Die Christianisierung / Mission östlich der Elbe während der Ottonenzeit im Licht der neueren Forschung


Hausarbeit, 2004
22 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1) Einleitung

2) Überblicksartige Darstellung der Geschehnisse des „Aktes von Gnesen“

3) Forschungskontroversen zum „Akt von Gnesen“

4) Die Gründung des Erzbistums Gnesen aus kirchenrechtlicher Sicht
4.1 Thietmar von Merseburg
4.2 Der Fall des Bistums Merseburg
4.3 Die Probleme bei der Gründung des Erzbistums Magdeburg
4.4 Die kirchenrechtliche Problematik des „Aktes von Gnesen“ bei Ernst-Dieter Hehl

5) Schlussbetrachtung

6) Quellenverzeichnis

7) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Die Christianisierung/Mission östlich der Elbe zur Zeit der Ottonen bewegt die Forschung schon seit langer Zeit und hat zu verschiedensten Standpunkten bezüglich der Thematik geführt. Diese Hausarbeit geht dabei speziell auf die Regierungszeit Ottos III. (994-1002) ein, also die Jahre zwischen der Schwertleite, als Symbol für die Übernahme der Regierungsverantwortung, und dem Tod des Kaisers 1002. Für die Missionierung im Osten Europas in diesem Zeitraum fallen zwei Ereignisse besonders ins Auge: Zum einen die Errichtung des Erzbistums Gnesen im Jahr 1000 und zum anderen die des ungarischen Erzbistums Gran, welches auf der Synode zu Ravenna im April 1001 von Kaiser und Papst bestätigt wurde.[1] Aus Gründen des Umfangs soll in dieser Hausarbeit nur auf die Gründung des Erzbistums Gnesen eingegangen werden.

Es gibt nur wenige Quellen, die Informationen zu diesem Thema geben. Die Hauptquellen, welche auch in dieser Arbeit Berücksichtigung finden, sind die Quedlinburger Annalen, die Magdeburger Annalen, die Chronik des Thietmar von Merseburg, die Hildesheimer Annalen sowie die Chronik des Gallus Anonymus.

In Kapitel 2 wird zunächst ein ereignisgeschichtlicher Überblick über den sogenannten „Akt von Gnesen“ gegeben. Es werden die involvierten Charaktere und die chronologischen Abläufe geschildert. Dies erscheint sinnvoll, damit sich der Leser zu Beginn zumindest grob über die Vorkommnisse informieren kann und dadurch einen besseren Einblick in die an einigen Stellen doch recht spezifische Thematik bekommt.

Bei Weitem nicht alles bezüglich der Gründung des Erzbistums Gnesen ist in der Forschung unumstritten. Über viele Fragen herrscht Uneinigkeit. Doch welches sind diese Streitfragen? Kapitel 3 soll darauf Antwort geben, indem bestehende Forschungskontroversen aufgezeigt werden. Jedoch kann eine Vertiefung der jeweiligen Kontroversen an dieser Stelle aus Gründen des Umfangs nicht erfolgen.

Anschließend wird der Frage nachgegangen, ob der „Akt von Gnesen“ aus kirchenrechtlicher Sicht problematisch war. Hier soll versucht werden, eventuell existierende Parallelen zu anderen Bistums- oder Erzbistumsgründungen zu ziehen und die Abläufe zu vergleichen. Wie sahen die Verhältnisse etwa 968 bei der Einrichtung des Erzbistums Magdeburg aus, wie im Gandersheimer Streit? Kann Gnesen aus dieser Sicht gesehen und interpretiert werden? Äußern sich die Quellen tendenziös zu den Geschehnissen?

Es stellt sich abschließend die Frage, ob der „Akt von Gnesen“ aus kirchenpolitischer Sicht als rechtmäßig oder als nicht angemessen bzw. berechtigt erscheint. Diese Diskussion in Kapitel 4.4 basiert auf einer kritischen Auseinandersetzung mit den Ausführungen Ernst-Dieter Hehls.

Zusätzlich zu der verwandten Literatur hätte noch mehr ausgewählt werden können. Jedoch gehen meiner Meinung nach hauptsächlich die hier verarbeiteten Veröffentlichungen auf das Kernthema dieser Hausarbeit ein.

