In dieser Arbeit geht es darum herauszuarbeiten, ob der deutsche Staat auch UMF die Kinderrechte garantiert, oder ob sie von diesen ausgenommen sind, obwohl sie jedem Kind zustünden und Flüchtlingskinder im besonderen Maße schutzbedürftig sind. Dabei werden mögliche Defizite in der Gesetzeslage und der Praxis aufgedeckt und teilweise Lösungsvorschläge aufgezeigt, beziehungsweise dargestellt, wie dem Kindeswohl besser entsprochen werden könnte .
Die Frage wie mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen umgegangen werden sollte und wie dies tatsächlich umgesetzt wird, ist gesellschaftlich höchst relevant. Auf Grund der immer weiter steigenden Zahl nach Deutschland einreisender Flüchtlinge, hat das Thema in den letzten Jahren stets an Bedeutung gewonnen. Besonders seit der vorbehaltlosen Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention ist ein kontinuierlicher Wandel im Umgang mit UMF in Gang gekommen.
So kommt es, dass aktuelle, verlässlich scheinende wissenschaftliche Quellen für die Grundlage einer solchen Forschung sehr rar sind. Die Wissenschaft ist diesbezüglich keineswegs auf dem aktuellen Stand.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemzentriertes Interview
3. Definition und rechtlicher Rahmen
3.1 Definition unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
3.2 Rechtlicher Rahmen
3.2.1. Die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen
3.2.2. Kindeswohl in der UN-Kinderrechtskonvention
3.2.3. Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland
4. Die Lebenswirklichkeit der Unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge
4.1 Ankunft der UMF in Deutschland
4.2 Unterbringung
4.3 Bildung
4.4 Asylverfahren
5. Defizite und Änderungsbedarf
5.1 Ankunft der UMF in Deutschland
5.2 Unterbringung
5.3 Bildung
5.4 Asylverfahren
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Lebenssituation und die gängige Behandlung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) in Deutschland mit dem Anspruch der UN-Kinderrechtskonvention auf eine vorrangige Berücksichtigung des Kindeswohls vereinbar sind, und deckt dabei bestehende Defizite in der rechtlichen Praxis auf.
- Analyse des rechtlichen Rahmens und der Kinderrechte für UMF in Deutschland.
- Darstellung der Lebenswirklichkeit von UMF in den Bereichen Ankunft, Unterbringung, Bildung und Asylverfahren.
- Identifikation von Defiziten und systematischen Kinderrechtsverstößen.
- Ableitung von Handlungs- und Änderungsbedarfen zur besseren Orientierung am Kindeswohl.
Auszug aus dem Buch
4.2 Unterbringung
Die Art der Unterbringung und der Betreuung der UMF variiert innerhalb des Bundesgebietes sehr stark. In einigen Bundesländern werden UMF anfangs, insbesondere wenn sie das sechzehnte Lebensjahr bereits vollendet haben, in zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen für Erwachsene untergebracht, in denen die Standards der Jugendhilfe nicht eingehalten werden. Besonders in ländlichen Gebieten bestehen Schwierigkeiten den Anforderungen an ein kindgerechtes Lebensumfeld zu entsprechen, da notwendige Aufnahmestrukturen nicht vorhanden sind (Caritas 2014: 17 f.).
Wenn im Clearingverfahren ein Jugendhilfebedarf festgestellt wird, müssen die UMF langfristig dementsprechend untergebracht werden (Ebd. 2014: 17 f.). Bei den angesprochenen diakonisch betriebenen Wohngruppen, in denen die interviewten Pädagog_innen tätig sind, handelt es sich um solche Einrichtungen der Jugendhilfe. Sie entsprechen den Anforderungen an eine kindgerechte Unterbringung. Es ist jedoch nicht der Regelfall, dass in ähnlichen Institutionen ausreichend Betreuung gewährleistet ist und auf die individuellen Bedürfnisse der UMF eingegangen werden kann (PZI Erzieher 2015).
