Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kennzahlen- und Informationssystemen sowie ihre Umsetzung in der Praxis unterlagen in den letzten Jahrzehnten in der Betriebswirtschaftslehre im Allgemeinen und innerhalb der Wirtschaftsinformatik sowie des Controllings im Speziellen wechselnder Aufmerksamkeit. Über den Zeitverlauf hinweg war zu beobachten, dass die den Kennzahlen- und Informationssystemen zugrunde liegenden betriebswirtschaftlichen Konzepte teils verworfen, häufig jedoch verbessert und weiterentwickelt wurden. Diese konzeptionellen Fortschritte führten – verstärkt durch innovative Entwicklungen unter Nutzung der informations- und kommunikationstechnologischen Potenziale – zum heute weitverbreiteten Einsatz.
Die große Bedeutung der Auseinandersetzung mit dieser Art von Systemen für die Wissenschaft zeigt sich daran, dass die nachfolgende Arbeit dem ersten von fünf für die Wirtschaftsinformatik priorisierten Forschungszielen, der Schaffung eines „verbesserten Wissens über die Beherrschung von Komplexität in Informations- und Kommunikationssystemen“ zugeordnet werden kann. Eine Begründung der bis heute andauernden und mehr und mehr an Bedeutung gewinnenden Beschäftigung mit Kennzahlen- und Informationssystemen kann in der Wahrnehmung der hohen Relevanz von Information und ihrer Einstufung als Wirtschaftsgut, Produktions- und Wettbewerbsfaktor in der gegenwärtigen Informationsgesellschaft gefunden werden.
Aufgrund der Erkenntnis, dass das effektive und effiziente Management der Informationen in Zeiten schneller wirtschaftlicher, technischer, politischer und sozialer Änderungen einen entscheidenden Faktor für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung darstellt, muss sich das Informationsmanagement im Unternehmen neuen Herausforderungen stellen. Nur so kann es seiner zugewiesenen Aufgabe nachkommen, einen Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele zu leisten.
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Zur Erfüllung der steigenden Anforderungen und zur Bewältigung der Aufgabenvielfalt durch den Anwender, auch unter Zeitdruck, werden in Unternehmen „System(e) zur Beschaffung, Verarbeitung, Übertragung, Speicherung und/oder Bereitstellung von Informationen“ eingesetzt. Diese bestehen im weiteren Sinne aus den Komponenten Organisation, Mensch und Technologie und verfolgen das Ziel, den Entscheidungsträger mit relevanten Informationen so zu versorgen, dass er in die Lage versetzt wird, die zur Erreichung der Unternehmensziele richtigen Entscheidungen treffen zu können ...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Forschungsgegenstand
1.2 Vorgehensweise und Aufbau
2 Grundlagen
2.1 Einführung und Einordnung
2.1.1 Forschungsschwierigkeiten
2.1.2 Forschungszielsetzungen
2.1.3 Definitionen und Abgrenzungen
2.1.4 Systemcontrolling und -management
2.2 Kennzahlen und Kennzahlensysteme
2.2.1 Kennzahlen
2.2.2 Kennzahlensysteme
2.3 Informationen und Informationssysteme
2.3.1 Informationen
2.3.2 Informationssysteme
2.4 Historische Entwicklung
2.4.1 Historie der Kennzahlen- und Informationssysteme
2.4.2 Total Approach, Erklärungsansätze und Tendenzen
2.5 Entscheidung und Führung
2.5.1 Entscheidungstheorie
2.5.2 Führungsunterstützung
2.6 Informationsmanagement
2.6.1 Konzept des Informationsmanagements
2.6.2 Management der Informationswirtschaft
2.6.3 Management der Informationsverarbeitung
2.6.4 Management der Informationssysteme
2.6.5 Management der Informationstechnologie
3 Typologien von Kennzahlen- und Informationssystemen
3.1 Definition und Einordnung
3.2 Typologien von primären Kennzahlensystemen
3.2.1 Definition und Typologiemerkmale
