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Wendeerinnerungen. Der Weg vom langen Vorabend der Wende in die Deutsche Einheit

Title: Wendeerinnerungen. Der Weg vom langen Vorabend der Wende in die Deutsche Einheit

Essay , 2015 , 69 Pages

Autor:in: Jürgen Schnerr (Author)

History of Germany - Modern History
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Der Ruf „Wir sind das Volk“ der in Leipzig am 9. Oktober 1989 erstmals unüberhörbar erklang, war absolut authentisch! Er spiegelte ehrlich und unverfälscht das Stoppzeichen der Leipziger an die Bankrottpolitik des SED-Staates – bis hier her und nicht weiter – wider. Dieser Ruf sollte das Markenzeichen auch bei den Großdemonstrationen der nächsten Wochen überall in der DDR werden.

Nur fünf Wochen später, mit der Maueröffnung am 9. November 1989, wurde daraus der Ruf „Wir sind ein Volk“. Erst vereinzelt und leise verdrängte er innerhalb weniger Tage den Ursprungsruf fast völlig von den Demonstrationen und Kundgebungen. Nur ein kleines Wort war verändert worden, aber das symbolisierte eine völlig andere Entwicklung, die nun in Gang kommen sollte.

Während die ursprüngliche Bürgerbewegung der DDR im gleichen Atemzug die Führung am weiteren Prozess der Veränderung der DDR verlor, traten neue Kräfte auf die politische Bühne. Die Regie des weiteren Fortgangs der Ereignisse verlagerte sich insbesondere nach dem Fall der Mauer westwärts. Dabei stützte man sich auch auf Kräfte in der DDR, die ihre Chance auf Aufstieg und Bereicherung konsequent und manchmal auch skrupellos wahrnahmen. Darunter etliche, die noch vor kurzem offene oder heimliche Erfüllungsgehilfen des DDR-Systems waren.

Besser als der Leipziger Kabarettist Bernd-Lutz Lange kann man das nicht wiedergeben:
„Berater und Geschäftemacher überfluteten das Land...
Während wir noch um den Leipziger Ring zogen, schritten sie schon die Claims ihrer künftigen Gewinne ab.“ (B.L. Lange: Rastloser Übergang)

Den meisten Menschen in der DDR war dieser Paradigmenwechsel anfangs völlig entgangen. Viele von ihnen wachten erst wieder auf, als ihre Arbeitsplätze zu Hunderttausenden wegbrachen.

Aus der Sicht eines typischen DDR-Bürgers werden nachfolgend Vorgeschichte, Verlauf und Folgen der Herbstereignisse 1989 in der DDR beleuchtet. Die folgenden Kapitel erheben keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, Vollständigkeit und umfassende Beurteilung der Ereignisse sowie namentlich aufgeführter Personen. Sie sollen jedoch dazu beitragen, ein authentisches Bild von Innen, aus der Sicht eines Beteiligten, zu ermöglichen. Damit soll ein Gegenpart zu den oftmals einseitigen Sichten vieler Medien und Politiker von Außen dargestellt werden. Nicht mehr und nicht weniger ist das Anliegen dieser Schrift.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. PROLOG

1. Aufwachsen in der DDR

2. Der lange Vorabend der Wende

3. Der Wendeherbst 1989

4. Gruppierungen/ Parteien/ Gewerkschaften 1989-90

5. Unternehmen im Umbruch

6. Der Weg in die deutsche Einheit

7. Rückblick

8. Anhang

Zielsetzung & Themen

Das Ziel der Arbeit ist es, die Vorgeschichte, den Verlauf und die Folgen der Wendeereignisse von 1989 in der DDR aus der authentischen Perspektive eines betroffenen Zeitzeugen zu beleuchten, um einen Gegenpart zur oftmals einseitigen medialen und politischen Berichterstattung von außen darzustellen.

