Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation in Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein”


Hausarbeit, 2013

28 Seiten, Note: A

Julienne Lakres (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I : Personenidentität bei Max Frisch
1.1. Personenidentität in Romanen von Max Frisch
1.2. Entfremdung

Teil II: Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation im Roman „Mein Name sei Gantenbein”.
2.1.Problem der Identität als Hauptthema im Roman „Mein Name sei Gantenbein“.
2.2. Wiederholung. Typen der Wiederholung.
2.3. Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation
2.3.1.Gantenbein, Enderlin oder Svoboda
2.3.2. Aussehen
2.3.3. Gefühle und Gedanken von den Hauptpersonen

Schlussfolgerungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Thema dieser Arbeit ist „Die Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation im Roman von Max Frisch „Mein Name sei Gantenbein”

Die Aufgabe dieser Forschung ist die Analyse von Wiederholung, als Stilmittel, durch das das Problem der Personenidentifikation im Roman „Mein Name sei Gantenbein“ ausgedrückt ist.

Das Objekt dieser Arbeit ist der Roman von Max Frisch „Mein Name sei Gantenbein“.

Der Gegenstand ist die Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation im Roman.

Das Ziel der Semesterarbeit ist die Erforschung der überwiegenden Typen der Wiederholung, die Max Frisch im Roman „Mein Name sei Gantenbein“ verwendet hat, um das Problem der Personenidentifikation zu verdeutlichen.

Dem Ziel entsprechend ist die Semesterarbeit in 2 Teile eingeteilt.

Im theoretischen Teil wird das Verständnis der Personenidentität bei Max Frisch, das Problem der Beziehungen der Persönlichkeit zu der Gesellschaft in seinen Romanen „Mein Name sei Gantenbein“, „Stiller“, „Homo faber“ und in seinem „Tagebuch“ betrachtet.

Im praktischen Teil ist die Analyse der Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation im Roman „Mein Name sei Gantenbein” durchgeführt. Zuerst wird das Problem der Identität als Hauptthema im Roman betrachtet. Dann werden die Typen der Wiederholung angeführt. Als Nächstes wird die Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation angesehen, und zwar in den Gestalten von den Hauptpersonen: Gantenbein, Enderlin und Svoboda. Danach ist die Wiederholung als Mittel des Ausdrucks von Aussehen, Gefühlen und Gedanken angeschaut.

Forschungsstand. Es gibt viele Wissenschaftler, die sich mit den Werken von Max Frisch beschäftigt haben. Sie haben einen Eintrag in die Forschung gemacht. Für diese Arbeit waren Arbeiten von P.C. Schmid, R. Remington, A. Eggenschwiler, R. Goldschmidt, W. Scheller und Яремко P. besonders hilfreich. Wolf Scheller hat Wert auf die Verbindung zwischen Max Frisch und seinen Werken gelegt. Die Frage „Was bin ich?“ hat Heinz Ludwig Arnold in seinem „Versuch über Max Frisch“ in Anspruch genommen.

Andere bekannte Forscher sind Затонский Д. В., Чертенко О.П., Волощук Є., M. Gassman, U. Bircher.

/Teil I: Personenidentität bei Max Frisch

1.1. Personenidentität in Romanen von Max Frisch

Max Frisch wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts geboren. Er studierte Germanistik und Architektur in Zürich. Während des Zweiten Weltkrieges war er an der Grenze und hat seine Gedanken jeden Tag in einem Tagebuch geschrieben. Heute ist es als „Blätter aus dem Brotsack” bekannt. Mit dem Roman „Stiller“ hat Max Frisch seine literarische Tätigkeit begonnen. Zu seinen bekanntesten Werken gehören drei Romanen: „Homo faber“, „Stiller“ und „Mein Name sei Gantenbein“. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, der seine innere Essenz begreifen will und auf die Rolle verzichtet, die ihm bürgerliche Gesellschaft auferlegt hat. Dieses Problem war auch Max Frisch bekannt. Er war in komplizierten Beziehungen mit seiner Heimat, deshalb sollte er ständig im Ausland sein[18].

Max Frisch ist dank dem internationalen Erfolg seiner Romanen „Stiller“ (1954), „Homo faber“ (1957), „Mein Name sei Gantenbein „ (1964), „Montauk“(1975), Spiele „Don Juan oder die Liebe zur Geometrie“ (1953), „Biedermann und die Brandstifter“ (1958), „Andorra“ (1961) schließlich dank seinen Tagebüchern, die in den 50er und 70er Jahren veröffentlicht wurden, zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Schriftsteller seiner Zeit geworden.

„Stiller“ ist ein Abenteuerroman, der über die Flucht von der eigenen Identität erzählt, „Homo Faber“ ist die Geschichte eines Mannes, der sich für seine Vergangenheit rächt, „Mein Name sei Gantenbein“ ist die Biographie, die in viele Möglichkeiten zerfällt[3].

Im 20. Jahrhundert ist die Literatur infolge des Zusammenhangs mit der Philosophie intellektuell geworden. Der Konflikt zwischen dem Menschen und der Welt ist der damaligen Literatur eigen. Für die Romane von Max Frisch ist das Problem der Beziehungen der Persönlichkeit zu der Gesellschaft typisch.

Im Werk kann man den Autor selbst durchschauen. Seine erste literarische Arbeit hat den Titel „Was bin ich?“, das im Jahr 1932 erschien. Dieses Problem kann man auch in anderen seinen Schriften erkennen und nämlich in „Mein Name sei Gantenbein“, „Stiller“ und „Homo faber“. Frisch war oft ein spöttischer Betrachter, ein Zuschauer, der den gebührenden Abstand gehalten hat. Die Protagonisten tragen bei Max Frisch keine Verantwortung für ihre Handlungen.

Das Bewusstsein des Autors steht im Mittelpunkt und ist in seinen Hauptfiguren widerspiegelt. Seine Werke enthalten Geheimnisse in sich, etwas, was man beim Lesen entdecken will. Im Roman „Mein Name sei Gantenbein“ ist die Hauptfigur, und nämlich, seine Identität unklar und es zieht den Leser an, man will dieses Rätsel unbedingt lösen.

Dem Roman „Mein Name sei Gantenbein“ zugrunde liegt die schöpferische Spiegelung des Autors, die über das Schreiben des Romans berichtet. Die Figur des Romanhelden im 20. Jahrhundert wird wie eine Reihe von Masken, wie die Gesamtheit vieler „Ich“ gebaut[7].

Es gibt auch andere Verfasser, die mit ihrem Helden neue Identität schöpfen, und zwar Thomas Mann, Gottfried Keller und Theodor Fontane. Man kann den Wunsch des Autors verfolgen, der dem bürgerlichen Wesen und einem Milieu entfliehen will[17].

Der Held von Max Frischs Romanen flüchtet aus der Wirklichkeit, in der er lebt. Das kann man mit den Worten von Rudolf Goldschmidt bestätigen: „Frischs Thema sei die Verfehlung der menschlichen Existenz, sei der (notwendig vergebliche) Versuch der Flucht, der Nicht-Annahme des eigenen Schicksals“[13].

In seinen Werken wollte Max Frisch beweisen, dass das Schicksal der Menschen nicht fatal ist, deshalb hat er immer neue Geschichte für seine Helden ausgedacht. Er wollte damit beweisen, dass die Ereignisse von verschiedenen, oft zufälligen Faktoren abhängig sind.

Für ihn war immer nicht eigenes, sondern modernes Leben wichtig, sein gespanntes Schicksal.

Seine ganze Schöpfung ist Gedanken und „Erfahren“. Man kann bei ihm aber keine Abstraktheit finden. Er beschreibt immer bestimmte Persönlichkeit.

In seinem „Tagebuch“ beginnt Frisch mit dem Persönlichen, er analysiert zwei gegenseitige Kreaturen: ein Mann und in ihm „ein anderer Mann“. Ein Mann und die Meinung über ihn. Und weiter handelt es bei ihm um den Menschen und die Gesellschaft[6,247].

Die Werke von Max Frisch, sowohl Dramaturgie, als auch Romane enthalten die Hauptfrage, die Max Frisch gestellt hat: „Wozu ist der Mensch fähig?“. Er hat darüber geschrieben, was jedem real und bekannt war. Über die Ungleichheit des Menschen und sein Schicksal, über das Leben, das unter dem Druck unecht und nicht real ist.

Der Held will dem mechanischen, vom Schicksal bestimmten Leben entfliehen, wo die Menschen immer dieselben Rollen spielen. Max Frisch will die Wahlfreiheit anbieten, über die der Mensch verfügen soll, damit er der Herr eigenen Schicksals sein kann.

