Gibt es die „Generation Y“? Zu den Werten und Einstellungen der nach 1980 Geborenen


Bachelorarbeit, 2015

46 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sind die wirklich so?

2. Theoretischer Hintergrund: Generationen und Werte
2.1. Generationen – Was sie sind und wie sie entstehen
2.1.1. Generationenforschung
2.1.2. Der Generationenbegriff
2.1.3. Karl Mannheim: „Das Problem der Generationen“
2.1.4. Einflussfaktoren auf die Entstehung von Generationen
2.1.5. Generationen – Welche gibt es?
2.2. Werte- und Wertewandelforschung: Von den Materialisten zu den Postmaterialisten und zurück?
2.2.1. Werte und Wertewandel
2.2.2. Ronald Ingleharts „Silent Revolution“
2.2.3. Die Umkehrung des Wertewandels?
2.3. Die „Generation Y“ und ihre Werte
2.3.1. Einflussfaktoren auf die Entstehung der „Generation Y“
2.3.2. Die Werte und Einstellungen der „Generation Y“

3. Hypothesen

4. Empirisches Vorgehen
4.1. Datenbasis
4.2. Operationalisierung
4.3. Analysedesign

5. Empirische Befunde

6. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mittelwerte der Variablen „Wichtigkeit – Leistung im Beruf“

Tabelle 2: Regression auf Variable „Wichtigkeit – Leistung im Beruf

Tabelle 3: Mittelwerte der Variablen „Wichtigkeit – Selbstverwirklichung“

Tabelle 4: Regression auf Variable „Wichtigkeit – Selbstverwirklichung“

Tabelle 5: Mittelwerte des additiven Index „Berufsleben“

Tabelle 6: Regression auf additiven Index „Berufsleben“

Tabelle 7: Mittelwerte des additiven Index „Privatleben“

Tabelle 8: Regression auf additiven Index „Privatleben“

Tabelle 9: Mittelwerte des additiven Index „traditionelle Berufsaspekte“

Tabelle 10: Regression auf additiven Index „traditionelle Berufsaspekte“

Tabelle 11: Mittelwerte des additiven Index „höhere Berufswerte“

Tabelle 12: Regression auf additiven Index „höhere Berufswerte“

1. Sind die wirklich so?

„Generation Y: Hoffnungslose Optimisten“[1]

„Generation Y: ‚Ich hoffe nur, nicht abzustürzen‘“[2]

„Generation Y: Wollen die auch arbeiten?“[3]

„Generation Y: Von wegen superflexibel“[4]

„Generation Y: ‚Wir sind angepasster als jede Generation zuvor‘“[5]

„[…] Wie die Generation Y die Berufswelt verändert […].“[6]

Na was denn nun? Eines auf jeden Fall: „Generation Y: Nehmt sie ernst!“[7]

Dies sind nur einige der Titel vergangener Artikel der „ZEIT“. Und sie alle zeigen: Die Generationenthematik beziehungsweise die Berichterstattung darüber und insbesondere über die „Generation Y“[8] liegen im Trend – und das mehr denn je. Ernst zu nehmen oder zumindest untersuchenswert ist die „Generation Y“ nicht nur deswegen in jedem Fall.

Denn nicht nur die populärwissenschaftliche Berichterstattung über Generationen und wie diese sein sollen hat in den letzten Jahren nahezu inflationäre Gestalt angenommen, was auch an den von den Medien vielfach ausgerufenen Generationenbezeichnungen wie „Generation Golf“, „Generation Praktikum“ oder „Generation prekär“ zu erkennen ist. Dabei kommt es zu einem Substanzverlust des Generationenbegriffs im Sinne der Soziologie. Auch wissenschaftliche Publikationen zur Generationenthematik, darunter nicht nur soziologische, haben vor allem in den USA, wo der Begriff „Generation Y“ im Jahr 1993 zum ersten Mal in der Fachzeitschrift „Advertising Age“ genannt worden ist, in den letzten Jahren deutlich zugenommen. So erscheinen zum Beispiel auch immer mehr wirtschaftswissenschaftliche Beiträge, die auf die Bedeutung der „Generation Y“ für die Wirtschaft beziehungsweise die Unternehmen eingehen.

