Das Essay beschäftigt sich mit der Frage, wie weit Erziehung Gender beeinflussen kann. Ist Geschlecht tatsächlich nur ein soziales Konstrukt? Oder spielen biologische Faktoren doch eine große Rolle?
Dabei wird die These "Unser Geschlecht ist nicht angeboren, sondern anerzogen" von John Money und sein John/Joan Experiment, sowie die Erziehungspraxis zur Fa`fafine von Familien in Samoa näher beleuchtet und kritisch betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Erziehung auf die Geschlechtsidentität und analysiert, an welchen Punkten die Grenzen erzieherischer Gestaltungsmöglichkeiten liegen, indem sie den Fall von David Reimer (John/Joan) mit dem soziokulturellen Phänomen der Fa'fafine in Samoa vergleicht.
- Analyse des John/Joan-Experiments unter der Leitung von John Money
- Untersuchung des Konzepts der Fa'fafine als soziales Konstrukt in Samoa
- Gegenüberstellung von erzwungener versus akzeptierter Geschlechtsrollenentwicklung
- Evaluation des Zusammenspiels von Biologie, Sozialisation und individueller Identitätsfindung
- Diskussion der ethischen Grenzen bei der erzieherischen Einflussnahme auf die Genderentwicklung
Auszug aus dem Buch
Hauptteil
Der Fall John/Joan war die Erfolgsgeschichte für den US-amerikanischen Psychologen und Soziologe John Money und ist in soweit relevant für die Fragestellung, da Money behauptete, dass Erziehung Gender bestimme. Er war sich sicher, dass das weitverbreitete Muster, dass Mädchen lieber mit Puppen und Jungs lieber mit Autos spielen, nur anerzogen sei. Er glaubte, man könnte ein Kleinkind bis zum Alter von 18 Monaten zu jeder sexuellen Identität erziehen. Für seine These brauchte er nur noch Beweise. Die Grundlage für sein John/Joan Experiment wurde durch ein Unglück 1966 geschaffen. Die Reimerzwillinge Bruce und Brian sollten im achten Monat bei einem Routineeingriff beschnitten werden. Der Eingriff missglückte bei Bruce und er verlor seinen Penis. Die Eltern von Bruce machten sich große Sorgen um seine Zukunft. Wie sollte ein Junge ohne Penis glücklich werden? Sie erfuhren von John Money und seiner Überzeugung und wandten sich an ihn. Dieser überzeugte sie, Bruce als Mädchen großzuziehen. Nur durch die Erziehung sollte sich Bruce als Mädchen fühlen. Er war das perfekte Versuchskaninchen, denn sein Zwillingsbruder Brian, mit dem er alle seine genetischen Informationen teilte, konnte als Vergleichsobjekt dienen. Wenn Bruce tatsächlich als glückliches Mädchen aufwachsen würde, wäre John Moneys These bewiesen. Mit 21 Monaten wurde Bruce zu Brenda. Die Ärzte entfernten in einer Operation die noch vorhandenen Hoden und formten eine Scheide. Jetzt produzierte Bruce alias Brenda keine männlichen Hormone mehr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Grundthese ein, dass Geschlecht nicht ausschließlich angeboren ist, und stellt die Forschungsfrage nach dem Einfluss der Erziehung auf die Genderwahrnehmung.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert das John/Joan-Experiment sowie das dritte Geschlecht der Fa'fafine, um die Grenzen der erzieherischen Einflussnahme auf die Geschlechtsidentität kritisch zu beleuchten.
Schlüsselwörter
Gender, Geschlechtsidentität, Erziehung, John Money, John/Joan Experiment, Fa'fafine, Sozialisation, Biologie, Geschlechterrollen, David Reimer, Identitätskrise, Soziokulturelle Faktoren, Geschlechtsumwandlung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen Erziehung und der Herausbildung der Geschlechtsidentität sowie die Frage, ob diese durch äußere Einflüsse maßgeblich bestimmt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Felder sind die psychologische Forschung von John Money, der Fall des David Reimer sowie der soziokulturelle Umgang mit dem dritten Geschlecht der Fa'fafine in Samoa.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit Erziehung Gender beeinflussen kann und wo die ethischen und biologischen Grenzen einer solchen Beeinflussung liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fallbasierte Analyse und einen theoretischen Vergleich, der klinische Fallstudien mit soziologischen Beobachtungen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das John/Joan-Experiment als Beispiel für erzwungene Geschlechtsanpassung und die Fa'fafine als Beispiel für kulturell integrierte Rollenbilder gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Geschlechtsidentität, Erziehung, Sozialisation, Biologie und Gender.
Warum scheiterte das Experiment von John Money mit David Reimer?
Das Experiment scheiterte, da trotz konsequenter Erziehung als Mädchen keine Identifikation stattfand und das Kind unter massiven sozialen und psychischen Problemen litt.
Was unterscheidet das Fa'fafine-Konzept vom Fall John/Joan?
Während bei John/Joan eine erzwungene Umerziehung gegen den natürlichen Drang des Kindes stattfand, existiert bei den Fa'fafine eine kulturelle Tradition, in der die Rolle teilweise (aber nicht immer erfolgreich) sozial integriert wird.
Welche Rolle spielt die Biologie bei der Geschlechtsidentität laut der Arbeit?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass neben soziokulturellen Prozessen auch biologische Faktoren wie Sexualhormone eine bedeutende Rolle für die Identitätsfindung spielen.
Was schlussfolgert der Autor über die Grenzen der Erziehung?
Erziehung kann unterstützend wirken, sollte jedoch nicht dazu dienen, Kindern eine Geschlechtsidentität gegen ihr eigenes Empfinden aufzuzwingen, da dies in tiefgreifende Identitätskrisen führt.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2014, Wie weit kann Erziehung Gender beeinflussen und wo sollten die Grenzen liegen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336768