  • Persönliche Erfahrungen während des Aufwachsens in der jungen DDR.
  • Die Dynamik der Protestbewegungen im Wendeherbst 1989 in Jena und Leipzig.
  • Der dramatische Umbruch in DDR-Betrieben sowie die Rolle der neuen Arbeitnehmervertretungen.
  • Die politische und wirtschaftliche Transformation hin zur deutschen Einheit.
  • Reflektion über Identitätsverlust und die Ambivalenz des gesellschaftlichen Wandels.

Auszug aus dem Buch

3. Der Wendeherbst 1989

Wo, und vor allem wann begann der Wendeherbst 1989?

Symbolisch sicher am 11.09.1989, als sich die Schlagbäume an der ungarisch-österreichischen Grenze für mehr als 10.000 DDR-Flüchtlinge öffneten. Nicht weniger dramatisch die Ereignisse in der Prager Botschaft der BRD am 02.10.1989 und danach bei der Durchfahrt der Züge mit den Botschaftsflüchtlingen durch Sachsen, wo es zu straßenkampfähnlichen Ereignissen in Dresden am Hauptbahnhof und entlang der Bahnlinie nach Hof kam. International war sicher das erste Ereignis bedeutender, da damit deutlich wurde, dass die Sowjetunion mit Gorbatschow keine Reaktion zugunsten der DDR (-Führung) mehr zeigen würde.

Diese Ereignisse waren jedoch nur die sichtbaren Zeichen des fluchtbereiten Teils der DDR-Bevölkerung.

Bei denen, die bleiben und aufstehen wollten, hatte manches sicher schon lange Jahre vorher begonnen, aber im Sommer 1989 entwickelte sich daraus eine umfangreiche Massenbewegung. DDR-weit gab es immer mehr Menschen, die sich mit anderen zusammensetzten und über Auswege aus dieser Krise des Staates diskutierten. Das gab es zuerst im Rahmen der Kirchen und der Kulturszene, dann innerhalb der sogenannten Blockparteien und parallel dazu auch in Kreisen der SED selbst.

Konkret erfuhr ich davon zum ersten Mal im August 1989. Eine Verwandte meiner Frau war zu Besuch und wollte die Stadtkirche in Jena besichtigen. Damals war das kein Problem, da die Kirchen immer offen waren. Bei dieser gemeinsamen Besichtigung registrierte ich voller Überraschung, dass im Innern der Kirche bereits offen über die DDR und ihre Probleme an Wandzeitungen berichtet wurde. Ein Hinweis dort führte mich in das Stadtkirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche auf der Lutherstraße in die sogenannte Umweltbibliothek. Dort konnte ich mir für eine kleine Spende mehrere Bücher und Schriften mit Zustandsbeschreibungen der DDR aus der Sicht von innen und außen ausleihen. Ich habe sie regelrecht verschlungen und sie haben mich ziemlich aufgewühlt.

Zusammenfassung der Kapitel

0. PROLOG: Einführung in die authentische Sichtweise des Autors auf die Wende und die bewusste Wahl des Begriffs "Wende" gegenüber "friedlicher Revolution".

1. Aufwachsen in der DDR: Schilderung der persönlichen Sozialisation in der DDR, geprägt von frühen Erfahrungen mit dem Staat, der Jugendkultur und ersten Konflikten.

2. Der lange Vorabend der Wende: Analyse der wachsenden Entfremdung vom DDR-System infolge der Tschechenkrise 1968 und persönlicher Erfahrungen während des NVA-Dienstes.

3. Der Wendeherbst 1989: Darstellung des Aufkommens der Massenbewegung, der Bedeutung der Kirchen als Freiräume und des zunehmenden Agonie-Zustands der Staatsführung.

4. Gruppierungen/ Parteien/ Gewerkschaften 1989-90: Bericht über die Vernetzung oppositioneller Gruppen und die Versuche zur Etablierung unabhängiger Arbeitnehmervertretungen in Jena.

