Sprachpolitik in Katalonien. Zur Entwicklung und Bedeutung des Katalanischen


Seminararbeit, 2016
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verbreitungsgebiet des Katalanischen

3. Die katalanische Sprachgeschichte

4. Sprachpolitik in Katalonien ab
4.1. Kooffizialität

5. Das Spanische in Katalonien
5.1. Aussprache
5.2. Morphosyntax
5.3. Lexik

6. Katalanisch als Identitätsstifter

7. Katalanisch in den Medien

8. Katalanisch im Schulwesen
8.1. Umsetzung der Regelungen

9. Zusammenfassung

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nicht nur beim Bau der traditionellen Castells ist der Zusammenhalt der Katalanen stark. Auch beim Erhalt und der Verteidigung der eigenen Sprache beweisen sie Durchhaltevermögen und gelten als Sinnbild für eine selbstbewusste Gemeinschaft, die mit großem Stolz ihre Sprache und Kultur vertritt. Nach jahrelanger Unterdrückung und dem Kampf um Eigenständigkeit hat sich das Katalanische heute durchgesetzt und ist ein wichtiges Element der katalanischen Identität geworden. Wie es jedoch zur sprachlichen Normalisierung gekommen ist, welche Bedeutung die Sprache für die Katalanen im Laufe ihrer Entwicklung und Ausbreitung eingenommen hat und inwiefern die Sprachpolitik in öffentlichen Bereichen Kataloniens umgesetzt wird bzw. werden kann, wird im Rahmen dieser Seminararbeit dargestellt. Der Umfang der Arbeit wird, bis auf wenige Ausnahmen in den Kapiteln sieben und acht, auf die autonome Gemeinschaft Kataloniens begrenzt.

Zunächst wird mithilfe der Werke von Germán Colón (1989) und Karl-Heinz Röntgen (2000) ein kurzer Überblick über das Verbreitungsgebiet, sowie die Sprachgeschichte des Katalanischen gegeben. Daran anknüpfend wird die Sprachpolitik nach dem Franquismus beschrieben, wobei im Anschluss zusätzlich der kooffizielle Status des Katalanischen und die notwendigen gesetzlichen Erweiterungen erörtert werden. Wichtigste Orientierung hierbei geben Christian H. Münchs „Sprachpolitik und gesellschaftliche Alphabetisierung“ (2006), sowie auch die spanischen Gesetzestexte.

Kapitel fünf stützt sich auf Carsten Sinners Arbeit (1996) und zeigt in welchem Ausmaß Katalanisch das Kastilische beeinflusst. Dazu werden wesentliche Eigenschaften in den Bereichen der Aussprache, Morphosyntax und Lexik erarbeitet. Anschließend wird anhand von Emili Boix-Fusters „Language and identity in Catalonia“ (2008) das Verhältnis von Sprache und Identität erklärt, um somit ihre Bedeutung für das katalanische Volk zu unterstreichen.

Der letzte Teil der Arbeit widmet sich der Präsenz des Katalanischen in den Bereichen der Medien und des Schulwesens. Hierzu wird primär das öffentlich zugängliche Material der Generalitat de Catalunya, sowie die „Sprachgesetzgebung in Katalonien“ von Thomas Gergen (2000) verwendet. Das letzte Kapitel wird um eine Diskussion zu den aktuellen Problemen der Sprachregelungen in der Schule erweitert. Den Abschluss der Seminararbeit bildet eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

2. Verbreitungsgebiet des Katalanischen

Das Verbreitungsgebiet der katalanischen Sprache erstreckt sich über den Osten der iberischen Halbinseln und einen kleinen Teil Frankreichs, den Pyrenäen. In Spanien umfasst sie Katalonien mit den Provinzen Barcelona, Tarragona, Girona und Lleida, daneben das Fürstentum Andorra, wo es den Status als offizielle Sprache innehat, sowie den Balearen und dem größten Teil des alten Königreichs Valencia. (cf. Colón 1989, 38) In Frankreich schließt sie das Roussillon zusammen mit einigen angrenzenden Gebieten ein. Außerdem wird in der italienischen Stadt Alghero Katalanisch gesprochen.

