. Arten der künstlichen Ernährung

1.2. In welchen medizinischen Fällen bedarf es künstlicher Ernährung?

1.3. Geschichte der künstlichen Ernährung

1.4. Kann „künstliche“ Ernährung überhaupt „natürliche“ Ernährung ersetzen?

2. Die Patientenverfügung

2.1. Gibt es gegen künstliche Ernährung auch ein

2.2. Die Vorgeschichte

2.3. Das neue Gesetz

2.4. Ärztliche Missachtung einer Patientenverfügung – ein strafrechtlich relevantes Delikt?

2.5. Können auch „natürliche Essensvorgänge“ mittels Patientenverfügung abgelehnt werden?

2.6. Was tun, wen entgegen der PatV eine PEG-Sonde bereits gelegt worden ist?

2.7. Ist die Patientenverfügung ein erster Schritt in Richtung Euthanasie?

3. „Hilflosigkeit ist ein ernst zu nehmender medizinischer Notfall“ – Kann ein Mensch zum Essen gezwungen werden?

3.1 Wie es die Verfassung sieht

3.2. Wie es das Strafrecht sieht

4. Original steirische Zwangsernährung – Die Praxis

4.1. Künstliche Ernährung in der Geriatrie

4.2. Künstliche Ernährung in der Pädiatrie

4.3. Künstliche Ernährung in der Psychiatrie

5. Einblick in die Zukunft der künstlichen Ernährung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der medizinisch notwendigen künstlichen Ernährung und dem Selbstbestimmungsrecht des Patienten. Ziel ist es, rechtliche Mittel aufzuzeigen, wie Patienten und Angehörige sich gegen zwangsweise Ernährungseingriffe wehren können und welche strafrechtlichen Implikationen sich daraus ergeben.

  • Rechtliche Grundlagen der Patientenverfügung und ihre Verbindlichkeit
  • Strafrechtliche Aspekte der eigenmächtigen Heilbehandlung
  • Praxis der künstlichen Ernährung in Geriatrie, Pädiatrie und Psychiatrie
  • Problematik der Ernährungssonden (z.B. PEG-Sonde) in der Langzeitpflege
  • Schutz der persönlichen Freiheit gegenüber medizinischen Maßnahmen

Auszug aus dem Buch

1.4. Kann „künstliche“ Ernährung überhaupt „natürliche“ Ernährung ersetzen?

Im Jahr 1994 untersuchte ein amerikanisches Ärzteteam in einer Langzeitpflegeeinrichtung ein knappes Jahr lang bei 32 zumeist tumorkranken Patienten mit einer Lebenserwartung von weniger als drei Monaten, inwiefern Hunger und Durst unter Verzicht auf künstliche Nahrungszufuhr in eine für die Patienten akzeptable Art und Weise zu lindern waren. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass mehr als zwei Drittel der Patienten nie Durst und Hunger verspürten, während ein Drittel nur zu Anfang unter Hungergefühlen litt. Entscheidend war der Befund, dass sich bei ausnahmslos allen Patienten die Symptome Hunger und Durst als auch das starke Gefühl eines trockenen Mundes auf natürlichem Wege, daher durch das Zuführen von Eisstückchen oder der Befeuchtung des Mundraumes, beseitigen haben lassen.

1997 wurde im US-Amerikanischen Bundesstaat Washington in einer Pflegeeinrichtung an 1386 Patienten eine Studie durchgeführt, die die Überlebenszeiten von Patienten mit schwerer Demenz untersuchte, welche entweder über eine Ernährungssonde oder, im Gegensatz dazu, auf natürlichem Wege ernährt wurden. Man staunte sehr, dass sich die Überlebenszeiten beider Gruppen nicht unterschieden. Zu gleichen Ergebnissen führten übrigens entsprechende Untersuchungen in Italien, durchgeführt an AIDS- und Tumorpatienten im Endstadium. Als sehr wichtig für die Lebenserhaltung erwies sich eben nicht das Quantum zugeführter Flüssigkeit, Kalorien und anderer Nährstoffe, sondern gleichsam die "Todeskrankheit" selbst.

