Die steuerliche Verlustbehandlung von Kapitalgesellschaften. Der Wert von steuerlichen Verlustvorträgen für marode Unternehmen


Thèse de Bachelor, 2015

26 Pages, Note: 1,7

Anonyme


Extrait

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2.Verlustabzug im Einkommensteuerrecht
2.1 Verlustabzug gemäß 10d EStG
2.2 Verlustrücktrag und Verlustvortrag
2.3 Anwendung auf einen Gewerbeverlust

3.Verlustbehandlung im Körperschaftsteuerrecht
3.1 Besteuerungssystematik von Körperschaften
3.2 Besteuerung auf Gesellschaftsebene

4. Verlustabzug und Mantelkaufregelung nach § 8 Abs. 4 KStG a.F
4.1 Allgemein
4.2 Zivilrechtliche Identität und Wirtschaftliche Identität
4.3 Verlust der wirtschaftlichen Identität
4.4 Anteilsübertragung
4.4.1 Übertragung von mehr als 50% der Anteile
4.4.2 Schrittweise Übertragung
4.4.3 Unmittelbare Anteilsübertragung
4.5. Zuführung überwiegend neuen Betriebsvermögens
4.5.1 Begriff des Betriebsvermögens
4.5.2 Die Betriebsvermögenszuführung
4.6. Sanierungsklausel

5. Verlustabzug und Mantelkaufregelung nach § 8c KStG
5.1 Allgemeines
5.2 Anwendungsbereich
5.3 Anteilserwerb
5.4 Kapitalerhöhung
5.5 Zeitpunkt des Erwerbs
5.6 Erwerber
5.7 Nahestehende Personen
5.8 Erwerbergruppe mit gleichgerichteten Interessen
5.9 Zeitpunkt und Umfang des Verlustuntergangs
5.10 Sanierungsklausel gemäß § 8c Abs. 1a KStG
5.11 Erhaltung wesentlicher Betriebsstrukturen
5.12 Einhaltung der Betriebsvereinbarung
5.13 Lohnsummenvergleich
5.14 Betriebsvermögenszuführung
5.15 Letztmalige Anwendung des § 8 Abs. 4 KStG neben § 8c KStG

6. Der Mantelkauf
6.1 Begriff des Mantelkaufs
6.2 Motive des Mantelkaufs
6.3 Neugründung einer Kapitalgesellschaft
6.4 Die Historie des Mantelkaufs

7. Verlustbehandlung im Umwandlungssteuergesetz

8. Zusammenfassung und Entwicklungstendenzen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung, Zielsetzung und Gang der Untersuchung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Die steuerliche Verlustbehandlung von Kapitalgesellschaften hat großen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen. Die Kapitalgesellschaften können ihre Verluste zurück- oder vortragen. Beim Mantelkauf werden Anteile von Kapitalgesellschaften erworben, die Verlustvorträge aufweisen. Die steuerlichen Regelungen zum Mantelkauf sollen einer unangemessenen Nutzung der steuerlichen Verluste entgegentreten. Der Gesetzgeber hat dies mit Hilfe von § 8 Abs. 4 KStG versucht. Erst durch das Unternehmer-steuerreformgesetzes 2008 erfolgte mit der Neuregelung des § 8c KStG eine Neuorientierung bezüglich der steuerlichen Mantelkaufregel.[1] Es wurde eine Verlustbeschränkung bei Körperschaften in § 8c KStG eingeführt, bei dem der Erwerb aller Anteile einer Mantelgesellschaft zum Untergang der Verluste führen kann.[2]

Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung der Anwendungsprobleme des § 8c KStG und die Erläuterung der Frage, weshalb steuerliche Verlustvorträge insbesondere für marode Unternehmen ein hohen Wert haben.

1.2 Gang der Untersuchung

Im Folgenden wird die Problematik der steuerrechtlichen Verlustbehandlung von Kapitalgesellschaften untersucht. Zunächst wird in Kapitel 1 kurz der Verlustabzug im Einkommensteuerrecht beleuchtet. In Kapitel 2 wird anschließend auf die Methodik des Verlustabzugs im Körperschaftsteuerrecht eingegangen. In Kapitel 3 wird daraufhin die Vorschrift des § 8 Abs. 4 KStG a.F. untersucht, die den Mantelkauf geregelt hat. Die Neuregelung des Mantelkauf gemäß § 8c KStG wird in Kapitel 4 dargestellt. In Kapitel 5 wird der Mantelkauf näher erläutert. Schließlich wird in Kapitel 6 der Verlustabzug im Umwandlungssteuerrecht skizziert.