Doch bei der Lektüre dieser Publikationen, Beiträge und Berichte fällt insbesondere Eines auf: Ein einheitliche Definition der „Generation Y“ gibt es nicht – weder welche Geburtsjahrgänge die Generation umfasst, noch welche Eigenschaften sie bestimmen. Folglich fragt man sich: Sind die wirklich so, wie sie dort beschrieben werden? Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage leisten.

Konkret lautet die in dieser Arbeit zu beantwortende Frage: Inwiefern können die in der Literatur angenommenen Unterschiede an beruflichen sowie privaten Werten und Einstellungen zwischen der „Generation Y“, verstanden als Kohorte der zwischen 1980 und 1994 Geborenen, und vorangegangenen Kohorten innerhalb der deutschen Bevölkerung empirisch nachgewiesen werden?

Dazu wird in einem ersten Schritt der theoretische Hintergrund zur eben genannten Forschungsfrage erläutert und dabei auf die Themenbereiche Generationen(forschung) sowie Werte und Wertewandel – mit besonderem Fokus auf die Werte und Einstellungen der „Generation Y“ – eingegangen. Nach Vorstellung der darauf aufbauenden und durch die empirische Analyse dieser Arbeit zu überprüfenden Hypothesen wird das empirische Vorgehen einschließlich der Datenbasis der empirischen Analyse, der durchgeführten Operationalisierung der Daten sowie des gewählten Designs der Analyse vorgestellt. Im Anschluss an die Darstellung der empirischen Befunde mit Bezug auf die aufgestellten Hypothesen folgt eine Zusammenfassung der Arbeit, die mit einem abschließenden Fazit endet.

2. Theoretischer Hintergrund: Generationen und Werte

Der theoretische Hintergrund zur Forschungsfrage folgt einer Dreiteilung. So sind im ersten Schritt Generationen das Thema – was sie sind und wie sie entstehen. Im zweiten Schritt wird der Bereich der Werte- und Wertewandelforschung behandelt und dabei der Wandel vom Materialismus zum Postmaterialismus, und inwieweit sich diese Entwicklung inzwischen wieder umgekehrt hat, thematisiert. Mit den Werten und Einstellungen der „Generation Y“ werden im letzten Schritt die zuvor vorgestellten Themenbereiche Generationen und Werte zusammengeführt, was die Überleitung zum empirischen Teil dieser Arbeit darstellt.

2.1. Generationen – Was sie sind und wie sie entstehen

Im ersten Teil des theoretischen Hintergrunds wird zunächst kurz auf die Geschichte und die Bedeutung der Generationenforschung eingegangen. Anschließend wird der Begriff der Generation an sich näher behandelt und dabei vor allem auf das Konzept von Karl Mannheim eingegangen, der den Generationenbegriff nachhaltig geprägt hat. Daraufhin wird anhand der Einflussfaktoren auf Generationen ihre Entstehung thematisiert, um abschließend festzulegen, welche Generationen es gibt und welche Generationenkategorien und -bezeichnungen für diese Arbeit gelten sollen.

2.1.1. Generationenforschung

Die Auseinandersetzung mit der Generationenthematik hat seit den 1970er Jahren in der wissenschaftlichen Forschung Konjunktur, wobei der Höhepunkt dessen noch nicht erreicht zu sein scheint. Insbesondere in der heutigen Soziologie ist die Generationenforschung fest etabliert und hat sich mittlerweile selbst differenziert, wie zum Beispiel in die Lebenslauf- oder Kohortenforschung (vgl. Burkart, Wolf 2002: 421).

Als Grund dafür können zwei gesellschaftliche Entwicklungen angeführt werden. Zum einen die demografische Entwicklung hin zu einer alternden und schrumpfenden Gesellschaft in den fortschrittlichen westlichen Gesellschaften, die unter anderem zu einer Beschäftigung mit dem Thema der Generationengerechtigkeit führt. Zum anderen die politisch-sozialen Umbrüche beziehungsweise die diesbezügliche Wende in Mittel- und Osteuropa seit Ende der 1980er Jahre, welche von der Forschung unter anderem unter der Perspektive der Generationserfahrung und mit Rückgriff auf generationstheoretische Ansätze betrachtet werden. Die Generationentheorie wird dabei als Mittel der Analyse soziostrukturellen und -kulturellen Wandels gesehen, wobei der Generationenbegriff als zentrale soziale Kategorie gilt (vgl. Fietze 2009: 69).

