Die Idee der Gartenstadt wurde am Ende des 19. Jahrhunderts geboren. Der Brite Ebenzer Howard war mit den Zuständen der Städte unzufrieden. Im Zuge der Industrialisierung wuchsen die englischen Städte im rasantem Tempo. Sowohl der Zuwachs an Bevölkerung, als auch die Ausdehnung in der Fläche führte zu starker Unzufriedenheit mit den Lebensumständen in den Städten. Der verstärkte Bedarf an Boden zog eine unkontrollierbare Bodenspekulationswelle nach sich. Wohnraum als Kapitalanlage war ein gutes Geschäft für Vermögende. Arbeiter dagegen waren gezwungen in kleinen Wohnungen der dichtgebauten Städte zu leben. Die industrielle Expansion zog immer mehr Arbeitskräfte in die städtischen Ballungsräume. Die wirtschaftliche Not und der starke Zuwachs an Bevölkerung förderte die Entstehung von Slums. (vgl. Mumford 1963. S. 602ff.)
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Inhaltsverzeichnis
1. Historischer Rückblick ins 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts
2. Definition und Ziel der Gartenstadtidee von E. Howard
3. Merkmale der Gartenstadt
4. Beispiel in Kiel: Gartenstadt Elmschenhagen
4.1 Bau der Gartenstadt
4.1.1 Elmschenhagen Nord
4.1.2 Elmschenhagen Süd
4.1.3 Ausgestaltung der Wohnungen
4.1.4 Ausgestaltung der gesamten Anlage
4.1.5 Bauen unter Kriegsbedingungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Gartenstadtbewegung nach Ebenezer Howard und analysiert deren praktische Umsetzung anhand des spezifischen Fallbeispiels der Gartenstadt Elmschenhagen in Kiel unter besonderer Berücksichtigung der politisch-historischen Rahmenbedingungen des Nationalsozialismus.
- Historische Genese der Gartenstadtidee im Kontext der Industrialisierung.
- Strukturelle und soziale Merkmale des Gartenstadtkonzepts.
- Baugeschichte und architektonische Ausgestaltung der Siedlung Elmschenhagen.
- Einfluss kriegswichtiger Anforderungen und Zwangsarbeit auf die Realisierung des Bauprojekts.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Elmschenhagen Nord
Elmschenhagen Nord sollte als erster Teil des Gesamtprojekts Gartenstadt Elmschenhagen gebaut werden. Am 4.04.1939 erfolgte die Grundsteinlegung. Die insgesamt 1800 Wohnung und 32 Läden rund um den Andreas Hofer Platz beanspruchten 360 000 qm. Zu den ersten Tätigkeiten am Bau gehörte die Vorbereitung des Baugrundes. Elmschenhagen liegt auf einer Endmoräne, die voller Wasserläufe ist und mit Moorlöchern keineswegs einen stabilen Bauuntergrund bietet.
Das Richtfest mußte um drei Monate verschoben werden und fand erst am 7. 12. 1939 Statt. Die wartenden Mieter konnten ihre Wohnungen erst ein Jahr später im Herbst 1940 beziehen. Allein an der Ecke Ellerbecker Weg/Innbrucker Alle entstand vor der Fertigstellung der restlichen Häuser ein komplettes Haus mit einer eingerichteten Musterwohnung. Die Mieter gehörten größtenteils zum Marinearsel Kiel. (vgl. Buß 1994. S. 40-48)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Historischer Rückblick ins 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts: Beschreibt die durch Industrialisierung und Bevölkerungswachstum verursachten städtischen Missstände, die zur Entstehung der Gartenstadtidee führten.
2. Definition und Ziel der Gartenstadtidee von E. Howard: Erläutert das Konzept des Siedlungstyps als Verbindung von Stadt und Land sowie die soziale Vision Howards zur Selbstverwaltung und zum Gemeineigentum an Boden.
3. Merkmale der Gartenstadt: Detailliert die physischen Anforderungen an Gartenstädte, wie Bevölkerungszahl, Wohndichte, soziale Infrastruktur und die funktionale Anordnung von Wohn- und Gewerbegebieten.