Es ist schwierig eine genaue Zahl der Sprecher anzugeben, da es bis zum heutigen Zeitpunkt keine offiziellen Statistiken hierzu gibt. Schätzungsweise geht man von ca. fünf bis sechs Millionen Menschen aus, was bedeutet, dass in Spanien jede sechste Person Katalanisch spricht. (cf. Colón 1989, 38)

Die linguistischen Grenzen der iberischen Halbinsel stimmen nicht mit der Einteilung in Provinzen und Regionen überein, da das Aragonische in Valencia und das Katalanische in angrenzende Gebiete Aragons eindringt. Die Sprache erstreckt sich also vertikal gesehen vom Corbières Bergland in Frankreich bis hin zum Palmenhain von Elche. Horizontal gesehen wird der Raum, auf dem sich die katalanische Sprache verbreitet, in Richtung Valencia immer schmaler. (cf. Colón 1989, 40)

3. Die katalanische Sprachgeschichte

Die römische Eroberung der iberischen Halbinsel beginnt im Jahr 218 v. Chr. Die Siedler, die sich des Vulgärlateins bedienen, machen es somit zur Grundlage der katalanischen Sprache. (cf. Röntgen 2000, 7) Nach der Herrschaft der Westgoten vom 5. bis zum 7. Jahrhundert erobern im Jahr 711 Araber die Halbinsel. Girona und Barcelona werden jedoch bereits 785 von der muslimischen Herrschaft befreit und kurz darauf entsteht Altkatalonien (Catalunya Vella), welches von Barcelona geführt wird. Durch eine Heirat vereinigen sich die Grafschaft Barcelona und das Königreich Aragon im Jahr 1137 zur Krone Aragon. (cf. Röntgen 2000, 7) Dieses Reich erweitert sich im Zuge der Reconquista um das Königreich Valencia, als der Katalane Jaume I . mit seinen Truppen die Balearen und Valencia besetzt. Dadurch dehnt sich auch das katalanische Sprachgebiet aus. Begünstigt durch eine Vormachtstellung im Mittelmeer werden auch Sizilien und Sardinien erobert. Die Eroberungen dauern bis ins 15. Jahrhundert an, sodass griechische Gebiete und das Königreich Neapel zur Krone Aragon hinzukommen. Das Katalanische etabliert sich in all diesen Regionen als offizielle Verwaltungssprache. (cf. Röntgen 2000, 8)

In der Mitte des 12. Jahrhunderts werden erste katalanische Texte vermerkt. Bald beginnen alle katalanischen Dichter, geprägt durch den Einfluss der Troubadours, auf Okzitanisch zu schreiben. Im Jahr 1393 kommt es jedoch zur Gründung der katalanischen Blumenspiele (Jocs Florals) und Ramon Llull trägt dazu bei, dass philosophische und wissenschaftliche Abhandlungen zum ersten Mal auch in katalanischer statt lateinischer Sprache geschrieben werden. (cf. Röntgen 2000, 8) Somit kann das „goldene Zeitalter“ der katalanischen Literatur zwischen den Jahren 1350 und 1500 datiert werden.

Die Heirat der katholischen Könige bewirkt 1479 die „Vereinigung der Krone Aragon mit dem Königreich Kastilien“. (Röntgen 2000, 8) Kastilien wird zum politischen und kulturellen Mittelpunkt, sodass auch die kastilische Sprache mehr an Bedeutung gewinnt. Schriftsteller schreiben nun auf Kastilisch und es folgt ein kulturell-literarischer Niedergang des Katalanischen, der als Decadència bekannt ist.

Das nordkatalanische Gebiet, darunter auch Roussillon, wird nach einem spanisch-französischen Krieg abgetreten und Französisch wird zur Amtssprache. Das Dekret von Nova Planta schreibt die Aufhebung der Autonomie Kataloniens vor und erklärt das Kastilische zur einzigen Amts- und Gerichtssprache, wodurch das Katalanische zum ersten Mal als offizielle Sprache verboten wird. Zudem ist es ab 1768 auch nicht mehr erlaubt auf Katalanisch zu unterrichten. (cf. Röntgen 2000, 9) Jedoch führen während der Renaissance die Publikation von Carles Aribaus Ode La Patria und die Neugründung der Jocs Florals wieder zu einer Aufwertung der katalanischen Sprache. Zudem wird sie auch von der europäischen Romantik favorisiert, sodass Ende des 19. Jahrhunderts das Katalanische wieder in allen Bereichen der Literatur verwendet wird.

