Es gibt Lernende, die das Interesse an einem Studium in Wien oder in Basel haben. Oder es gibt solche, die die deutsche Sprache lernen, damit sie in Österreich oder in der Schweiz leben oder arbeiten könnten. Das heißt, man sollte deshalb von der Vorstellung Abschied nehmen, dass es nur Themen aus Deutschland in den DaF-Lehrwerken geben sollte.
Deshalb ist der Schwerpunkt dieser Arbeit die Frage, was man unter dem DACH(L)-Konzept im DaF-Unterricht versteht beziehungsweise welche Rolle das DACH(L)-Konzept im DaF-Unterricht spielt.
Aus dieser Frage ergibt sich die zweite wichtige Frage, die untersucht wird: Ist das DACH(L)-Konzept in den aktuellen DaF-Lehrwerken für Erwachsene vetreten?
Das Ziel der Arbeit ist, einen Überblik über diesen landeskundlichen Ansatz, der als wichtiger Ansatz im DaF-Unterricht betrachtet werden sollte, zu geben. D.h., aufgrund der Fragestellung bzw. der Problematik gliedert sich die Arbeit in zwei Teile:
1. Theoretische Grundlagen (Die ABCD-Thesen zur Rolle der Landeskunde im Deutschunterricht und das DACH(L)-Konzept im Deutschunterricht werden diskutiert.)
2. Die Überprüfung der Vetretung des DACH(L)-Konzepts in den aktuellen DaF-Lehrwerken für Erwachsene. Es werden drei aktuelle DaF-Lehrwerke analysiert und dabei wird untersucht, ob das Lehrwerk dem DACH(L)-Konzept entspricht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Die ABCD – Thesen zur Rolle der Landeskunde
2.2 Das DACH(L)-Konzept
3. Kriterien für die Analyse des DACH(L)-Konzepts und die Analyse des DACH(L)-Konzepts in den Lehrwerken
3.1 Auswahl der Lehrwerke
3.2 Kriterien für die Analyse des DACH(L)-Konzepts
3.3 Analyse des DACH(L)-Konzepts in Studio D B1
3.3.1 Kritik an dem Lehrwerk Studio D B1
3.3.2 Methodisch-didaktische Lösungen und Empehlungen
3.4 Analyse des DACH(L)-Konzepts in Ziel B2/1 und B2/2
3.4.1 Kritik an dem Lehrwerk Ziel B2/1 und B2/2
3.4.2 Methodisch-didaktische Lösungen und Empehlungen
3.5 Analyse des DACH(L)-Konzepts in Mittelpunkt C1
3.5.1 Kritik an dem Lehrwerk Mittelpunkt C1
3.5.2 Methodisch-didaktische Lösungen und Empehlungen
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des landeskundlichen DACH(L)-Konzepts im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht (DaF). Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, inwiefern aktuelle DaF-Lehrwerke für Erwachsene diesem Konzept gerecht werden, welches die Anerkennung des gesamten deutschsprachigen Raumes (Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein) fordert, statt sich lediglich auf Deutschland zu fokussieren.
- Grundlagen des DACH(L)-Konzepts und der ABCD-Thesen
- Kriterienkatalog zur Analyse von DaF-Lehrwerken
- Empirische Untersuchung der Lehrwerke Studio D B1, Ziel B2/1 & B2/2 und Mittelpunkt C1
- Kritische Reflexion der landeskundlichen Darstellung in aktuellen Lehrbüchern
- Entwicklung methodisch-didaktischer Lösungsansätze für Lehrende
Auszug aus dem Buch
2.1 Die ABCD –Thesen zur Rolle der Landeskunde
Im Oktober 1988 trafen sich je drei Vertreter der Deutschlehrerverbände aus den damaligen vier deutschsprachigen Staaten: Österreich ( A ), BRD ( B ), die Schweiz ( C ) und DDR ( D ) auf Einladung der Fachgruppe Deutsch als Fremdsprache des Fachverbandes Moderne Sprachen und des Goethe Instituts. Das Ziel dieses Treffens war die Diskussion über die Landeskunde und damit wurde ein grundsätzlicher Neuanfang in der Landeskundedidaktik eingesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt bezogen sich landeskundliche Inhalte fast ausschliesslich entweder auf die BRD oder auf die DDR. Österreich und die Schweiz wurden kaum, und wenn, dann klischeehaft verzerrt oder in touristischem Kontext berücksichtigt. Das war ein Grund für die Entstehung der 22 ABCD – Thesen zur Rolle der Landeskunde im Deutschunterricht. Gemäß diesen Thesen ( und auch im später daraus entstandenen DACH(L)-Konzept) ist die Landeskunde als kein eigenes Fach bezeichnet, sondern kulturelle Information, Sensibilisierung für Fremdes und Sprachvermittlung sollen kombiniert werden. Das steht zum Beispiel im Gegensatz zu einer rein faktischen Landeskunde, die sich auf Institutionen, Staaten und hohe Kultur beschränkte, in der Regel von der restlichen Sprachvermittlung abgekoppelt war (z.B. als nicht in den Rest der Lektion eingebetteter Lesetext am Ende) und zudem einen relativ starken Vollständigkeits und Objektivitätsanspruch hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Notwendigkeit des DACH(L)-Konzepts im DaF-Unterricht, um den Lernenden einen ganzheitlichen Blick auf den deutschsprachigen Raum zu ermöglichen und Deutschland als einziges Referenzland abzulösen.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der ABCD-Thesen von 1988 und definiert das daraus resultierende DACH(L)-Konzept, das die Vielfalt der deutschsprachigen Staaten betont.
