Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird untersucht, ob tiergestützte Interventionen bei Menschen mit Demenz die Möglichkeit einer besseren Beziehungs- und Begegnungsentstehung bieten und damit zu Wohlbefinden, Lebensqualität und Gesundheitsförderung der Betroffenen beitragen. Können Tiere „Brücken“ bauen, wo menschliche Kommunikation und Kontaktaufnahme mit Demenzkranken an ihre Grenze stößt? Ist die tiergestützte Therapie in der Lage, die betroffenen Menschen besser zu erreichen als bisher angewandte Konzepte? Auch werden zu beachtende Richtlinien sowie gesetzliche Vorgaben für den Einsatz der Tiere in Altenpflegeeinrichtungen aufgezeigt.
Aus dem Inhalt:
- Studien über die Bedeutung von Tieren für Menschen mit Demenz;
- In Altenpflegeeinrichtungen eingesetzte Tiere;
- Gesetzliche Grundlagen des Einsatzes von Tieren in Altenpflegeeinrichtungen;
- Finanzierung des Einsatzes von Tieren in Altenpflegeeinrichtungen
Inhaltsverzeichnis
1. Die Bedeutung der Tiere für Menschen mit Demenz
1.1 Studien über die Bedeutung von Tieren für Menschen mit Demenz
1.2 Zusammenfassende Beurteilung der bisherigen Studienlage
2. Tiere in Altenpflegeeinrichtungen
2.1 Eingesetzte Tiere
2.2 Mögliche Formen der Tiereinsätze
2.3 Gesetzliche Grundlagen
2.4 Finanzierung
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial tiergestützter Interventionen bei Menschen mit Demenz, um deren Wohlbefinden, Lebensqualität und soziale Interaktionsmöglichkeiten zu fördern, wobei insbesondere die Überbrückung kommunikativer Barrieren und die notwendigen Rahmenbedingungen in Altenpflegeeinrichtungen beleuchtet werden.
- Wirkmechanismen der Mensch-Tier-Beziehung bei demenziellen Erkrankungen
- Analyse der bisherigen wissenschaftlichen Studienlage zu tiergestützten Interventionen
- Praktische Implementierungsformen von Tieren in Altenpflegeeinrichtungen
- Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen sowie Finanzierungsaspekte
- Förderung der Kommunikation und emotionalen Stabilität durch Tiere
Auszug aus dem Buch
1. Die Bedeutung der Tiere für Menschen mit Demenz
Demenzielle Erkrankungen führen zu Beeinträchtigungen in den höheren Gehirnzentren, in den Schichten, in denen bewusste und kontrollierende Prozesse ablaufen. Nach EPSTEINS Terminologie ist dies der explizit-kognitive Funktionsmodus, in dem die wortsprachlichen Prozesse und die rational-analytischen Denkprozesse lokalisiert sind. Prozesse, die auf den tieferen Schichten verankert sind, in denen die Gefühle lokalisiert sind, die also den implizit-erfahrungsgeleiteten Funktionsmodus betreffen, bleiben aber lange Zeit erhalten.
Für die Beziehung von Demenzkranken zu Tieren sind die Erkenntnisse ROTHACKERS darüber, dass Vorgänge auf tieferen Schichten auch ohne Beteiligung der höheren Schichten ablaufen können, wichtig. Hinzu kommt, dass die tieferen Schichten die, evolutionsgeschichtlich gesehen, älteren sind. Bezogen auf die an Demenz erkrankten Menschen bedeutet dies, dass ihnen trotz eines fortschreitenden Verlustes des expliziten Gedächtnisses sowie der bewussten Regulation und der Kontrolle ihres Verhaltens und ihrer Umwelt, ihre Gefühle und ein elementarer Teil der Verständigung, nämlich der nonverbale Anteil, zugänglich bleiben.
Dies bedeutet, dass Kontaktprozesse auf den tieferen Ebenen möglich bleiben und von den Betroffenen auch auf dieser Ebene beantwortet werden können. Basis hierfür ist eine emotionale Bindung und eine kongruente Kommunikation.
Zwischen Mensch und Tier besteht, begründet durch die gemeinsame Evolution, eine grundlegende Bindung, die Kontaktprozesse möglich macht. Tiere regen in ihrer Interaktion mit dem Menschen den implizit-erfahrungsgeleiteten Funktionsmodus an, das heißt sie sprechen die tieferen Schichten der Person an. Demnach ist die Gefühlsebene der Ort, an dem die Kommunikations- und Interaktionsprozesse zwischen Demenzkranken und Tieren erfolgen. Daher ist auch keine verbale Sprache erforderlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Bedeutung der Tiere für Menschen mit Demenz: Dieses Kapitel erläutert die neurobiologischen Grundlagen, warum Demenzkranke trotz kognitiver Abbauprozesse auf einer tiefen, emotionalen Ebene auf Tiere reagieren können.
