Fußball als Kulturphänomen. Was macht den Fußball so attraktiv?


Hausarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung - Fußball ist unser Leben

2. Fußball als Kulturphänomen
2.1 Kommerzialisierung des Fußballs
2.2 Fans als Grundlage einer Fußballkultur

3. Was macht den Fußball so attraktiv?

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit der Fußballsport als ein Kulturphänomen betrachtet werden kann. Es soll versucht werden, das Fußballphänomen in der Gesellschaft zu skizzieren und die unterschiedlichen sport- und kulturwissenschaftlichen, ökonomischen sowie sozialpsychologischen Aspekte darzustellen. Darüber hinaus geht es um die Frage, welche Aspekte den Fußball so anziehend machen, dass er zu einem solchen gesellschaftlichen Massenphänomen avancieren konnte, wie etwa der Fußball-Weltmeisterschaft oder dem Champions-Leaque-Finale, bei denen sich zig Millionen Menschen auf der ganzen Welt für ein Fußballspiel interessieren und mit teils großer emotionaler Beteiligung mitfiebern. Um diese Frage beantworten zu können, werden bestimmte Determinanten der Attraktivität des Fußballs erarbeitet und dargestellt. So wird beispielsweise auf die Einfachheit und die Unvorhersehbarkeit des Fußballs eingegangen. Auch werden Aspekte der Emotionalisierung, der Identifikation oder des Gemeinschaftserlebens dargestellt, welche die Anziehungskraft des Fußballs auf die Gesellschaft erklären könnten.

"Fußball ist unser Leben" - dies ist der Titel eines WM-Liedes der Deutschen Fußballnationalmannschaft, das 1973 von Jack White komponiert und produziert wurde und von den damals aktuellen Nationalspielern, wie unter anderem Gerd Müller, Franz Beckenbauer oder Uli Hoeneß gesungen wurde. Es handelt davon, dass der Fußball das Leben der Spieler im positiven Sinne dominiert und Fußball die wichtigste Sache der Welt sei. Diese grundlegende Auffassung wird durch die berühmte Zeile "Denn König Fußball regiert die Welt" gemutmaßt. Das Lied entwickelte sich zu einem Kultsong und wird noch heute bei manchen Fußballveranstaltungen gespielt. Es kann symbolisch für eine erste Blütezeit des Fußballsports in Deutschland betrachtet werden.

Im Jahr 1972 wurde die Deutsche Nationalmannschaft in Belgien Europameister. Zwei Jahre später wurde dann die Weltmeisterschaft in der Deutschen Bundesrepublik ausgetragen. Die Vorfreude auf die WM war groß und als die Bundesrepublik Deutschland dann Weltmeister wurde, erreichte die Popularität des Fußballs in Deutschland einen neuen Höhepunkt. Musikalisch hatte etwa 1973 auch der Deutsche Schlager seine Blütezeit. Fußball und Schlager profitierten von der Verbreitung von Fernsehgeräten in den Haushalten der Bundesrepublik seit Ende der 60iger Jahre und so verwundert es nicht, dass das Lied "Fußball ist unser Leben" zu einem großen Hit wurde. Inhaltlich betrachtet ist der Song eine Hommage an den Fußball und veranschaulicht die leidenschaftliche Wettkampfmentalität der Spieler sowie den Zusammenhalt und die Begeisterung in der Gesellschaft:

"Fußball ist unser Leben,

denn König Fußball regiert die Welt.

Wir kämpfen und geben alles,

bis dann ein Tor nach dem anderen fällt.

Ja, Einer für Alle, Alle für Einen.

Wir halten fest zusammen,

und ist der Sieg dann unser,

sind Freud und Ehr für uns alle bestellt.

Ein jeder Gegner will uns natürlich schlagen,

er kann`s versuchen,

er darf es ruhig wagen,

doch sieht er denn nicht,

dass hunderttausend Freunde zusammen steh`n.

Ja! Wir spielen immer, sogar bei Wind und Regen.

Auch wenn die Sonne lacht und andre sich vergnügen,

doch schön ist der Lohn,

wenn hunderttausend zusammen steh`n. (...)"