Dabei ist die Generationenforschung nachhaltig durch soziologische Theorie- und Definitionsanstrengungen beeinflusst, wobei Karl Mannheim mit seinem „Problem der Generationen“ (1928) als Erster die Generationenthematik wissenschaftlich konzeptualisiert und den Generationenbegriff geprägt hat. Jedoch steht die Generationenforschung spätestens seit den 1990er Jahren vor dem Problem, dass der Generationenbegriff immer häufiger in Anspruch genommen wird, ohne auf einen verbindlichen theoretisch-konzeptionellen Bezugsrahmen zurückzugreifen. Inzwischen ist der Begriff der Generation „[...] so beliebt, das [sic!] er zur Leerformel zu verkommen droht.“ (Jureit 2006: 19) Auf den Generationenbegriff und insbesondere Mannheims Konzept der Generationen wird deswegen im Folgenden näher eingegangen.

2.1.2. Der Generationenbegriff

Die letzte Neudefinition des Generationenbegriffs fand durch den Transfer des Kohortenkonzepts aus der Demografie in die Soziologie durch Norman B. Ryder und seinen Aufsatz „The Cohort as a Concept in the Study of Social Change“ (1965) statt. Dies ersetzte Mannheims soziokulturelle Sichtweise von Generationen und das damit verbundene Konzept, auf das an späterer Stelle näher eingegangen wird. Ryder versteht unter einer Kohorte ein Aggregat von Personen, die in demselben Zeitintervall das gleiche Ereignis erleben. Dabei wird üblicherweise von Geburtskohorten und somit Personenaggregaten, die dem gleichen Geburtsjahrgang angehören und gemeinsam altern, ausgegangen (vgl. Ryder 1965: 845). Auch Parnes, Vedder und Willer unterstreichen diese empirische Sichtweise von Generationen, indem sie den Begriff als eine Größe zur Erfassung von Gleichaltrigkeit nach dem Kriterium des Geburtsjahres sehen und von einer statistischen Verwendungsweise von Generationen als prognostisches Modell sprechen (vgl. Parnes et al. 2008: 13).

Jureit geht näher auf die inhaltliche Ebene des Generationenbegriffs ein und sieht Generation als einen zeitlichen Ordnungsbegriff. So ist der Zweck des Generationenbegriffs für Jureit, „[...] historischen Wandel in einer lebensgeschichtlich überschaubaren Zeitspanne kollektiv wahrzunehmen und ihn mit der der generativen Erneuerung von Gesellschaften in Zusammenhang zu bringen.“ (Jureit 2006: 8)

Des Weiteren ist der Generationenbegriff für Jureit ein Kollektivbegriff mittlerer Reichweite, welcher eine Verbindung zwischen Individuum und Gesellschaft herstellt. Dabei gilt Generation als eine Erfahrungs- sowie Verarbeitungskategorie von Individuen, welche durch die dauerhafte und gleichartige Wirkung von Sozialisationsbedingungen Kollektivität erlangen. Neben der Bedeutung von Generation als Erfahrungs- und Verarbeitungskategorie und ihrem kollektiven Konstruktionsprinzip lassen sich auch Identität, welche sowohl im Rahmen familiärer und gesellschaftlicher Generationen gestiftet und gefestigt werden kann, sowie Handlung, durch ein Verständnis von Generationen als eine Handlungsgemeinschaft mit gleichen politischen oder gesellschaftlichen Zielen, als Aspekte des Generationenbegriffs ausmachen. Die Faktoren Kollektivität, Erfahrung, Verarbeitung, Identität sowie Handlung sind somit zusammenfassend für Jureit die zentralen Bedeutungsfelder von Generation (vgl. ebd.: 11 ff.).

