Lehrerbildung von 1945 bis 1959 in der Sowjetunion und DDR

Inwiefern sicherte sich die Regierung der sowjetischen Besatzungszone und später der DDR die Kontrolle der Macht über das Schulsystem?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in der DDR
2.1 Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

3. Das Schulsystem in der Zeit von 1945 - 1959

4. Lehrerausbildung in der Zeit von 1945 - 1954
4.1 Geschichte der Ausbildung von Grundschullehrern
4.2 Geschichte der Ausbildung von Oberschullehrern

5. Stand der Ausbildungsmöglichkeiten von 1954

6. Weiterentwicklung der Lehrerausbildung von 1954 - 1959

7. Beantwortung der Fragestellung

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Oft hört man den Satz „Früher war alles besser!“ bei einem netten Gespräch mit den Großeltern. Sie erzählen über ihre Erinnerungen an die Vergangenheit, über die Gesellschaft, über ihre Familie, über die Freizeitgestaltung und auch über ihre damalige Schulzeit. Neugierig hört man zu und es kommen viele Fragen auf. Wie hat man es geschafft, die Schule nach dem NS- Regime neu zu strukturieren? Wie hat man den Inhalt neu gestaltet? Welche Qualifikationen hatten die Lehrer? Wie war Schule in den Kriegstrümmern überhaupt möglich? Inwiefern hat die sowjetische Besatzungsmacht Einfluss auf das Schulsystem genommen?

Genau mit diesen Fragen, die sich bei diesen Gesprächen ergaben, wird sich diese Hausarbeit befassen. Man weiß, dass die NS- Politik ihre Macht unter anderem über die Lehrerausbildung gefestigt hat und somit ihre nationalsozialistischen Vorstellungen verbreiten und schon früh in die Köpfe der Kinder festsetzen konnte. Man weiß auch, dass die DDR über die Jahre immer mehr zum Kontrollstaat wurde und dass es nur eine öffentlich erwünschte politische Richtung gab. Wurden also die Lehrer in der Sowjetischen Besatzungszone und in der späteren DDR auch zu einem Instrument der politischen Machtsicherung, wie schon zu NS- Zeiten?

Wenn man die Macht ausbauen möchte, muss man bei den Wurzeln beginnen. Die Wurzeln des Schulsystems sind, neben der Besetzung der Leitungsorgane, die Lehrer. Deswegen geht es in dieser Hausarbeit um die Lehrerbildung in der sowjetischen Besatzungszone (später DDR) in der Nachkriegszeit von 1945 - 1959. Dieser Zeitraum ist bewusst ausgewählt, da die Aufteilung Deutschlands 1945 begann und das Schulsystem sich ab diesem Zeitpunkt an erheblich verändert hat. Das Schulsystem wird nur bis 1959 betrachtet, da danach ein völlig neues Schulsystem der polytechnischen Oberschulen eingeführt wurde, die das eigentliche Schulsystem der DDR repräsentieren. In dieser Arbeit soll vorrangig betrachtet werden, was vorher in der unmittelbaren Nachkriegszeit geschah und wie die Entwicklung bis zu den polytechnischen Oberschulen war. Die Hauptfrage, um die es in dieser Hausarbeit geht ist folgende: Inwiefern sicherte sich die Regierung der sowjetischen Besatzungszone und später der DDR die Kontrolle der Macht über das Schulsystem?“ Um diese Fragestellung zu beantworten ist diese Hausarbeit in mehrere Teile gegliedert. Als erstes werden die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen betrachtet, die sehr wichtig sind, um zu verstehen, warum die Dinge damals so waren. Zweitens wird das Schulsystem, um das es hier geht, näher erläutert. Daraufhin wird auf die Lehrerbildung eingegangen. Die Zeitverläufe sind bewusst in Etappen gegliedert, damit man einen besseren Überblick über die Geschichte und ihre Ereignisse hat. Da es in der DDR zu viele Änderungen im Schulsystem gab, wird in dieser Arbeit 1954 als Fixpunkt der Lehrerbildung der Nachkriegszeit dargestellt, um das Ganze zusammenzufassen. Daraus resultieren die Überschriften: Lehrerausbildung in der Zeit von 1945 - 1954; Stand der Ausbildungsmöglichkeiten von 1954 und Weiterentwicklung der Lehrerbildung von 1954 - 1959. Abschließend wird die Fragestellung beantwortet.

