Zur Geschichte und Entwicklung der Diminution vom Latein bis zum Gegenwartsspanischen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

24 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Diminutive

3. Die Diminutive in der lateinischen Sprache
3.1. Die lateinische Sprache als Grundlage des Spanischen
3.2. Die Diminutive im Latein
3.3. Lateinische Diminutive bei Plautus

4. Die Entwicklung der Diminutive ins Spanische

5. Die Diminutive im Spanischen
5.1. Die historische Entwicklung der Darstellung des spanischen Diminutivs in Grammatiken
5.2. Die Diminutive im Gegenwartsspanischen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“¡Inita, bienvenido a mi casita!”, waren die ersten Worte meiner mexikanischen Gastschwester, als ich im August 2013 ihr Haus betrat. Dieser Beispielsatz ist charakteristisch dafür, dass Diminutive in hoch frequentierter Form in der spanischen Sprache auftreten. Doch wie definieren sich Diminutive? Welche Diminutivsuffixe gibt es im Spanischen und wie haben sie sich aus der lateinischen Sprache entwickelt? Ziel dieser Arbeit ist es, diesen Fragen nachzugehen und die geschichtliche Entwicklung des Diminutivs aus dem Latein ins Spanische aufzuzeigen.

Dafür wird im zweiten Kapitel zunächst die Grundlage für die folgende Rekonstruktion gelegt, indem der Begriff der Diminutive definiert wird. Als Abgrenzung dienen hierfür die zwei anderen Appreziativsuffixe des Augmentativs als Vergrößerungsform sowie des Pejorativs als Verschlechterungsform. Es folgt die Begriffsbestimmung des Diminutivs sowie Darstellung dessen verkleinernden oder affektiven Funktionen, welche positive Gefühle wie Zuneigung oder Mitgefühl ausdrücken.

Im anschließenden dritten Kapitel wird der Fokus auf die lateinische Sprache gelegt. Da sich das Spanische aus dem Latein entwickelte, wird in dem Unterkapitel 3.1. Die lateinische Sprache als Grundlage des Spanischen zunächst geschildert, wie sich die Sprache der Römer ausbreitete und sich nach und nach als Fortsetzung zu den iberoromanischen Sprachen entwickelte. Es wird deutlich, wie durch die politische und militärische Ausbreitung der Römer, der Prozess der Romanisierung auftrat, da die lateinische Sprache im Laufe der Zeit erst die umliegenden italienischen Sprachen ersetzte und schließlich, bis auf das Baskische, auch die Sprachen der iberischen Halbinsel. Außerdem wird in diesem Unterkapitel kurz auf den Einfluss der nachfolgenden Herrschaftssprachen der Germanen, der Goten sowie der Araber auf die spanische Sprache eingegangen.

In dem darauf folgenden Unterkapitel wird sich mit den Diminutiven des Lateins befasst. Nachdem die verschiedenen Standpunkte zu den möglichen Wortartbasen für die Diminutivbildung vorgestellt wurden, so behauptet Ettinger (1974), dass die Diminuierung nicht bei Verben möglich war, Alvar & Pottier (1983) negieren dies hingegen, werden die drei großen Diminutivsuffix-Gruppen ulus, -ula, -ulum, -culus, -cula, -culum sowie -ellus, -ella, -ellum sowie dessen Verwendung eingeführt.

Daraufhin wird im Unterkapitel 3.3 mit Hilfe der Analyse von Conrad (1931, 1932) untersucht, welche Funktion die Diminutivsuffixe im Latein besaßen. Dazu nutzte und ergänzte er eine von Gustav Ryhiner erstellte Liste zu allen Diminutiven, die der Römer Plautus in seinen verfassten Lustspielen integrierte. Conrad kam zu dem Ergebnis, dass keines der rund dreihundert verwendeten Diminutive eine ausschließlich verkleinernde Funktion innehatte. Vielmehr waren knapp zweihundert davon lust-oder unlustbetonende Ausdrücke eines Affekts, welche beispielsweise Freude über einen Besitzt, Mitgefühl oder Betrübnis ausdrückten. Die anderen rund einhundert Diminutivformen besaßen hingegen gar keine diminuierende Funktion, sondern wurden von Plautus lediglich als sprachliches Hilfsmittel benutzt, welche der metrischen Bequemlichkeit dienen sollten und es somit zu einer Entwertung des Diminutivsuffixes kam.

