Die Bedeutung der Wasserleitungen in einer römischen Stadt in der Antike


Hausarbeit, 2009
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wasserleitungen in Rom

3. Wasserverbrauch und Strafen bei Vergehen gegen das Wasserrecht

4. Der curator aquarum

5. Die Kosten der römischen Wasserleitungen

6. Darstellung von Wasserleitungen auf Münzen

7. Selbstdarstellung und Prestige der Stifter

8. Schlussbetrachtung

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Mit diesen so vielen und so notwendigen Wasserbauten kannst Du natürlich vergleichen die überflüssigen Pyramiden oder die übrigen nutzlosen, weithin gerühmten

Werke der Griechen!“

(S. Iulius Frontinus, De aquaeductu Urbis Romae, 16, um 100 n. Chr.)

Die Voraussetzung für jedes menschliche Leben ist Wasser. Eine funktionierende Wasserversorgung ist folglich unabdingbar für den Zusammenschluss einzelner Stämme zu einer Gemeinschaft von Siedlern. Gerade in Rom, wo aufgrund der geographischen Lage im Mittelmeerraum Sommertrockenheit und Grundwasserarmut nichts Ungewöhnliches ist, war man auf eine verlässliche Versorgung mit gutem Trinkwasser angewiesen. Doch wo kam dieses Wasser her und war es wirklich sinnvoll eine ungeheure Menge an Wasserleitungen dafür zu bauen?

Diese Hausarbeit soll sich mit der Bedeutung der Wasserleitungen in der öffentlichen Wahrnehmung beschäftigen. Als wichtigste Autor ist hier Frontinus zu nennen, dem wir die Schrift über die Wasserversorgung Roms (De aquaeductu Urbis Romae, um 100 n. Chr.)1 zuschreiben. Von ihm stammt auch jenes oben aufgeführte Zitat, welches deutlich macht dass der Bau der römischen Wasserleitungen nicht nur mit denen als Weltwunder eingeschätzten Pyramiden verglichen wird, sondern von Frontinus sogar über diese gestellt wird.

Ich möchte in dieser Arbeit klären ob die Wasserleitungen wirklich nur notwendig für das Überleben der römischen Bevölkerung waren oder ob der repräsentative Charakter und der Prestigegewinn für den Stifter einer Wasserleitung nicht doch im Vordergrund standen?

Zunächst werden die Wasserleitungen in Rom betrachtet und deren Eigenschaften beschrieben. Dazu kommen die Probleme die bei einer Kilometer langen Wasserleitung auftraten und die Wassermenge die in Rom verbraucht wurde. Des Weiteren möchte ich klar machen, welche Strafen bei Wasserdiebstahl verhängt wurden und schließlich auf die Verwaltung, die Kosten sowie die Stifter der Leitungen eingehen.

2. Wasserleitungen in Rom

In Rom, der Hauptstadt des Imperium Romanum gab es insgesamt 11 große Wasserleitungen.2 Frontin berichtet, die Römer seien 441 Jahre lang seit der Gründung ihrer Stadt, das heißt bis ins Jahr 312 v. Chr., mit den Wasservorräten aus dem Tiber, den Schöpfbrunnen oder der Quellen zufrieden gewesen.3 Allerdings wurde es aufgrund einer wachsenden Bevölkerungszahl und der damit verbundenen Suche nach gutem Trinkwasser im Laufe der Zeit nötig, Wasserleitungen zu bauen. Von Frontinus wissen wir auch, dass zu seiner Zeit 9 Wasserleitungen existierten. Das waren die Appia, der alte Anio, die Marcia, Tepula, Iulia, Virgo,die Alsietina auch Augusta genannt, die Claudia und der Neue Anio.4 Über die beiden anderen Wasserleitungen, die Aqua Traiana und die Aqua Alexandrina5 berichtet uns Frontinus nichts. Es ist daher anzunehmen, dass diese erst nach seinem Tod im Jahre 103 n. Chr. entstanden sind. Aus den Angaben Frontinus´ ergibt sich eine Gesamtlänge aller Wasserleitungen von etwa 500 Kilometern. Die Wasserqualität spielte in Rom auch eine große Rolle. Unter Trajan (98 bis 117 n. Chr.) wurden die davor zusammengeführten Leitungen erstmals getrennt da die Römer, allen voran Frontinus bereits erkannt hatten, dass die Wasserqualität der einzelen Leitungen durchaus unterschiedlich waren. Jede Leitung wurden von nun an „einem geeigneten Verwendungsbereich zugewiesen“6 Hierbei wird sehr deutlich, dass die Nachfrage nach gutem Trinkwasser groß war und das damit verbundene Streben nach einer besseren Lebensqualität durchaus präsent war.