2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in der DDR

Kriegsende 8. Mai 1945 - Deutschland ist zertrümmert, viele Männer befinden sich in Kriegsgefangenschaft und der Alltag der Verbliebenen besteht nun aus Aufräumen, Armut, Kälte, Krankheiten und Hunger. Die alliierten Siegermächte Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich bestimmen die Zukunft Deutschlands. Das Land und ebenso Berlin werden jeweils in 4 Sektoren aufgeteilt. Zuständig für alle Fragen, die ganz Deutschland betreffen ist der am 30. Juli 1945 gebildete Alliierte Kontrollrat in Berlin. Die neuen politischen und wirtschaftlichen Ziele des geteilten Deutschlands waren nun Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Dezentralisierung der Wirtschaft und Demokratisierung. Nach Anweiler (1988: 21) lag die Realisierung dieser Ziele in der Obhut der Militärregierungen der jeweiligen Besatzungszonen. Für die Gestaltung des Bildungswesens in Deutschland nach 1945 spielte der Kontrollrat nur eine nebensächliche Rolle. So kam es, dass sich das Bildungswesen in Deutschland in der Nachkriegszeit von Anfang an in den verschiedenen Zonen anders entwickelt hat. Nach Baske (1998: 160) gab es im Osten sowie im Westen Deutschlands erhebliche Mängel, die den Alltag erschwerten, so z.B. die materiellen Schwierigkeiten, die zerstörten Schulgebäude sowie die fehlenden Heizmaterialien in den Wintermonaten. Weitere Hindernisse waren enge Wohnverhältnisse, schlechte Kleidung und das Fehlen von Lehrern und Lehrmaterialien, worauf in Kapitel 3 noch eingegangen wird. Laut Anweiler (1988: 21) arbeiteten 60.000 Mitarbeiter bei der im Juni 1945 gegründeten SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland). Diese hatte die Gewalt über die Sowjetische Besatzungszone. Die Abteilung Volksbildung für Schulen, Hochschulen und Universitäten unterlag der SMAD in Karlshorst. Das Merkmal der schulpolitischen Ausgangslage der Sowjetischen Besatzungszone war „die Überwindung des nationalsozialistischen Gedankengutes in der Erziehung“ (Anweiler 1988: 22). Die meisten Schlüsselpositionen in der Schulverwaltung und auch in der Deutschen Zentralverwaltung besaßen Mitglieder der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands), wegen der ideologischen und personellen Verbindung mit der Besatzungsmacht im Osten Deutschlands. Auf der einen Seite war die KPD der Ansicht, dass der Sozialismus nicht den Entwicklungsbedingungen Deutschlands entsprach und forderte somit eine parlamentarisch - demokratische Republik als gemeinsames Ziel (Anweiler; 1988: 23). Auf der anderen Seite erörtert Baske (1998: 14): „Für die aus dem sowjetischen Exil zurückkehrende KPD- Führung war der Marxismus- Leninismus Stalinscher Prägung die Weltanschauung der Arbeiterklasse und ihrer Partei. Gegliedert in den Dialektischen und den Historischen Materialismus, die Politische Ökonomie sowie den wissenschaftlichen Sozialismus und Kommunismus, wurde er auf vielfältige Weise allen und besonders intensiv den neuen Parteimitgliedern nahegebracht.“ Baske (1998: 14) beschreibt, dass diese Zusammenführung beider Richtungen ein „neuer Typ der Demokratie“ war und dieser gerne als „sozialistische Demokratie“ bezeichnet wurde.

Ein weiterer politischer Punkt in der Geschichte der sowjetischen Zone ist nach Malycha (2011) die Gründung der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) im April 1946 bestehend aus einem Zusammenschluss der (Ost-)KPD und (Ost-)SPD. Die SED wurde zur maßgeblichen politischen Kraft in der Sowjetischen Besatzungszone.

Es gab von Anfang an Spannungen zwischen den Besatzungsmächten, doch nachdem die Übereinkünfte zwischen ihnen endgültig nicht erreicht wurden, nahm die SED- Führung 1949 keine außenpolitische Rücksicht mehr und somit wurde die Bildung eines ostdeutschen Teilstaates zu Ende gebracht. Am 7. Oktober 1949 wurde also die DDR gegründet.

Nach Malycha (2011) war die Sowjetische Besatzung formell mit der Gründung der DDR beendet. Die SMAD nannte sich ab sofort Sowjetische Kontrollkommission (SKK) und gab die Verwaltungsfunktion im Oktober 1949 an die DDR- Regierung ab. Auf die Bereiche Politik, Wirtschaft und innere Verwaltung blieb jedoch ein starker Einfluss der SKK erhalten. Walter Ulbricht war bis zum Jahr 1971 als Generalsekretär der SED der erste Staatschef in der DDR. Weitere wichtige Ereignisse nach 1959 werden hier nur kurz genannt, da sie aus dem hier zu analysierenden Zeitraum rausfallen.

Nach Malycha gab es ab 1953 durch eine starke Unzufriedenheit der gegebenen Umstände eine Abwanderung von DDR-Bürgern in den Westen. Dies wurde unterbunden durch die am 13. August 1961 errichtete Berliner Mauer. Daraufhin wurde die gesamte Grenze Deutschlands zum Westen hin durch Grenzanlagen, auch genannt Todesstreifen, abgeschottet. Somit war die DDR vollkommen wirtschaftlich und geographisch von der BRD abgegrenzt.

