Universalbankensystem versus Trennbankensystem. Ein Vergleich


Hausarbeit, 2016

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Lexikon englischer Begriffe

1. Einleitung

2. Das Universalbankensystem
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Historie des Systems
2.3 Vorteile des Universalbankensystems
2.4 Nachteile des Universalbankensystems

3. Das Trennbankensystem
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Der Glass-Steagall Act 1933
3.3 Vorteile des Trennbankensystems
3.4 Nachteile des Trennbankensystem

4. Reformen der letzten Jahre

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lexikon englischer Begriffe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Betrachtet man das Bankensystem eines Landes, so setzt sich dieses, unter Anwendung allgemein systemtheoretischer Überlegungen, aus einzelnen Elementen zusammen - den Geschäftsbanken und den Noten- oder Zentralbanken.1 Während die Zentralbank gesamt- wirtschaftliche Ziele wie z.B. Geldwertstabilität und wirtschaftliches Wachstum ver- folgt,2 stehen Geschäftsbanken dagegen untereinander im Wettbewerb und orientieren sich in ihrem Handeln an einzelwirtschaftlichen Zielen, wie z.B. Gewinn oder Rentabili- tät.3 Zur Klassifikation alternativer Banktypen und Bankensysteme, sprich die Unter- scheidung verschiedener Arten von Geschäftsbanken, ist die Art und der Umfang der Ar- beitsteilung, genauer der angebotenen Bankprodukte- und Dienstleistungen, ein geeigne- tes Kriterium. Je nach Grad der Universalisierung bzw. Spezialisierung werden Univer- salbanken von Spezialbanken unterschieden.4 Spezialbanken werden in der Praxis nach der Natur ihres Geschäftes getrennt und auch als Handelsbanken und Investmentbanken bezeichnet.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, das Universalbankensystem und das Trennbankensystem zu vergleichen. Entscheidende Kriterien für eine Gegenüberstellung dieser zwei Bankstruk- tursysteme sind sowohl die Vorteilhaftigkeit des jeweiligen Systems als auch die Risiko- betrachtung, worauf in den Kapitel 2 und 3 eingegangen wird. In Kapitel 4 werden bereits verabschiedete Reformen hinsichtlich Verbesserung der Finanzstabilität aufgezeigt.

2. Das Universalbankensystem

2.1 Begriffsdefinition

„Im wörtlichen Sinne zeichnet sich „universale“ Banktätigkeit durch das Fehlen von Ge- schäftsbeschränkungen jedweder bankspezifischen Kategorie aus.“5 Gemeint ist hiermit, dass Universalbanken Kreditinstitute sind, die Bankdienstleistungen jeglicher Art an sämtliche Kundengruppen anbieten und hinsichtlich dessen weder Begrenzungen quanti- tativer, regionaler bzw. lokaler, kundengruppenorientierter, branchenmäßiger noch qua- litativ-sachlicher Art existieren.6 Da diese Definition jedoch sehr weit gegriffen ist, wer- den Universalbanken als diejenigen Kreditinstitute verstanden, die eine klassische Ge- schäftsbank, im englischen Sprachraum auch als Commercial Bank bekannt, die primär im Einlagen- und Kreditgeschäft tätig ist, mit einem breiten Angebot an Finanzdienstleis- tungen kombinieren.7 Zu diesen Leistungen gehören sowohl die Leistungen einer Invest- ment Bank, die „ ... überwiegend kapitalmarktbasierte Unternehmensfinanzierungen, im Wertpapiergeschäft (Handel, Emission), M&A-Geschäfte sowie Eigenhandel“8, als „auch branchenfremde Leistungen wie zum Beispiel Versicherungsleistungen umfas- sen.“9