Bei Minderjährigen, bei denen durch das Ergebnis der Altersfestsetzung festgestellt wird, dass sie das sechzehnte Lebensjahr vollendet haben, besteht die Möglichkeit, dass in dem Clearingverfahren ermittelt wird, dass für sie keine Maßnahmen zur Abwehr der Kindeswohlgefährdung notwendig sind. Sobald dies das Resultat des Clearings darstellt, ist das Jugendamt nicht verpflichtet, die UMF in jugendgerechten Wohngruppen unterzubringen. Sie werden in Folge dessen häufig auch längerfristig in Sammelunterkünften für Asylsuchende untergebracht, die aus Sicht des Caritasverbandes keine angemessene Umgebung für Minderjährige, darstellen und sich daraus eine Kindeswohlgefährdung ergeben kann. (Caritas 2014: 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Thematik, Darstellung der Forschungsfrage sowie Erläuterung der verwendeten Quellenbasis und methodischen Vorgehensweise.
2. Problemzentriertes Interview: Beschreibung der angewandten qualitativen Methode der Experteninterviews mit pädagogischem Fachpersonal in diakonischen Wohngruppen.
3. Definition und rechtlicher Rahmen: Theoretische Eingrenzung des Begriffs UMF sowie Darstellung der für Deutschland geltenden Rechtsnormen und der UN-Kinderrechtskonvention.
4. Die Lebenswirklichkeit der Unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge: Analyse der aktuellen Situation von UMF hinsichtlich Ankunft, Unterbringung, Bildung und Asylverfahren in Deutschland.
5. Defizite und Änderungsbedarf: Kritische Gegenüberstellung der Ist-Situation mit den Anforderungen der UN-Kinderrechte und Aufzeigen notwendiger systemischer Reformen.
6. Fazit: Resümierende Beantwortung der Forschungsfrage mit dem Ergebnis, dass die gängige Praxis in weiten Teilen nicht mit den geforderten Standards der UN-Kinderrechtskonvention vereinbar ist.
Schlüsselwörter
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, UMF, Kindeswohl, UN-Kinderrechtskonvention, Jugendhilfe, Asylverfahren, Aufenthaltsstatus, Clearingverfahren, Altersbestimmung, Unterbringung, Bildung, Schulpflicht, Diskriminierung, Menschenrechte, Minderjährigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die Behandlung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Erstaufnahme und Unterbringung, den Zugang zu Bildung sowie die asylrechtliche Behandlung der Minderjährigen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Ist die Lebenssituation und die gängige Behandlung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland mit der in der UN-Kinderrechtskonvention geforderten vorrangigen Berücksichtigung des Kindeswohls zu vereinbaren?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Kombination aus einer Literaturanalyse aktueller Publikationen und qualitativen Experteninterviews (problemzentriertes Interview nach Witzel) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Lebenswirklichkeit von UMF und eine anschließende Analyse der bestehenden systemischen Defizite sowie daraus resultierender Änderungsbedarfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kindeswohl, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF), Kinderrechte, Jugendhilfe, Clearingverfahren und Asylverfahren.
Warum wird in Deutschland ab 16 Jahren teilweise von „vorzeitiger Mündigkeit“ gesprochen?
Dies ist eine gesetzliche Regelung im Asylverfahren, die dazu führt, dass Jugendliche ab 16 wie Volljährige behandelt werden, was häufig zum Verlust von Jugendhilfeansprüchen und notwendiger Beratung führt.
Welche Kritik wird an der gängigen Altersbestimmung geäußert?
Die Altersbestimmung, etwa durch Inaugenscheinnahme oder Röntgenuntersuchungen, gilt als wissenschaftlich nicht fundiert, ungenau und widerspricht in ihrer praktischen Anwendung oft den Kinderrechten.
Welche Rolle spielen diakonische Wohngruppen in der Untersuchung?
Sie dienen als Beispiel für eine kindgerechte Unterbringung, in der pädagogisches Fachpersonal individuell auf die Bedürfnisse der UMF eingehen kann.
- Arbeit zitieren
- Luca Schirmer (Autor:in), 2015, Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland. Ist deren Lebenssituation und Behandlung mit der in der UN-Kinderrechtskonvention geforderten Berücksichtigung des Kindeswohls zu vereinbaren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336529