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Humor in der psychosozialen Beratung. Theoretische Hintergründe, Methoden und Funktion

Title: Humor in der psychosozialen Beratung. Theoretische Hintergründe, Methoden und Funktion

Bachelor Thesis , 2016 , 59 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Manuela Willenborg (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Humor hat in den vergangenen zwanzig Jahren einen Bedeutungszuwachs in Therapie und Beratung bekommen. Das Wissen um die positiven Funktionen und die besondere Relevanz einer vertrauensvollen, guten Beziehung von Klient und Berater erhöht auch das Forschungsinteresse an den Wirkfaktoren. Diese Arbeit soll zunächst den Humor fassbarer machen, ihn definieren und ihn in seinen Facetten, in seiner theoretischen Rahmung und in seinen Funktionen analysieren. Von Interesse sind an dieser Stelle die Fragen, was Humor denn tatsächlich bewirken und ob derjenige, der Humor hat, besser mit belastenden Umständen fertig werden kann. Wenn dem so ist, folgt die Frage: Ist Humor trainierbar? Dazu werden ausschließlich Erkenntnisse aus der Fachliteratur vorgestellt und diskutiert. In einem weiteren Schritt wird die Einbettung von Humor in ressourcenorientierte Konzepte der Sozialen Arbeit vorgeschlagen.

Der zweite Themenkomplex dieser Arbeit befasst sich mit der psychosozialen Beratung als wesentlichem Handlungsfeld der Sozialen Arbeit. Hierzu ist es von Interesse, was psychosoziale Beratung überhaupt ausmacht und was die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Psychotherapie sind. Dies ist aus zwei Gründen bedeutsam: zum einen basiert die psychosoziale Beratung zu großen Teilen auf psychotherapeutischen Methoden und Theorien und zum anderen speist sich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, die komplette Literatur zu Humor und zu Interventionen aus der Psychologie. Hier hat Humor bereits eine Tradition, während er in der Sozialen Arbeit (noch) kaum Relevanz hat.

Der darauffolgende Abschnitt beschäftigt sich mit der Bedeutung von Humor in der Psychotherapie. Neben den drei großen Psychotherapeuten der Wiener Schule, die als Pioniere des Humors im therapeutischen Kontext gelten dürfen, wird ein noch aktiver amerikanischer Therapeut, der Humor in seinem Konzept zur Kurzzeittherapie integriert hat, vorgestellt. Dass Humor bereits erfolgreich seinen Einsatz in der Therapie hat, beweisen zwei im Anschluss erörterte Methoden: die Paradoxe Intention und die Provokative Therapie, deren mildere Form, der Provokative Stil, ebenfalls skizziert wird. Die Erkenntnisse über Humor im bereits erforschten psychotherapeutischen Kontext werden schließlich übertragen auf den therapeutischen Humor in der psychosozialen Beratung mit der Fragestellung, welche Aspekte von Humor in der psychosozialen Beratung zu beachten sind.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Humor