Der Mensch kann nicht sein wirkliches „Ich“ mithilfe von dem willkürlichen und egozentrischen Aufruhr finden. Frisch antwortet nie. Er stellt nur die Fragen und das Problem. Im Gegensatz zu anderen Romanen, kann der Held im Roman „Mein Name sei Gantenbein“ sich ganz frei verändern[6,251].

Frisch hat genauer als andere Schriftsteller das Problem der „Nichtidentität“ in seinem Werk gestellt und vielseitig analysiert. Er interessiert sich für das Verlieren und das Nichtentsprechen des Menschen zu sich selbst. Max Frisch schreibt nicht über verschiedene Menschen, sondern allgemein über den „Menschen“. Dank der Kreativität des Autors, kann man jetzt im experimentellen Roman philosophisches Thema merken.

Der Mensch bei Max Frisch wird schon am Anfang von einem Platz auf den anderen umgestellt. Der Hauptheld oder der Erzähler gerät in schwierigen und gespannten Moment, wo die Lüge deutlich und das Vortauschen zu vollständigem Teil des Lebens werden. Die Handlung beginnt mit der Suche nach dem anderen Weg, neuer Geschichte, Biographie, Rolle, mit der Flucht.

In der Prosa von Max Frisch erscheinen nicht selten plötzlich entfremdete „er“ oder „sie“. Manchmal stellt der Autor in einem Satz „er“ statt „ich“ und führt die Erzählung in der dritten Person weiter, als ob er die Ereignisse nur beobachte und nicht selber erlebe. Auf solche Weise spielt er entweder die Rollen oder will sich einfach verstecken[6,255].

Max Frisch hat sich so über die Identität ausgedrückt: „Als ich das Wort „Identität“ hörte, war ich wahrscheinlich der letzte, der dieses Wort dabei gedacht hat…Ich habe nicht geschrieben um die Welt zu belehren…“. (Heinz L.A. Was bin ich? Versuch über Max Frisch, 2002)

In anderen Ländern hat man Max Frisch als einen Schweizer geschätzt, zu Hause aber war er immer ein Fremder. In gleicher Weise fühlen sich seine Haupthelden: ausgeschlossen und eliminiert[18].

K.G. Jung vertritt den Standpunkt, dass der Mensch keine Persönlichkeit ist, wenn er einerseits als soziale Identität und andererseits als ideale Figur betrachtet wird. Einige Psychologen sind der Meinung, dass es einen Konflikt zwischen dem wirklichen „Ich“ und „der Maske“ entsteht. Unter „der Maske“ verstehen sie eine bestimmte Art des Benehmens in der Gesellschaft[7].

Das modellierte Bewusstsein (das Schaffen) kann ein Teil vom Spiel sein, wo der Autor seine Geheimwünsche, Ideale und Komplexe zeigt. Das Bewusstseinsmodell ist ausgedacht, deshalb kann man dadurch nicht die Persönlichkeit des Autors beurteilen. Es ist für das Bewusstsein des realen Menschen übertrieben. Aber der Mensch verfügt über die Fähigkeit der Phantasie. Aus diesem Grund kann er in die Zukunft hineingucken und die Kunstwerke schaffen. Deswegen wird die Realität, die in einem künstlerischen Werk dargestellt ist, nie der wirklichen Welt identisch sein.

Man muss auch beachten, dass die Ereignisse, die der Erzähler in seinem Kopf vorspielt, sind nicht perfekt, sondern real dargestellt. Diese Objektivität kann in die Verwirrung bringen und man denkt, dass die Geschichte wirklich geschehen kann, deshalb ist man so gespannt und begeistert, wenn man die Werke von Max Frisch liest. Der Erzähler ist gleichgültig und unbeteiligt.

Max Frischs Erachten nach, „erfindet sich jeder Mensch früher oder später eine Geschichte, die er oft unter gewaltigen Opfern, für sein Leben hält, oder eine Reihe von Geschichten, die mit Namen und Daten belegt sind, so dass an ihrer Wirklichkeit, scheint es, nicht zu zweifeln ist. Trotzdem ist jede Geschichte, meine ich, eine Erfindung. Und daher auswechselbar“[17].

Die Eigenschaft, die auch das Thema seiner Arbeit ist: ein Widerstand gegen den Zwang, der die Biografie des Menschen ausübt. Das erlebte Leben war für Max Frisch nur eine der möglichen Optionen, einer der Identifikationen, die aber im Unterschied zur Literatur irreversibel ist.