2) Überblicksartige Darstellung der Geschehnisse des „Aktes von Gnesen“

Der deutsche König und seit dem 21. Mai 996 auch Kaiser Otto III. befand sich gegen Ende des Jahres 999 in Rom. Von dort aus brach er zu der Reise auf, die schließlich in der Gründung des Erzbistums Gnesen münden sollte.[2] Thietmar von Merseburg stellt in seiner Chronik fest, dass der Empfang durch Boleslaw Chrobry in Eulau an der Bober äußerst glanzvoll und prächtig war, was darauf schließen lässt, dass die Reise langfristig geplant war.[3] Boleslaw geleitete den Kaiser von ihrem Treffpunkt anschließend nach Gnesen.

Nach der Ankunft in Gnesen zeigte sich Otto zunächst äußerst devot. Dies hatte seine Gründe.

Der am 23. April 997 den Märtyrertod gestorbene Adalbert, zu Lebzeiten Bischof von Prag, lag in Gnesen bestattet. Der Sohn eines böhmischen und Prager Fürstengeschlechts war ein wichtiger geistiger Erneuerer von Kirche und Staat. Mit seiner mystischen und asketischen Lebensweise hatte er großen Einfluss auf Otto. Sein Tod bei der Missionierung der Prussen am Frischen Haff war „der Höhepunkt der religiösen und politischen Erfahrungen Ottos III.“[4] Adalbert wurde nach seinem Tod zum Heiligen der polnischen Nationalkirche. Bis heute ist er Schutzheiliger Polens und wurde 1997 von Papst Johannes Paul II. zum Schutzheiligen Europas erklärt.[5]

Otto wurde, als er Gnesen erblickte, zum barfüßigen Pilger. Von Unger, dem Bischof von Posen, wurde er in die Kirche zum Grab Adalberts geführt, „hier bat er unter Tränen den Märtyrer Christi um seine Fürbitte zur Erlangung der Gnade Christi.“[6]

Die wichtigste polnische Quelle bezüglich der Gründung des Erzbistums Gnesen, die Chronik des Gallus Anonymus[7], erwähnt dreitägige Feierlichkeiten in Gnesen zu Ehren des Kaisers, so dass der Aufenthalt Ottos auf die Zeit vom 08. bis 10. März datiert werden kann.[8]

Während dieser Zeit kam es dann zur Gründung des Erzbistums, dem die Bischöfe von Kolberg, Krakau und Breslau unterstellt wurden.[9] Thietmar erwähnt in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass Bischof Unger von Posen sich dem Erzbistum Gnesen nicht unterzuordnen hatte.[10]

Die Tage, die Otto und Boleslaw gemeinsam verbrachten, fanden wohl in einträchtiger Harmonie statt. Jedenfalls sparte Boleslaw nicht mit Geschenken an Otto, wie die Quedlinburger Annalen darlegen: „Daselbst wurde er vom Sclavenherzog Bolizlav mit den größten Aufmerksamkeiten empfangen und in schuldigem Gehorsam mit Gaben mannigfacher Art, die in der ganzen Welt eifrigst ausgesucht waren, beschenkt, wenn er auch damals nichts davon annahm, da er in jene Gegend nicht gekommen war zu raffen und zu nehmen, sondern um zu geben und zu beten.“[11] Dennoch kam es zum Austausch zweier wichtiger Gaben: So übergab Boleslaw dem Kaiser eine Reliquie in Form des Armes des heiligen Adalberts, woraufhin dieser ihm einen Nagel vom Kreuz Jesu mit der Lanze des heiligen Mauritius schenkte.[12]

Kurz vor der Abreise Ottos kam es zu einem Freundschaftsbündnis [amicitia] zwischen ihm und Boleslaw, das manche Forscher auch als Königserhebung deuten. An dieser Stelle soll von einer zweifelsfrei erfolgten Rangerhöhung des Polenherzogs berichtet werden. Welcher Art diese Erhöhung entsprach kann in dieser Hausarbeit jedoch nicht diskutiert werden, da sonst der Rahmen gesprengt würde.