1907 wird das Institut d’Estudis Catalans gegründet und es gibt eine Sprachreform, welche die katalanische Schriftsprache fixiert und normiert. Die Vereinheitlichung der Orthographie und Grammatik erfolgt über die Werke von Pompeu Fabra. In der zweiten spanischen Republik erlangt Katalonien seine Selbstständigkeit zurück und das Katalanische ist wieder offizielle Sprache. (cf. Röntgen 2000, 9)

In der Zeit des Franco-Regimes verliert der Staat erneut seine Autonomie und die katalanische Sprache wird verboten. Der Franquismus sieht die Unterdrückung der katalanischen Kultur und die Zerstörung des Identitäts- und Nationalbewusstseins vor. (cf. Röntgen 2000, 9) Proteste der Bevölkerung gegen die Unterdrückung werden mit scharfen Zensuren der Kampf- und Protestlieder bekämpft. Nach dem Tod Francos bessert sich die Situation in Katalonien, da die neue spanische Verfassung aus dem Jahr 1978 den Weg für die Autonomie Kataloniens öffnet. Somit ist die katalanische Sprache wieder im Bildungswesen und den Medien präsent. (cf. Röntgen 2000, 10)

4. Sprachpolitik in Katalonien ab 1975

Das Todesjahr Francos 1975 kennzeichnet den Beginn der katalanischen Sprachpolitik. Zu diesem Zeitpunkt ist Spanisch noch die einzige offizielle Sprache in Katalonien und das Katalanische wird so gut wie gar nicht gebraucht. (cf. Vallverdú 1995, 61) Dennoch beginnt in den Folgejahren ein politischer und gesellschaftlicher Umbruch, der die Rückkehr des Katalanischen zur Folge hat. Dazu tragen vor allem die Vitalität der katalanischen Mündlichkeit, die starke kulturelle Identität der Katalanen und die Begeisterung für den politischen Wechsel bei. (cf. Münch 2006, 23) Die Werke von Pompeu Fabra dienen dabei als Grundlage für die Rückkehr der katalanischen Sprache in das Verlagswesen und die Medien.

Im Hinblick auf die katalanische Schriftlichkeit sieht es nach den langen Jahren des Franco-Regimes sehr schlecht aus. Die meisten Sprecher des Katalanischen schreiben auf Spanisch, nur ein Bruchteil der Bevölkerung ist in der Lage auf Katalanisch zu schreiben. Trotzdem bleibt die Einführung des Katalanisch-Unterrichts in den Schulen noch aus. (cf. Münch 2006, 24)

Ende der siebziger Jahre geht es primär darum, die katalanische Sprache wieder im Bereich der Mündlichkeit auszudehnen. Von nun an soll Katalanisch nicht nur in alltäglichen Situationen gesprochen werden, sondern auch in der Öffentlichkeit, vor allem bei politischen Reden. (cf. Münch 2006, 25) Politiker nutzen also die Sprache, um sich so Mehrheiten für ihre Parteien zu verschaffen und das „[...] Gefühl von Gemeinsamkeit und kultureller Identität [...]“ (Münch 2006, 25) in Katalonien zu stärken. Dadurch erfährt die Sprache eine Aufwertung, welche die Menschen berechtigt sich im Alltag in katalanischer Sprache zu äußern. Die politische Sprache prägt somit die katalanische Identität.