Max Frisch hat sich oft statt der üblichen „Ich“ mit dem unbestimmten Personalpronomen „man“ genannt. Dies war ein wichtiges Merkmal seiner Weltanschauung: das menschliche „Ich“ war für ihn nicht festgelegt. Auf dieses Selbstbewusstsein legt er meistens den Wert. Mit diesem „Ich“ führt er endlose Gespräche, tauscht die Rollen und versucht verschiedene Identitäten auf sich[3].

1.2. Entfremdung

Bertolt Brecht hat auf Max Frisch einen Einfluss ausgeübt. Er hat diesem deutschen Dramatiker, Lyriker und Gründer des epischen Theaters ein freies Denken und Handeln entnommen. Die Verfremdung war das Kunstziel beider Künstler. Der Verfremdungseffekt erreichten sie durch den Ausbruch aus der fiktiven Welt, dabei erlebt man das Eigene als etwas Fremdes. Brecht hat das aber im Theater verwendet, während Frisch in der Literatur.

Der Protagonist enthält immer das Ego des Urhebers. Das kann man bei solchen Hauptgestalten von Max Frisch, wie Faber, Stiller, Geiser (aus „Der Mensch erscheint im Holozän“) oder bei Doktor Schaad („Blaubart“) merken[17].

Urs Bircher hat so geschrieben: „ Brecht war … ein Künstler, dessen Talent Frisch neidlos als überlegen anerkannte… Theater als Zeichen und Vergleich, das sind vorsichtige Annäherungen an das, was Brecht in bewusster Analogie zur Naturwissenschaftsmodell genannt hatte. Theater ist nicht Abbild, sondern Modell für Realitäten. So sehr Frisch in diesem Punkt Brecht annäherte, die Wirkung der Bühne auf die Bewusstseinsveränderung der Zuschauer und Spieler, Wirkungen, die Brecht enorm wichtig waren und auf die sein ganzes Taten ging, sie blieben bei Frisch weitgehend ausgespart“[9].

Max Frisch hat über die Möglichkeit geschrieben, die Technik von Bertolt Brecht verwenden zu können. Und zwar das Zerstören der Illusion, die auf der Bühne war. Im Gegensatz zu Brecht wollte Frisch nicht, die soziale Welt umstellen. Aber wie auch Brecht, wollte er dem Leser verschiedene Möglichkeiten des Lebens zeigen und zum Nachdenken anregen. Max Frisch zwingt den Helden zum gleichzeitigen Erleben von verschiedenen Situationen und zum verschiedenartigen Sammeln von Erfahrungen an demselben Ort.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation in Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein”
Note
A
Autor
Jahr
2013
Seiten
28
Katalognummer
V336324
ISBN (eBook)
9783668258952
ISBN (Buch)
9783668258969
Dateigröße
1119 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frisch, Max Frisch, Identität, Identifikation, Stilistik, Literatur, Stilmittel, Wiederholung, Identitätssuche, Schweizer Literatur, Schweizer Schriftsteller, Mein Name sei Gantenbein, Identitätsverlust, Montage, Blinde, Repetitio, Anapher, Parallelismus, Homo faber, Stiller, Montauk, Don Juan oder die Liebe zur Geometrie, Biedermann und die Brandstifter, Andorra, Was bin ich, 20. Jahrhundert, Flucht, Nichtidentität, Persönlichkeit, Maske, ich, Bewusstsein, Bertolt Brecht, Verfremdung, Entfremdung, Verfremdungseffekt, fiktive Welt, 1960er, Mitte des 20. Jahrhunderts, Gantenbein, Enderlin, Svoboda, Phantasie, Ich-Verlust, Wiederherstellung des "Ichs", Sprachliche Mittel, Liebe, Eifersucht, wortwörtliche Wiederholung, variierte Wiederholung, synonymische Wiederholung, Epipher, Spiel, blind, Blindheit, Ichbewusstsein, falsche Identität, Gleichheit, Identifizierung, Identifikationsfigur, Identifizierbarkeit, Identitätsfindung, Identitätsangst, Stilfigur
Arbeit zitieren
Julienne Lakres (Autor), 2013, Wiederholung als Ausdrucksmittel der Personenidentifikation in Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein”, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336324

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