1988 wurde an geriatrischen Patienten eine Untersuchung durchgeführt, welche über einen Zeitraum von elf Monaten bei 70 Patienten die Risiken und Komplikationen der Sondenernährung erfasste. Die Untersuchungsverantwortlichen erkannten, dass die Ernährung über eine Sonde sehr riskant wäre und zumeist mit unerwünschten Nebenwirkungen, wie beispielweise schweren Unruhezuständen, einhergehe.; außerdem hatte in mehr als der Hälfte der Fälle die Selbstentfernung der Sonde durch die Patienten zur Folge. Bei knapp der Hälfte der Kranken trat schlussendlich eine Lungenentzündung auf, verursacht durch Sondennahrung, welche vom Magen aus in die Luftröhre zurückgeflossen war.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die künstliche Ernährung: Einführung in die medizinischen Grundlagen der künstlichen Ernährung, deren Geschichte und die wissenschaftliche Bewertung ihrer Wirksamkeit im Vergleich zur natürlichen Nahrungsaufnahme.

2. Die Patientenverfügung: Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Patientenverfügungen in Österreich sowie der strafrechtlichen Konsequenzen bei deren Missachtung durch medizinisches Personal.

3. „Hilflosigkeit ist ein ernst zu nehmender medizinischer Notfall“ – Kann ein Mensch zum Essen gezwungen werden?: Erörterung der verfassungs- und strafrechtlichen Grenzen der Fremdbestimmung bei medizinischen Maßnahmen, insbesondere bei liegenden Sonden.

4. Original steirische Zwangsernährung – Die Praxis: Empirische Untersuchung der Umsetzung künstlicher Ernährung in geriatrischen, pädiatrischen und psychiatrischen Einrichtungen in Graz.

5. Einblick in die Zukunft der künstlichen Ernährung: Diskussion über notwendige Verbesserungen, wie eine zentrale Registrierung von Patientenverfügungen und eine stärkere Kontrolle von Pflegeeinrichtungen.

Schlüsselwörter

Künstliche Ernährung, Patientenverfügung, Strafrecht, PEG-Sonde, Selbstbestimmungsrecht, Sterbehilfe, Zwangsernährung, Geriatrie, Pädiatrie, Psychiatrie, Patientenrechte, Heilbehandlung, Medizinrecht, Pflege, Patientenautonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der rechtlichen und ethischen Zulässigkeit künstlicher Ernährung als Zwangsmaßnahme und untersucht, wie Patienten durch Instrumente wie die Patientenverfügung ihr Selbstbestimmungsrecht wahren können.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die Themen umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen, die strafrechtlichen Risiken für medizinisches Personal, die klinische Praxis in verschiedenen Fachbereichen und die Rolle der Patientenverfügung als Schutzinstrument.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, Lücken in der Aufklärung über Patientenrechte zu schließen und aufzuzeigen, wie künstliche Ernährung trotz rechtlicher Vorgaben oft als "Sparmaßnahme" eingesetzt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der herrschenden Lehrmeinung, der aktuellen Rechtsprechung sowie auf persönliche Experteninterviews im Raum Graz.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird detailliert auf die Patientenverfügung, die rechtlichen Konsequenzen bei Missachtung durch Ärzte sowie die gelebte Praxis in Pflegeheimen und psychiatrischen Kliniken eingegangen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Künstliche Ernährung, Patientenverfügung, Strafrecht, PEG-Sonde, Selbstbestimmungsrecht und Patientenrechte.

Wie gehen psychiatrische Einrichtungen mit Patientenverfügungen um?

Die Recherchen ergaben, dass in den untersuchten psychiatrischen Kliniken kaum Erfahrungen mit Patientenverfügungen bestehen, da diese dort oft nicht als Instrument zur Ablehnung von Behandlungen während einer Unterbringung gesehen werden.

Ist der Einsatz einer PEG-Sonde bei Magersucht rechtlich unbedenklich?

Der Einsatz einer PEG-Sonde stellt einen schwerwiegenden Eingriff dar, der bei einsichtsfähigen Patienten eine rechtswirksame Einwilligung erfordert; bei Minderjährigen ist die juristische Komplexität durch die Einbindung von Obsorgeberechtigten deutlich höher.

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Details

Title
Künstliche Ernährung. Eine moderne Zwangsmaßnahme?
Subtitle
Zwischen medizinischem Segen und strafbarem Delikt
Course
Diplomarbeit
Grade
1
Author
Tamara Bachler (Author)
Publication Year
2010
Pages
59
Catalog Number
V335365
ISBN (eBook)
9783668261440
ISBN (Book)
9783668261457
Language
German
Tags
Künstliche Ernährung Zwangsernährung Geriatrie Periatrie Psychiatrie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tamara Bachler (Author), 2010, Künstliche Ernährung. Eine moderne Zwangsmaßnahme?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335365
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