Das Cluster-Konzept nach Michael Eugene Porter und neuere Ansätze


Hausarbeit, 2011

19 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Porter’sche Diamant

3 Neue Ansätze der Clustertheorie
3.1 Definition des Clusterbegriffs
3.2 Identifikation von Clustern
3.3 Clusterarten und Clusterdimensionen
3.4 Die Bildung von Clustern
3.4.1 Voraussetzungen
3.4.2 Die Schritte der Clusterbildung

4 Vor- und Nachteile von Clustern

5 Clusterorientierte Wirtschaftsförderung

6 Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Gesamtsystem des Porter’schen Diamanten, Porter 1991, S.151

1 Einleitung

Es besteht die Tendenz den Standort zu Zeiten der Globalisierung als immer unwichtiger werdenden Faktor zu sehen. Unternehmen können von überall Kapital, Waren und Technologien beziehen und ihre Produktionen an jenem Standort platzieren, der ihnen den höchsten Kostenvorteil bietet. Doch dies entspricht nicht der Realität. Erfolgreiche und wettbewerbsfähige Unternehmen sind alles andere als weit verbreitet. Ebenso wenig ist ihr Standort von geringer Bedeutung. Einige Regionen beherbergen weitaus mehr wettbewerbsfähige Unternehmen als andere; dieser Unterschied ist auch bei Regionen zu sehen, die nah beieinander liegen. Seit einiger Zeit findet ein Begriff, der dieses Phänomen zu erklären versucht, immer mehr Beachtung. Sogenannte Cluster, wörtlich übersetzt „Traube“[1] oder „Haufen“[2], scheinen in den Blickpunkt vieler Wirtschaftsmagazine und wirtschaftsgeographischer Autoren gerückt zu sein. Das Schlagwort „industry cluster“ konnte seit 1990 immer öfter in Zeitungsartikeln entdeckt werden. Laut einer Suche von Claas van der Linde in mehreren Fachdatenbanken stieg die Zahl der Artikel über das Phänomen der Cluster von vier Artikeln im Jahre 1990 auf 105 im Jahre 1996 und schließlich auf über 400 Artikel im Jahre 2011. Auch Michael Eugene Porter, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard Business School, beschäftigte sich mit der Clustertheorie und veröffentlichte in diesem Zusammenhang sein Diamanten-Modell. In seinem Werk „Nationale Wettbewerbsvorteile“ (PORTER 1991) stellt er eine Theorie auf, die die höhere Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Unternehmen und die Entstehung von Clustern mit Hilfe des Porter’schen Diamanten zu erklären versucht. Aufbauend auf seinen ersten Veröffentlichungen schrieb er später weitere Artikel, wie einen Beitrag im „Oxford Handbook of economic geography“ (PORTER 2000). Neben Porters Publikationen sollen in dieser Hausarbeit verschiedenste Texte aus Fachzeitschriften, Lehrbüchern und Sammelbänden genutzt werden, um ein Gesamtbild des heutigen Standes der Clustertheorie aufzuzeigen.

Neben Wirtschaftswissenschaftlern und Geographen beschäftigen sich heutzutage immer mehr Politiker mit diesem Thema, da die Clusterförderung zu einer „Schlüsselgröße in der Wirtschaftspolitik“[3] geworden ist (vgl. LINDE 2005). Aus diesem Grund widmet sich das letzte Kapitel dieser Arbeit der clusterorientierten Wirtschaftsförderung.

2 Der Porter’sche Diamant

Als Michael E. Porter seine ersten Schriften zur Clustertheorie veröffentlichte, beschäftigte er sich mit dem Zusammenhang zwischen der Faktorausstattung eines Landes und dessen Wettbewerbsfähigkeit. Dabei stellte er fest, dass es bei Ländern mit gleicher Faktorausstattung zu einer ungleichen globalen Wettbewerbsfähigkeit kommen kann. Daraus schloss Porter, dass einige Branchen auf Grund von Wettbewerbsdruck und guten Bedingungen in ihrem Umfeld Wettbewerbsvorteile erhalten und so auf dem globalen Markt erfolgreich sein können (vgl. BATHELT u. GLÜCKLER 2002, S. 148f.). Die Eigenschaften eines Landes oder Standortes, die die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beeinflussen, stellt er im „Porter’schen Diamanten“[4] dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Das Gesamtsystem des Porter’schen Diamanten

Quelle: PORTER 1991, S.151

Darin werden neben vier verschiedenen Faktoren auch deren Wechselbeziehungen illustriert, die als Ursprung von Prozessen in industriellen Clustern zu sehen sind. (vgl. BATHELT u. GLÜCKLER 2002, S. 149). Die vier Einflussfaktoren, die den nationalen Wettbewerb bestimmen, sind die Faktorbedingungen, die Nachfragebedingungen, die verwandten und unterstützenden Branchen sowie Unternehmensstrategien, Strukturen und Wettbewerb. Bei den Faktorbedingungen handelt es sich um die Qualität und Quantität der Produktionsfaktoren, wie Arbeitskräfte und Infrastruktur (vgl. PORTER 1991, S. 95). Diese müssen produktiv eingesetzt werden, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen. Unter den Nachfragebedingungen kann die Präsenz der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen verstanden werden. Je höher die Nachfrage und die Ansprüche der Abnehmer sind, desto eher kommt es auch zu Investitionen und Innovationen bei den Herstellern. Zudem führen Käuferbedürfnisse zu Spezialisierungen auf Seiten der Unternehmen. Der dritte Faktor wird durch die Existenz von Zulieferbetrieben und verwandten Branchen in regionaler Nähe bestimmt. Durch starke und innovative Unternehmen in der Nachbarschaft erhalten die Firmen Kosten- und Organisationsvorteile, die die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Produktivität steigern (vgl. LINDE 2005, S. 18). Die Rivalität zu anderen lokalen Unternehmen und der daraus resultierende Wettbewerb beeinflussen den vierten Faktor. Dazu werden ebenfalls die Art der Unternehmensführung und der Unternehmensorganisation gezählt (vgl. PORTER 1991, S. 96).