1.1 Studien über die Bedeutung von Tieren für Menschen mit Demenz: Hier werden verschiedene empirische Untersuchungen vorgestellt, die positive Effekte von Tierbesuchen auf das Sozialverhalten und das Wohlbefinden von Demenzpatienten dokumentieren.
1.2 Zusammenfassende Beurteilung der bisherigen Studienlage: Dieses Kapitel kritisiert die methodischen Schwächen der vorliegenden Studien und fordert eine systematischere Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, um valide Ergebnisse zu erzielen.
2. Tiere in Altenpflegeeinrichtungen: Das Kapitel bietet einen Überblick über die organisatorische Gestaltung von tiergestützten Interventionen und betont die notwendige Akzeptanz durch das Pflegepersonal.
2.1 Eingesetzte Tiere: Es wird dargestellt, welche Tierarten in der Pflege zum Einsatz kommen und dass die Qualität der Mensch-Tier-Beziehung wichtiger ist als die Wahl einer speziellen Spezies.
2.2 Mögliche Formen der Tiereinsätze: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen Besuchstieren, stationseigenen Tieren und Haustieren der Bewohner, wobei Vor- und Nachteile der jeweiligen Modelle diskutiert werden.
2.3 Gesetzliche Grundlagen: Die Ausführungen behandeln die notwendige Einhaltung von Tierschutz-, Hygiene- und Seuchenschutzvorgaben beim Einsatz von Tieren in Pflegeheimen.
2.4 Finanzierung: Hier wird erläutert, dass Interventionen derzeit meist ehrenamtlich getragen werden und eine professionelle Finanzierung durch Krankenkassen bisher weitgehend fehlt.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Tiere ein wertvolles Element in der Demenzbetreuung sind, um Kommunikationsbarrieren zu durchbrechen, weist jedoch auf den Bedarf an weiterer wissenschaftlicher Evidenz zur Sicherung der Anerkennung hin.
Schlüsselwörter
Demenz, Tiergestützte Therapie, Altenpflege, Mensch-Tier-Beziehung, Kommunikation, Lebensqualität, Wohlbefinden, Studienlage, Therapiekonzepte, Sozialverhalten, Pflegesituation, Implementierung, Finanzierung, Nicht-verbale Kommunikation, Psychische Effekte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit und den Möglichkeiten des Einsatzes von Tieren in der therapeutischen Betreuung von Menschen mit Demenz in stationären Altenpflegeeinrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Mensch-Tier-Interaktion bei Demenz, die Analyse der bestehenden Studienlage, die praktischen Umsetzungsformen im Pflegealltag sowie die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist es zu prüfen, ob tiergestützte Interventionen die Beziehungsgestaltung zu Demenzkranken verbessern und wie Tiere als "Brücken" in der Kommunikation fungieren können, um die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse sowie kritischen Würdigung vorhandener empirischer Studien zum Thema Mensch-Tier-Beziehung im Kontext von Demenz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Wirkung von Tieren auf Demenzkranke, die Auswertung von Forschungsergebnissen sowie die Darstellung praktischer Modelle und rechtlicher Anforderungen für den Einsatz in Heimen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Demenz, Tiergestützte Therapie, Mensch-Tier-Beziehung, Lebensqualität, Kommunikation, Pflegesituation und Studienlage.
Warum ist laut der Autorin eine verbale Kommunikation bei Demenzkranken nicht immer erforderlich?
Die Autorin argumentiert, dass durch die Schädigung der höheren kognitiven Hirnareale der "implizit-erfahrungsgeleitete Funktionsmodus" erhalten bleibt, der primär auf emotionaler und nonverbaler Ebene durch Tiere angesprochen wird.
Was ist der sogenannte "Aschenputteleffekt" im Kontext dieser Arbeit?
Der "Aschenputteleffekt" beschreibt in der Wissenschaft das Phänomen, dass der Umgang mit Tieren, wie z.B. Füttern oder Pflegen, bei den Bewohnern das Gefühl von Bedeutsamkeit weckt, ihr Selbstbewusstsein stärkt und die eigene Identität fördert.
- Arbeit zitieren
- Bianca Kautz (Autor:in), 2007, Tiergestützte Therapie bei Demenz. Wie können Tiere in Altenpflegeeinrichtungen eingesetzt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335819