Diese Arbeit möchte sich mit der Darstellung des Drachen im mittelhochdeutschen Artusroman, sowie mit dem Bild des modernen Drachen in der heutigen phantastischen Literatur beschäftigen und diese vergleichen. Dabei ergibt sich die Frage, welchen Wandel der Drache dabei, in seiner Darstellung und Beziehung zum Menschen, vollzogen hat.
Diese Arbeit kann keinen Anspruch an Vollständigkeit gewähren, da die Fülle der mittelalterlichen, sowie der modernen Drachenerzählungen den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden. Die Textbeispiele wurden auf Grund ihrer Relevanz im Seminar, sowie wegen ihres Bekanntheitsgrades in der heutigen Zeit vom Autor gewählt. Wohingegen die meisten bei den mittelalterlichen Drachen sofort an blutrünstige Bestien denken, reicht das Bild des modernen Drachen vom friedvollen Freund, wie in "Eragon" – bis zum rachsüchtigen Untier wie in Tolkiens Erzählung "Der kleine Hobbit". Doch hat der Drache im Laufe der Zeit seine Wurzeln zum mittelalterlichen Vorbild gänzlich verloren?
Inhaltsverzeichnis
1. Drachen im Wandel der Zeit
2. Die Drachen im Artusroman
2.1. Die Drachenfigur im Iwein
2.2. Die Darstellung des Drachen in „Gauriel von Muntabel“
2.3. Der Drache in Konrad von Stoffelns „Tristan“
3. Moderne Drachen der phantastischen Literatur
3.1. Der weibliche Drache Saphira in der Eragon-Erzählung
3.2. Der Drache bei „Harry Potter und der Feuerkelch“
3.3. Der Drache Smaug in „Der kleine Hobbit“
4. Die Auswertung der verschiedenen Drachen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel der Drachendarstellung und der Beziehung zwischen Mensch und Drache, indem sie mittelalterliche Artusromane mit Werken der modernen phantastischen Literatur vergleicht. Das Hauptziel besteht darin herauszufinden, ob der Drache im Laufe der Zeit seine Wurzeln als blutrünstiges, teuflisches Untier verloren hat oder ob dieses Bild in modifizierter Form fortbesteht.
- Vergleich zwischen mittelalterlichen und modernen Drachenbildern
- Analyse der Drachenfigur im Kontext der Artusromane (Iwein, Gauriel von Muntabel, Tristan)
- Untersuchung moderner Drachengestalten in Eragon, Harry Potter und Der kleine Hobbit
- Diskussion der Mensch-Drache-Beziehung (Feindbild vs. Freundschaft vs. Nutztier)
- Reflexion über die Beständigkeit des Drachen als Symbol für das Unbekannte oder Böse
Auszug aus dem Buch
2.3. Der Drache in Konrad von Stoffelns „Tristan“
Als Tristan nach Irland geht, um die schöne Isolde für seinen Onkel zu bewerben, kennt er bereits die Geschichte von „einem serpande, / der was do da ze lande. / Der selbe leide valant / der hete liute unde lant / mit also schedelichem schaden / so schedelichen überladen, / daz der künec swuor einen eit / bi küneclicher warheit, / swer ime benaeme daz leben. / er wolte im sine tohter geben, / der edel und ritter waere.“41. Der König verspricht demjenigen seine Tochter, der den schädlichen Drachen erlegen kann. Nur wer „edel und ritter waere“42 kann diese Aufgabe erfolgreich bestehen. Der Drache wird erst als „serpande“43 und danach als „valant“44 beschrieben.
Zum ersten Begriff findet man in Matthias Lexers Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch die Übersetzung Schlange, Drache und Teufel.45 Der zweite Begriff wird als teufelähnliches Wesen46 übersetzt. Hierdurch werden dem Drachen Bösartigkeit und der Verbund mit dem Teufel zugeschrieben. Tristan macht sich auf den Weg den Wurm zu erlegen und so kommt er in das „(...) tal zAnferginan, / da was des trachen heimwist, / also man an der geste list. / nu sach er verre dort hin dan / vier gewafende man / über ungeverte und über velt / ein lützel balder danne enzelt / fliehende galopieren; / der eine von den vieren / truhsaeze was der künigin, / (…). wan ern gesach den trachen nie, / er enkerte belderlichen ie. / Nu Tristan wart vil wol gewar / an der fliehenden schar, / der trache der waere etswa da, / und stapfete ouch des endes sa / und reit unlange, unz er gesach / siner ougen ungemach, / den egeslichen trachen; / der warf uz sinem rachen / rouch unde flammen unde wint / alse des tiuveles kint / und kerte gein im aldort her.“47.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Drachen im Wandel der Zeit: Einleitung in die Thematik des Drachenvergleichs zwischen mittelalterlicher Literatur und moderner Fantasy mit Fokus auf den Wandel der Beziehung zum Menschen.