Wie sich die aufgeführten lateinischen Suffixe im Laufe der Zeit entwickelten und in welcher Form sie in die spanische Sprache eingingen wird das Thema des anschließenden vierten Kapitels sein. Dafür wird die Übersicht nach Alvar & Pottier (1983) als Grundlage dienen, um die Entwicklung zusammenfassend mit Beispielen nachzuzeichnen und so den Übergang zum Spanischen zu schaffen, welches den Hauptaspekt der kommenden Kapitel darstellt.

Das fünfte Kapitel behandelt ausführlich die historische Entwicklung der Darstellung des spanischen Diminutivs in Grammatiken. Dazu werden anhand der Zusammentragung El Diminutivo en la Gramática von Emilio Náñez Fernández aus seinem im Jahr 2006 erschienenen Werk El Diminutivo. Historia y funciones en el Español Clásico y Moderno verschiedene zwischen 1555 und 1945 veröffentlichte spanische Grammatiken auf ihre Definitionen zu Diminutiven untersucht. Es wird sich zeigen, dass zunächst nur die verkleinernde Funktion der Diminutivsuffixe im Vordergrund stand und erst später die affektive Funktion erkannt wurde. Die verschiedenen Ansätze und Meinungen der spanischen Autoren werden in diesem Kapitel vorgestellt und verglichen.

Um den Bezug zum Gegenwartsspanischen zu ziehen, werden im folgenden Unterkapitel 5.2 die spanischen Suffixe -ito, -illo, -ete, -ín, -ico sowie -uelo eingeführt und deren Merkmalen bezüglich ihres Grades zur pejorativen Funktion und zu Lexikalisierungen sowie der Möglichkeit zur Verbindung mit Basen charakterisieren und untersucht. Es wird herausgearbeitet, dass -itto das Suffix ist, welches in den wenigsten Fällen in pejorativer Form genutzt wird und gemeinsam mit -illo mit den meisten Wortartenbasen verbunden werden kann, während -uelo beispielsweise sehr viel unflexibler in der Kombination ist, da es nur wenige Wortartbasen annimmt, und zudem häufig in pejorativer Form genutzt wird.

Im abschließenden sechsten Kapitel des Fazits werden die wichtigsten Ergebnisse zur Geschichte und Entwicklung der Diminution vom Latein bis zum Gegenwartsspanischen noch einmal zusammengefasst.

2. Die Diminutive

Das Diminutiv gehört neben dem Augmentativ und dem Pejorativ zu den Appreziativsuffixen.

Diese Appreziativsuffixe, im Spanischen sufijos emotivos, sufijos apreciativos oder sufijos cuantitativos (nach Alvar & Pottier, 1983: 363) genannt, gehören zu der morphologischen Wortbildung und sind Derivationssuffixe, welche Gemütsbewegungen, Zuneigung oder Emotionen ausdrücken (vgl. Hualde, Olarrea, Escobar & Travis, 2010: 168). Während das Augmentativ eine Vergrößerungsform des Substantivs darstellt, wie beispielsweise hombrón beziehungsweise hombrazo Augmentative von hombre sind, und der Pejorativ als bedeutungsmäßige Verschlechterungsform des Substantivs zu verstehen ist, so deutet der Pejorativ poetastro von poeta auf einen schlechten Autor hin, handelt es sich beim Diminutiv um die Verkleinerungsform des Substantivs, so ist zum Beispiel ventanilla ein Diminutiv von ventana oder besito von beso (vgl. Kabatek & Pusch, 2009: 82f.). Laut Koecke (1994) ist diese Bezeichnung des Diminutivs als Verkleinerungsform jedoch nicht ausreichend, da er die Ambivalenz des Begriffs sowie dessen Komplexität nicht widerspiegelt. Es sei daher notwendig, diese „terminologische Unangemessenheit“ zu kritisieren und zu präzisieren (vgl. ebd.: 32).