4. Beispiel in Kiel: Gartenstadt Elmschenhagen: Untersucht die Umsetzung des Gartenstadtmodells in Kiel, wobei Architektur, Bauweise und städtebauliche Planung analysiert werden.
4.1 Bau der Gartenstadt: Behandelt die spezifische bauliche Realisierung der Gartenstadt durch die Firma Frank, inklusive der technischen Neuerungen und ökonomischen Aspekte.
4.1.1 Elmschenhagen Nord: Dokumentiert den Beginn der Bauarbeiten, die geologischen Herausforderungen des Baugrundes und die zeitliche Verzögerung der Fertigstellung.
4.1.2 Elmschenhagen Süd: Analysiert die Fortführung des Baus unter der Prämisse der „Kriegswichtigkeit“ und den Abbruch weiterer geplanter Siedlungserweiterungen.
4.1.3 Ausgestaltung der Wohnungen: Kategorisiert die vier Grundtypen der Wohnungen nach ihrer Größe und Ausstattung sowie die soziale Nutzung des Wohnraums.
4.1.4 Ausgestaltung der gesamten Anlage: Beschreibt die städtebauliche Gliederung, das Straßensystem und den Umgang mit dem bestehenden, älteren Ortskern.
4.1.5 Bauen unter Kriegsbedingungen: Beleuchtet die Schwierigkeiten der Materialbeschaffung und den Einsatz von Zwangsarbeitern sowie die propagandistische Instrumentalisierung des Bauvorhabens.
Schlüsselwörter
Gartenstadtbewegung, Ebenzer Howard, Stadtgeographie, Elmschenhagen, Kiel, Urbanistik, Industrielle Revolution, Siedlungsbau, Nationalsozialismus, Zwangsarbeit, Wohnungsbau, Stadtplanung, Gartenstadtidee, Sozialstadt, Architekturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Gartenstadtbewegung als städtebauliches Konzept und analysiert deren historische Wurzeln sowie die praktische Ausführung am Beispiel der Siedlung Elmschenhagen in Kiel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Entstehungsgeschichte der Gartenstadtidee durch Ebenezer Howard, die architektonischen und sozialen Charakteristika dieser Siedlungsform sowie die politisch beeinflusste Baugeschichte in Kiel zwischen 1939 und 1945.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Kontrast zwischen dem idealisierten Gartenstadtkonzept und der tatsächlichen Umsetzung im Kontext nationalsozialistischer Baupolitik und Kriegswirtschaft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse stadtgeographischer Grundlagen sowie der Auswertung historischer Dokumente und Quellen zur Baugeschichte Elmschenhagens.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Kriterien einer Gartenstadt sowie detaillierte Aspekte der Bauweise, Wohnungstypen und der schwierigen Bauphase unter Kriegsbedingungen in Elmschenhagen Nord und Süd beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gartenstadtbewegung, Stadtgeographie, Siedlungsbau, Nationalsozialismus und Zwangsarbeit charakterisiert.
Warum war der Baugrund in Elmschenhagen Nord problematisch?
Das Gebiet liegt auf einer Endmoräne, die durch zahlreiche Wasserläufe und Moorlöcher gekennzeichnet ist, was den Bauuntergrund instabil machte und Verzögerungen verursachte.
Welche Rolle spielte der „Trolli-Bus“ für die Siedlung?
Der „Trolli-Bus“ war ein elektrisch betriebenes Verkehrsmittel mit Stromabnehmer, das die Bewohner der Gartenstadt Elmschenhagen effizient mit der Kieler Innenstadt verband.
Wie wurde die „Kriegswichtigkeit“ des Bauprojekts genutzt?
Die Einstufung als kriegswichtiges Projekt diente dazu, trotz kriegsbedingter Material- und Arbeitskräftemangel Bautätigkeiten fortzuführen und das Image des NS-Regimes durch geschönte Berichterstattung zu stützen.
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- Aleksandra Fedorska (Author), 2002, Die Gartenstadtbewegung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3368