Den eben kurz erwähnten Unterschied zwischen familiären und gesellschaftlichen Generationen beschreiben Rump und Eilers genauer. Sie sprechen einerseits von einem synchronen genealogisch-familienbezogenen Generationenbegriff, der Bezug auf die bestimmte Abstammungsfolge im Familiengefüge nimmt und einen Wechsel der Generationszugehörigkeit im Laufe des Lebens nach sich zieht. Andererseits definieren sie einen diachronen historisch-gesellschaftlichen Generationenbegriff, der Personen eng beieinander liegender Geburtsjahrgänge anhand ihres gemeinsamen Lebens im historischen Raum und damit verbunden anhand gemeinsamer Erfahrungen und deren Verarbeitung, wie bereits bei Jureit erwähnt, zusammenfasst (vgl. Rump, Eilers 2012: 50). Auch Parnes, Vedder und Willer sprechen von einer semantischen Dopplung des Generationenbegriffs; von Generationen familialer Abstammung auf der einen und gesellschaftlicher Gleichzeitigkeit auf der anderen Seite (vgl. Parnes et al. 2008: 11). Der gesellschaftliche Generationenbegriff stellt dabei eine Verbindung zu Mannheims Kohortenkonzept her, welches aufgrund seiner zentralen Bedeutung für die soziologische Generationenforschung im Folgenden näher erläutert wird.

2.1.3. Karl Mannheim: „Das Problem der Generationen“

Mannheims Generationenkonzept basiert im Wesentlichen auf der von ihm gegründeten Wissenssoziologie. Diese sagt unter anderem aus, dass das Wissen und Denken eines Individuums sowie der Inhalt und die Form seiner Erfahrungen durch die soziale Standortgebundenheit, die so genannte Seinslage, des Individuums beeinflusst werden. So prägen die soziale Schicht, der Lebenskreis, das Denkmodell sowie das Lebensalter eines Menschen sein Wissen und seine Erfahrungen. Diese gemeinsame Seinslage ist für Mannheim Voraussetzung für die Entstehung einer Generation (vgl. Mijić 2010: 137).

Dies soll zu einer sozialen Verbundenheit zwischen Individuen beziehungsweise einer Generation führen, welche durch die „verwandte Lagerung der einer Generation zurechenbaren Individuen im sozialen Raume“ (Mannheim 1928: 525) entsteht. Diese verwandte Lagerung der Individuen beziehungsweise das Sich-Befinden in demselben sozialen Raum ist durch die natürliche Begrenztheit des menschlichen Lebens und das gesellschaftlich-historische Miteinander der Individuen bedingt. Des Weiteren führt die Lagerung zu bestimmten kognitiven, emotiven und praktischen Einstellungen einer Generation (vgl. Corsten 2010: 135 ff.).

Dabei ist für Mannheim die verwandte Lagerung nicht die einzige Dimension bei der Entstehung einer Generation. Die Generationslagerung, die, wie Rump und Eilers sie beschreiben, Zugehörigkeit zu ein- und demselben Geburtsjahrgang und damit zu einer konkreten Altersgruppe in einem bestimmten Zeitraum, welche zusätzlich zur zeitlichen eine räumliche Nähe aufweist, stellt nur eine Grundbedingung dar. Eine Grundbedingung dafür, dass historische Ereignisse gemeinsam erlebt werden können und sich mit ihnen auseinandergesetzt werden kann, sodass eine ähnliche Perspektive darauf entwickelt wird beziehungsweise Individuen einer Generation dadurch in ähnlicher Weise geprägt werden (vgl. Rump, Eilers 2012: 50). Diese zweite Dimension nennt Mannheim Generationszusammenhang und spricht dabei von gemeinsamer Erlebnisschichtung und einem gemeinsamen Erfahrungszusammenhang der Individuen einer Generation, welche zu einem kollektiven Bewusstsein, einer kollektiven Identität und damit zur Verbundenheit einer Generation führen (vgl. Corsten 2010: 135 ff.). Ein Generationszusammenhang teilt sich wiederum in mehrere Generationseinheiten auf, welche für Mannheim die dritte Dimension bei der Entstehung von Generationen darstellen. Generationseinheiten verstehen Rump und Eilers als bestimmte kleine Einheiten, welche einheitlich auf historische Konstellationen, Ereignisse oder Lebensbedingungen reagieren und so auf gleiche Art und Weise durch sie geprägt werden (vgl. Rump, Eilers 2012: 50).