2.Verlustabzug im Einkommensteuerrecht

2.1 Verlustabzug gemäß 10d EStG.

Das zu versteuernde Einkommen wird in verschiedenen Stufen ermittelt und ergibt sich aus sieben Einkunftsarten gemäß § 2 Abs. 1 EStG. Nach § 2 Abs. 3 EStG wird die Summe der Einkünfte abgeleitet, beim Zusammenkommen von positiven und negativen Einkünften vollzieht sich der Verlustausgleich. Dieser wird in einen horizontalen und einen vertikalen Verlustausgleich aufgeteilt. Beim horizontalen Verlustausgleich werden Verluste und Gewinne derselben Einkunftsart miteinander verrechnet. Nach dem vertikalen Verlustausgleich werden Verluste mit Gewinnen aus anderen Einkunftsarten saldiert.[3]

2.2 Verlustrücktrag und Verlustvortrag

Der Verlustabzug nach § 10d EStG ist gegliedert in einen Verlustrücktrag in § 10d Abs. 1 EStG und einen Verlustvortrag in § 10d Abs. 2 EStG. Ein Verlustrücktrag liegt vor, wenn der negative Gesamtbetrag der Einkünfte mit einem positiven Gesamtbetrag der Einkünfte aus Vorperioden ausgeglichen werden kann. Diese Methode führt zu einer Senkung des damaligen Gesamtbetrages der Einkünfte und mindert somit auch die festgesetzt Steuerzahlung. Der Verlustrücktrag ist beschränkt, nach § 10d Abs. 1 ist maximal ein Betrag in Höhe von 511.500 € rücktragsfähig. Nach § 10d Abs. 1 S. 5 EStG kann der Steuerpflichtige auf Antrag teilweise oder in voller Höhe auf den Verlustrücktrag absehen.[4] Das ist ratsam zur Verwertung des Grundfreibetrags und zum Erhalt der Abzugsmöglichkeiten für Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen etc. Der Antrag auf Verzicht vom Verlustrücktrag kann bis zum Eintritt der Bestandskraft des Verlustfeststellungsbescheids für das Verlustentstehungsjahr geändert oder widerrufen werden.[5]

Der Verlustvortrag gemäß § 10d Abs. 2 EStG ist zeitlich nicht begrenzt und erfolgt vorrangig vor Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und sonstigen Abzügen.[6] Sofern bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte nicht ausgeglichene Verluste nicht zurückgetragen werden, sind sie in die folgenden Veranlagungszeiträume vorzutragen. Ab dem Veranlagungszeitraum 2004 ist der Verlustvortrag nur noch in Höhe eines Sockelbetrags von 1 Mio. € (zusammen veranlagte Ehegatten 2 Mio. €) uneingeschränkt möglich. Darüber hinaus ist ein Verlustvortrag nur bis zu 60% des 1 Mio. € übersteigenden Gesamtbetrags der Einkünfte verrechenbar. Demnach werden die verbleibenden 40% des nicht verbrauchten Verlustes in den nächsten Veranlagungszeitraum vorgetragen.[7]

2.3 Anwendung auf einen Gewerbeverlust

Der Gewerbesteuerverlust ist in § 10a GewStG geregelt und ist wie der Verlustvortrag in § 10d EStG gestaltet. Ein Gewerbeverlust kann unbeschränkt bis zu einer Höhe von 1 Mio. € in den nachfolgenden Veranlagungszeitraum vorgetragen und dort mit einem Gewerbeertrag verrechnet werden. Oberhalb vom Sockelbetrag in Höhe von 1 Mio. € ist ein Gewerbeverlust nur maximal in Höhe von 60 % des 1 Mio. € übersteigenden Gewerbeertrags verrechenbar. Demzufolge sind 40 % des 1 Mio. € übersteigenden Gewerbeertrags im nachfolgende Veranlagungszeitraum der Besteuerung unterworfen. Solange wie ein Gewerbeverlust nicht vollständig mit dem Gewerbeertrag des nachfolgende Veranlagungszeitraums verrechnet werden konnte, wird er in den anschließenden Veranlagungszeitraum vorgetragen. Bei der Gewerbesteuer findet kein Verlustrücktrag statt, da sie eine Gemeindesteuer ist. Eine rückwirkende Berücksichtigung von Verluste würde somit die Haushalte der Gemeinden belasten.[8]

3.Verlustbehandlung im Körperschaftsteuerrecht

3.1 Besteuerungssystematik von Körperschaften

Bevor die Verlustbehandlung von Kapitalgesellschaften untersucht wird, ist es notwendig, sich ein Überblick über die Besteuerungssystematik von Kapitalgesellschaften zu verschaffen.

