Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Politics - General and Theories of International Politics

Das Problem der Konstituierung des Gesellschaftsvertrages am Beispiel des Leviathan von Thomas Hobbes

Title: Das Problem der Konstituierung des Gesellschaftsvertrages am Beispiel des Leviathan von Thomas Hobbes

Term Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 1

Autor:in: Christian Dösinger (Author)

Politics - General and Theories of International Politics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei aktuellen Debatten, etwa bei der Auseinandersetzung um die Reform des Sozialstaates oder den Abbau der staatlichen Bürokratie, stoßen wir stets auf die Frage nach dem Einfluss des Staates auf die Bürger. Welche Legitimität besitzt der Staat, um uns seine Gesetze und Regeln aufzuzwingen und wo sind seine Grenzen? Warum und zu welchem Zweck ordnet sich der Bürger einer solchen Autorität unter?

Auf die Frage nach der Staatsautorität und -legitimation, bietet Thomas Hobbes ein Modell, welches den Staat vertragstheoretisches legitimiert. In seinem Werk Leviathan geht er zunächst davon aus, dass sich die Menschen in einem Naturzustand befinden. Dieser Zustand wird durch den Abschluss eines Gesellschaftsvertrages abgelöst; als oberste Machtinstanz sanktioniert nun der Leviathan gesellschaftliches Fehlverhalten und bietet den Akteuren Schutz vor egoistischem und rationalem Machtstreben anderer Bürger. Eine erhebliche Schwachstelle allerdings findet sich in der Vertragstheorie von Hobbes: Welche konkreten Motive veranlassen die Akteure des Naturzustandes ihr rationales und strategie- und zweckorientiertes Streben nach individueller Bedürfnisbefriedigung aufzugeben und wechselseitig auf das „ius in omnia et omnes“1 zu verzichten, um sich in einem Gesellschaftsvertrag zusammenzuschließen? Widerspricht dieses Handeln nicht deutlich Hobbes Charakteristik des Naturzustandes?

Im Rahmen dieser Arbeit soll zunächst der Naturzustand in Hinblick auf dessen Auflösung und anschließend die Phase der Konstituierung des Gesellschaftsvertrages detailliert untersucht werden: Welche Probleme treten bei der Konstituierung des Gesellschaftsvertrag auf und wie werden diese in der Wissenschaft reflektiert? Was veranlasst die Bürger im Naturzustand einen solchen Vertrag abzuschließen? In Orientierung an aktueller Forschungsliteratur stellt sich außerdem die Frage nach modernen Lösungsansätzen der politischen Philosophie. Das Spektrum der wissenschaftlichen Literatur im Bereich der Staatslegitimation und Vertragstheorien ist reichhaltig, weshalb die Literaturauswahl notwendigen Einschränkungen unterworfen ist, um durch die Konzentration auf ausgewählte Forschungsansätze eine detaillierte Analyse zu ermöglichen.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Gliederung

2. Einleitung

3. Der Naturzustand als Ausgangspunkt

4. Das Problem der Konstituierung

4.1. Problemanalyse

4.2. The prisoner’s dilemma

4.3. The free-rider problem

5. Lösungsansätze

5.1. Verstand als Vorraussetzung für einen Ausweg aus dem Naturzustand

5.2. Die Konstituierung als dreistufiger Lernprozess

5.3. Die Konstituierung als Ergebnis rationaler Vernunft

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das zentrale Problem der Konstituierung des Gesellschaftsvertrages bei Thomas Hobbes unter Berücksichtigung des Spannungsfeldes zwischen rationalem, egoistischem Machtstreben im Naturzustand und der notwendigen kollektiven Kooperation für den Staatsabschluss.

  • Analyse des Naturzustandes als theoretisches Modell und Ausgangspunkt.
  • Untersuchung des Konstituierungsproblems mittels spieltheoretischer Ansätze.
  • Diskussion des Gefangenendilemmas (prisoner’s dilemma) im Hobbesschen Kontext.
  • Erörterung der Rolle der Vernunft bei der Überwindung von Naturzustandsbedingungen.
  • Reflektion aktueller forschungsbasierter Lösungsansätze der politischen Philosophie.

Auszug aus dem Buch

4.2. The prisoner’s dilemma

Das eigentliche Problem des prisoner’s dilemma beschreibt die Situation zweier Gefangener, welchen man jedoch das gemeinsam begangene schwere Verbrechen nicht nachweisen kann. Man eröffnet ihnen nun folgende Möglichkeiten: Sofern nur einer gesteht und der andere gegen ihn aussagt, bleibt derjenige straffrei, welcher nicht gestanden hat, wobei der Geständige die Höchststrafe zu erwarten hat. Gestehen jedoch beide, werden beide mildernd bestraft. Gesteht keiner, werden beide eines geringfügigeren Verbrechens angeklagt. Kersting analysiert diese Situation intensiv und detailliert. Überträgt man die Ergebnisse seiner Untersuchung auf die konkrete Situation des Naturzustandes von Hobbes, dann wird das Problem der Konstituierung des Gesellschaftsvertrages deutlich:

Ausgangspunkt dieses Modells sind die vorhanden Möglichkeiten, die als direkte Folge einer beabsichtigten Konstituierung eintreten können: 1. Auch wenn sich jeder bereiterklärt zum Zwecke eines Zustandekommens eines Gesellschaftsvertrages sämtliches Machtstreben aufzuheben und zu kooperieren, besteht die wahrscheinliche Möglichkeit, dass wenigstens ein Bewohner des Naturzustandes die Anderen täuscht und die fehlende Aufrechterhaltung des Machterhaltungsstreben der anderen Gesellschaftsmitglieder ausnutzt. Das Zustandekommen des Vertrages setzt voraus, dass sich alle Akteure des Naturzustandes vorher auf eine Kooperation einigen und sich gegenseitig zusichern für das Zustandekommen ihre Rechte aufzugeben.

Zusammenfassung der Kapitel

2. Einleitung: Stellt die grundlegende Fragestellung zur Legitimität staatlicher Autorität bei Thomas Hobbes vor und thematisiert den Widerspruch zwischen dem Naturzustand und dem Abschluss eines Gesellschaftsvertrages.

3. Der Naturzustand als Ausgangspunkt: Analysiert den Hobbesschen Kriegszustand und die Gleichheit der Akteure als fundamentale Voraussetzungen für die Vertragstheorie.

4. Das Problem der Konstituierung: Untersucht die Motivationsprobleme der Individuen bei der Vertragsbildung unter Anwendung spieltheoretischer Modelle wie dem Gefangenendilemma und dem Free-Rider-Problem.

5. Lösungsansätze: Stellt verschiedene theoretische Erklärungsmodelle vor, die die Vernunft der Akteure oder spezifische Lernprozesse nutzen, um den Übergang aus dem Naturzustand in den staatlichen Zustand zu begründen.

6. Fazit: Resümiert, dass das Modell der Konstituierung logisch-argumentativ schwierig bleibt und eher als notwendige Begründung politischer Herrschaft vor historischem Hintergrund zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Thomas Hobbes, Leviathan, Gesellschaftsvertrag, Naturzustand, Vertragstheorie, prisoner’s dilemma, free-rider problem, politische Philosophie, Staatslegitimation, Vernunft, Machtstreben, Kooperationsstrategie, staatliche Autorität, Souveränität, Kriegszustand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Herleitung des Gesellschaftsvertrages bei Thomas Hobbes und dem darin liegenden Paradoxon, wie egoistische Individuen im Naturzustand freiwillig in einen staatlichen Zustand eintreten können.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder umfassen die Hobbessche Naturzustandstheorie, die Konstituierungsbedingungen des Staates sowie die Anwendung moderner spieltheoretischer Analysemodelle auf klassische politische Theorien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Schwachstelle in Hobbes' Vertragstheorie aufzuzeigen: Warum Akteure trotz ihres rationalen Egoismus ein Abkommen schließen, das ihre absolute Freiheit einschränkt.

Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?

Es wird eine wissenschaftliche Literaturanalyse durchgeführt, die den Text des Leviathan mit zeitgenössischen Forschungsdebatten (u.a. Kersting, Hampton) verknüpft und spieltheoretische Konzepte zur Interpretation nutzt.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Konstituierung des Staates durch die Linse des "prisoner's dilemma" und des "free-rider problem" und prüft verschiedene Lösungsansätze, wie etwa die Rolle der Vernunft.

Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis wichtig?

Wesentliche Begriffe sind "Naturzustand", "Leviathan", "Staatslegitimation", "rationaler Egoismus" und "Kooperationsstrategie".

Warum hält die Arbeit das Gefangenendilemma für den Vergleich für geeignet?

Weil das Dilemma strukturell abbildet, wie rationale Akteure durch individuelles Nutzenkalkül daran gehindert werden, kollektiv vorteilhafte Kooperationen einzugehen, was exakt der Problemlage im Naturzustand entspricht.

Kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass der Vertrag bei Hobbes logisch herleitbar ist?

Nein, die Arbeit stellt fest, dass eine rein argumentationslogische Herleitung schwierig bleibt und der Naturzustand eher als virtuelles Gegenstück und Begründungsmodell politischer Herrschaft verstanden werden sollte.

Excerpt out of 17 pages  - scroll top

Details

Title
Das Problem der Konstituierung des Gesellschaftsvertrages am Beispiel des Leviathan von Thomas Hobbes
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Staatstheorien
Grade
1
Author
Christian Dösinger (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V33651
ISBN (eBook)
9783638340786
ISBN (Book)
9783656040842
Language
German
Tags
Problem Konstituierung Gesellschaftsvertrages Beispiel Leviathan Thomas Hobbes Staatstheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Dösinger (Author), 2004, Das Problem der Konstituierung des Gesellschaftsvertrages am Beispiel des Leviathan von Thomas Hobbes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33651
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  17  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint