Das Projekt der Arbeit ist die Erstellung eines E-Learning-Moduls nach didaktischen Prinzipien der Lerntheorie des Konstruktivismus und der Bildung für nachhaltige Entwicklung an der thematischen Schnittstelle Stadt und Nachhaltigkeit. Das Modul soll einerseits den Erwerb von Gestaltungskompetenz im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und andererseits von Fachwissen zum Thema Nachhaltigkeit ermöglichen. Es wird in englischer Sprache erstellt, da es, im Falle seiner Realisierung, von internationalen Studenten genutzt werden wird.
Zum Zwecke der theoretischen Fundierung und Einordnung des Projekts werden in Kapitel 2 die Grundsätze der konstruktivistischen Lerntheorie erarbeitet. Die zentrale Frage lautet dabei "wie funktioniert Lernen?" Aus den aufgezeigten Prinzipien der konstruktivistischen Lerntheorie werden Schlussfolgerungen für das didaktische Design des Moduls gezogen.
Eine Einführung in die Lernform des E-Learning und die genutzte E-Learning-Plattform Moodle bietet Kapitel 3. Der Begriff des E-Learning wird geklärt. Die historische Entwicklung von E-Learning wird in knapper Form skizziert und die Relevanz des Web 2.0 für die Lernform verdeutlicht. Vor- und Nachteile sowie Potentiale von E-Learning werden mit der Zielsetzung analysiert, einen didaktischen Mehrwert durch die Nutzung dieser Lernform zu realisieren.
In Kapitel 4 wird präzisiert, was in der vorliegenden Arbeit unter Nachhaltigkeit und nachhaltiger Entwicklung verstanden wird. Die Entstehung und Konkretisierung der Idee der Nachhaltigkeit wird summarisch skizziert. Es wird auf unterschiedliche Konzepte der Nachhaltigkeit, insbesondere das der starken Nachhaltigkeit von Döring und Ott, eingegangen.
Anschließend wird im fünften Kapitel das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung näher beleuchtet. Nach einem kurzen historischen Abriss wird das Verhältnis der BNE zur Umweltbildung geklärt. Der Kompetenzbegriff und das Prinzip der Gestaltungskompetenz werden dargelegt. Kritik am Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung wird im letzten Unterkapitel diskutiert.
Die Verknüpfung von E-Learning und Bildung für nachhaltige Entwicklung bietet einige vielversprechende Anknüpfungspunkte, die im Kapitel 6 besprochen werden. Es wird konkret auf den Kompetenzerwerb im Sinne der BNE durch E-Learning eingegangen. Themen und Inhalte sowie Lernmethoden und Organisation des Lernarrangements werden konkretisiert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die konstruktivistische Lerntheorie
2.1 Wie funktioniert Lernen?
2.2 Die konstruktivistische Perspektive
2.3 Konstruktivistische Lerntheorie und didaktisches Design
3 E-Learning gestern und heute
3.1 Gestern: Von Leserädern und Teaching Machines
3.2 Heute (oder doch erst morgen?): "E-Learning 2.0"
3.3 Zum Begriff des E-Learning
3.4 Potentiale von E-Learning
3.5 Die Lernplattform Moodle
4 Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung
4.1 Präzisierung des Leitbilds der Nachhaltigkeit
4.2 Theoretische Modelle: schwache und starke Nachhaltigkeit
5 Bildung für nachhaltige Entwicklung
5.1 Entwicklung der Bildung für nachhaltige Entwicklung
5.2 Das Verhältnis der BNE zur Umweltbildung
5.3 Der Kompetenzbegriff
5.4 Schlüsselkompetenzen und Gestaltungskompetenz
5.5 Kritik an der Bildung für nachhaltige Entwicklung
6 Das E-Learning-Modul
6.1 BNE mit E-Learning
6.2 Themen und Inhalte
6.3 Lernmethoden und Organisation des Lernarrangements
7 Evaluation des E-Learning-Moduls
8 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines E-Learning-Moduls an der Schnittstelle von Stadt und Nachhaltigkeit, basierend auf konstruktivistischen Lerntheorien und den Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), um Gestaltungskompetenz zu fördern.
- Konstruktivistische Lerntheorie als didaktische Grundlage
- Entwicklung und Potentiale von E-Learning im Kontext von Web 2.0
- Theoretische Fundierung von Nachhaltigkeit und BNE
- Gestaltungskompetenz als zentrales Bildungsziel
- Praktische Implementierung mittels der Lernplattform Moodle
Auszug aus dem Buch
2.1 Wie funktioniert Lernen?
Lerntheorien befassen sich mit der Beschreibung und Erklärung von Lernprozessen. Sie versuchen Aufschluss darüber zu geben, wie Lernen funktioniert und was die Voraussetzungen für erfolgreiche Lernprozesse sind, und können somit Orientierung für didaktische Konzeptionen und didaktisches Design bieten. Es existieren drei etablierte, große Lerntheorien: Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus. Eine Neuentwicklung in der Theorielandschaft ist der Konnektivismus, welcher Lernen im digitalen Zeitalter betrachtet und dieses als Herstellung von Verbindungen ansieht. Der Konnektivismus ist allerdings noch nicht vollständig ausformuliert und seine Anerkennung als eigenständige Theorie umstritten. Reinmann bewertet ihn eher als Weiterentwicklung oder Variante des Konstruktivismus, welcher auf die sozialen Bedingungen von Lernen fokussiert (vgl. Reinmann 2013, S. 138, 141).