So kann zusammenfassend gesagt werden, dass für Mannheim die Entstehung einer Generation zwar das Resultat gemeinsamer Erlebnisse und kollektiver Erfahrungen von Individuen ist, dieses Resultat jedoch abhängig von jeweils spezifischen Verarbeitungs- und Gestaltungsleistungen der Generationseinheiten ist. Die konkreten Einflussfaktoren auf die Entstehung von Generationen und deren Klassifizierung werden im Folgenden näher behandelt.

2.1.4. Einflussfaktoren auf die Entstehung von Generationen

Unabhängig von den eben erwähnten spezifischen Verarbeitungs- und Gestaltungsleistungen von Generationen beziehungsweise Generationseinheiten lassen sich unterschiedliche Einflussfaktoren ausmachen, welche überhaupt erst zum gemeinsamen und kollektiven Erleben und Erfahren von Individuen führen. Diese lassen sich in externe Einfluss- und individuelle Kontextfaktoren aufteilen, von denen die zweiten im späteren Verlauf der Arbeit spezifisch für die „Generation Y“ genannt werden.

Die externen Einflussfaktoren gelten für alle Generationen gleichermaßen und bestehen aus der seit den 1970er Jahren herrschenden Globalisierung im wirtschaftlichen, sozialen und politischen Sinne, der Entwicklung der Gesellschaft in Richtung Wissens- und Innovationsgesellschaft, technologischen Entwicklungen insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnologie und dem gesellschaftlichen Wandel. Dieser ist unter anderem durch den demografischen Wandel der Gesellschaft, den Wandel von Familienformen sowie des Familienverständnisses – der Nobelpreisträger und Ökonom Gary S. Becker beschreibt diesen mit der These „Qualität statt Quantität beim Nachwuchs“ (vgl. Becker 1976), durch Individualisierung und damit einhergehend durch eine zunehmende Vielfalt von Lebensstilen und somit auch durch die Polarisierung der Gesellschaft geprägt. Diese externen Einflussfaktoren stehen in Wechselwirkung mit den internen Kontextfaktoren, indem sie durch diese konkretisiert werden und sie gleichzeitig beeinflussen (vgl. Rump, Eilers 2012: 15 ff.).

Die individuellen Kontextfaktoren beeinflussen den Einzelnen und seine Zugehörigkeit zu einer bestehenden Generation sehr spezifisch. Zu ihnen zählen die Generationenprägung, die Prägung, die der Einzelne durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Generation erfährt, sowie die Sozialisation eines jeden Einzelnen und dabei die Sozialisationsinstanzen Eltern und Großeltern, Freunde als „Peers“ sowie das generelle soziale Umfeld. Dritter individueller Kontextfaktor neben Generationenprägung und Sozialisation ist die individuelle Lebens- und insbesondere Arbeitssituation (vgl. ebd.: 48 ff.).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die externen Faktoren sowie die individuellen Kontextfaktoren Einfluss auf die Entstehung von Generationen nehmen und auch deren Werte und Einstellungen beeinflussen. Die Thematik Werte und Wertewandel wird im späteren Verlauf der Arbeit ausführlich behandelt. Zuvor wird im Nachgang zur Entstehung von Generationen auf die Kategorisierung von Generationen und deren Bezeichnungen eingegangen.

2.1.5. Generationen – Welche gibt es?

Eine einheitliche Kategorisierung von Generationen ist in der Literatur nicht zu finden, weswegen hier zwei unterschiedliche aber ähnliche Generationenkategorisierungen vorgestellt werden und sich für den weiteren Verlauf der Arbeit und insbesondere die empirische Analyse auf eine Kategorisierung festgelegt wird.

Rump und Eilers sprechen von drei Kategorien, der jüngeren, mittleren und älteren Generation. Die jüngere Generation ist laut ihnen in den Jahren ab 1979 geboren und wird in der Literatur unterschiedlich als „Generation Y“, „Millenials“ oder „Digital Natives“ beschrieben. Zur mittleren Generation, „Generation X“ (als Vorgängergeneration zur „Generation Y“) oder auch „Generation Golf“ – mit Bezug zum gleichnamigen und im Jahr 2000 erschienenen Buch von Florian Illies – genannt, zählen für Rump und Eilers die Geburtsjahrgänge 1960 bis 1978. Die Geburtsjahrgänge 1959 und früher bilden laut den beiden die dritte Generation, die so genannten „Baby Boomer“, so bezeichnet aufgrund steigender Geburtenraten nach dem zweiten Weltkrieg (vgl. Rump, Eilers 2012: 57).

Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung, kurz DGFP, verfolgt einen ähnlichen Ansatz in Bezug auf die Generationenkategorisierung. Zur jüngsten Generation, ebenfalls „Generation Y“ genannt, werden die Geburtsjahrgänge ab 1980 gezählt, zur mittleren Generation, der „Generation X“, die von 1960 bis 1979 und zu den „Baby Boomern“ die von 1943 bis 1959. Dadurch wird deutlich, dass die DGFP noch von einer vierten Kategorie spricht, den Veteranen als zwischen 1922 und 1942 Geborene (vgl. DGFP 2011: 9).

Die ersten drei Kategorien der DGFP weisen bezüglich der Geburtsjahrgänge, welche die Generationen bilden, sowie der Bezeichnungen der Generationen eine hohe Parallelität zur Definition von Rump und Eilers auf. Trotz dessen ist eine zeitliche Eingrenzung einer Generation generell schwierig, da sich mit einem bestimmten Geburtsdatum nicht unbedingt alle Werte und Einstellungen eines Individuums grundlegend ändern. So kann beispielsweise jemand, der im Jahr 1975 geboren worden ist, aufgrund bestimmter prägender Ereignisse mehr als Mitglied der „Generation Y“ gelten als jemand, der beispielsweise im Jahr 1990 geboren worden ist und so eigentlich im Kern dieser Generation liegen würde (vgl. Oertel 2008: 32). Diese Problematik sieht auch Lepsius und drückt es folgendermaßen aus: „Denn selbstverständlich ist nicht die gesamte Kohorte, also alle Angehörigen eines Geburtsjahrgangs, den wir eine Generation nennen, überhaupt generationsgeprägt.“ (Lepsius 2005: 51)

Um einen Anhaltspunkt für die empirische Analyse dieser Arbeit zu haben, wird sich bezüglich der „Generation Y“ auf die Kategorisierung und Bezeichnungen der DGFP festgelegt und die Geburtsjahrgänge ab 1980 der Generation angehörig angesehen. Nach oben hin wird sich auf die Geburtsjahrgänge bis 1994 begrenzt, da inzwischen bereits von der nächsten Generation, der „Generation Z“, gesprochen wird, welche mit dem Geburtsjahrgang 1995 einsetzt (vgl. Scholz 2014).[9]

Nachdem nun auf die Bedeutung und die Geschichte der Generationenforschung, den Begriff der Generation und dabei insbesondere Mannheims Definition, auf die Einflussfaktoren auf die Entstehung von Generationen und auf deren Kategorisierung sowie Bezeichnungen eingegangen wurde, wird sich im Folgenden näher mit den Themen Werte und Wertewandel befasst, um dies anschließend mit der Generationenthematik zusammenzuführen.

2.2. Werte- und Wertewandelforschung: Von den Materialisten zu den Postmaterialisten und zurück?

Im Rahmen der Thematik Werte- und Wertewandelforschung wird zunächst auf die allgemeine Definition von Werten und Wertewandel eingegangen. Anschließend wird sich mit dem von Ronald Inglehart postulierten Wertewandel, seiner „Silent Revolution“, sowie der methodischen wie auch inhaltlichen Kritik an Ingleharts Ansatz befasst. Zuletzt wird die Frage geklärt, inwieweit inzwischen von einer Umkehrung des Wertwandels gesprochen werden kann.

2.2.1. Werte und Wertewandel

Werte werden nach Kluckhohn als „dauerhaft verinnerlichte Zielmaßstäbe menschlichen Handels“ (Kluckhohn 1951: 395) definiert. Wertorientierungen, von denen Klages spricht, dienen laut ihm als „Universalschlüssel zum Verständnis sozialer Einstellungen und Verhaltensdispositionen“ (Klages 1992: 9). Diese würden zunehmend das gesellschaftliche Selbstverständnis beeinflussen, in wachsendem Maße die Rolle als dominantes Deutungsmuster der gesellschaftlichen Wirklichkeit spielen und sich somit auf dem Weg zum „zentralen[n] gesellschaftliche[n] Selbstdeutungsmuster überhaupt“ (ebd.: 11) befinden.