Der Besteuerungsgegenstand bei der Körperschaftsteuer ist das zu versteuernde Einkommen gemäß § 7 Abs. 1 und 2 KStG. Das zu versteuernde Einkommen entspricht dem Einkommen gemäß § 8 Abs. 1 KStG. Nach § 8 Abs. 1 KStG wird das Einkommen nach einkommensteuerlichen sowie nach körperschaftsteuerlichen Vorschriften ermittelt. Die unbeschränkt steuerpflichtige Körperschaft wird in § 8 Abs. 2 KStG geregelt. Die Einkünfte der unbeschränkt steuerpflichtigen Körperschaft gehören zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb. Da die GmbH und AG handelsrechtlich verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu erstellen, ist der Gewinn durch einen vollständigen Betriebsvermögensvergleich gemäß § 5 EStG zu ermitteln. Aufgrund des Grundsatzes der Maßgeblichkeit wird zur Gewinnermittlung die Steuerbilanz erstellt. Die Steuerbilanz basiert auf der Handelsbilanz. Mithilfe der Ermittlung des in einer Handelsbilanz ausgewiesenen Eigenkapitals, ist der Erfolg eines Wirtschaftsjahres überprüfbar. Nach § 4 EStG wird der steuerbilanzielle Gewinn als Unterschiedsbetrag zwischen dem Eigenkapital am Ende des Jahres und dem Eigenkapital am Anfang des Jahres, korrigiert um Einlagen und Entnahmen des Steuerpflichtigen, berechnet. Der handelsbilanzielle Gewinn kann den steuerbilanziellen Gewinn abweichen. Die Steuerbilanz basiert auf der Handelsbilanz, es existieren jedoch Abweichungen aufgrund der aber wegen den steuerrechtlichen Regelungen hinsichtlich des Ansatzes gemäß § 5 Abs. 2-5 EStG als auch der Bewertung in § 5 Abs. 6 EStG .[9]

Desweiteren entspricht der steuerbilanzielle Erfolg vorwiegend nicht dem zu versteuernden Einkommen gemäß § 7 Abs. 1 und 2 KStG. Der Gewinn muss durch außerbilanziell Hinzurechnungen und Kürzungen zum Einkommen hergeleitet werden. Zu den körperschaftsteuerlichen Vorschriften außerbilanzieller Korrekturen gehören:

- Bestimmungen zur Beschränkung des Spendenabzugs gemäß § 9 KStG,
- Regelungen zur Nicht-Abziehbarkeit von Aufwendungen gemäß § 10 KStG
- die als verdeckte Gewinnausschüttung qualifizierten Betriebsausgaben gemäß § 8 Abs. 3 KStG
- nicht als Betriebsausgaben abziehbare Zinsaufwendungen aufgrund der Wirkungen der Zinsschranke gemäß § 4h EStG i.V. m. § 8a KStG und
- Erträge aus der Beteiligung an Kapitalgesellschaften gemäß § 8b KStG.

Hinzu kommen mit der Verweisung in § 8 Abs. 1 KStG die einkommensteuerlichen Vorschriften zu steuerfreien Einnahmen und zu nicht abzugsfähigen Aufwendungen. Zu diesen gehören:

- Betriebsausgaben in wirtschaftlichem Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen gemäß § 3c Abs. 1 EStG,
- Geschenke an Nicht-Arbeitnehmer gemäß § 4 Abs. 5 und 7 EStG,
- Geldbußen gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 8 EStG,
- Hinterziehungszinsen zu Betriebssteuern gemäß § 4 Abs. 5 Nr. 8b EStG und
- die entrichtete Gewerbesteuer gemäß § 4 Abs. 5b EStG.[10]

Die Gewerbesteuer ist mit der Körperschaftsteuer verknüpft. Die Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer ist nach § 6 GewStG der Gewerbeertrag. Die Berechnung wird in § 7 GewStG bestimmt. Ausgangspunkt für die Berechnung des Gewerbeertrags ist der ermittelte Gewinn aus dem Gewerbebetrieb, der um außerbilanzielle Hinzurechnungen in § 8 GewStG und Kürzungen in § 9 GewStG bearbeitet wird. Nach der Berücksichtigung des Gewerbeverlustes gemäß § 10a GewStG folgt der Gewerbeertrag vor Abrundung. Das Ergebnis ist der Gewerbeertrag vor Verlustabzug.[11]