2. Die Drachen im Artusroman: Theoretische Herleitung des mittelalterlichen Drachenbildes als Schwellenwesen und dessen Darstellung in spezifischen Artusromanen.
2.1. Die Drachenfigur im Iwein: Analyse der Begegnung zwischen Iwein, dem Löwen und dem Drachen, wobei der Drache als unhöfisches, böses Gegenstück zum edlen Löwen fungiert.
2.2. Die Darstellung des Drachen in „Gauriel von Muntabel“: Untersuchung der Drachen als ambivalente Torwächter des Feenreichs Fluratrone, die nur durch gemeinsames ritterliches Handeln bezwungen werden können.
2.3. Der Drache in Konrad von Stoffelns „Tristan“: Darstellung des Drachen als teuflisches Wesen, das Tristan im Rahmen seiner Brautwerbung besiegt, wobei die Drachenzunge eine zentrale Rolle als Wahrheitsbeweis einnimmt.
3. Moderne Drachen der phantastischen Literatur: Überblick über die Wiederkehr des Drachen in der modernen Literatur und Einordnung in das Genre der Fantasyliteratur.
3.1. Der weibliche Drache Saphira in der Eragon-Erzählung: Betrachtung von Saphira als Drachenreiter-Partnerin, die eine enge emotionale Bindung zum Menschen pflegt.
3.2. Der Drache bei „Harry Potter und der Feuerkelch“: Analyse des Drachen als gefährliches, animalisches Wesen, das primär als Hindernis oder Nutztier dient.
3.3. Der Drache Smaug in „Der kleine Hobbit“: Untersuchung von Smaug als intelligentem, rachesüchtigem Schatzhüter, der klassische Züge der mittelalterlichen Drachen mit modernerer Charakterzeichnung verbindet.
4. Die Auswertung der verschiedenen Drachen: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass der Drache eine beständige, oft gefährliche Konstante bleibt, sich aber in der modernen Literatur stärker transformieren kann.
Schlüsselwörter
Drache, Artusroman, Phantastik, Mittelalter, Drachentötung, Literaturwissenschaft, Mensch-Tier-Beziehung, Iwein, Tristan, Gauriel von Muntabel, Saphira, Smaug, Harry Potter, Fabelwesen, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wandlung der Darstellung des Drachen von der mittelalterlichen mittelhochdeutschen Literatur bis hin zur modernen phantastischen Literatur.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die Darstellung des Drachen, seine physischen und charakterlichen Eigenschaften sowie die sich verändernde Beziehung zwischen Mensch und Drache.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob das mittelalterliche Bild des Drachen im Laufe der Zeit grundlegend durch ein moderneres Verständnis ersetzt wurde oder ob es in der zeitgenössischen Literatur fortlebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf einem vergleichenden Textvergleich (Komparatistik) zwischen mittelalterlichen Artusromanen und moderner Fantasy-Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Drachenrollen in Artusromanen (Iwein, Tristan, Gauriel) und einen Vergleich mit modernen Werken wie Eragon, Harry Potter und dem Hobbit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Drache, Artusroman, Phantastik, Ritterlichkeit, Tier-Mensch-Beziehung und die literarische Transformation vom bösen Untier zum komplexen Charakter.
Warum wird im Iwein das Hilfe-Gleichnis zwischen Löwe und Mann gezogen?
Das Gleichnis dient dazu, den Löwen mit menschlichen Werten wie Dankbarkeit und Edelmut zu belegen, was ihn kontrastreich vom als unhöfisch und böse wahrgenommenen Drachen abhebt.
Welche Funktion hat die Drachenzunge im Tristan?
Die herausgeschnittene Zunge fungiert als mythischer und physischer Wahrheitsbeweis, der Tristans Identität und seinen Erfolg bei der Drachentötung gegenüber den Anschuldigungen des Betrügers Truhsaeze legitimiert.
- Citation du texte
- Franziska Weithmann (Auteur), 2014, Hat sich das mittelalterliche Bild des Drachen im Laufe der Zeit grundlegend geändert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336734