5. Unternehmen im Umbruch: Einblick in die ökonomischen Krisen in den Betrieben, den Zusammenbruch alter Strukturen und die Unsicherheit der Beschäftigten im Transformationsprozess.

6. Der Weg in die deutsche Einheit: Reflektion über den Vollzug der Einheit, die Ernüchterung bei den Wahlen 1990 und das Ende aktiven politischen Engagements des Autors.

7. Rückblick: Abschließende persönliche Bewertung des friedlichen Wandels, der Abzug der sowjetischen Truppen und eine kritische Auseinandersetzung mit der heutigen deutschen Realität.

8. Anhang: Auflistung der verwendeten Zitate und Quellen sowie Verzeichnisse der Anlagen.

Schlüsselwörter

DDR, Wende 1989, Jena, Friedliche Revolution, SED, Arbeitnehmervertretung, Transformation, Deutsche Einheit, NVA, FDGB, Betriebsräte, Stasi, Carl Zeiss Jena, Sozialismus, Zeitzeugenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in diesem Buch grundsätzlich?

Das Buch bietet persönliche Erinnerungen und eine subjektive Aufarbeitung der Wendezeit in der DDR aus der Sicht eines in Jena lebenden Bürgers, der den Prozess aktiv in seinem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld mitgestaltet hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Sozialisation in der DDR, die Entwicklung des politischen Widerstands ab den späten 1960er Jahren, die Umbruchsphase 1989 sowie die darauffolgenden ökonomischen und sozialen Umwälzungen in den Betrieben.

Was ist das primäre Ziel des Autors?

Der Autor möchte ein authentisches Bild von innen vermitteln und einen Gegenpart zu den oft einseitigen Darstellungen von Medien und Politikern bilden, die den Prozess "von außen" beurteilen.

Welche Rolle spielten die Betriebe in diesem Prozess?

Die Betriebe fungierten als zentrale Orte der sozialen und ökonomischen Umwälzung, in denen die alten FDGB-Strukturen zusammenbrachen und neue, unabhängige Interessenvertretungen wie Betriebsräte erkämpft werden mussten.

Wie bewertet der Autor die deutsche Einheit rückblickend?

Der Autor äußert sich ambivalent; er ist froh über den friedlichen Verlauf, kritisiert jedoch die Art und Weise der Transformation, den Identitätsverlust und die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Ost und West.

Welche Bedeutung hat der Begriff "Wende" für den Autor?

Der Autor wählt den Begriff "Wende" bewusst, da dieser im alltäglichen Sprachgebrauch der Ostdeutschen tief verwurzelt ist und die kollektive Erfahrung des radikalen Umbruchs am besten beschreibt.

Wie erlebte der Autor die Rolle der Stasi in seinem Umfeld?

Der Autor beschreibt, wie er durch seine Aktivitäten in oppositionelle Zusammenhänge geriet und wie er die "Grenzen" des allmächtigen Überwachungsstaates persönlich durch kleine Akte des Ungehorsams austestete.

Welche spezifische Bedeutung hatte der "Fall Carl Zeiss Jena" für die Stadt?

Das Unternehmen war identitätsstiftend und wirtschaftlich lebensnotwendig für Jena; sein Umbruch und die Unsicherheit über seine Zukunft stellten das zentrale lokale wirtschaftliche Drama nach 1989 dar.

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Details

Title
Wendeerinnerungen. Der Weg vom langen Vorabend der Wende in die Deutsche Einheit
Author
Jürgen Schnerr (Author)
Publication Year
2015
Pages
69
Catalog Number
V336544
ISBN (eBook)
9783656984832
ISBN (Book)
9783656984849
Language
German
Tags
DDR BRD Wende 1989 Einheit Deutschlands Umbrüche Ostdeutschland Jena/Thüringen Parteien Gewerkschaften Unternehmen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jürgen Schnerr (Author), 2015, Wendeerinnerungen. Der Weg vom langen Vorabend der Wende in die Deutsche Einheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336544
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