3.2 Besteuerung auf Gesellschaftsebene

Die Besteuerung erfolgt bei Kapitalgesellschaften auf Gesellschafts- und Gesellschafterebene. Die Gewinne der Kapitalgesellschaften werden mit Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag besteuert. Die Körperschaftsteuer beträgt gemäß § 23 Abs. 1 KStG 15%. Der Solidaritätszuschlag ist eine Ergänzungsabgabe zur Körperschaftsteuer gemäß § 1 SolZG. Nach § 4 SolZG beträgt der Solidaritätszuschlag 5,5 % der Bemessungsgrundlage. Kapitalgesellschaften entrichten nicht den Solidaritätszuschlag auf Gewerbesteuer, sondern auf die Körperschaftssteuer. Zur Ermittlung der Gewerbesteuer ist der Gewerbeertrag gemäß § 11 Abs. 2 GewStG mit der Steuermesszahl i. H. v. 3,5 % zu multiplizieren. Dieses Ergebnis wird als Steuermessbetrag ebenfalls mit dem Gewerbesteuerhebesatz multipliziert. Es ergibt sich an diesem Punkt gemäß § 14 GewStG die Gewerbesteuerbelastung. Der verbleibende Gewinn kann an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Da der Gewinn bei der Ausschüttung in das Privatvermögen des Anteilseigners gelangt, folgt dort auch die Besteuerung. Die Besteuerung erfolgt nun mit der Einkommensteuer, dem Solidaritätszuschlag und allenfalls mit der Kirchensteuer. Ein laufender Verlust geht in den Verlustvortrag ein.[12]

4. Verlustabzug und Mantelkaufregelung nach § 8 Abs. 4 KStG a.F.

4.1 Allgemein

Das Ziel des § 8 Abs. 4 KStG a.F. ist es, den Handel mit GmbH-Mänteln und vortragsfähigen Verlusten zu verhindern.

4.2 Zivilrechtliche Identität und wirtschaftliche Identität

Laut § 8 Abs. 4 S. 1 KStG a.F. ist die Voraussetzung für den Verlustabzug nach § 10d EStG bei einer Kapitalgesellschaft, dass sie rechtlich mit der Gesellschaft identisch ist, die den Verlust erlitten hat. Die zivilrechtliche Identität einer Körperschaft ist andauernd gegeben, solange sie keiner rechtlichen, wie einer Umwandlung unterliegt. Zusätzlich verlangt das Körperschaftsgesetz auch die wirtschaftliche Identität. Die gesetzliche Regelung definiert die wirtschaftliche Identität über eine Abgrenzung mithilfe von einigen Merkmalen, die zu einem Verlust der wirtschaftlichen Identität führen sollen. Nach § 8 Abs. 4 S. 2 KStG a.F. liegt ein Verlust der wirtschaftlichen Identität bei einem Anteilseignerwechsel vor und wenn eine Änderung des Betriebsvermögen der Kapitalgesellschaft besteht. Der Gesetzgeber macht also die wirtschaftliche Identität einer Körperschaft u.a. vom Gesellschafterbestand abhängig.[13]

4.3 Verlust der wirtschaftlichen Identität

Das Gesetz prüft nach dem sogenannten Regelbeispiel den Verlust der wirtschaftlichen Identität .Sobald zwischen der Gesellschaft, die die Verluste erlitten hat und der Gesellschaft, die diese Verluste steuerwirksam nutzen möchte, mehr als 50% der Anteile übertragen werden und die übernehmende Gesellschaft ihren Betrieb mit überwiegend neuem Betriebsvermögen fortführt oder wieder aufnimmt, liegt ein Verlust der wirtschaftlichen Identität vor. Falls die Zuführung des überwiegend neuen Betriebsvermögens allein der Sanierung dient und der Betrieb 5 Jahre lang unverändert fortgeführt wird, wird vom o.g. Regelbeispiel eine Ausnahme genehmigt.[14]