Neben der zentralen Aussage, dass Fußball über allem stehe, gibt der Text noch weitere Gesichtspunkte wieder, die die Anziehungskraft des Fußballs beschreiben. So wird beispielsweise aufgezeigt, dass die Spieler hart arbeiten müssen um ihre Ziele zu verwirklichen. An dieser Stelle kann eine Parallele zum arbeitenden Volk gezogen werden wodurch sich die Nation mit der Mannschaft identifizieren kann. Auch wird die Metapher der Drei Musketiere herangezogen. "Einer für Alle und Alle für Einen." Nicht nur die Fußballer untereinander treten für einander ein, sondern auch die "hunderttausend Freunde" für die Mannschaft und umgekehrt. Dem Volk wird somit eine wichtige Aufgabe zu teil. Es unterstützt die Nationalmannschaft und hat dadurch als "12. Mann" indirekten Einfluss auf den Ausgang des Spiels. Der Lohn dafür ist die Freude und Ehre, die bei einem Sieg allen zuteil wird. Dieser emotionale Aspekt ist neben der wechselseitigen Beziehung zwischen einer Fußballmannschaft und ihren Anhängern grundlegend, will man die Faszination des Fußballs verstehen. Ohne die Fußballbegeisterten wäre der moderne Fußball nicht das was er heute ist - ein Massenphänomen und damit auch ein Kulturphänomen.

Diese Behauptung, Fußball sei ein Kulturphänomen, soll im Rahmen dieser Hausarbeit untersucht werden. Hierzu wird im Kapitel 2 geklärt was unter dem Begriff Kultur verstanden werden kann und welchen Einfluss hierbei die Kommerzialisierung des Fußballs hat. Auch wird am Beispiel der Fans dargestellt welche kulturellen Aspekte den modernen Fußball kennzeichnen. Darüber hinaus soll im Kapitel 3 versucht werden die Frage nach der Attraktivität des Fußballs zu klären. Hierzu sollen mögliche Determinanten der Attraktivität des Fußballs herausgearbeitet werden, wie beispielsweise die Einfachheit sowie die Unvorhersehbarkeit des Spiels oder die Identifikation und Emotionalisierung von Fußballfans.

Abschließend sollen die erarbeiteten Faktoren und Aspekte im Kapitel 4 zusammengetragen werden um zu klären ob Fußball tatsächlich als ein Kulturphänomen betrachtet werden kann.

2. Fußball als Kulturphänomen

Am Wochenende erlebt man fast in jedem Land das gleiche Schauspiel. Menschenschaaren strömen in die Fußballstadien und unterstützen ihre Vereine. Fußball bewegt Massen. Fußball ist anscheinend mehr als ein Spiel, in dem sich zwei Mannschaften mit jeweils 11 Spielern gegenüberstehen und versuchen den Ball ins gegnerische Tor zu schießen. Fußball ist Leidenschaft. Fußball ist Kult. Fußball kann mitunter eine Lebenseinstellung sein und einige Sozialwissenschaftler, wie beispielsweise Gerd Dembovski gehen sogar soweit und betrachten Fußball als eine Art Religionsersatz (vgl. Mesirca, 2013, o.S.). Die Frage, die in diesem Kapitel besprochen werden soll, ist, ob Fußball als ein Kulturphänomen betrachtet werden kann. Diese Frage ist eine sehr aktuelle, denn in diesen Tagen findet die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien statt. Die Nachrichtenagenturen und TV-Sender richten ihren Fokus zu einem großen Teil nach Brasilien um die Menschen hier zu Lande mit den aktuellen Spielergebnissen und Befindlichkeiten der Nationalspieler zu informieren. Die WM in Brasilien ist ein häufiges Kommunikationsthema auf Arbeit, unter Freunden und sogar in der Familie. Es werden die neuesten Informationen ausgetauscht und die Spiele gemeinsam analysiert. "Fußball löst wie kein anderer Sport weltweit Begeisterung und Emotionen aus. Milliarden Menschen leiden mit ihren geliebten und verhassten Teams, Spieler werden zu ewigen Helden oder verspotteten Versagern, Tore und Titel lösen Freudenfeste aus, die das Selbstbewusstsein einer siegreichen Nation mehr beflügeln als so manche politische Wendung." (Arte, 2006) Dieses Zitat von der Homepage des TV-Senders Arte veranschaulicht sehr schön die leidenschaftliche Auseinandersetzung der Zuschauer mit dem Fußball und welche Bedeutung dem Fußball zugeschrieben wird, beziehungsweise welchen Stellenwert der Fußball weltweit erlangt hat. Die Weltmeisterschaft in Brasilien führt regelrecht zu einem Massenphänomen. Menschen auf der ganzen Welt versammeln sich vor den Fernsehgeräten oder vor riesigen Videoleinwänden auf öffentlichen Plätzen, wie der Fan- Meile in Berlin am Brandenburger Tor und bestaunen die Athleten aus der ganzen Welt die sich gegeneinander messen und um den Titel spielen.