In der folgenden Arbeit wird der Fokus auf die Diminutive in der lateinischen und in der spanischen Sprache gelegt, die anderen Appreziativsuffixe der Augmentative und Pejorative werden daher vernachlässigt.

Der Begriff des Diminutivs leitet sich von dem lateinischen Begriff deminuere/diminuere ab und meint verringern oder vermindern (vgl. Al Sallawi 2011: 37). Das Phänomen der Diminution „ist den verschiedensten Sprachen gemeinsam […]“ (Koecke 1994: 9) und ist nur „scheinbar [ein] marginale[s] Wortbildungsdetail“ (ebd.), da es reichlich und vielgestaltig untersucht wird, so die Autorin.

Wie bereits erwähnt, besitzen Diminutive verschiedene Funktionen: Sie können sowohl eine verkleinernde als auch eine emotionale, affektive Funktion einnehmen. Laut Hualde, Olarrea, Escobar & Travis (2010) ist der Diminutiv in seiner Hauptfunktion verkleinernd. Ein librito, der Diminutiv von libro, ist ein kleines Buch und ein cochecito, der Diminutiv von coche, ein kleines Auto. Eine zweite Verwendung der Diminutive zeigt sich in dem Ausdruck von einem positiven Gefühl und Zuneigung. Diese Bedeutung kann die der Verkleinerung vollkommen ersetzen. So bezieht sich die Bezeichnung mi abuelita nicht auf die kleine Körpergröße der Großmutter, sondern vielmehr auf das positive Gefühl und die Zuneigung, die man für sie empfindet. Verniedlichungen können außerdem ein Gefühl der Zuneigung oder des Mitgefühl auslösen. So neigen wir dazu, einen perrito niedlicher zu finden als ein perro, oder ein pajarito süßer als einen pájaro (vgl. ebd.: 168f.).

3. Die Diminutive in der lateinischen Sprache

Da das Ziel dieser Arbeit darin besteht, die Geschichte und Entwicklung der Diminution vom Latein bis zum Gegenwartsspanischen darzulegen, ist es notwendig, die Beziehung zwischen den beiden Sprachen herzustellen. Daher wird im folgenden Abschnitt zunächst kurz auf die lateinische Sprache als Basis des Spanischen eingegangen, um im Anschluss zu untersuchen, welche Diminutive sich in der lateinischen Sprache finden und charakterisieren lassen.

3.1. Die lateinische Sprache als Grundlage des Spanischen

Die spanische Sprache gehört neben dem Italienischen, Rumänischen, Portugiesischen und Französischen der Sprachfamilie der romanischen Sprachen an. Diese romanischen Sprachen sind Teil der italienischen Sprachen, welche wiederum zu der größeren Sprachfamilie der indogermanischen Sprachen, auch indoeuropäischen Sprachen genannt, gehören (Hualde, Olarrea, Escobar & Travis, 2010: 281). Die Gemeinsamkeit dieser Sprachen ist deren Grundlage Latein, da sie sich aus dieser Sprache entwickelten. Genauer gesagt, sind die iberoromanischen Sprachen, das heißt das Spanische, Portugiesische, Galicische, Aragonische, Asturisch-Leonesische sowie das Katalanische, Fortsetzungen der gesprochenen lateinischen Sprache, dem sogenannten Vulgärlatein: Ein Begriff des Romanisten Hugo Schuchardt, welcher sich vom lateinischen „vulgaris sermo“ ableitet, womit Cicero die Sprachen der unteren Schichten betitelte (vgl. Kabatek & Pusch, 2009: 242f.).

Die Sprache der Römer, das Latein, war vor der militärischen und politischen Expansion Roms nicht mehr als eine von vielen Sprachen der Stadt Rom. Sie war wie viele andere eine linguistische Varietät, die sich über die italienische Halbinsel verbreitete. Es ist bekannt, dass um Rom herum viele andere, dem Latein sehr ähnliche Dialekte gesprochen wurden, wie beispielsweise das Faliskisch. Weiter entfernte, aber dem Latein immer noch sehr ähnliche, Sprachen waren das Oskisch oder Umbrisch, das man im Süden und im Zentrum Italiens sprach (vgl. Hualde, Olarrea, Escobar & Travis, 2010: 281).

Mit der politischen und militärischen Verbreitung der Macht der Römer über die gesamte italienische Halbinsel, verbreitete sich auch dessen lateinische Sprache durch die Armee und die römischen Verwaltungsstrukturen. So ersetzte die lateinische Sprache nach und nach alle anderen Sprachen der Halbinsel, sodass diese verschwanden und alle Sprecher nun nur noch Latein sprachen. Dies geschah nicht nur mit den verwandten Sprachen des Lateins, sondern auch mit ferneren Sprachen, wie das Etruskisch, das man in der heutigen Toskana sprach, und dessen Ursprung unbekannt, jedoch nicht verwandt mit dem Latein, ist (vgl. ebd.).

Auf der iberischen Halbinsel geschah im Laufe der Zeit das Gleiche wie auf der italienischen Halbinsel, da nach und nach durch die Ausbreitung der Römer alle vorhandenen Sprachen durch das Latein ersetzt wurden (vgl. ebd.). Ab dem Jahr 218 v. Chr. begannen die Römer, die iberische Halbinsel zu erobern und sie zu romanisieren. Diese Einnahme, die Romanisierung (romanización), schritt im Süden der Halbinsel an der Mittelmeerküste zügig voran, im Zentrum und im Norden hingegen gelang es den Römern erst nach bis zu zweihundert Jahren, die Gebiete einzunehmen. Zu dieser Zeit lebten verschiedene Sprachen sprechende Völker aus der iberischen Halbinsel. So wohnten beispielsweise die Phönizier und die Griechen an der Mittelmeerküste im Süden, die Iberer im Süden, im Zentrum und auch im Norden oder die Basken im Norden. Daher kam es zu verschiedenen Sprachkontakten zwischen den lateinisch sprechenden Römern und den einheimischen Bewohnern der iberischen Halbinsel. Spanische Wörter, wie álamo, conejo oder bruja weisen die sprachliche Verbindung zu vorrömischen Sprachen auf, camisa, carro oder cerveza stammen hingegen aus dem Keltischen, während Wörter wie izquierda, barro, vega oder pizarra der baskischen Sprache entnommen wurden (vgl. Kabatek & Pusch, 2009: 248f.).

Von den heutigen vorhandenen Sprachen auf der iberischen Halbinsel gibt es nur eine einzige, die keine Verwandtschaft mit dem Latein aufweist: Das Baskische, welches man in Teilen Navarras und in der autonomen Region des Baskenlandes sowie nördlich der Pyrenäen und in dem französischen Baskenland spricht. Obwohl die lateinische Sprache zunächst eine linguistische Vereinigung und Vereinheitlichung auf die iberische Halbinsel brachte, spaltete sich das gesprochene Latein mit der Zeit durch das Verschwinden der politischen Einheit des römischen Imperiums in kleinere Dialekte auf (vgl. Hualde, Olarrea, Escobar & Travis, 2010: 288). Das im Norden in Kastilien gesprochene Latein wurde im Laufe der Zeit die Grundlage für die spanische Sprache. Dieses entwickelte sich durch stetige Veränderungen zu einer eigenen Sprache. Während sich die gesprochene Sprache veränderte, erhielt sich das Latein hingegen in geschriebener Form. Alle wichtigen Dokumente sowie Bücher wurden in Latein verfasst, nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa. Bis zum siebzehnten bzw. achtzehnten Jahrhundert blieb das Latein die Kultursprache des westlichen Europas (vgl. ebd.: 291). Insgesamt dauerte die römische Herrschaft auf der iberischen Halbinsel mehrere Jahrhunderte an. Besonders die Faktoren der lateinischen Sprache, des römischen Straßennetzes und der römischen Staatsorganisation prägten die römische Herrschaftszeit. Ab 409 verloren die Römer ihre Herrschaftsposition durch die Eroberungen der Germanen und später der Westgoten. Diese Übernahmen hatten jedoch nur einen geringen Einfluss auf die sprachliche Entwicklung, da die erste Eroberungswelle nur mit geringer Zahl eintraf und da die Westgoten bereits hauptsächlich romanisiert waren (vgl. Kabatek & Pusch, 2009: 250f.).

Einen hingegen sehr starken Einfluss auf das Spanische hatte die arabische Sprache, da die Araber ab 711 mehr als sieben Jahrhunderte auf der iberischen Halbinsel herrschten, was deutlich in der Sprache, der Kultur und der Architektonik erkennbar ist. Zunächst, zwischen 711 und 718, lebten nur wenige Araber auf der iberischen Halbinsel und viele Spanier behielten ihre Sprachen, die Fortsetzungen des hispanischen Lateins bei, borgten sich zahlreiche arabische Wörter vor allem aus dem Bereich der Landwirtschaft (alberca, almazara), der Chemie und Mathematik (elixir, álgebra), der Administration (alcalde, aduana), des Militärs (alcazaba, atalaya) oder des Haushalts (almohada, alfombra) und hielten an ihrem christlichen Glauben. Diese von den Arabern beherrschten Christen, welche sich in der äußeren Lebensform den Strukturen der arabischen Gesellschaft anpassten, nennt man Mozaraber (mozárabes). Viele von ihnen flohen im Laufe der Zeit, überwiegend ab dem elften und zwölften Jahrhundert, in den christlichen Norden und führten daher arabischen Begriffe, sogenannte Arabismen, sowie Kulturelemente mit ein, welche somit in die Dialekte des Nordens eingingen (vgl. ebd.: 251f.).

Ab dem elften Jahrhundert verloren die Araber die Vorherrschaft, da die christlichen Königreiche des Nordens Leon, Kastilien, Navarra, Aragon und Katalonien damit begannen, das Land zurückzuerobern. Dieser Vorgang wird als Reconquista bezeichnet. Zu Beginn dieser Zeit wurden die überlieferten Texte in der lateinischen oder der arabischen Sprache verfasst. Die lateinischen Texte weisen jedoch indirekt zentrale Elemente der gesprochenen Sprache auf, welche sich von dem schriftlichen Latein entfernten. Ob dies jedoch die ersten romanischen Schriftzeugnisse sind, wird kontrovers diskutiert (vgl. ebd.: 252).

Heute wird gesagt, dass das Spanische etwa im Jahr 978 „geboren“ wurde, das Erscheinungsjahr des ersten spanischen Textes Glosas emilianenses, sodass im Jahr 1978 verschiedene Feste zum tausendjährigen Jubiläum der spanischen Sprache gefeiert wurden. Sprachgeschichtlich gliedert die spanische Sprache aus heutiger Sicht in fünf große Epochen: Bis zum zwölften Jahrhundert in die Origenes del español, zwischen 1200 und 1500 in das Español medieval, von 1500 bis 1560 nennt man es das Español preclásico, gefolgt vom Español clásico bis zum siebzehnten Jahrhundert, welches vom Español moderno abgelöst wird (vgl. ebd.: 253f.).

3.2. Die Diminutive im Latein

Laut Ettinger (1974) sei die Diminuierung im Lateinischen sowohl bei Substantiven, Adjektiven, auch von Komparativen, und bei Adverbien möglich. Verben hingegen zeigten keine Diminutivendungen auf (vgl. ebd.: 7). Alvar & Pottier (1983) sind hingegen der Meinung, dass die Diminuierung auch bei Verben möglich sei und führen dazu die Beispiele dormire – dormitare und saltaresalitare an (vgl. ebd.: 364). Zudem führt Conrad (1931) an, dass auch die Diminutivbildung von Zahlwörtern, wie bei primulus (Diminutiv von primus, der erste), möglich war (vgl. ebd.: 129).

Im klassischen Latein gab es drei Gruppen von Diminutivsuffixen (nach Ettinger, 1974: 7):

1) -ulus, -ula, -ulum
2) -culus, -cula, -culum
3) -ellus, -ella, -ellum (auch -illus, -illa, -illum und -ullus, -ulla, -ullum)

Laut Gonzáles Ollé (1962) ist das meistgenutzte lateinische Diminutivsuffix -lo-, welches sich später in -olo- und -ulo- weiterentwickelte. –Ulo und seine Variationen wurde an Substantive sowie Adjektive auf -a oder -o angehangen, wie beispielsweise ancillula (Diminutiv von ancilla, junge Magd), agniculus (Diminutiv von agnus, Lämmchen) oder acutulus (Diminutiv von acutus, ziemlich scharfsinnig, spitzfindig). Seltener wurde es auch an andere Endungen angehangen, wie bei adulescentulus (Diminutiv von adulescens, ganz jung) , civitatula (Diminutiv von civitas, Städtchen) (vgl. ebd.: 177).

Nomen der dritten, d.h. konsonantischen Deklination, vierten, d.h. der u-Deklination, sowie der fünften und somit e-Deklination Deklination nahm zusätzlich das -k- dazu, sodass das Suffix -culus mit seinen Variationen Verwendung fand, so wie in musculus (Diminutiv von mus, Mäuschen) , navicula (Diminutiv von navis, kleines Schiff, Boot, Kahn) oder crusculum (Diminutiv von crus, Schenkelchen). Warum es zu der Veränderung des Inkrements -k- zu -c- kam, ist nicht sicher. Eine Hypothese besagt jedoch, dass der Grund dafür in der falschen Analyse der Diminutivformen der häufig auftretenden lateinischen Wörter mit der Stammendung -c liege, was zu der falschen Diminutivendung -culus führte (vgl. ebd.: 177f.).

Bei Wörtern mit einem Stamm, die auf -m, -n oder -r enden, kommt es zu einer Assimilation dieser Konsonanten mit dem l des Suffixes und zu einem Wegfall dessen Anfangsvokals, wodurch die Varianten -ellus, -illus, -ollus sowie -ullus entstanden, die an den Endvokal des Wortstammes angehangen werden. Dies wird in den lateinischen Wörtern libellus (Diminutiv von liber, Büchlein), tigillum (Diminutiv von tignum, kleiner Balken) sowie co rolla (Diminutiv von corona, Kräntzchen) deutlich (vgl. ebd.: 178).

In der folgenden Tabelle sollen die Diminutivsuffix-Gruppen der klassischen lateinischen Sprache noch einmal zusammengefasst werden:

Tabelle 1: Diminutivsuffix-Gruppen der lateinischen Sprache

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Zur Geschichte und Entwicklung der Diminution vom Latein bis zum Gegenwartsspanischen
Hochschule
Universität Kassel  (Geistes- und Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Problemilla, problemón - Die Appreziativsuffigierung im Spanischen
Note
1,7
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V336689
ISBN (eBook)
9783668262577
ISBN (Buch)
9783668262584
Dateigröße
875 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diminutive, Latein, Spanisch, Appreziativsuffigierung
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Zur Geschichte und Entwicklung der Diminution vom Latein bis zum Gegenwartsspanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336689

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