4.4 Anteilsübertragung

4.4.1 Übertragung von mehr als 50% der Anteile

Die Anteilsübertragung mit ihrer 50%-Grenze bezieht sich auf das Nennkapital, das um mögliche eigene Anteile gekürzt wird. Die Anteilsübertragung kann unentgeltlich oder entgeltlich erfolgen. Erwerber der Anteile können neue oder bereits beteiligte Gesellschafter sein, zudem ist es irrelevant, ob die Anteile von einem oder mehreren Erwerben und in einem oder mehreren Vorgängen erworben werden.[15]

4.4.2 Schrittweise Übertragung

Für eine Anteilsübertragung die in mehreren Schritten nacheinander erfolgt, sind die einzelnen Schritte zusammenzurechnen. Es müssen lediglich innerhalb eines Zeitraums von 5 Jahren mehr als 50% der Anteile übertragen werden.[16]

4.4.3 Unmittelbare Anteilsübertragung

Ein schädlicher Anteilswechsel (Mantelkauf) liegt vor, wenn mehr als die Hälfte der unmittelbar an der Kapitalgesellschaft gehaltenen Anteile auf neue Anteilseigner übertragen werden. Es ist umstritten, ob dies ebenfalls für eine Personengesellschaft als neuen Anteilsinhaber zu gelten hat. Dies hängt von der zivilrechtlichen Betrachtungsweise ab. Entweder wird die Personengesellschaft weitgehend verselbständigt und somit einer juristischen Person gleichgestellt, oder die Gesellschaft wird nach dem Ertragsteuerrecht behandelt, sodass die unmittelbaren Anteilseigner die Mitunternehmer wären.[17]

Der BFH hält die zivilrechtliche Betrachtungsweise für maßgebend, so dass die wirtschaftliche Identität der Verlustgesellschaft verloren geht, wenn die Anteile in schädlichem Umfang auf eine nur zwischengeschaltete Personengesellschaft übertragen werden, die Beteiligungsverhältnisse bei einer Obergesellschaft sich aber nicht verändern.„[18]

4.5. Zuführung überwiegend neuen Betriebsvermögens

4.5.1 Begriff des Betriebsvermögens

Das Betriebsvermögen im Sinne des § 8 Abs. 4 KStG ist lediglich das Aktivvermögen als Summe der auf der Aktivseite der Bilanz auszuweisenden Vermögensgegenstände. Nicht nur das Anlage-, sondern auch das Umlaufvermögen ist einzubeziehen, wenn die Zuführung neuen Betriebsvermögens mit einer Änderung des Unternehmensgegenstandes einhergeht. Die Zuführung von Umlaufvermögen steigert die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der wirtschaftlichen Leistungsabgabe der Kapitalgesellschaft genauso wie die Zuführung von Anlagevermögen. In Abhängigkeit von der Branche ergibt sich eine vielfältige Zusammensetzung des Aktivvermögens. Dienstleistungsunternehmen und Banken können ein hohes Umlaufvermögen aufweisen, wobei Unternehmen in der Industrie- und Baubranche über ein hohes Anlagevermögen aufweisen. Deswegen würde die Einschränkung auf das Anlagevermögen der Kapitalgesellschaft zu nicht gleichartigen Ergebnissen führen.[19]

Gehören zum Betriebsvermögen der Verlustgesellschaft Beteiligungen an Organ- oder Personengesellschaften, so sind deren Aktivvermögen mit ihrem vollständigen Umfang in der prozentualen Beteiligung zu berücksichtigen. Instrumente der Anteilseigner zur finanziellen Stärkung der Gesellschaft, die sich allein auf die Passivseite auswirken und das Betriebsvermögen der Kapitalgesellschaft aufwerten, sind nicht als Betriebsvermögen zu behandeln.[20]

4.5.2 Die Betriebsvermögenszuführung

Nach § 8 Abs. 4 S.2 KStG a.F. soll die Kapitalgesellschaft ihren Geschäftsbetrieb mit neuem Betriebsvermögen fortführen oder wiederaufnehmen. Die Zuführung des Betriebsvermögens ist im Gesetz nicht deutlich geregelt, wird aber aus dem allgemeinen Verständnis der Norm sowie aus dem Tatbestand des § 8 Abs. 4 S. 3 KStG a.F. abgeleitet.[21]

Unter dem Ausdruck des „neuen“ Betriebsvermögens sind nicht nur brandneue Wirtschaftgüter zu verstehen. Die Wirtschaftsgüter dürfen lediglich nicht vorher bei der Verlustgesellschaft vorrätig gewesen sein.[22]