3. Kriterien für die Analyse des DACH(L)-Konzepts und die Analyse des DACH(L)-Konzepts in den Lehrwerken: Hier werden die methodischen Kriterien zur Evaluation der Lehrwerke festgelegt und die drei ausgewählten Lehrwerke (Studio D, Ziel, Mittelpunkt) einer detaillierten Prüfung auf ihre Umsetzung des DACH(L)-Ansatzes unterzogen.
4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die analysierten Lehrwerke das DACH(L)-Konzept nur unzureichend umsetzen, und appelliert an die Lehrkräfte, durch ergänzende authentische Materialien und eigene interkulturelle Erfahrungen den landeskundlichen Unterricht zu bereichern.
Schlüsselwörter
DaF-Unterricht, DACH(L)-Konzept, Landeskunde, Lehrwerkanalyse, ABCD-Thesen, Deutsch als Fremdsprache, Interkulturelles Lernen, Varietäten, Authentisches Material, Didaktik, Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Sprachvermittlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle des landeskundlichen DACH(L)-Konzepts im DaF-Unterricht und wie dieses in zeitgenössischen Lehrwerken für Erwachsene integriert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit landeskundlicher Didaktik, der kritischen Analyse von Lehrbuchinhalten und der Notwendigkeit, über das Deutschlandbild hinaus den gesamten deutschsprachigen Raum zu repräsentieren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob aktuelle DaF-Lehrwerke den Anspruch des DACH(L)-Konzepts erfüllen, die Vielfalt von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Lehrwerkanalyse auf Basis der ABCD-Thesen durchgeführt, bei der ein spezifischer Kriterienkatalog auf drei exemplarische Lehrwerke angewandt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die praktische Analyse der drei Lehrwerke sowie die Entwicklung von methodisch-didaktischen Empfehlungen für Lehrende.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie DACH(L)-Konzept, Landeskunde, Interkulturelles Lernen und Lehrwerkanalyse beschreiben.
Warum wird Liechtenstein in Klammern (L) im Konzept geführt?
In der Forschung ist bis heute umstritten, inwiefern landeskundliche Inhalte aus Minderheitsregionen wie Liechtenstein oder Luxemburg explizit in den Unterricht integriert werden sollten.
Welche Rolle spielt die Visualisierung von Landeskunde?
Der Autor argumentiert, dass der Einsatz von authentischen Bildern und Videos essenziell ist, um Lernenden einen emotionalen Zugang zu verschaffen und stereotype Vorstellungen aufzubrechen.
Welche konkreten Lösungen werden für Lehrkräfte vorgeschlagen?
Es wird empfohlen, sich nicht ausschließlich auf das Lehrbuch zu stützen, sondern selbstständig authentische Materialien wie Zeitungsartikel, Lieder und Filme aus den jeweiligen Regionen in den Unterricht einzubauen.
Ist ein Lehrwerk nach der Analyse des Autors als DACH(L)-konform einzustufen?
Nein, die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass keines der analysierten Lehrwerke das Konzept vollständig umsetzt, da sie meist einen starken Fokus auf Deutschland aufweisen.
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- Dimitar Shutevski (Author), 2016, Deutsch als Fremdsprache mit dem DACH(L)-Konzept. Einsatz im DaF-Unterricht und in Lehrwerken für Erwachsene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335381