2.1 Humor – eine begriffliche Annäherung

2.2 Facetten des Humors

2.2.1 Komik

2.2.2 Witz

2.2.3 Ironie

2.2.4 Sarkasmus

2.2.5 Zynismus

2.2.6 Schwarzer Humor/Galgenhumor

2.3 Physiologische Auswirkungen

3 Humortheoretische Aspekte

3.1 Psychologische Theorien

3.2 Überlegenheits- und Agressionstheorien

3.3 Soziale Theorien

3.4 Inkongruenztheorien

3.5 Spieltheorien

4 Funktionen von Humor

4.1 Erleichterung der Kommunikation

4.2 Soziale Funktion

4.3 Psychologische Funktion

4.4 Didaktische Funktion

5 Humor und die Einbettung in Konzepte

6 Psychosoziale Beratung

6.1 Definition

6.2 Kennzeichen psychosozialer Beratung

6.3 Felder psychosozialer Beratung

7 Psychosoziale Beratung und Psychotherapie – ein Vergleich

8 Humor in der Psychotherapie

8.1 Sigmund Freud - Psychoanalyse

8.2 Alfred Adler - Individualpsychologie

8.3 Viktor Frankl - Logotherapie

8.4 Waleed Anthony Salameh - Integrative Kurzzeittherapie (ISTP)

9 Vorstellung und Vertiefung zweier Methoden

9.1 Paradoxe Intention

9.2 Provokative Therapie und Provokativer Stil (ProSt)

10 Therapeutischer Humor in der psychosozialen Beratung

10.1 Haltung des Beraters

10.2 Humortechniken

10.3 Empirische Untersuchungen zu Therapeutischem Humor

10.4 Grenzen von Humor in der psychosozialen Beratung

11 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Humor als wirkungsvolle Interventionsmethode im Kontext der psychosozialen Beratung. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Humor trotz der komplexen und oft belastenden Situationen in der Sozialen Arbeit gezielt zur Beziehungsgestaltung, Stressbewältigung und Problemlösung eingesetzt werden kann, unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und ethischer Grenzen.

  • Grundlagen und Facetten des Humors im therapeutischen Kontext
  • Psychologische und soziale Humortheorien sowie deren Funktionen
  • Vergleich der psychosozialen Beratung mit der Psychotherapie hinsichtlich ihrer Humornutzung
  • Vorstellung spezifischer Methoden wie der Paradoxen Intention und der Provokativen Therapie
  • Empirische Einblicke und ethische Grenzen des Humoreinsatzes in der Beratung

Auszug aus dem Buch

10.2 Humortechniken

Das Wissen um allgemeine und spezifische Wirkweisen von Humor ist essenziell für Humorinterventionen in Therapie und Beratung. Zunächst sorgt Humor für Aufmerksamkeit und kann eine positive Erregungssituation herbeiführen, in der Veränderungs- und Lernimpulse möglich sind. Diese sind in tiefer Problemtrance oder in Angst und Stress nämlich nicht umsetzbar, wie die Neuropsychologie beweist (vgl. Dumbs 2008, S. 131). Eine aufmerksame, lebendige Haltung ist auch dem Therapeuten/ Berater anzuraten. Der Ankereffekt kann verändertes Verhalten konstituieren, indem mit humorvollen Bildern oder Geschichten beide Gehirnhälften aktiviert werden (vgl. ebd., S. 133). Neben den bereits beschriebenen Techniken der Paradoxen Intention und der Verschreibung des gefürchteten Ereignisses (vgl. 8.1) sind Salemehs „Sexy Six“ zu nennen: Übertreibung, Inkongruenz, Understatement, Umkehrung, Wortspiel und Anthropomorphismus (vgl. Salameh 2007, S. 182 ff). Als Beispiel für Understatement nennt er: „Die Depression ist ein exzessiver Mangel an Euphorietoleranz“ (ebd. S. 184) und für Umkehrung: „Das größte Problem bei der Selbstanalyse ist die Gegenübertragung“ (ebd. S. 185). Einige dieser Techniken finden sich auch in der Gestalttherapie von Perls, wie die Übertreibung im Rollenspiel oder komische Ausdrücke in der Sprache, die ihrer Ernsthaftigkeit beraubt wurden. Möglich ist auch, einen Dialog führen zu lassen zwischen den unterschiedlichen Körperteilen und dem Selbst, wie in „Sprich mal als dein Arm zu dir“ (vgl. Bernhardt 1985, S.103).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Bedeutungszuwachs von Humor in der Therapie und definiert das Ziel der Arbeit, den Humor theoretisch und funktional für die psychosoziale Beratung fassbar zu machen.

2 Humor: Dieses Kapitel nähert sich dem komplexen Phänomen Humor begrifflich und erörtert verschiedene Facetten wie Komik, Witz, Ironie und schwarzen Humor sowie deren physiologische Effekte.

3 Humortheoretische Aspekte: Hier werden zentrale theoretische Modelle, darunter psychologische, soziale und Spieltheorien, vorgestellt, die das Wesen und die Wirkung von Humor wissenschaftlich begründen.

4 Funktionen von Humor: Das Kapitel analysiert die maßgeblichen Funktionen von Humor – Erleichterung der Kommunikation, soziale, psychologische und didaktische Wirkungsweisen – für den therapeutischen Kontext.

5 Humor und die Einbettung in Konzepte: Es wird erörtert, wie Humor sinnvoll mit ressourcenorientierten Ansätzen wie Empowerment, Salutogenese und Resilienz in der Beratungspraxis verknüpft werden kann.

