Der Herrschaftsbegriff Max Webers. Anwendungsmöglichkeiten der drei "Typen legitimer Herrschaft" in der empirischen Realität


Essay, 2016
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Hauptteil

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dem vorliegenden Essay soll sich mit der Frage auseinandergesetzt werden, inwiefern sich der von Max Weber entwickelte Herrschaftsbegriff, genauer seine "drei reinen Typen legitimer Herrschaft", die er im Rahmen seiner Herrschaftstheorie benennt, auf die empirischen Wirklichkeit abbilden lässt. Zur besseren Veranschaulichung soll dazu der Films "300" von Zack Snyder aus dem Jahr 2007, herangezogen werden. Ob theoretische Einzelheiten aus Werken großer Soziologen des vergangenen Jahrhunderts, zu denen man Max Weber sicherlich zählen kann, auf aktuelle oder vergangene reale historische Sachverhalte anwendbar sind, ist ein viel diskutiertes Thema. Im Laufe dieser Arbeit soll dazu ein kleiner Beitrag geleistet werden.

Im ersten Teil der Ausführungen sollen dabei die wichtigsten Aspekte der von Weber entwickelten Herrschaftstheorie wiedergegeben werden. Dabei werden zunächst die Grundsätze und wichtigsten Inhalte seiner Herrschaftssoziologie diskutiert, bevor auf seine Typisierung der Herrschaft in rationale, traditionale und charismatische Herrschaft, behandelt wird.

Aufbauend auf diesen theoretischen Grundlagen, wird im zweiten Teil auf argumentative Weise versucht, einige Aspekten von Webers Herrschaftstheorie auf konkrete Szenen des Films "300" zu beziehen. Es soll so versucht werden zu zeigen, inwieweit, bezüglich der erwähnten Thematik, eine Anwendung von soziologischen Theorien auf reale historische Ereignisse möglich und sinnvoll sein kann.

Hauptteil

"Herrschaft soll, definitionsgemäß(Kap. I, § 16) die Chance heißen, für spezifische(oder: für alle) Befehle bei einer angebbaren Gruppe von Menschen Gehorsam zu finden."(Weber 1922, S.122)

So definiert Weber ganz allgemein den Begriff der "Herrschaft". Für ihn ist demnach ein Herrschaftsverhältnis in erster Linie ein Machtverhältnis, indem der Wille mittels Befehl durchgesetzt wird.

Herrschaft beruht zudem auf unterschiedlichen Motiven, ein Minimum an Gehorchen wollen, also ein Interesse am Gehorchen muss aber immer vorhanden sein(vgl. Bayer und Mordt 2008, S. 96; vgl. Kaesler 2011, S.111).

Des weiteren betont Weber, dass das Phänomen der Herrschaft neben den befehlenden Personen auch einen "Verwaltungsstab" benötigt, der die Aufgabe hat, den Herrscher in der Ausführung der Herrschaft über die Beherrschten zu unterstützen(vgl. Bayer und Mordt 2008, S.96). Dieser Verwaltungsstab kann an den Gehorsam gegenüber dem Herrschenden durch verschiedene Motive gebunden sein. Weber (1922, S.122) nennt in diesem Zusammenhang das materielle, affektuelle, sowie wertrationale Interesse der Beherrschten bzw. des Verwaltungsstabs, durch die der Fortbestand einer Herrschaft gewährleistet werden kann. Unmittelbar im Anschluss an diese Feststellung betont er jedoch sehr deutlich, dass kein Motiv, wenn es als Reinform vorkommt, eine verlässliche Grundlage einer Herrschaft darstellen kann, stellt er doch klar, dass "eine Herrschaft, welche nur auf solchen Grundlagen ruhte,(...) aber relativ labil" wäre(vgl. Bayer und Mordt, S. 98). Eine verlässliche Grundlage stellt vielmehr der Legitimitätsglaube dar, weshalb jede Herrschaft versuche, als zentrales Motiv den Glauben an ihre Legitimität zu finden sowie zu festigen (vgl. Weber 1922, S. 122).

Anknüpfend daran, ist sowohl der Typus des Gehorchens, als auch der Charakter der Ausführung der Herrschaft verschieden, je nachdem welche Art der beanspruchten Legitimität vorliegt. Die Arten der Herrschaft, sind also zu unterscheiden nach dem ihnen typischen Legitimitätsanspruch.(vgl. Kaesler 2011, S.111)