2.1 Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

Die SED war die Staatspartei der DDR und wurde, wie oben schon erwähnt im April 1946 durch einen Zusammenschluss der SPD und der KPD gegründet. Nach der Konrad Adenauer Stiftung (2016) betrug die stetig wachsende Zahl der Mitglieder der SED schon am Anfang 1,2 Millionen. Die Zielsetzungen der Partei waren stets im Sinne des Marxismus-Leninismus als offizielle Weltanschauung. Nach Malycha (2011) umfasste der Marxismus- Leninismus die weltanschaulichen Lehren von Karl Marx, Friedrich Engels, W. I. Lenin und anfangs auch von Josef W. Stalin. Diese Lehren wollten die menschliche Entwicklung wissenschaftlich erklären und voraussagen. Ein Standpunkt ist, dass die Menschheit nicht aus sozialen Gegensätzen (Klassen) besteht und frei von jeglicher Ausbeutung lebt. Der Sozialismus ist eine Vorstufe des Kommunismus. Jedoch gab es soziale Unterschiede, die bei der Entwicklung hin zum Kommunismus überwunden werden müssen. Malycha (2011) behauptet, dass die Verbesserung der Lebensumstände des arbeitenden Menschen zwar theoretisch als höchstes Ziel angesehen wurde, jedoch sah die Praxis anders aus. Diese Ideologie sollte den totalitären Herrschaftsanspruch der SED in Staat und Gesellschaft durchsetzen und somit die Kritik daran unterdrückten. Die SED war also eine Partei der sozialistischen Gesellschaft, aller Organisationen der Arbeiterklasse und der Werktätigen. Nach Anweiler (1988: 23) besetzten die Mehrheit der Stellen in den Schulverwaltungen auf Länderebene die Mitglieder der SED.

Laut Malycha (2011) festigte die SED- Führung ihre Herrschaft im Staat und in der Gesellschaft gleich nach der Gründung der DDR. Sie versuchten politische Gegner auszuschalten um somit ihre Macht weiterhin auszubauen und die gesellschaftspolitischen Wandlungen weiterhin zu vollziehen. Malycha (2011) sagt diesbezüglich: „Die theoretische Grundlage dazu lieferte Stalins Fiktion über die angeblich gesetzmäßige Verschärfung des Klassenkampfes zwischen alten und neuen Machthabern in der sogenannten Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus. Sie rechtfertigte die ständige Suche nach Feinden in den eigenen Reihen und die Ausschaltung unliebsamer Konkurrenten im Kampf um die Macht bis in die Führungszirkel der Partei hinein.“ Daraufhin suchte die SED nach Parteifeinden und Saboteuren. Da diese Feinde nicht nur außerhalb der Partei verdächtigt wurden, gab es regelmäßig sogenannte Parteisäuberungen. Die CDU, LDP und Kirchengemeinden waren besonders von der Zurückdrängung betroffen. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) überwachte und kontrollierte die Staatssicherheit und wurde zum ausführenden Organ.

3. Das Schulsystem in der Zeit von 1945 - 1959

Auch im Bereich der Schulpolitik hat sich entsprechend der politischen Veränderungen in dieser Zeit viel bewegt. Einen guten Einblick in die damalige Lage des Schulsystems unmittelbar nach dem Krieg gibt ein Zitat von Emil Wendt (1957: 5): „In halbzerstörten, oft fensterlosen Schul= oder Behelfsräumen wurden hungernde Kinder, die auf Gartenstühlen, Hockern, Kisten oder gar auf dem Fußboden saßen und in der Regel kein Lehrbuch oder Schreibmaterial besaßen, von einer Lehrerschaft unterrichtet, die sich nur zum Teil aus ortsansässigen Lehrern rekrutierte […], in der Regel erhielten sie als Unterrichtsvergütung Naturalien und ein Taschengeld von der Gemeinde.“ Nach Wendt (1957: 5) wurden die Schulen der sowjetischen Besatzungszonen im Oktober 1945 wiedereröffnet. Die Entscheidungsgewalt lag ausschließlich bei der SMAD, obwohl Zentralverwaltungen der einzelnen Länder und Provinzen eingerichtet worden sind.

Laut Anweiler (1988: 23) wurde am 27. Juli 1945 die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung errichtet. In den Schlüsselpositionen waren, wie schon erwähnt fast ausschließlich Mitglieder der KPD. Paul Wandel war ein politischer Sekretär von Wilhelm Pieck und gleichzeitig Leiter dieser Zentralverwaltung. Die Volksbildungsminister beriefen regelmäßige Konferenzen ein, um sich um die Kernpunkte Koordinierung, Anleitung und Kontrolle zu kümmern.

[...]

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Details

Titel
Lehrerbildung von 1945 bis 1959 in der Sowjetunion und DDR
Untertitel
Inwiefern sicherte sich die Regierung der sowjetischen Besatzungszone und später der DDR die Kontrolle der Macht über das Schulsystem?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Bildungsgeschichte
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V336542
ISBN (eBook)
9783668261907
ISBN (Buch)
9783668261914
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Schulsystem, Lehrerausbildung, Lehrerbildung, Besatzungszone, Nachkriegszeit, SMAD
Arbeit zitieren
Kristin Rintisch (Autor), 2016, Lehrerbildung von 1945 bis 1959 in der Sowjetunion und DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336542

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