Die vorliegende Arbeit konzentriert sich konkret auf die Professionalitätserfordernisse von Deutsch-Lehrkräften und speziell auf die interkulturellen Herausforderungen von deutschen LehrerInnen die an einer Schule in Paraguay Deutsch unterrichten.
Im Zusammensein mit den DaF-Lehrerinnen an der Schule in Paraguay und auch außerhalb habe ich deren Schwierigkeiten im Umgang mit kulturellen Unterschieden bemerkt.
In meinem Auslandssemester war ich kurz zuvor in Indien, wo SuS ihre LehrerInnen verehren und es deshalb eine sehr asymmetrische, auf körperlicher Ebene distanzierte Beziehung zwischen SuS und Lehrkräften gibt. Nun sah ich in Paraguay, dass die Beziehung zwischen SuS und LehrerInnen körperlich sehr eng ist.
Dabei ergab sich für mich das Spannungsfeld, wie stark ich mich an die jeweilige Kultur anpassen soll. Soll ich bei einem Aufenthalt in Indien die SuS im Unterricht befehligen und dann am Weltlehrertag die höchsten Lobeshymnen auf mich singen lassen? Danach fliege ich nach Paraguay und umarme und küsse die SuS? Dabei bin ich nach wie vor ein Mensch mit einer Identität. Diese wurde in meiner Sozialisation in Deutschland geprägt und ist nicht von Grund auf wandelbar. Wie gehe ich also mit „der anderen“ Kultur um? Wie weit passe ich mich an sie an?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Profession, Professionalität und Professionalisierung
2.1 Profession
2.1.1 Kennzeichen des Lehrerberufs
2.1.2 Aufgaben von Lehrkräften
2.2 Pädagogische Professionalität
2.2.1 Kompetenzen
2.2.2 Kompetenzen professioneller LehrerInnen
2.3 Professionalisierung: Die Förderung professionellen pädagogischen Handelns
2.4 Fazit: Welche Kompetenzen brauchen professionelle LehrerInnen?
3. Kultur und Interkulturalität
3.1 Kultur
3.1.1 Der Kulturbegriff
3.1.2 Die mentale Dimension von Kultur
3.2 Interkulturalität
3.2.1 Interkulturalität und interkulturelle Forschung
3.2.2 Interkulturelle Kommunikation
3.2.3 Interkulturelle Interaktionsformen
3.2.4 Interkulturelle Kompetenz
3.2.5 Lernbarkeit interkultureller Kompetenz
3.3 Exkurs: Nähe und Distanz
3.4 Fazit: Welche interkulturellen Kompetenzen werden von DaF-LehrerInnen gefordert?
4. Darstellung des Forschungsvorhabens
5. Forschungsmethodik
5.1 Grundlegende Aspekte qualitativer Forschung
5.2 Das Problemzentrierte Interview
5.3 Begründung der Methodenwahl
5.4 Das Erhebungsverfahren anhand des Interviewleitfadens
5.5 Transkriptionsregeln
5.6 Die Qualitative Inhaltsanalyse mit Hilfe von MAXQDA
6. Auswertung
6.1 Professionalisierung: Kompetenzen „guter“ Lehrkräfte
6.1.1 Kompetenzen im Umgang mit SuS
6.1.2 Fachliche Kompetenzen
6.2 Kultureinfluss auf die gesellschaftliche Rolle und das Handeln von Lehrkräften
6.2.1 Eigene Einteilung der Befragten in Lehrertypen
6.2.2 Gesellschaftliche Rolle „der paraguayischen“ und „der deutschen“ Lehrkräfte
6.2.3 Handeln von paraguayischen und DaF-Lehrkräften in Bezug auf „die paraguayische“ Kultur
6.3. Orientierung von DaF-Lehrkräften
6.4 Erfahrungen von paraguayischen mit deutschen Lehrkräften
6.5 Fazit: Sind die Befragten professionelle Lehrkräfte und erbringen speziell die befragten DaF-Lehrerinnen in Paraguay interkulturelle Anpassungsleistungen?
7. Kritik an den Forschungsbedingungen
8. Fazit: Professionalitätserfordernisse und Anpassungsleistungen von DaF-Lehrkräften
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Professionalitätserfordernisse von Deutsch-Lehrkräften unter besonderer Berücksichtigung interkultureller Herausforderungen im paraguayischen Kontext. Dabei wird erforscht, wie Lehrkräfte den Spagat zwischen pädagogischer Professionalität und kultureller Anpassung bewältigen und welche Kompetenzen sie hierfür benötigen.
- Berufsethos und professionelles Handeln von Lehrkräften
- Kulturbegriffe und interkulturelle Kommunikation im Unterricht
- Qualitative Forschungsmethodik: Das problemzentrierte Interview
- Anpassungsleistungen von DaF-Lehrkräften in Paraguay
- Bedeutung von Selbstreflexion und interkultureller Kompetenz
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Die mentale Dimension von Kultur
Grundelemente von „Kultur“ sind nach Hansen das Verhältnis von Individuum und Kollektiv sowie Standardisierungen innerhalb eines Kollektivs. Ein „Kollektiv“ besteht aus einzelnen Individuen und wird von diesen getragen. Somit sind die Individuen laut Hansen Träger der Kollektive. (vgl. Hansen 2003, S. 158) Innerhalb der Kollektive entwickeln sich Gewohnheiten. Dieser Prozess wird als „Standardisierung“ bezeichnet. (vgl. Erll u. a. 2011, S. 20) Hansen unterscheidet hierbei die vier folgenden Bereiche, die alle zur mentalen Dimension von Kultur gehören: „Standardisierung der Kommunikation“, „Standardisierung des Denkens“, „Standardisierung des Empfindens“ und „Standardisierung des Verhaltens bzw. Handelns“.