Als erste dieser idealtypischen Formen legitimer Herrschaft, nennt Weber den rational/legalen Herrschaftstyp. Bei diesem kommt es vor Allem auf formal korrekte Prozeduren, nach denen Recht geschaffen oder geändert werden kann, an. Die Legitimitätsgeltung liegt hier primär auf dem Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen und des Anweisungsrechts der durch die zur Ausübung des Herrschaft Berufenen(vgl. Bayer und Mordt 2008, S. 98; vgl. Kaesler 2011, S.112). Dementsprechend wird einer gesatzten Regel, die angibt, wem, in welchem Bereich und in welcher Hinsicht zu gehorchen ist, nicht etwa einer Person an sich, der Gehorsam versprochen. Diesen gesatzten Regeln sind in Folge dessen, sowohl die Gehorchenden(bei Weber hier auch "Genossen" oder "Bürger"), als auch die Befehlenden(auch "legaler Herr" oder "Vorgesetzte") selber, verpflichtet Folge zu leisten(vgl. Bayer und Mordt, S. 98f.; vgl. Weber 1922, S. 125). Der Verwaltungsstab besteht hier aus "Beamten", die nach rationalen Regeln, streng formalistisch sowie frei von Willkür und Unberechenbarkeit handeln(Bayer und Mordt 2008, S.98f.). Für Weber ist diese Form der Herrschaftsausübung, also die rein bürokratische, aktenmäßige Verwaltung, die "formal rationalste Form der Herrschaftsausübung" (vgl. Bayer und Mordt 2008, S.98f.).

Als zweite Form legitimer Herrschaft spezifiziert Weber den traditionalen Herrschaftstypus, der auf dem Glauben an die Heiligkeit von jeher geltender Traditionen und der Legitimität der durch sie zu Autorität berufenen Personen beruht(vgl. Kaesler 2011, S. 112). In dieser Form der Herrschaft wird im Gegensatz zur rationalen, dem durch die Tradition eingesetzten Herrscher bzw. den von diesem eingesetzten Personen, und eben nicht festgelegten Satzungen, gehorcht(vgl. Bayer und Mordt, S. 100). Legitimität kann hier, ebenfalls durch die Tradition, auf zwei verschiedene Weisen hergestellt werden. Entweder ist durch die Tradition selber inhaltlich festgelegt wie die Herrschaft auszuüben ist, wodurch der Herrscher selber auch an die "Regeln" der Tradition gebunden ist und diesen Folge leisten muss. Andererseits gibt es aber auch Bereiche, in denen die Tradition legitimiert, dass der Herrscher nach persönlichen Belieben und nach freier Willkür seine Herrschaft ausüben kann(vgl. Bayer und Mordt, S. 100). Weitere Unterschiede zum legalen Herrschaftstyp ergeben sich dadurch, dass der Herrschende hier nicht "Vorgesetzter", sondern persönlicher Herr ist, der Verwaltungsstab aus "Dienern", anstelle von "Beamten" besteht und die Gehorchenden als "Untertanen" und nicht als "Bürger" bezeichnet werden(vgl. Weber 1922, S. 125).

Als den dritten Typ legitimer Herrschaft beschreibt Weber die charismatische Herrschaftsform. Die Quelle der Legitimität liegt hier in "der außeralltäglichen Hingabe an die Heiligkeit, oder die Heldenkraft oder die Vorbildlichkeit einer Person und der durch sie offenbarten und geschaffenen Ordnungen."(vgl. Kaesler 2011, S.112). Der charismatische Herrscher spiegelt sich häufig in Personen von Propheten, Kriegshelden oder Demagogen wider und als zentrales Merkmal solcher charismatischer Qualitäten stellt Weber ihre, Außeralltäglichkeit, d.h. das Abheben von alltäglichen Begebenheiten, heraus. Gehorcht wird in dieser Herrschaftsform dem Herrscher persönlich, solange er den Beherrschten sein Charisma unter Beweis stellen kann(vgl. Bayer und Mordt 2008, S. 102f.). Der Herrschaftsverband nimmt hier die Form einer Gemeinde bzw. einer Gefolgschaft an, die Gehorchenden lassen sich als "Jünger" und der Herrscher häufig als "Führer" bezeichnen(vgl. Weber 1922, S. 141). Der Verwaltungsstab wird nicht nach Fachqualifikation(rationale Herrschaft) oder nach persönlichen Abhängigkeiten oder Standeszugehörigkeiten(traditionale Herrschaft) ausgewählt, sondern nach Kriterien des Charismas bzw. der persönlichen Hingabe. Somit definieren sich Legitimation und die Kompetenz der Verwaltungsangehörigen über die Sendung des Herrschenden bzw. ihre persönliche charismatische Ausstrahlung(vgl. Bayer und Mordt, S. 102). Die Verwaltungsausübung unterliegt dementsprechend keinerlei Regeln, sondern die Entscheidungen werden einzelfallspezifisch und häufig orientiert an Eingebungen oder Offenbarungen getroffen.

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Details

Titel
Der Herrschaftsbegriff Max Webers. Anwendungsmöglichkeiten der drei "Typen legitimer Herrschaft" in der empirischen Realität
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Sozialwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V335372
ISBN (eBook)
9783668252769
ISBN (Buch)
9783668252776
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Max Weber, Herrschaftssoziologie, drei Typen legitimer Herrschaft
Arbeit zitieren
Franziska Sternberg (Autor), 2016, Der Herrschaftsbegriff Max Webers. Anwendungsmöglichkeiten der drei "Typen legitimer Herrschaft" in der empirischen Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335372

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