Das ausgesprochen freundschaftliche Verhältnis zwischen Otto und Boleslaw wird auch dadurch deutlich, dass der Herzog nach Beendigung des kaiserlichen Besuchs diesen auf der Rückreise begleitete. Er schenkte dem Kaiser dabei 300 geharnischte Krieger, was Otto ganz besonders gefreut haben soll.[13]

Als man in Aachen ankam, ereignete sich ein für die Zeitgenossen verwerflicher Vorgang:

„Dort befahl er [Anmerk. des Verf.: gemeint ist Otto III.] damals aus Neugierde, die Gebeine des großen Kaisers Karl gegen die kirchlichen Vorschriften der heiligen Religion auszugraben: im verborgenen Grab fand er damals verschiedene Staunen erregende Dinge, aber dafür verfiel er, wie später klar wurde, der Strafe des ewigen Rächers. Denn nachdem er diese große Schandthat begangen, erschien ihm der genannte Kaiser und sagte es ihm voraus.“[14]

Die Handlung Ottos kam den Zeitgenossen wie Grabschändung vor, wie der Bericht der Jahrbücher von Hildesheim deutlich macht, in dem das Vorgehen des Kaisers deutlich gerügt wird. Bei der Graböffnung Karls kam es angeblich zu einem Vorgang, der das freundschaftliche Verhältnis zwischen Otto und Boleslaw erneut verdeutlicht. So soll der Kaiser dem Herzog den Thronsessel Karls des Großen geschenkt haben.[15]

Von Aachen aus trat Otto dann den Weg zu seinem letzten Italienzug an, Boleslaw folgte ihm dabei nicht.[16] Dies ist der Endpunkt der ereignisreichen Reise. Es ist noch anzumerken, dass das Erzbistum Gnesen im Jahr 1039 mit der Überführung der Gebeine des Heiligen Adalberts nach Prag und 1320 mit der Bestimmung Krakaus zum Sitz der Könige von Polen an Bedeutung verlor.[17]

[...]


[1] Struve, Tilman: O. III., in: LMA, Bd. VI, München 2002, Sp. 1569

[2] Vgl. Althoff, Gerd: Otto III. (=Herde, Peter: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance), Darmstadt 1996, S. 136 f.

[3] Vgl. ebd., S. 137

[4] Engelhardt, Jürgen: Gnesen im Jahre 1000 und heute, in: Deutsches Adelsblatt, Jahrgang 43, Heft 6, Kirchbrak 2004, S. 144

[5] Vgl. ebd., S. 144

[6] Thietmar von Merseburg, Chron., IV, 45 [S. 163]

[7] Eine Quellenkritik erfolgt im nächsten Kapitel auf Seite 8

[8] Vgl. Strelczyk, Jerzy: Das Treffen in Gnesen und die Gründung des Erzbistums Gnesen, in: Wieczorek, Alfred; Hinz, Hans-Martin (Hrsg.): Europas Mitte um 1000. Beiträge zur Geschichte, Kunst und Archäologie, Bd. 1, Stuttgart 2000, S. 494

[9] Vgl. Kloczowski, Jerzy: Polen, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 26, Berlin 1996, S. 758 f.

[10] Auf die Problematik bezüglich Bischof Unger und der Errichtung des Erzbistums Gnesen wird in Kapitel 4.4 genauer eingegangen.

[11] Die Jahrbücher von Quedlinburg, Das Jahr 1000, S. [24 f.]

[12] Vgl. The Deeds of the Prince of the Poles, I, 6, [S. 37]

[13] Vgl. Thietmar von Merseburg, Chron., IV, 46 [S. 163]

[14] Die Jahrbücher von Hildesheim, Das Jahr 1000, [S. 24 f.]

[15] Vgl. Althoff, Gerd: Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat, Stuttgart 2000, S. 192

[16] Vgl. RI² O. III, 1370e

[17] Vgl. Kopiec, Jan: Gnesen, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 4, 3. Aufl., Freiburg im Breisgau 1995, Sp. 800

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Christianisierung / Mission östlich der Elbe während der Ottonenzeit im Licht der neueren Forschung
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V33644
ISBN (eBook)
9783638340724
ISBN (Buch)
9783638761567
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr umfangreich recherchierte Arbeit, mit 5 Quellen und ca. 20 Werken an Sekundärliteratur als Grundlage.
Schlagworte
Christianisierung, Mission, Elbe, Ottonenzeit, Licht, Forschung
Arbeit zitieren
Joachim von Meien (Autor), 2004, Die Christianisierung / Mission östlich der Elbe während der Ottonenzeit im Licht der neueren Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33644

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