Reinmann sieht die Lerntheorien generell als nicht gegeneinander, sondern nebeneinander stehend, da Lernen ein so komplexes Phänomen sei, dass eine einzige Lerntheorie nicht ausreiche, um es angemessen zu erklären. Neuere Lerntheorien wie der Konstruktivismus verdrängten dementsprechend nicht die älteren Theorien Behaviorismus und Kognitivismus, sondern zeigten vielmehr deren Schwächen und begrenzte Geltungsbereiche auf, setzten neue Akzente und fokussierten auf andere Schwerpunkte von Lernprozessen (vgl. ebd. 131-133.) Beispielsweise kritisiere der Konstruktivismus die Vernachlässigung sozialer, motivationaler und emotionaler Aspekte des Lernens im Kognitivismus (vgl. Rey 2009, S. 3334). Eine trennscharfe Abgrenzung der unterschiedlichen Lerntheorien hält Reinmann ohnehin für oftmals schwierig, da theoretische Entwicklungen in der Wissenschaft meist kontinuierlich verliefen und dementsprechend häufig Übergangs- und Mischformen von Theorien vorlägen (vgl. Reinmann 2013, S. 133).
Die vorliegende Arbeit orientiert sich vornehmlich an konstruktivistischen Vorstellungen von Lernen, schließt sich aber der pragmatischen Sichtweise von Reinmann insofern an, als dass Sichtweisen und Erkenntnisse anderer Lerntheorien nicht grundsätzlich abgelehnt, sondern als Bereicherung aufgenommen werden – eine Herangehensweise, die aus einer konstruktivistischen Denkweise heraus nur folgerichtig erscheint, da eine Lerntheorie, die die Perspektivität betont, sich dementsprechend offen für unterschiedliche Sichtweisen zeigen sollte. Da der Konstruktivismus aber die richtungsweisende Leitlinie für die Konzeption und das Design des Moduls darstellt, wird nur diese Lerntheorie im Folgenden ausführlicher beleuchtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Projekts zur Erstellung eines E-Learning-Moduls an der Schnittstelle von Stadt und Nachhaltigkeit.
2 Die konstruktivistische Lerntheorie: Erörterung der lerntheoretischen Grundlagen, die das didaktische Design des Moduls leiten.
3 E-Learning gestern und heute: Analyse der historischen Entwicklung von Lerntechnologien und der Rolle des Web 2.0.
4 Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung: Klärung der Begriffe und Vorstellung der Theorie der starken Nachhaltigkeit.
5 Bildung für nachhaltige Entwicklung: Beleuchtung des BNE-Konzepts, des Kompetenzbegriffs und der Gestaltungskompetenz.
6 Das E-Learning-Modul: Konkretisierung der Themen, Inhalte und Lernmethoden für das geplante Kursmodul.
7 Evaluation des E-Learning-Moduls: Darlegung des Evaluationsansatzes zur Qualitätssicherung und -entwicklung.
8 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Reflexion der Verknüpfung von E-Learning und BNE.
Schlüsselwörter
Bildung für nachhaltige Entwicklung, BNE, E-Learning, Konstruktivismus, Gestaltungskompetenz, Nachhaltigkeit, Moodle, E-Learning 2.0, Stadt, Kompetenzerwerb, didaktisches Design, soziale Interaktion, Kollaboration, Schlüsselkompetenzen, Evaluation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption und didaktischen Gestaltung eines E-Learning-Moduls zum Thema Stadt und Nachhaltigkeit auf Basis konstruktivistischer Prinzipien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen konstruktivistische Lerntheorien, aktuelle E-Learning-Formen (Web 2.0), die Theorie der starken Nachhaltigkeit sowie das Konzept der Gestaltungskompetenz in der BNE.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein didaktisch fundiertes E-Learning-Modul zu entwickeln, das Studierenden hilft, Fachwissen zu erwerben und Gestaltungskompetenz im Sinne der Nachhaltigkeit zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse zur Theoriebildung sowie die deduktive Ableitung eines didaktischen Konzepts für E-Learning-Settings.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen des Lernens und der Nachhaltigkeit, verknüpft diese mit E-Learning-Technologien (speziell Moodle) und spezifiziert deren Anwendung in einem Kursmodul.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bildung für nachhaltige Entwicklung, Konstruktivismus, E-Learning, Gestaltungskompetenz und Moodle.
Warum wird Moodle als Lernplattform für dieses Projekt gewählt?
Moodle wird aufgrund seiner lerntheoretischen Flexibilität, des offenen Quellcodes (Open Source) und der vielfältigen kollaborativen Funktionen gewählt, die einen konstruktivistischen Ansatz unterstützen.
Wie unterscheidet sich starke von schwacher Nachhaltigkeit laut der Arbeit?
Starke Nachhaltigkeit (nach Döring und Ott) fordert, dass Naturkapital nicht durch Sachkapital ersetzt werden darf, während schwache Nachhaltigkeit eine solche Substitution unter Bedingungen ökonomischer Prosperität für zulässig hält.
- Citar trabajo
- M.A., M.A. John Schulze (Autor), 2014, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit E-Learning. Entwicklung eines E-Learning-Moduls zum Thema "Stadt und Nachhaltigkeit", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335570