2.2 Historie des Systems

Universalbanken entstanden im 19. Jahrhundert in den ökonomisch weniger entwickelten Staaten wie Frankreich, Russland und Deutschland. Von dort aus verbreiteten sie sich schnell über den Rest des Kontinents und darüber hinaus. Sie trugen somit wesentlich dazu bei, dass diese Länder zu Industrienationen, wie Großbritannien aufholten. Aus- schlaggebend war das Fehlen von ausreichend Risikokapital für die Entwicklung von Un- ternehmen. Da Universalbanken nicht nur auf die Einlagen von Sparern angewiesen wa- ren, konnte dieser Kapitalbedarf gedeckt werden, da sie Kapital aus verschiedenen Quel- len beziehen konnten.10 Im Verlauf der Weltwirtschaftskrise ab 1929 zeigten sich die Ge- fahren des Universalbankensystems, worauf sowohl in europäischen Ländern als auch in den USA Reformen eingeleitet wurden, um zukünftige Krisen zu verhindern. In den USA wurde das bewährte Trennbankensystem Großbritanniens durch den Glass-Steagall Act 1933 übernommen.11 Kritiker sind der Ansicht, dass die Aufhebung des Glass-Steagall Acts im Jahr 1999 zu den zwei Finanz-Crashs des folgenden Jahrzehnts geführt haben.12

2.3 Vorteile des Universalbankensystems

Ein Universalbankensystem bietet eine Reihe von Vorteilen für alle Kundengruppen, was zum einen direkt am Geschäftsmodell und zum anderen an ihrer Organisationsstruktur liegt. Aus dieser Reihe lassen sich drei wesentliche Vorteile hervorheben.

1. Universalbanken ermöglichen ihren Kunden, ein umfassendes Spektrum an Finanz- dienstleistungen komfortabel aus einer Hand zu beziehen. Der Komfort, der dadurch ent- steht, zieht eine gefestigtere Kundenbeziehung im Rahmen einer Hausbank und Einspa- rungen im Bereich der Such- und Transaktionskosten nach sich. Weiterhin kann die Uni- versalbank durch umfassende Kenntnis der finanziellen Situation und Bedürfnisse ihrer Kunden besser beraten und geeignetere Finanzprodukte anbieten. Primär zeigen sich diese Vorteile bei größeren, international tätigen Unternehmen wie den erfolgreichen deutschen Exporteuren.13
2. Durch Skalen- und Verbundeffekte, die beispielsweise bei der verbesserten Nutzung der in einer Bank bereits zusammengefassten Ressourcen im internen Leistungsbereich entstehen, ist es Universalbanken möglich, Ertrags- und Kostensynergien zu erzielen.14 Ertragssynergien entstehen beispielsweise beim Verkauf weiterer Produkte oder bei Wei- terempfehlungen von Kunden zwischen mehreren Geschäftsbereichen, im Englischen auch bekannt als „cross selling“. Überwiegend fixe Kosten sind beispielweise Kosten im Bereich der EDV und des Risikomanagements, die innerhalb einer Universalbank ledig- lich einmal anfallen. Diese können auf eine weite Ertragsbasis verteilt werden, wodurch die relative Belastung abnimmt und somit Kostensynergien entstehen.15 Durch ihre breite Kundenbasis und den guten Ruf, den sich eine Universalbank mit anderen Finanzdienst- leistungen erarbeitet hat, kann sie zur Verbreitung von Innovationen im Finanzbereich beitragen, wovon die Gesellschaft insgesamt profitieren kann.16 Weiterhin sind die Refi- nanzierungskosten der Universalbank selbst niedriger, da diese dank ihres ausgewogenen und stabileren Geschäftsmodells vom Kapitalmarkt als weniger riskant eingestuft werden können. Sowohl Eigen- als auch Fremdkapitalinvestoren sollten aufgrund dessen gerin- gere Risikoprämien bei Aktien- und Anleiheemissionen von Universalbanken verlangen. Die dadurch entstandenen Kostenvorteile können teilweise an Kunden weitergegeben werden und so ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.17 Alles in allem bedeutet das geringere Kosten für die Kunden und für die Realwirtschaft, wodurch die Finanzierungskosten der Volkswirtschaft insgesamt sinken.18
3. Durch ihr diversifiziertes Geschäft stehen Universalbanken auf vielen wirtschaftlichen Beinen gleichzeitig, was für größere Finanzstabilität sorgt.19 Es liegt in ihrer Natur, eine ausgewogenere Ertrags- und Bilanzstruktur aufzuweisen und sind somit besser in der Lage einen Abschwung in einem bestimmten Marktsegment abzufedern.20 Sollte es zu einer Krise in einem oder mehreren Bereichen des Geschäfts kommen oder es einfach nur schlecht laufen, können die weiterhin gut funktionierenden Bereiche dies ausgleichen.21 Außerdem sind Universalbanken durch ihre breite Aufstellung und ihre umfassenden Ein- blicke in die Finanzlage ihrer Kunden in einer besseren Position, die Bonität bestimmter Kunden einzuschätzen und den Aufbau nicht tragbarer Risiken über verschiedene Finanz- märkte hinweg zu erkennen.22 Das Kredit- und Investmentgeschäft weist keine hohe Kor- relation der Ertrags-Zyklen untereinander auf und glättet somit insgesamt die Erträge der Universalbank.23

