„Uns ist in alten mæren / wunders vil geseit
von helden lobebæren / von grôzer arebeit,
von fröuden, hôchgezîten, / von weinen und von klagen,
von küener recken strîten / muget ir nu wunder hœren sagen.“ 1
Mit diesen Versen beginnt das Nibelungenlied, das bedeutendste mittelhochdeutsche Heldenepos. Es besteht aus zwei Teilen, wobei im ersten Teil Siegfrieds Tod im Mittelpunkt steht und im zweiten die Rache seiner Gattin Kriemhild. Der genaue Inhalt des Nibelungenliedes wird im ersten Kapitel dieser Arbeit beschrieben. In der deutschen Sage bezeichnen die Nibelungen die Nebelmänner , das sind die Mannen des Nibelung, des dämonischen Besitzers des Nibelungenhortes. Diesen Schatz behütet der mächtige Zwerg Alberich, ein Geist der Finsternis, den Siegried besiegt. Nach der Eroberung des Schatzes wird der Name Nibelungen auf die Burgunder übertragen, nur Siegfried, der Besitzer des Hortes, wird nie „Nibelung“ genannt.
Das Nibelungenlied wurde uns anonym überliefert und entstand wahrscheinlich um 1200, vermutlich im Umkreis des Bischofs Wolfger in Passau an der Donau. Die genaue Entstehungsgeschichte, Angaben über die Handschriften des Nibelungenliedes, sowie Vermutungen über seinen Verfasser finden wir ebenfalls im ersten Kapitel dieser Arbeit. Das Nibelungenlied besteht aus 39 Aventiuren und ist in etwa 2400 Strophen, vier paarweise reimenden Langzeilen, abgefasst.
Das erste Kapitel befasst sich mit dem Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit, dem Nibelungenlied, während das zweite Kapitel den theoretischen Teil behandelt. Das Thema dieser Arbeit lautet „`lîp`- Kollokationen im Mittelhochdeutschen. Empirische Untersuchungen am Nibelungenlied: `Die Methode der satzsemantischen Kollokationsanalyse`“. Daher beginnt das zweite Kapitel zuerst mit einer Einführung in die Valenztheorie, wobei in dem Unterkapitel „Verben und ihre Mitspieler“ unter anderem die Entstehung des Valenzbegriffs oder auch die Bindung der Mitspieler an das Verb erklärt werden soll. Das nächste Unterkapitel behandelt die drei unterschiedlichen Typen von Valenzrahmen, die jeweils mit Beispielen des Nibelungenliedes erläutert werden und unter „Die Binnenstruktur von Valenzrahmen“ finden wir unter anderem Methoden zur Ermittlung des syntaktischen Minimums.
Inhaltsverzeichnis
Einführung ins Thema
Kapitel 1
Das Nibelungenlied
1.1 Inhalt
1.2 Entstehung
1.3 Handschriften
1.4 Autor
Kapitel 2
Theoretischer Teil
2.1 Einführung in die Valenztheorie
2.1.1 Verben und ihre Mitspieler
2.1.2 Typen von Valenzrahmen
2.1.3 Die Binnenstruktur von Valenzrahmen
2.2 Die Methode der satzsemantischen Kollokationsanalyse
2.2.1 Kollokationsauswertung nach Bergenholtz
2.2.2 Satzsemantische Funktionen der Bezugsstellen
2.2.3 Zusätze zum untersuchten Lexem
Kapitel 3
Der Begriff „Lîp“
3.1 Lesarten von „Lîp“
3.2 Untersuchung zu Phraseologismusverdacht
Kapitel 4
Katalog
4.1 Aufbau des Katalogs
4.1.1 Fundort
4.1.2 Mittelhochdeutsche Textstelle
4.1.3 Übersetzung
a) Brackert
b) Genzmer
4.1.4 Linguistische Analyse
a) Attribut
b) Valenz
c) Tiefenkasus
4.1.5 Übersetzung von „lîp“
a) Brackert
b) Genzmer
c) bevorzugte Übersetzung
4.1.6 Kommentar
4.2 Katalog
Fazit
Zielsetzung und Themen
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der „lîp“-Kollokationen im Mittelhochdeutschen unter Anwendung einer empirischen Methode am Nibelungenlied. Dabei wird erforscht, inwiefern sich durch eine satzsemantische Kollokationsanalyse die verschiedenen Lesarten und die zugrunde liegenden semantischen Funktionen des Begriffs „lîp“ präzise erfassen lassen.
- Valenztheoretische Grundlagen zur Analyse von Verben und ihren Mitspielern.
- Einsatz und kritische Evaluation der satzsemantischen Kollokationsanalyse nach Bergenholtz und Louis–Nouvertné.
- Ermittlung spezifischer Lesarten von „lîp“ im Kontext der Personenreferenz und Lebensbeschreibung.