3.2.2 Logische Herleitung
3.2.3 Empirisch-theoretische Fundierung
3.2.4 Empirisch-induktive Gewinnung
3.2.5 Modellgestützte Rechtfertigung
3.2.6 Kombination verschiedener Verfahren
3.3 Typologien von primären Informationssystemen
3.3.1 Definition und Typologiemerkmale
3.3.2 Funktionsbereiche
3.3.3 Branchenspezifika
3.3.4 Aufgabenstellung
3.3.5 Hierarchieebenen
3.3.6 Wertschöpfungsketten
3.4 Typologien von sekundären Kennzahlensystemen
3.4.1 Definition und Typologiemerkmale
3.4.2 Traditionelle sekundäre Kennzahlensysteme
3.4.3 Moderne sekundäre Kennzahlensysteme
3.5 Typologien von sekundären Informationssystemen
3.5.1 Definition und Typologiemerkmale
3.5.2 Mögliche Ausgestaltung und Aufbau
4 Sekundäres Measurement-Konzept und Objekte
4.1 Performance-Measurement
4.1.1 Definition und Einordnung
4.1.2 Measurement, Management und System
4.1.3 Performance-Measurement-Konzepte
4.2 Effektivität und Effizienz
4.2.1 Definition und Einordnung
4.2.2 Abhängigkeiten, Darstellung und Priorisierung
4.2.3 Effektivitäts- und Effizienzkonzepte
4.3 Sekundäres Performance-Measurement-Konzept
4.3.1 Definition und Einordnung
4.3.2 Primäre Dimensionen der Effektivität
4.3.3 Primäre Dimensionen der Effizienz
4.3.4 Sekundäre Sonder- und Prozessdimensionen
4.4 Management- und Systemobjekte
4.4.1 Definition und Einordnung
4.4.2 Managementobjekte
4.4.3 Systemobjekte
5 Sekundäres Performance-Management-System
5.1 Sekundäres Management-System
5.1.1 Definition und Anforderungen
5.1.2 Ausgestaltung und Übersicht
5.2 Konzeptionelles System
5.2.1 Systembestandteile
5.2.2 Systemregelprozess
5.2.3 Zeitpunkte und Operationalisierung
5.3 Technologisches System
5.3.1 Business-Intelligence
5.3.2 Systemkomponenten
5.3.3 Systembeziehungen
5.4 Erfolgsfaktoren und Erweiterungen
5.4.1 Erfolgsfaktoren
5.4.2 Erweiterungen
6 Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Entwicklung eines integrierten sekundären Performance-Measurement-Konzepts sowie eines darauf aufbauenden Performance-Management-Systems, um die Effektivität und Effizienz von Kennzahlen- und Informationssystemen in Unternehmen nachhaltig zu steigern. Die Forschungsfrage untersucht, wie ein solches System, unabhängig von spezifischen Typologien, konzeptionell und technologisch umgesetzt werden kann, um den Unternehmenswert zu optimieren.
- Grundlagen von Kennzahlen- und Informationssystemen
- Typologisierung von Kennzahlen- und Informationssystemen
- Konzeption eines sekundären Performance-Measurement-Modells
- Entwicklung eines sekundären Performance-Management-Systems
- Technologische Umsetzung durch Business-Intelligence-Komponenten
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Forschungsschwierigkeiten
Grundlegend stellen sich die Fragen: „Warum wurde diese Fragestellung der Effektivität und Effizienz von Kennzahlen- und Informationssystemen nicht schon früher in dieser weiten, nicht nur auf die Produktivität und Wirtschaftlichkeit beschränkten Fassung betrachtet?“ bzw. „Liegen tatsächlich Defizite im theoretisch-wissenschaftlichen Bereich vor oder werden die vorhandenen Konzepte nicht konsequent verwendet und umgesetzt?“ Mögliche Erklärungsansätze sollen nachfolgend erörtert werden. Sowohl die teilweise aus bisherigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder der Praxis bekannten als auch die im Rahmen der Auseinandersetzung mit der vorliegenden Themenstellung neu wahrgenommenen Forschungsschwierigkeiten können nachfolgend zwei Themenbereichen zugeordnet werden. Zum einem dem Forschungsgegenstand der Kennzahlen- und Informationssysteme selbst und zum anderen der spezifischen Fragestellung nach der Effektivität und Effizienz dieser Systeme.