2.4 Nachteile des Universalbankensystems

1. Durch die Bankleistungskomponente der Beratung, ergeben sich die eigentlichen Mög- lichkeiten für eine Steuerung des Nachfrageverhaltens des Kunden.24 In diesem Zusam- menhang wird in der Literatur auf den wohl größten Nachteil des Universalbankensys- tems hingewiesen, dem Interessenskonflikt zwischen Bank und Kunde.25 Die Bank fun- giert einerseits unter risikopolitischen Gesichtspunkten als Gläubiger, ist aber anderer- seits auch daran interessiert, Wertpapiere auszugeben. Das Interesse richtet sich bei ers- terem nach einer ausgewogenen Kapitalstruktur des Kundenunternehmens und bei letz- terem nach Wachstum der Bank.26 Da universell tätige Institute Beratungen primär im Hinblick auf die Erreichung eigener Zielvorstellungen vornehmen, sind sie in ihrer An- lagenberatung nicht unabhängig genug und raten Kunden oft zu Geschäften, die in erster Linie der Bank selbst Vorteile bringen.27 Außerdem zieht dies oft eine nachteilige Ge- bührenpolitik für Kleinanleger durch hohe Transaktionskosten nach sich.28 Zu bedenken ist aber auch, dass ein solcher Interessenskonflikt auch bei Trennbanken auftreten kann.29
2. Die Universalbank kann aus der Möglichkeit des internen Informationsaustauschs zwi- schen den Abteilungen Vorteile ziehen. Sie kann beispielsweise aus ihren Unternehmens- beteiligungen oder Kreditbeziehungen Insiderinformationen erhalten und Wertpapieran- leger so beraten, dass zwar die Bank selbst davon profitiert, nicht aber der Anleger. Hin- sichtlich dessen werden Universalbanken oft auch als Hindernis für die Entwicklung des Kapitalmarktes angesehen. Weiterhin können sie den Wettbewerb durch erhaltene Machtstellungen, beispielsweise durch Depotstimmrechte oder Beherrschung von Auf- sichtsräten, behindern.30
3. Großbanken zählen, ihrem Leistungsumfang nach, zu den Universalbanken und haben erhebliche finanzielle und wirtschaftliche Macht.31 Aus diesem Grund spielen sie eine derart wichtige Rolle, sodass eine Insolvenz ihrerseits nicht hingenommen werden kann und man der „too big to fail“-Problematik gegenüber steht.32 Zwar können sie durch die breite Diversifizierung ihrer Geschäftsbereiche Risikostreuung betreiben und somit als krisensicherer eingestuft werden, umfassen Konjunktur- und Finanzkrisen jedoch meist den gesamten Markt mit fast allen Geschäftsbereichen.33 Da eine Insolvenz solcher Fi- nanzinstitute die Stabilität des gesamten Finanzsystems bedrohen und somit auch zu mas- siven Verwerfungen in der Realökonomie führen kann, wird diese durch staatliche Un- terstützung („Bail-out“) abgewendet.34 Die Rettung der Bank durch den Staat, auch auf- grund möglicher Gefährdung von Großbanken durch riskante Spekulationen von Invest- mentbankern, wird von Kritikern bemängelt.35 Außerdem gehen die Kosten für die Sa- nierung insolventer Banken in diesem Zusammenhang zu Lasten des Steuerzahlers.36

3. Das Trennbankensystem

3.1 Begriffsdefinition

Banken im Trennbankensystem lassen sich per Definition in klassische Geschäftsbanken oder Handelsbanken und Investmentbanken untergliedern. Anders als bei Universalban- ken wird somit das kommerzielle Einlagen- und Kreditgeschäft und das Investmentge- schäft (Wertpapiergeschäft) strikt getrennt. Die Banken im Trennbankensystem sind per Gesetz in der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit beschränkt, dürfen also nur eine Teil- menge des umfassenden Bankgeschäfts anbieten und nicht alle Leistungen aus einer Hand offerieren.37