- Untersuchung von Phraseologismusverdachtsfällen bei festen Wortverbindungen im Nibelungenlied.
- Aufbau eines systematischen Katalogs zur linguistischen Analyse der Textstellen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Inhalt
Das Nibelungenlied besteht aus 39 Aventiuren und ist in zwei Teile gegliedert. Die Aventiuren 1 bis 19 erzählen die Geschichte von Siegfried und Kriemhild, die Aventurien 20 bis 39 berichten von Kriemhilds Rache an den Nibelungen.
Die Handlung des Nibelungenliedes erstreckt sich über einen Zeitraum von ungefähr 40 Jahren, von denen höchstens einige Wochen wirklich erzählt und mit Handlung erfüllt sind, die übrige Zeit ist in der Darstellung ausgespart. Das Epos beginnt mit der Vorstellung der Burgundin Kriemhild, Tochter Utes und Schwester der Burgunderkönige Gunther, Gernot und Giselher, mit denen sie in Worms lebt. Hagen von Tronje, sein Bruder Dankwart, Ortwin von Metz, Gere, Eckewart, Volker von Alzey, Rumold, Sindold und Hunold sind die Gefährten der drei Könige. Kriemhild hat einen Traum, in welchem zwei Adler einen von ihr abgerichteten Falken zerreißen. Ihre Mutter deutet den Traum auf einen geliebten Mann, dem früher Tod droht, Kriemhild jedoch weist jeden Gedanken an Liebe von sich.
Siegfried ist der Sohn von Sieglinde und König Sigmund und wuchs in Xanten am Niederrhein auf. Seine Eltern erzogen ihn sorgfältig zum vorbildlichen Ritter. Seine Schwertleihe wird durch ein großes Fest gefeiert. Als er von der Schönheit Kriemhilds erfährt, fasst er den Entschluss, um sie zu werben. So zieht er nach Worms, wo er Gunther zum Zweikampf um Land und Herrschaft herausfordert, sich aber noch einmal besänftigen lässt. Er wird danach als Gast am Hof willkommen geheißen. Siegfried lebt daraufhin einige Zeit in der Hoffnung bei den Burgundern, eines Tages um Kriemhilds Hand anhalten zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung ins Thema: Überblick über das Nibelungenlied als Heldenepos und Vorstellung der Fragestellung zur „lîp“-Kollokation.
Kapitel 1: Deskription des Nibelungenliedes, seiner Entstehung, Überlieferungsgeschichte und der Bedeutung des anonymen Verfassers.
Kapitel 2: Theoretische Fundierung der Valenztheorie und Erläuterung der angewandten Methode der satzsemantischen Kollokationsanalyse.
Kapitel 3: Analyse der verschiedenen Lesarten von „lîp“ und Prüfung auf phraseologische Strukturen innerhalb des Textes.
Kapitel 4: Detaillierter Katalog der untersuchten Textstellen inklusive linguistischer Analysen und Übersetzungsvergleichen.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Mittelhochdeutsch, lîp, Valenztheorie, Kollokationsanalyse, Satzsemantik, Phraseologie, Heldenepos, Linguistische Analyse, Textstellen, Etzel, Kriemhild, Siegfried, Tiefenkasus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung und Bedeutung des Begriffs „lîp“ im Nibelungenlied durch eine empirische linguistische Analyse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Valenztheorie, die phraseologische Untersuchung von Wortverbindungen und die semantische Erschließung des Begriffs „lîp“ im Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die systematische Erfassung der verschiedenen Lesarten von „lîp“ anhand von Textbelegen und Übersetzungsvarianten zu demonstrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine satzsemantische Kollokationsanalyse unter Einbeziehung von Valenzmodellen und einer Einordnung in Tiefenkasusklassen genutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Analyse der Begriffslesarten und einen umfangreichen Katalog mit Einzelanalysen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kollokationsanalyse, Valenztheorie, Mittelhochdeutsch, Nibelungenlied und Phraseologie charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von „lîp“ im Mittelalter zum modernen Sprachgebrauch?
Während „lîp“ im Mittelhochdeutschen eine ganzheitliche Verbindung von Leib, Seele und Leben beschreibt, ist dieser Begriff im modernen Deutsch semantisch enger auf den körperlichen Aspekt begrenzt.
Warum spielt der Reimzwang eine Rolle in der Analyse?
Bei Übersetzungen wie denen von Genzmer wird deutlich, dass sprachliche Entscheidungen oft durch das Reimschema des Originals beeinflusst wurden, was die Wahl bestimmter Lesarten für „lîp“ erklärt.
- Citar trabajo
- Christina Meiser (Autor), 2004, `lîp`- Kollokationen im Mittelhochdeutschen - Empirische Untersuchungen am Nibelungenlied: `Die Methode der satzsemantischen Kollokationsanalyse`, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33556