Es ist zu beachten, dass sich die Faktoren gegenseitig verstärken können. Für eine hohe Wettbewerbsfähigkeit und das Bestehen auf dem Markt sollte ein Unternehmen in allen Faktoren Vorteile gegenüber anderen Unternehmen besitzen (vgl. PORTER 1991, S. 96). Der Porter’sche Diamant enthält zwei weitere Einflussfaktoren, die auch in Abb. 1 dargestellt sind. Eine Wirtschaft kann von zufälligen Ereignissen, die Unternehmen wenig beherrschen können, bedeutend beeinflusst werden. Dies beinhaltet unter anderem überraschende Erfindungen, neue Technologien, Kriege und politische Entwicklungen im Ausland. Daneben kann die Faktorausstattung einer Nation durch den Staat positiv oder negativ beeinflusst werden. Dieser kann durch Subventionen sowie Forschungs- und Bildungspolitik auf alle vier Faktoren im Porter’schen Diamant Einfluss ausüben (vgl. BATHELT u. GLÜCKLER 2002, S. 150). Bereits in diesem Modell zeigt Michael E. Porter, wie durch das Zusammenwirken der aufgeführten Faktoren Wettbewerbsvorteile an einem bestimmten Standort entstehen können. Außerdem beleuchtet er, dass Unternehmen keinen Einfluss auf die Faktoren in ihrem Umfeld besitzen und deren Wettbewerbsfähigkeit somit in vielen Fällen von äußeren Umständen abhängig ist. Porter liefert damit eine grundlegende Theorie, die die Entstehung eines Clusters und die darin stattfindenden Prozesse zu erklären versucht.

Kritiker werfen Porter dagegen vor, dass der Porter’sche Diamant unvollständig sei und nicht auf den „evolutionären Prozess“[5] eingehe, in dem Wettbewerbsvorteile entstehen. Zudem beziehe er seine Clustertheorie nur auf die nationale Ebene und gehe nicht auf regionale Cluster ein. Außerdem erläutere er nicht die Zusammenhänge zwischen Clustern und Institutionen, die Bedeutung der Beziehungen zwischen den Unternehmen und den Ablauf der Entwicklung eines Clusters (vgl. BATHELT und GLÜCKLER 2002, S. 150f.).

3 Neue Ansätze der Clustertheorie

In den letzten Jahren erschienen zahlreiche Bücher und Artikel, die Porters Ideen aufgriffen und erweiterten. Auch Michael E. Porter definiert in seinen neueren Publikationen den Clusterbegriff und erläutert den Einfluss der Cluster und des Standortes auf das Verhalten der Unternehmen und den lokalen Wettbewerb. Im Folgenden sollen neben einer genauen Definition, der Entwicklungsprozess sowie die Identifikation eines Clusters dargestellt werden. Ebenso wird auf die Einteilung von Clustern in Clusterarten- und dimensionen eingegangen.

3.1 Definition des Clusterbegriffs

In seinen früheren Publikationen definierte Porter ein Cluster als eine geographische Konzentration vernetzter Unternehmen, Zulieferbetriebe und Dienstleistungsanbietern sowie Institutionen, die nicht nur in einem Wettbewerb zueinander stehen, sondern ebenso in einigen Teilbereichen kooperieren können (vgl. PORTER 2000, S. 253). Unternehmen in einem Cluster zeichnen sich durch eine besondere Qualität der Vernetzung aus und sind so wettbewerbsfähiger (vgl. MOSSIG, S. 51). In einer neueren Definition von Porter wird neben diesen Faktoren ebenfalls die geographische Ausdehnung eines Clusters berücksichtigt:

„A Cluster is a geographically proximate group of interconnected companies and associated institutions in a particular field, linked by commonalities and complementarities. The Geographic scope of a cluster can range from a single city or state to a country or even a group of neighboring countries.”[6]

Ein Cluster kann demnach nicht durch eine Standardausdehnung beschrieben werden; es vermag eine kleine Region, eine Stadt oder mehrere Länder zu umfassen. Seine Grenzen sind dabei nicht eindeutig zu ziehen, denn diese sind meist nicht identisch mit administrativen Grenzen (vgl. HAAS u. NEUMAIR 2007, S. 97). Überdies führt der ständige Entwicklungsprozess eines Clusters, in dem Industrien und Unternehmen wachsen, schrumpfen, neu entstehen oder geschlossen werden, zu dynamischen Grenzen. Diese müssen infolgedessen ständig neu definiert werden (vgl. PORTER 2000, S. 255).

[...]


[1] PLEISTEINER, H. 2006a, S.395

[2] Ebd.

[3] LINDE 2005, S.15

[4] BATHELT u. GLÜCKLER 2002, S.149

[5] Bathelt und Glückler S.150

[6] PORTER 2000, S.254

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Das Cluster-Konzept nach Michael Eugene Porter und neuere Ansätze
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Humangeographie: Wirtschaftsgeographie
Note
1,3
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V335551
ISBN (eBook)
9783668254206
ISBN (Buch)
9783668254213
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Clustertheorie, Porter, Cluster, Clusterorientierte Wirtschaftsförderung, Clusterbildung, Porterscher Diamant
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Das Cluster-Konzept nach Michael Eugene Porter und neuere Ansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335551

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