3.2 Der Glass-Steagall Act 1933

Das Trennbankensystem herrschte vor allem in den USA vor. Eingeführt wurde es in Folge der Weltwirtschaftskrise, auch bekannt als „Große Depression“, durch den Glass- Steagall Act im Jahr 1933, der eine klare Trennung von „commercial banking“ und „in- vestment banking“ initiierte und damit alle Bankinstitute zwang, sich zwischen einem der beiden Geschäftsbereiche zu entscheiden. Hauptziel war es, vor allem den risikobehafte- ten Eigenhandel der klassischen Geschäftsbanken zu unterbinden. Hierbei handelt es sich um den Handel mit Finanzinstrumenten, wie z.B. Geld, Wertpapiere, Devisen und Deri- vate, der im eigenen Namen sowie für eigene Rechnung der Bank und nicht unmittelbar durch ein Kundengeschäft ausgelöst wird. Als Grund für die Trennung wird angeführt, dass die traditionellen Geschäftsbanken nicht den Risiken des Investmentgeschäfts unter- liegen dürfen, da sie die Einlagensicherung gewährleisten müssen und wesentlicher Teil der Geldpolitik und -steuerung sind.38 Jahrzehnte lang war das Gesetz strikt gültig, wurde aber nach Weiterentwicklung und Liberalisierung der Finanzmärkte mehrfach angepasst und schließlich 1999 durch den Gramm-Leach-Bliley Act endgültig abgeschafft.39

[...]


1 Vgl. Büschgen (1998), S. 43

2 Vgl. Beckers (2004), S. 11

3 Vgl. Güde (2001), Sp. 2067

4 Vgl. Büschgen (1998), S. 68 f.

5 Büschgen (1998), S. 69

6 Vgl. Büschgen (1998), S. 69

7 Vgl. Büschgen (1998), S. 69

8 Schöning, o.J., (s. Iv.)

9 Vgl. Börner (1994), S. 182

10 Vgl. Fritzsche (2014), S. 6

11 Vgl. Socher (2012), S. 1f., (s. Iv.)

12 Vgl. Reich (2015), (s. Iv.)

13 Vgl. Schildbach (2012), S. 1 ff., (s. Iv.)

14 Vgl. Büschgen (1998), S. 667

15 Vgl. Schildbach (2012), S. 14 (s. Iv.)

16 Vgl. ebenda S. 6, (s. Iv.)

17 Vgl. ebenda, S. 5, (s. Iv.)

18 Vgl. ebenda, S. 1, (s. Iv.)

19 Vgl. Berkholz (2013), (s. Iv.)

20 Vgl. Schildbach (2012), S. 10, (s. Iv.)

21 Vgl. Berkholz (2013), (s. Iv.)

22 Vgl. Schildbach (2012), S. 1, (s. Iv.)

23 Vgl. Schildbach (2012), S. 6, (s. Iv.)

24 Vgl. Büschgen (1997), S. 11, (s. Iv.)

25 Vgl. Süchting/Paul (1998), S. 121

26 Vgl. Behrens (2013), (s. Iv.)

27 Vgl. Büschgen (1997), S. 11, (s. Iv.)

28 Vgl. Behrens (2013), (s. Iv.)

29 Vgl. Hahn (1989), S. 83 f.

30 Vgl. Socher (2012), S. 5, (s. Iv.)

31 Vgl. wirtschaftslexikon24.com, o.J., (s. Iv.)

32 Vgl. CEP-Studie (2010), S. 4, (s. Iv.)

33 Vgl. Socher (2012), S. 5, (s. Iv.)

34 Vgl. CEP-Studie (2010), S. 4, (s. Iv.)

35 Vgl. Mittelbayerische.de, o.V. (2011), (s. Iv.)

36 Vgl. Socher (2012), S. 5, (s. Iv.)

37 Vgl. Behrens (2013), (s. Iv.)

38 Vgl. Hilgers (2010), (s. Iv.)

39 Vgl. Schildbach (2012), S. 3, (s. Iv.)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Universalbankensystem versus Trennbankensystem. Ein Vergleich
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V335918
ISBN (eBook)
9783668256439
ISBN (Buch)
9783668256446
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bankstruktursysteme, Bankensystem, Trennbankensystem, Universalbankensystem, Spezialbanken
Arbeit zitieren
Carolin Erkal (Autor), 2016, Universalbankensystem versus Trennbankensystem. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/335918

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