6 Psychosoziale Beratung: Dieses Kapitel definiert die psychosoziale Beratung, ihre Kennzeichen und Felder und grenzt sie als professionelles Handlungsfeld der Sozialen Arbeit ab.

7 Psychosoziale Beratung und Psychotherapie – ein Vergleich: Hier werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Disziplinen untersucht, um die Übertragbarkeit therapeutischer Erkenntnisse auf die Beratung zu klären.

8 Humor in der Psychotherapie: Der Fokus liegt auf der humortherapeutischen Tradition durch Pioniere wie Freud, Adler und Frankl sowie den integrativen Ansatz von Salameh.

9 Vorstellung und Vertiefung zweier Methoden: Dieses Kapitel widmet sich detailliert der Paradoxen Intention und der Provokativen Therapie inklusive des Provokativen Stils (ProSt) als humorbasierte Interventionsmethoden.

10 Therapeutischer Humor in der psychosozialen Beratung: Abschließend werden die Haltung des Beraters, spezifische Techniken, empirische Erkenntnisse und die ethischen Grenzen des Humoreinsatzes in der Beratung diskutiert.

11 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont den Bedarf an weiterer Forschung und plädiert für die Implementierung von Humor als professionelles Instrument in der Sozialen Arbeit.

Schlüsselwörter

Humor, psychosoziale Beratung, Therapie, Soziale Arbeit, Paradoxe Intention, Provokative Therapie, Ressourcenorientierung, Kommunikation, Coping, Selbstdistanzierung, Wirkfaktoren, Humortechnik, Gelotologie, psychische Gesundheit, Beratungskompetenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und dem gezielten Einsatz von Humor als Interventionsmethode in der psychosozialen Beratung und ordnet dieses Thema in den wissenschaftlichen Kontext der Sozialen Arbeit ein.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Humorbegriffs, die verschiedenen psychologischen und sozialen Funktionen von Humor sowie spezifische therapeutische Methoden und deren Anwendungsmöglichkeiten in der Beratung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, den Humor als Instrument für die psychosoziale Beratung zu legitimieren und zu analysieren, wie er – trotz fehlender expliziter Tradition in der Sozialen Arbeit – reflektiert und wirksam eingesetzt werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse. Es werden bestehende Theorien aus der Psychologie und Psychotherapie herangezogen, kritisch diskutiert und auf das Feld der psychosozialen Beratung übertragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst eine theoretische Einordnung des Humors, die Vorstellung der Wiener Therapieschulen, detaillierte Ausführungen zu Interventionsmethoden wie der Paradoxen Intention und eine kritische Auseinandersetzung mit der Haltung des Beraters und den Grenzen von Humorinterventionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Humor, psychosoziale Beratung, Ressourcenorientierung, Provokative Therapie, Paradoxe Intention, Kommunikation, Coping und therapeutische Wirkfaktoren charakterisiert.

Warum ist die Provokative Therapie im Kontext von Humor relevant?

Sie gilt als eine der methodischen Vertiefungen, in denen Humor durch provokante Rückmeldungen gezielt zur Konfrontation und Problemlösung eingesetzt wird, um Klienten zur Aktivierung ihrer Selbstheilungskräfte zu bewegen.

Wo liegen die ethischen Grenzen für den Einsatz von Humor in der Beratung?

Ethische Grenzen sind dort erreicht, wo Humor als destruktiv, sarkastisch oder herabwürdigend empfunden wird, das Vertrauensverhältnis stört oder die Verletzlichkeit des Klienten (z.B. bei Scham oder schweren Traumata) missachtet.

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Details

Title
Humor in der psychosozialen Beratung. Theoretische Hintergründe, Methoden und Funktion
College
University of Applied Sciences Münster  (Soziale Arbeit)
Grade
1,3
Author
Manuela Willenborg (Author)
Publication Year
2016
Pages
59
Catalog Number
V336562
ISBN (eBook)
9783668263017
ISBN (Book)
9783668263024
Language
German
Tags
Humor Psychosoziale Beratung Beratung Humortheoretische Aspekte Funktionen von Humor Humor in der Psychotherapie Therapeutischer Humor Psychosoziale Beratung und Therapie- ein Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manuela Willenborg (Author), 2016, Humor in der psychosozialen Beratung. Theoretische Hintergründe, Methoden und Funktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336562
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