Um zwischen dem bisherigen Betriebsvermögen und dem zugeführten Betriebsvermögen einen Vergleich setzen zu können, werden diese mit einem einheitlichen Bewertungsmaßstab beurteilt. Die Finanzverwaltung geht von einer Bewertung mit dem Teilwert aus. Anderseits wird in der Literatur der Ansatz des gemeinen Wertes nach § 9 BewG gefordert. Die Finanzverwaltung hat auch eine andere Meinung zur Bewertung von immateriellen Wirtschaftsgütern. Immaterielle Wirtschaftsgüter sollen nicht in Betracht gezogen werden, da sie bei der steuerlichen Gewinnermittlung nicht angesetzt werden dürfen. In der Praxis wird jedoch für eine Berücksichtigung plädiert, sofern diese Wirtschaftsgüter nachweisbar und werthaltig seien.[23]

4.6. Sanierungsklausel

Die Sanierungsklausel ist in § 8 Abs. 4 S. 2 KStG a.F. geregelt. Sie hat nur Bedeutung wenn der Anspruch auf Verlustabzug verloren geht. Die Sanierungsklausel greift für Unternehmen, die mit der Zuführung von Betriebsvermögen nur ihren Geschäftsbetrieb sanieren möchten.[24]

Der Geschäftsbetrieb darf in diesem Fall noch nicht eingestellt sein und es darf kein Branchenwechsel vorliegen. Die Kapitalgesellschaft muss wirklich sanierungsbedürftig sein und das zugeführte Betriebsvermögen darf nicht den notwendigen Umfang für die Fortführung des Geschäftsbetriebs überschreiten. Inwieweit der verlustverursachende Geschäftsbetrieb in vergleichbarem Umfang fortgesetzt wird, ist abhängig von der Verlustphase zwischen dem Beginn der Verlustentstehung und dem Zeitpunkt des Verlustes der wirtschaftlichen Identität. Vergleichsmerkmale für den Umfang können Umsatz, Auftragsvolumen oder Arbeitnehmerzahl sein. Für die Fortführung des Geschäftsbetriebs gilt ebenfalls ein Zeitraum von fünf Jahren. Sobald der Geschäftsbetrieb innerhalb dieses Zeitraumes auf einen anderen Rechtsfolger übertragen wird, soll der Verlustabzug nachträglich verloren gehen.[25]

[...]


[1] Vgl. Weiler (2013) S.

[2] Vgl. Temme/Richter (2015) S. 1631

[3] Vgl. Weiler (2013), S. 117

[4] Vgl. Weiler (2013), S. 117 ff.

[5] Vgl. Meier (2015),S.6

[6] Vgl. Weiler (2013), S. 118

[7] Vgl. Weiler (2013), S.118

[8] Vgl. Weiler (2013), S. 122

[9] Vgl. Weiler (2013), S. 164 ff.

[10] Vgl. Weiler (2013), S. 164 ff.

[11] Vgl. Weiler (2013), S. 166

[12] Vgl. Weiler (2013), S. 168

[13] Vgl. Markmann (2008), S. 25

[14] Vgl. Gehrmann (2015), S. 1

[15] Vgl. Lahme (2015), S.12

[16] Vgl. Lahme (2015), S.13

[17] Vgl. Lahme (2015), S.13

[18] Lahme (2015), S.13

[19] Vgl. Markmann (2008), S. 38

[20] Vgl. Gehrmann (2015), S. 2

[21] Vgl. Markmann (2008), S. 39

[22] Vgl. Markmann (2008), S. 42

[23] Vgl. Weiler (2013), S. 267

[24] Vgl. Weiler (2013), S. 292

[25] Vgl. Lahme (2015), S. 17

Fin de l'extrait de 26 pages

Résumé des informations

Titre
Die steuerliche Verlustbehandlung von Kapitalgesellschaften. Der Wert von steuerlichen Verlustvorträgen für marode Unternehmen
Université
Niederrhein University of Applied Sciences Mönchengladbach
Note
1,7
Année
2015
Pages
26
N° de catalogue
V336722
ISBN (ebook)
9783668264151
ISBN (Livre)
9783668264168
Taille d'un fichier
513 KB
Langue
Allemand
mots-clé
verlustbehandlung, kapitalgesellschaften, wert, verlustvorträgen, unternehmen
Citation du texte
Anonyme, 2015, Die steuerliche Verlustbehandlung von Kapitalgesellschaften. Der Wert von steuerlichen Verlustvorträgen für marode Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336722

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