Um ein genaues Verständnis für die Wasserleitungen zu bekommen, werden hier kurz die Arten der Leitungen beschrieben.

Ein Problem für die Erbauung der Wasserleitungen stellten Hügel und kleinere Berge dar.7 Dieses löste man durch Tunnelbauten oder Umgehung des Berges. Die Tunnelbauten waren ein langwieriger Prozess und nicht immer erfolgreich.8

Man hatte aber nicht nur Hügel zu überwinden sondern musste die Wasserleitungen auch durch Täler führen. Hierzu wurden viele Aquäduktbrücken errichtet mit deren Hilfe das Wasser über das Tal geleitet werden konnte. Die größte Brücke dieser Art, der so genannte Pont du Gard, ist heute noch erhalten und steht in Frankreich und führt über den Fluss

Gardon.9 Außerdem bestanden die meisten Wasserleitungen aus Wasserfassungen, Druckleitungen, Wasserbecken und Einstiegsschächten. Diese sollen aber nur am Rande erwähnt werden, da sonst der Umfang dieser Arbeit gesprengt würde. Allerdings zeigen die genannten Teile der Wasserleitungen die Komplexität und die Schwierigkeiten mit denen die damaligen Erbauer zu rechnen hatten. Ihnen standen ja aus heutiger Sicht sowohl zur Planung als auch zur Bautätigkeit nur einfachste Vermessungsgeräte und Baugeräte zur Verfügung.10

3. Wasserverbrauch und Strafen bei Vergehen gegen das Wasserrecht

Die 9 Wasserleitungen, welche die Stadt Rom im 1. Jahrhundert nach Christus mit Wasser versorgten, förderten eine enorme Menge Wasser in die Stadt. Die meisten Wasserleitungen und sicher auch die mit dem besten Trinkwasser in Rom wurden aus frischen Quellen gespeist.11 Im 1. Jhd n. Chr. betrug die Gesamtfördermenge 560.720 m³ pro Tag.12 Zum Vergleich: Der Wasserverbrauch an einem heißen Sommertag beträgt heutzutage in Köln circa 327.000 m³ 13 Da Rom im 1. Jhd. n. Chr. geschätzt knapp 1 Millionen Einwohner hatte, und damit in etwa genauso viele wie Köln heute, ist dieser Vergleich durchaus zulässig wenn auch trotzdem nicht ganz haltbar. Selbst wenn die Werte, die von Frontinus an den Quellfassungen der Leitungen gemessen wurden, stimmen würden, kam trotzdem nicht annähernd so viel Wasser auch tatsächlich in Rom an. „Die Ursache ist die Unredlichkeit der Leitungstechniker, denen ich nachweisen konnte, dass sie Wasser aus öffentlichen Leitungen zum Privatgebrauch abzweigten“14 Wasserdiebstahl war an der Tagesordnung und wurde hart bestraft. Frontinus überliefert dazu: „Grundstücke die gegen das Gesetz mit öffentlichem Wasser bewässert worden waren, zog man für den Staat ein“ und weiter: „Niemand soll das Wasser dort, wo es öffentlich fließt, in böswilliger Absicht verunreinigen. Wenn es jemand verunreinigt, dann soll die Geldbuße 10.000 Sesterzen betragen“15 Wie sehr der Wasserdiebstahl verbreitet war, wird erkennbar durch die Verabschiedung eines Gesetzes im Jahre 9. v. Chr. Demnach sollte derjenige, der unerlaubt Wasser aus Wasserrohren, Wasserbehältern sowie Brunnenbecken ableitete, mit einer Geldstrafe von 100.000 Sesterzen bestraft werden.16

Die relativ hohen Strafgelder und die Vehemenz mit der sie eingetrieben wurden - wer einen Wasserdieb anzeigte, erhielt 5.000 Sesterzen17 - macht deutlich, welche große Bedeutung eine funktionierende Wasserversorgung für die Öffentlichkeit hatte.