Ein so weit verbreitetes Phänomen sucht nach Erklärungen und wissenschaftlichen Deutungen. Dass sich Sportwissenschaftler schon lange mit dieser Thematik auseinandersetzen, scheint naheliegend und belegt die Publikationsliste der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (vgl. Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft, o.J., o.S.). Dass der Fußball allerdings mehr und mehr Thema der Sozial- und Kulturwissenschaften wird, zeigt welche bedeutende Rolle der Fußball in der Gesellschaft spielt. So widmet sich beispielsweise das Institutskolloquium der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen dieses Jahr anlässlich der Weltmeisterschaft in Brasilien dem Thema "Aktuelle Forschungen: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Fußball“ (Eberhard Karls Universität Tübingen, 2014, o.S.). Der Fußball ist vielfach Thema wissenschaftlicher Analysen geworden, von der Fankultur bis zu Fragen des Umgangs mit Minderheiten und der Konstruktion von regionaler Identität (ebd.). Durch die sozial- und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik des Fußballs werden verschiedene Erklärungsansätze erarbeitet, die versuchen, Fußball als ein kulturelles Phänomen zu beschreiben.

Um im Weiteren klare und einheitliche Begriffe zu verwenden soll an dieser Stelle der Begriff "Kultur" näher definiert werden. Viele Menschen denken bei diesem Begriff zuerst an Kunst, Architektur, Sprache oder ähnliches. Diese Aspekte von Kultur stellen aber nur einen kleinen Ausschnitt der komplexen kulturellen Wirklichkeit dar (DAAD.de, o.J.). Der Begriff "Kultur" entstammt aus dem lateinischen Wort "colere" und bedeutet soviel wie bebauen, bestellen oder pflegen. Aus der wortgeschichtlichen Bedeutung dieses Begriffs kann man ableiten, dass die Art und Weise, wie wir unser Leben gestalten als Kultur verstanden werden kann. (ebd.) In den Wissenschaften hat sich trotz heftiger Debatten bis heute kein klar formulierter und einheitlicher Kulturbegriff durchgesetzt. Man schätzt, dass es etwa 300 verschiedene Definitionen gibt. (Broszinsky-Schwabe, 2011, S.68) Der Grund hierfür liegt in der Komplexität des Begriffes. Er umfasst viele unterschiedliche Aspekte des menschlichen Lebens und wird letztendlich nach der jeweiligen fachlichen Orientierung des Betrachters bestimmt (ebd.).

Eine wissenschaftlich anerkannte Definition stammt von dem amerikanischen Anthropologen Edward T. Hall. Nach Hall ist Kultur gleich Kommunikation. Kommunikation ist demnach nicht nur Aktion und Reaktion. Kultur als System setzt Informationen frei und löst kulturell programmierte Handlungen aus. (Broszinsky-Schwabe, 2011, S.82) Um diesen Sachverhalt zu verdeutlichen wird auf eine weitere bekannte Definition des Kulturbegriffs eingegangen. Der niederländische Experte für Kulturwissenschaften Geert Hofstede unterscheidet zwei Arten von Kultur. Zum einen die Kultur im Sinne von Bildung, Kunst und Literatur.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Fußball als Kulturphänomen. Was macht den Fußball so attraktiv?
Hochschule
International Psychoanalytic University
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V336576
ISBN (eBook)
9783668266544
ISBN (Buch)
9783668266551
Dateigröße
986 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Kulturphänomen, Fans, Championsleague
Arbeit zitieren
Maximilian Pfannschmidt (Autor), 2014, Fußball als Kulturphänomen. Was macht den Fußball so attraktiv?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336576

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Fußball als Kulturphänomen. Was macht den Fußball so attraktiv?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden