Die folgende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit Metadaten allgemein, der Bedeutung der Interoperabilität und ausgewählten Metadatenstandards für kinematographische Werke. Abschließend komme ich kurz auf die Probleme der Langzeitarchivierung sowohl bei analogem als auch digitalem Filmmaterial zu sprechen.
Der polnische Geschäftsmann Boleslaw Matuzewski forderte in einer Druckschrift 1898 den gleichen Stellenwert und die gleiche Anerkennung für kinematographische Werke wie für andere Dokumente, da filmische Dokumente als historische Quelle dienen können. Allerdings liegt der Wert eines Films als Quelle für ein historisches Ereignis nicht allein in der originalen Aufnahme, sondern vor allem in der genauen Zuschreibung und Dokumentation dieser, also den Metadaten. Anhand des Zitates des Filmhistorikers Viktor Listov über Filmmaterial aus der Oktoberrevolution 1917, wird die Bedeutung der Metadaten bei filmischem Material deutlich: „Aber wie wenig wissen wir über seine Einstellungen! Wenn wir z.B. sagen, dass sie in den Tagen der Oktoberrevolution gedreht wurden, so hieße das so gut wie nichts zu sagen. Denn die Ereignisse (…) verfolgen die Historiker in Stunden und Minuten. Und wenn wir wollen, dass unsere Filmeinstellungen die Bedeutung eines historischen Dokuments erhalten, so ist es unerlässlich, sie so exakt wie möglich zuzuschreiben. (…) Solange dies nicht geleistet wird, werden die Einstellungen des Oktobers lediglich ‚atmosphärische‘ Bedeutung besitzen.“
Doch welche Metadaten werden bei Filmen erfasst? Welche Standards existieren dafür? Wie wird das Problem der Langzeitarchivierung bei audiovisuellen Medien angegangen? Diese und weitere Fragen habe ich mir bei einem Besuch des Deutschen Literaturarchivs in Marbach im Rahmen des Blockseminars „Digital Humanities im Archiv“ gestellt nachdem ich erfahren hatte wie literarische Werke archiviert und dokumentiert werden.
Gliederung
1. Einführung
2. Metadaten
2.1 Definition
2.2 Zweck
2.3 Typen
3. Interoperabilität
3.1 Ebenen der Interoperabilität
3.2 Datenaustausch mit OAI-PMH
4. Metadatenstandards bei audiovisuellen Medien
4.1 MPEG-7
4.2 EN 15907 und EN 15744
4.3 EFG Projekt und Europeana
5. Langzeitarchivierung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Metadaten und standardisierten Austauschformaten für die effiziente Erschließung und Verwaltung von kinematographischen Werken. Dabei wird untersucht, wie durch Interoperabilität und spezifische Metadatenstandards der Zugang zu audiovisuellen Beständen in Archiven und digitalen Bibliotheken verbessert werden kann und welche Herausforderungen die Langzeitarchivierung in diesem Kontext stellt.
- Grundlagen und Definitionen von Metadaten
- Die Rolle der Interoperabilität und Protokolle wie OAI-PMH
- Anwendung spezifischer Standards wie MPEG-7, EN 15907 und EN 15744
- Das EFG-Projekt als Beispiel für vernetzte Archivarbeit
- Problematiken und Anforderungen der digitalen Langzeitarchivierung
Auszug aus dem Buch
4.1 MPEG-7
MPEG-7 ist eine 2002 verabschiedeter Standard der „Moving Pictures Expert Group“ und ermöglicht gezieltes Suchen, Finden, Archivieren und Verwalten von audiovisuellen Daten. Im Gegensatz zu MPEG-1, -2 und -4 ist MPEG-7 kein Kompressionsverfahren. MPEG-7 gehört zum ISO/IEC JTC 1SC 29-Norm („Coding of audio picture, multimedia and hypermedia information“). Ein ISO-Standard ist eine internationale Norm.
Die Motion Pictures Expert Group arbeitet unter der Aufsicht von ISO und widmet sich der Standardisierung von Kompressionsverfahren für Video und Audio. MPEG-7 unterscheidet sich allerdings wesentlich von den bisher bestehenden Standards der MPEG-Group, da erstmals kein neues Kompressionsverfahren entwickelt wurde, sondern ein Interface zur Beschreibung multimedialer Inhalte. Es werden keine Multimediadaten repräsentiert, sondern die Informationen zu den Inhalten geliefert. Mit MPEG-7 werden Metadaten im XML-Format zu Multimediadaten hinzugefügt. Multimediadaten werden mit Deskriptoren und Beschreibungsstrukturen beschrieben. Diese Beschreibungen können mit der flexiblen XML-Struktur variabel auf die jeweilige Applikation zugeschnitten werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit präziser Metadaten für die Erschließung von Filmen als historische Quellen und leitet zu den Fragestellungen der Standardisierung und Archivierung über.
2. Metadaten: Dieses Kapitel definiert den Begriff Metadaten, beleuchtet deren Zweck in der Informationserschließung und kategorisiert die verschiedenen Typen von Metadaten.
3. Interoperabilität: Es werden die Ebenen der Interoperabilität erläutert sowie das Protokoll OAI-PMH als Lösung für den automatisierten Austausch von Metadaten zwischen Datenbanken vorgestellt.
4. Metadatenstandards bei audiovisuellen Medien: Dieser Hauptteil analysiert spezifische Standards wie MPEG-7 sowie die europäischen Normen EN 15907 und EN 15744 und stellt das EFG-Projekt als praktisches Anwendungsbeispiel vor.
5. Langzeitarchivierung: Hier werden die technischen Probleme und Herausforderungen der dauerhaften Bewahrung analoger und digitaler audiovisueller Medien diskutiert.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz standardisierter Metadaten für die Sicherung des kulturellen Erbes zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einheitlicher Strukturen für den Datenaustausch.
Schlüsselwörter
Metadaten, Interoperabilität, Kinematographische Werke, OAI-PMH, MPEG-7, EN 15907, EN 15744, EFG-Projekt, Europeana, Langzeitarchivierung, Digitalisierung, Informationserschließung, Filmarchivierung, XML, Datenmodellierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle von Metadaten und deren Standardisierung für die Erschließung und den Austausch von Filminformationen in archivarischen Systemen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Metadaten, den verschiedenen Ebenen der Interoperabilität, der Anwendung technischer Standards auf audiovisuelle Medien und den Hürden der Langzeitarchivierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch verbindliche Metadatenstandards die Konsistenz und Austauschbarkeit von Filmdaten verbessert und somit der Zugang zum kulturellen Erbe im digitalen Zeitalter gesichert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Untersuchung bestehender technischer Normen sowie internationaler Projekte zur Datenaggregation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Interoperabilität konkrete Standards wie MPEG-7 sowie die europäischen Normen EN 15744 und EN 15907 detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Metadaten, Interoperabilität, Kinematographische Werke, EFG-Projekt, Digitalisierung und Langzeitarchivierung.
Wie trägt OAI-PMH zum Datenaustausch bei?
OAI-PMH ermöglicht durch ein standardisiertes Framework das automatisierte „Harvesting“ oder Zusammenführen von Metadaten aus unterschiedlichen Quellen in einem zentralen Speicher.
Warum ist die Langzeitarchivierung bei Filmen besonders komplex?
Die Komplexität ergibt sich aus der schnellen technologischen Entwicklung, der Vielfalt der Formate und der begrenzten Haltbarkeit moderner Speichermedien, die regelmäßige Migrationen erforderlich machen.
Welche Rolle spielt das European Film Gateway (EFG)?
Das EFG dient als zentrale Plattform, die Metadaten aus zahlreichen europäischen Filmarchiven aggregiert und über Europeana weltweit zugänglich macht.
- Quote paper
- Yana Vasylega (Author), 2016, Metadaten im Film. Bedeutung der Interoperabilität und ausgewählte Metadatenstandards für kinematographische Werke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336693