Dennoch floss immer noch mehr als nur ausreichend Wasser in die römische Stadt. Die Römischen Kaiser hatten ein Wasserbedürfnis welches nicht selten unnötigen Luxus darstellte. Nicht anders ist zu erklären das Kaiser Augustus im Jahre 2 v. Chr. eine Wasserleitung, die Aqua Alsietina, bauen ließ,18 die einzig und allein den Zweck hatte einen künstlichen See zu speisen auf dem Seeschlachten zur Massenunterhaltung nachgeahmt wurden. Diese Seechlachten wurden als Naumachie bezeichnet.19

Der luxuriöse oder auch als verschwenderisch zu bezeichnender Umgang mit Wasser erreichte aber nach dem Bau der Aqua Claudia und der Aqua Anio Novus zwischen 38 n. Chr. und 52 n. Chr. 20 einen Höhepunkt. Die beiden Leitungen allein versorgten 226 Brunnen mit Trinkwasser.21 Diese dienten aber nicht ausschließlich der Versorgung der Bevölkerung mit Wasser sondern hatten noch andere Zwe>es dient dazu, die Ursachen für die Luftverschmutzung zu beseitigen; die Straßen bieten ein sauberes Bild, die Luft ist reiner, und auch jene stickige Atmosphäre ist beseitigt, die die Stadt bei den Alten stets in Verruf gebracht hat“22

Das herauslaufende Wasser diente also zur Reinigung der Straßen und zur Verbesserung der Luft. Dies ging ohne Frage aber über den bloßen lebensnotwendigen Wasserbedarf (Trinkwasser) hinaus und ist daher kritisch zu hinterfragen und vielleicht sogar als verschwenderisch zu bezeichnen. Dies belegt auch die Tatsache, dass nach der Errichtung der Aqua Claudia und der Aqua Anio Novus jeder Bezirk an mehrere Leitungen angeschlossen wurde um den ständigen Wasserzufluss zu erhalten.23

[...]


1 Sextus Iulius Frontinus, De aquaeductu Urbis Romae, 16; deutsche Übersetzung nach M. Hainzmann (1979)

2 Kek, D.: Der römische Aquädukt als Bautypus und Repräsentationsarchitektur. Münster 1996, S. 125

3 Frontinus. 4.

4 Ebd.

5 Kek. S. 201

6 Frontinus. 92.

7 Kek. S. 84

8 Grewe, K.: Planung und Trassierung römischer Wasserleitungen. Schriftenreihe der Frontinus Gesellschaft, Supplementband I. Wiesbaden 1985, S. 72

9 Grewe. S. 61

10 Ebd. S. 69

11 Kek. S. 82

12 Frontinus. 78.

13 Rhein Energie AG Köln (2009). Wasserspeicherung. Zugriff am 1.3.2009 unter http://www.rheinenergie.com/lang/de/produkte/wasser/5_speicherung.php

14 Frontinus. 75.

15 Ebd. 97.

16 Ebd. 129.

17 Frontinus. 127.

18 Kek, S. 212

19 Frontinus. 11.

20 Kek, S. 178

21 Frontinus. 86.

22 Ebd. 88.

23 Ebd. 87.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Wasserleitungen in einer römischen Stadt in der Antike
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V336895
ISBN (eBook)
9783656984726
ISBN (Buch)
9783656984733
Dateigröße
1104 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, wasserleitungen, stadt, antike
Arbeit zitieren
Andreas Ratz (Autor), 2009, Die Bedeutung der Wasserleitungen in einer römischen Stadt in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336895

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