Mit der Verfassung von 1978 haben die Bürger offiziell das Recht Katalanisch zu sprechen und das katalanische Autonomiestatut von 1979 setzt es als offizielle Sprache Kataloniens fest. (cf. Münch 2006, 25) Der Wahlsieg Jordi Pujols Koalitionsbündnisses Convergència i Unió im Jahr 1980 läutet den Anfang einer erfolgreichen und langanhalten Sprachpolitik in Katalonien ein. In den folgenden Jahren werden die in der Llei de Normalització Lingüística formulierten Ziele erfolgreich von der katalanischen Regierung realisiert. (cf. Münch 2006, 26) Deshalb gilt der Zeitraum zwischen 1983 und 1992 als goldene Zeit der katalanischen Sprachpolitik. Der Erfolg Pujols wiederum bewirkt ein starkes Interesse der Politiker an der Durchsetzung von sprachpolitischen Zielen.

Die zu diesem Zeitpunkt in Barcelona stattfindende Olympiade erweist sich als sehr günstig für die Umsetzung der katalanischen Sprachpolitik, da es mit ihr möglich ist der Welt Katalonien und seine Sprache in seiner Eigenständigkeit zu präsentieren und vom Spanischen hervorzuheben. (cf. Münch 2006, 26-27) Die Vorbereitungen auf die Olympiade sehen eine Umgestaltung der Infrastruktur vor, welche Katalanisch auf Beschilderungen und bei Durchsagen immer an erste Stelle setzt.

Die großen Ausgaben für die Olympiade sorgen jedoch für eine wirtschaftliche Krise in ganz Spanien und die große Arbeitslosigkeit und die Sorgen haben einen Stimmungsbruch in der Gesellschaft zur Folge. Dennoch leitet die schwierige wirtschaftliche Lage wichtige Entwicklungen im Hinblick auf die katalanische Sprache ein. (cf. Münch 2006, 27) Es setzt eine sprachliche Normalisierung ein, die vor allem die katalanische Schriftlichkeit fördert. Im Jahr 1989 startet schließlich die Alphabetisierung der Erwachsenen durch das von der Generalitat de Catalunya gegründete Consorci per a la Normalització Lingüística (CPNL). (cf. Münch 2006, 28)

Auch die Einführung von Sprachzeugnissen erweist sich im Nachhinein als förderlich. Da seit dem Beschluss aus dem Jahr 1991 für die Ausübung von Berufen in der öffentlichen Verwaltung ein Sprachzeugnis notwendig ist, entsteht ein großes Interesse an Schreibkursen und Prüfungen. Dies hat den Ausbau des CPNL zur Folge, da den Menschen viel daran liegt, sich nach der Wirtschaftskrise einen Job in der staatlichen Verwaltung zu sichern. (cf. Münch 2006, 29) Somit nimmt auch das Schreiben auf Katalanisch nach einer langen Pause wieder einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft an.

4.1. Kooffizialität

Letztendlich wird die Sprachenfrage in Katalonien heutzutage auf zwei Ebenen des Gesetzes geregelt. Auf der einen Seite durch die Verfassung aus dem Jahr 1978 und andererseits durch das Autonomiestatut Kataloniens aus dem Folgejahr.

Im Artikel 3 der spanischen Verfassung steht das Kastilische an erster Stelle, während die Regionalsprachen zusammengefasst als las demás lenguas españolas im zweiten Abschnitt erwähnt werden.

1. El castellano es la lengua española oficial del Estado. Todos los españoles tienen el deber de conocerla y el derecho a usarla.
2. Las demás lenguas españolas serán también oficiales en las respectivas Comunidades Autónomas de acuerdo con sus Estatutos.
3. La riqueza de las distintas modalidades lingüísticas de España es un patrimonio cultural que será objeto de especial respeto y protección. (www.congreso.es)

Die Katalanische Sprache erhält keine Offizialität auf staatlicher Ebene, allenfalls Kooffizialität, außerdem wird ihre Position in der Verfassung nicht abgesichert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Sprachpolitik in Katalonien. Zur Entwicklung und Bedeutung des Katalanischen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Die Sprachsituation in den katalanischsprachigen Regionen Spaniens
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V336790
ISBN (eBook)
9783668265332
ISBN (Buch)
9783668265349
Dateigröße
1002 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprachpolitik, katalonien, entwicklung, bedeutung, katalanischen
Arbeit zitieren
Berina Hodzic (Autor), 2016, Sprachpolitik in Katalonien. Zur Entwicklung und Bedeutung des Katalanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336790

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