Der Begriff Wertewandel beschreibt dabei die „kulturelle Anpassungsleistung an sich wandelnde Lebensumstände“ (Welzel 2009: 110). Bekanntester Vertreter einer Wertewandeltheorie ist Ronald Inglehart mit seiner Theorie der „Silent Revolution“ aus den 1970er Jahren, auf die noch näher eingegangen wird. Inglehart ist der Meinung, dass ein Wertewandel unter anderem aufgrund generationaler Verschiebung und somit über Generationensukzession, also im Wechsel der Generationen, stattfindet. Der Wertewandel sei somit primär ein Generationen- beziehungsweise Kohorteneffekt (vgl. Inglehart 1977: 21 ff.). Hierbei unterscheidet er sich von Klages und anderen Autoren, für die ein Wertwandel nicht nur das Ergebnis von Kohorten-, sondern auch von lebenszyklischen beziehungsweise Alterseffekten sowie von Periodeneffekten[10] sein kann (vgl. Klages 1992: 16). Auf weitere Unterschiede zwischen Inglehart und anderen Autoren wird im Folgenden eingegangen, nachdem Ingleharts „Silent Revolution“ näher vorgestellt wurde.

[...]


[1] Quelle: www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2014-12/generation-y-arbeitswelt-glueck-angst-traumtaenzer; abgerufen am 28.08.2015

[2] Quelle: www.zeit.de/karriere/2015-05/generation-y-mythos-leiharbeit-befristetung-unbezahlt-praktika; abgerufen am 28.08.2015

[3] Quelle: www.zeit.de/2013/11/Generation-Y-Arbeitswelt; abgerufen am 28.08.2015

[4] Quelle: www.zeit.de/karriere/beruf/2015-05/generation-y-mythen-leseraufruf; abgerufen am 28.08.2015

[5] Quelle: www.zeit.de/karriere/2015-05/generation-y-mythos-leiharbeit-befristetung-unbezahlt-praktika/seite-2; abgerufen am 28.08.2015

[6] Quelle: www.zeit.de/2014/10/generation-y-glueck-geld; abgerufen am 28.08.2015

[7] Quelle: www.zeit.de/2015/02/generation-y-gesellschaft-politik; abgerufen am 28.08.2015

[8] Das „Y“ wird dabei wie das englische „why“ ausgesprochen und ist auch im Sinne eines „Warum?“ zu verstehen. Mit der „Generation Y“ ist somit kurz gesagt die Generation, die alles und insbesondere sich selbst in Frage stellt, zu verstehen.

[9] Dies ist zusätzlich passend, da die ALLBUS, welche, wie im späteren Verlauf der Arbeit genauer beschrieben wird, als Datenbasis für die empirische Analyse dient, nur Befragte ab 18 Jahren beinhaltet und 1994 Geborene im Jahr 2012, das unter anderem als Erhebungsjahr für die Datenanalyse verwendet wird, 18 Jahre alt gewesen sind.

[10] Alterseffekte resultieren im Gegensatz zu Kohorteneffekten, die durch das Durchleben gleichartiger historischer und gesellschaftlicher Bedingungen einer Kohorte entstehen, aus altersspezifischen Lebensbedingungen und Veränderungen im physiologischen, psychologischen und sozialem Sinne. Periodeneffekte hingegen sind das Resultat von Veränderungen gesellschaftlicher Rahmenbedingun-gen.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Gibt es die „Generation Y“? Zu den Werten und Einstellungen der nach 1980 Geborenen
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Institut für Sozialwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
46
Katalognummer
V335872
ISBN (eBook)
9783668267084
ISBN (Buch)
9783668267091
Dateigröße
1073 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gibt, generation, eine, analyse, werte, einstellungen, geborenen
Arbeit zitieren
Jan Gröger (Autor), 2015, Gibt es die „Generation Y“? Zu den Werten und Einstellungen der nach 1980 Geborenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335872

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