Inwiefern stehen der Sprachverlust und die Sprachmacht in Hugo von Hofmannsthals "Elektra" für die Hysterie? Vor allem an den Frauenfiguren werden diese Aspekte deutlich. Ein Überblick über die Wiener Moderne gilt als Einleitung für das Hysterieverständnis und für die Sprachskepsis um die Jahrhundertwende. Der Begriff der Hysterie soll erläutert werden und Bezüge zu Freud und Breuers "Studien über Hysterie" hergestellt werden.
Im Hauptteil geht es darum, das Drama "Elektra" auf hysterische Symptome im Zusammenhang mit dem Gebrauch der Sprache der Protagonistinnen hin zu analysieren. Vor allem der Sprachverlust als auch die Sprachmacht der weiblichen Figuren spielen hierbei eine wichtige Rolle. Zudem sind die Reaktionen des Körpers von Bedeutung. Körperstarre, Körpersprache und Tanz sind wichtige Elemente, die ebenfalls untersucht werden sollen. Am Schluss sollen die wichtigsten Ergebnisse noch einmal zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung
2. Einleitung: Hofmannsthal und die Hysterie in der Wiener Moderne
3. Hysterie
3.1 Begriffserklärung
3.2 Einfluss aus Breuer und Freuds Studien über Hysterie
4. Hauptteil: Elektra
4.1 Sprache und Hysterie
4.2 Sprachmacht, Sprachverlust, Identitätsverlust
4.3 Die Bedeutung des Tanzes
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Sprachverlust und Sprachmacht in Hugo von Hofmannsthals Drama Elektra als Ausdruck hysterischer Symptome und einer Identitätskrise im Kontext der Wiener Moderne zu verstehen sind.
- Analyse hysterischer Phänomene im Fin-de-siècle
- Einfluss psychoanalytischer Studien von Freud und Breuer auf das literarische Werk
- Untersuchung der Sprachkrise und ihrer Verbindung zur körperlichen Symptomatik
- Gegenüberstellung von Sprachmacht und Sprachverlust bei den weiblichen Protagonistinnen
- Bedeutung von Körpersprache und Tanz als Ausdrucksmittel
Auszug aus dem Buch
4.2 Sprachmacht, Sprachverlust, Identitätsverlust
Die drei Frauenfiguren Elektra, Chrysothemis und Klytämnestra weisen sehr verschiedene Merkmale der Hysterie und der Sprachkrise auf. Bei allen drei Frauen kommt es zum Identitätsverlust.
Elektra steht für das entsexualisierte, todbringende und aggressive Bild des Weiblichen, das auch bei Freud zu finden ist. Sie unterdrückt alle ihren weiblichen Charaktereigenschaften und wirkt dabei bedrohlich, stark und entschlossen. Sie zeigt sich währendessen sehr sprachgewaltig, was an ihren langen Reden sichtbar wird. Es sind Reden, die die Klagen ihrer Seele ausdrücken. Dabei geht es meistens um den Tod des Vaters und um die Rachebeschwörung an den Verantwortlichen, Klytämnestra und Aegisth. Es kommt oft zu Selbstgesprächen, in denen sie sich in einer Art Rausch befindet. Hier lässt sie ihren Gefühlen und ihrem Hass gegenüber der Mörder freien Lauf.
Auch am Racheakt selbst nimmt Elektra ausschließlich verbal teil, denn sie ist unfähig selbst zu handeln. Obwohl sie dauernd darüber redet, wie sie sich rächen will, gelingt es ihr nicht, diese Reden in die Tat umzusetzen. Die Dramatik der Figur Elektra besteht darin, etwas genau dort nicht zu können, wo man es am sehnlichsten will. Ihr Sprechen ist wie ein Zwang.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Das Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, die Verbindung zwischen Sprache und Hysterie in Elektra zu untersuchen und den theoretischen Rahmen abzustecken.
2. Einleitung: Hofmannsthal und die Hysterie in der Wiener Moderne: Es wird der kulturelle Kontext der Jahrhundertwende erläutert, in dem Identitätskrisen und Nervenkrankheiten eng mit gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen verknüpft waren.
3. Hysterie: Dieses Kapitel erläutert den medizinischen und historischen Begriff der Hysterie und beleuchtet den prägenden Einfluss der psychoanalytischen Fallstudien von Freud und Breuer.
4. Hauptteil: Elektra: Der Hauptteil analysiert die weiblichen Figuren hinsichtlich ihrer Sprachproblematik und hysterischen Symptome, wobei Sprache, körperliche Starre und Tanz als zentrale Ausdrucksformen identifiziert werden.
5. Schlussfolgerung: Die Arbeit resümiert, dass die Hysterie bei den Figuren maßgeblich zu ihrer Identitätskrise beiträgt und sich sowohl in der Sprachgewalt als auch im Sprachverlust manifestiert.
Schlüsselwörter
Hysterie, Wiener Moderne, Hugo von Hofmannsthal, Elektra, Sprachskepsis, Sprachverlust, Sprachmacht, Identitätskrise, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Josef Breuer, Traumatische Erlebnisse, Körperstarre, Fin-de-siècle, Weibliche Protagonistinnen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen Hysterie, Sprache und Identitätsverlust bei den weiblichen Hauptfiguren in Hofmannsthals Drama Elektra.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Wiener Moderne, die psychoanalytische Theoriebildung um 1900 sowie die dramatische Umsetzung von Sprachskepsis und Körperausdruck.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Elektra als hysterische Heldin fungiert und wie ihre Sprachgewalt und spätere Stummheit ihre Traumatisierung und Rachefantasien widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der Anwendung psychoanalytischer Konzepte (Freud/Breuer) auf das literarische Drama basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert ausgeführt?
Im Hauptteil werden die sprachlichen Merkmale der Figuren Elektra, Chrysothemis und Klytämnestra analysiert und deren körperliche Ausdrucksweisen, wie etwa der Tanz, untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Hysterie, Sprachkrise, Identitätsverlust, Wiener Moderne und psychoanalytische Literaturanalyse sind die Kernbegriffe.
Warum spielt der Begriff der "Sprachmacht" bei der Figur Elektra eine so große Rolle?
Sprachmacht wird bei Elektra als rhetorischer Überschwang analysiert, der jedoch gleichzeitig eine Handlungsunfähigkeit im realen Geschehen maskiert.
Welche Bedeutung hat der Tanz am Ende der Tragödie?
Der Tanz wird als rituelle Form der Ekstase gedeutet, in der Elektra das körperlich ausdrückt, was ihr durch die Sprache verwehrt bleibt, kurz bevor sie erstarrt.
- Citation du texte
- Nadine Weber (Auteur), 2014, Sprachmacht, Sprachverlust und Hysterie in Hugo von Hofmannsthals "Elektra", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335443