Innerhalb seines Konstrukts können die einzelnen Formen der „Standardisierung“ nicht völlig getrennt voneinander auftreten. Zur Übersichtlichkeit werden sie hier aber in den verschiedenen Kategorien aufgeführt. (vgl. Hansen 2003, S. 44f). Diese sollen im Folgenden kurz angerissen werden.
In der „Standardisierung der Kommunikation“ bilden sich in den Kollektiven viele Zeichen - vom Kopfnicken bis zum Straßenschild - als Konvention heraus. Diese werden „kulturelle Codes“ genannt. Sie legen die Bedeutung und den Gebrauch der Zeichen fest. (vgl. Erll u. a. 2011, S. 20) Die Sprache kann laut Hansen in die Kategorie des Zeichensystems eingeordnet werden, da sie Bedeutungsträger (Wörter) benutzt, die aus Willkür Bedeutungen bekommen und Gewohnheiten bei der Nutzung haben (vgl. Hansen 2003, S. 68).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Interaktions- und Lehrkompetenz sowie die zunehmende globale Vernetzung dar, die neue interkulturelle Anforderungen an Lehrkräfte im Ausland stellt.
2. Profession, Professionalität und Professionalisierung: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des Lehrerberufs, definiert Kompetenzmodelle und beleuchtet die Notwendigkeit lebenslanger Professionalisierung durch Selbstreflexion.
3. Kultur und Interkulturalität: Hier wird der Kulturbegriff theoretisch fundiert und aufgezeigt, wie kulturelle Standardisierungen interkulturelle Kommunikation und Interaktion beeinflussen.
4. Darstellung des Forschungsvorhabens: Es werden die Forschungsfragen sowie die methodische Herangehensweise zur Untersuchung der subjektiven Erfahrungen von Lehrkräften skizziert.
5. Forschungsmethodik: Dieses Kapitel erläutert die Wahl des problemzentrierten Interviews als qualitatives Erhebungsinstrument sowie die Kriterien der qualitativen Inhaltsanalyse.
6. Auswertung: Die erhobenen Daten werden analysiert, wobei Schwerpunkte auf den Kompetenzen von „guten“ Lehrkräften sowie dem kulturellen Einfluss auf deren Handeln und gesellschaftliche Rolle liegen.
7. Kritik an den Forschungsbedingungen: Die Autorin reflektiert kritisch die Rahmenbedingungen der Datenerhebung in Paraguay, wie etwa zeitliche Begrenzungen und technische Hürden.
8. Fazit: Professionalitätserfordernisse und Anpassungsleistungen von DaF-Lehrkräften: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach Reflexivität den entscheidenden Schlüssel zur Professionalisierung darstellt, um interkulturelle Integration erfolgreich zu gestalten.
Schlüsselwörter
Lehrerberuf, Professionalisierung, Pädagogische Professionalität, Interkulturalität, Interkulturelle Kompetenz, DaF-Unterricht, Qualitative Forschung, Problemzentriertes Interview, Lehrer-Schüler-Interaktion, Selbstreflexion, Akkulturation, Schulkultur, Lehrerrolle, Paraguay, Deutschland.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Anforderungen an deutsche Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrkräfte (DaF), die an einer Schule in Paraguay tätig sind, im Kontext ihrer professionellen Entwicklung und interkulturellen Anpassung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die pädagogische Professionalisierung, die theoretische Fundierung des Kulturbegriffs und die interkulturelle Interaktion im schulischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Erforschung der subjektiven Professionalitätserfordernisse von Lehrkräften und der Bewältigung interkultureller Herausforderungen durch eine qualitative Analyse von Lehrkräfteinterviews.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Forschungsmethodik angewandt, basierend auf problemzentrierten Interviews, die mittels der qualitativen Inhaltsanalyse (nach Mayring) ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Profession und Kultur, eine methodische Darstellung der Untersuchung sowie die Auswertung der Interviews mit paraguayischen und deutschen Lehrkräften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Lehrerprofessionalität, Interkulturalität, DaF-Lehrkräfte, qualitative Sozialforschung, pädagogische Basiskompetenzen und kulturelle Anpassung.
Wie unterscheidet sich die Lehrerrolle zwischen Deutschland und Paraguay laut den Befragten?
Die Befragten identifizieren in Paraguay eine informellere, „mütterlichere“ Lehrer-Schüler-Beziehung, während in Deutschland eine stärkere formelle Distanz und eine stärkere Betonung der reinen Wissensvermittlung erwartet wird.
Welche Rolle spielt die Selbstreflexion bei der Professionalisierung der DaF-Lehrkräfte?
Selbstreflexion wird als der zentrale „Schlüssel zur Professionalisierung“ identifiziert, da sie es den Lehrkräften ermöglicht, ihre Handlungsrepertoires an neue, interkulturelle Gegebenheiten anzupassen und ihre Rolle als Lehrperson ständig zu hinterfragen.
- Quote paper
- Melanie Zell (Author), 2010, DaF-Lehrkräfte in Paraguay und Deutschland. Professionalität und interkulturelle Herausforderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336357