Bei einer ersten Betrachtung der Schwierigkeiten des Forschungsgegenstandes der Kennzahlen- und Informationssysteme werden die begriffliche Unschärfe im Rahmen der Verwendung des Systembegriffs und die Vielfalt sowie Heterogenität bei der Definition von Kennzahlen- und Informationssystemen deutlich. Diese Unschärfe, welche einen einfachen Zugang und ein klares Verständnis des Forschungsgegenstandes erschwert, gründet sich zum einen in der langen theoretisch-wissenschaftlichen Entwicklung und zum anderen in der durch Wortneuschöpfungen sowie durch Projekt- und Produktmarketing geprägten Theorie und Praxis.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt den Forschungsgegenstand, die Relevanz der Thematik sowie die Vorgehensweise und den Aufbau der Arbeit.
2 Grundlagen: Erläutert die theoretischen Fundamente, inklusive Begriffsklärungen zu Kennzahlen, Informationen, Systemen und Management.
3 Typologien von Kennzahlen- und Informationssystemen: Kategorisiert primäre und sekundäre Kennzahlen- und Informationssysteme nach verschiedenen Kriterien.
4 Sekundäres Measurement-Konzept und Objekte: Diskutiert Performance-Measurement, Effektivität und Effizienz und entwickelt das sekundäre Measurement-Konzept.
5 Sekundäres Performance-Management-System: Behandelt die konzeptionelle und technologische Ausgestaltung des Management-Systems sowie Erfolgsfaktoren und Erweiterungen.
6 Schlussbetrachtung: Fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Performance-Measurement, Performance-Management, Kennzahlensysteme, Informationssysteme, Systemcontrolling, Effektivität, Effizienz, Informationsmanagement, Business-Intelligence, Systemarchitektur, Unternehmensführung, Projektmanagement, Prozessmanagement, Wertorientierung, IT-Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Dissertation im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit dem Performance-Measurement und dem Performance-Management von betrieblichen Kennzahlen- und Informationssystemen. Ziel ist es, diese Systeme nicht nur als bloße Werkzeuge, sondern als Gegenstand einer aktiven Effektivitäts- und Effizienzbetrachtung zu begreifen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des Informationsmanagements, die Typologisierung von Systemen, die Entwicklung eines sekundären Messkonzepts für Kennzahlen- und Informationssysteme sowie deren technische Implementierung mittels Business-Intelligence-Architekturen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie ein erfolgreiches Performance-Measurement und -Management für Kennzahlen- und Informationssysteme konzipiert und umgesetzt werden kann, das unabhängig von deren spezifischer Typologie funktioniert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf den im deutschsprachigen Raum üblichen konstruktiven Forschungsansatz, ergänzt durch Typologiebildung, Analogie- und Deduktionsschlüsse, um neue Konzepte auf abstrakter Ebene zu entwickeln.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Im Hauptteil werden zunächst Grundlagen und Systemtypologien erarbeitet. Darauf aufbauend wird ein integriertes sekundäres Measurement-Konzept entwickelt und dieses in ein Management-System überführt, das sowohl konzeptionelle als auch technologische Aspekte umfasst.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Performance-Measurement, Kennzahlen- und Informationssysteme, Effektivität und Effizienz sowie das Konzept eines sekundären Managements für diese Systeme.
Was versteht der Autor unter einem "sekundären" Informationssystem?
Ein sekundäres Informationssystem ist ein Meta-System, das auf einer abstrakteren Ebene das Controlling und Management der im Unternehmen bereits vorhandenen primären Informationssysteme übernimmt.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Effektivität und Effizienz?
Effektivität wird als das Ausmaß der Zielerreichung definiert ("die richtigen Dinge tun"), während Effizienz die Produktivität oder Wirtschaftlichkeit bei der Ressourcenverwendung beschreibt ("die Dinge richtig tun").
Warum spielt das Data-Warehouse eine so zentrale Rolle?
Das Data-Warehouse fungiert im technologischen Teil der Arbeit als das zentrale Bindeglied, das die Integration und Aufbereitung heterogener Daten für dispositive Analysezwecke (z. B. durch Business-Intelligence) erst ermöglicht.
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- Dipl.-Kfm. Maurice Syring (Autor), 2008, Performance-Measurement und -Management von Kennzahlen- und Informationssystemen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336861