Die Frau aus Syrophönizien (Mk 7,24-30)


Quellenexegese, 2013

24 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textkritik

3. Textanalyse
3.1 Kolometrische Darstellung
3.2 Werkstattübersetzung
3.3 Kontextanalyse
3.4 Sprachlich-syntaktische und semantische Analyse
3.5 Narratologische Analyse
3.6 Pragmatische Analyse

4. Literarkritik und synoptischer Vergleich
4.1 Literarkritik
4.2 Synoptischer Vergleich

5. Gattungskritik/Sitz im Leben

6. Der Hintergrund des Textes
6.1 Hunde
6.2 Syrophönizierin
6.3 Brot
6.4 Kinder

7. Redaktionsgeschichte

8. Persönlicher Ausblick

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Folgenden möchte ich am Text in Markus 7, 24-30 Exegese betreiben und dabei alle notwendigen Schritte durchführen.

2. Textkritik

Alle Texte im Neuen Testament sind nicht mehr im Original vorhanden, sondern es gibt nur noch Abschriften. Um herauszufinden, welcher Text der ursprüngliche ist, betreibe ich nun im Folgenden Textkritik. Dabei werden die verschiedenen Lesarten daraufhin untersucht, wie oft sie vorkommen und wie verlässlich die Quellen sind. Anhand der Untersuchung von inneren und äußeren Kriterien an drei Beispielen aus Markus 7, 24-30 werde ich entscheiden, welche Lesarten die vermutlich ursprünglichen sind.

In Markus 7, 24 findet sich laut Nestle-Aland1 für die Ortsangabe „Τύρου“ eine weitere Lesart. Es lässt sich etwas über die Qualität und Quantität der Textzeugen der zwei Lesarten sagen, mithilfe einer Tabelle, in der die Textzeugen nach Aland/Aland2 in verschiedene Kategorien eingeteilt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zuerst einmal lässt sich feststellen, dass die Lesart eins mit drei Textzeugen der Kategorie I, darunter der Codex Sinaiticus ( א) und der Codex Vaticanus (B) aus dem 4. Jahrhundert, sowie zahlreichen Textzeugen aus der Kategorie III die am besten bezeugte ist. Außerdem wird sie durch den Mehrheitstext M und die Vulgata, der lateinischen Übersetzung, bezeugt.

Die zweite Lesart hat quantitativ weniger und qualitativ nur gering weniger wichtige Textzeugen, darunter auch die griechische Majuskelhandschrift Θ. Wenn man also nur die äußeren Kriterien betrachtet, fällt es schwer, zu entscheiden, welche Lesart die ursprüngliche ist.

Nun hilft es die inneren Kriterien zu betrachten, um eine Entscheidung treffen zu können. Die inneren Kriterien betrachten die Textvarianten hinsichtlich unbewusster oder bewusster Änderung des ursprünglichen Textbestands.

Der Unterschied zwischen den beiden Textvarianten liegt nicht im grammatischen Bereich, sondern es handelt sich bei Lesart eins um eine Erweiterung der Ortsangabe bei Lesart zwei um einen weiteren Ort. Hier kann nun die lectio brevior, die die kürzere für ursprünglich hält, angewendet werden. Dies hieße, dass Lesart zwei die ursprünglichere ist. Die lectio difficilior, die die kompliziertere Lesart als die ursprüngliche ansieht, kann hier nicht angewendet werden, da keine der beiden Lesarten komplizierter ist als die andere. Gründe für eine unabsichtliche Textänderung sind nicht auszumachen. Aber es gibt mögliche Gründe für eine absichtliche Textänderung.

Bei Markus gibt es im Kapitel 3, Vers 8 die Ortsangabe wie in Lesart eins, genau wie in Lukas 6,17 und 10,13 oder in der Apostelgeschichte 10,13 und 12,20. Dies lässt darauf schließen, dass der Schreiber den Text an einen anderen, ihm vielleicht besser bekannten Text, harmonisieren wollte.

Es gibt einen weiteren möglichen Grund für eine absichtliche Textänderung. Es könnte sich hier um eine Ergänzung handeln, die vorgenommen wurde, um den Ort besser zu beschreiben, an dem Jesus sich befand. Vielleicht gab es zu der Zeit, zu der die Abschriften vorgenommen wurden, einen zweiten Ort namens Tyrus. Damit es keine Verwechslungen gab, ergänzte der Schreiber die Ortsangabe um einen weiteren Ort, der in der Nähe lag.

Nach Betrachtung der äußeren und inneren Kriterien schließe ich mich NA 27 an, die die Lesart zwei („Τύρου“) für ursprünglich halten, da die äußeren Kriterien nicht eindeutig sind.

In Markus 7, 26 finden sich laut NA 27 für das Wort „Συροφοινίκισσα“ zwei weitere Lesarten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit einem Textzeugen der Kategorie IV (Codex Bezae (D)) ist Lesart zwei die am wenigsten bezeugte Lesart.

Lesart eins ist mit dem Codex Vaticanus (B) aus dem 4. Jahrhundert in Kategorie I und zahlreichen Textzeugen in Kategorie III und V bezeugt. Sie ist damit mit quantitativ weniger und qualitativ weniger wichtigen Textzeugen bezeugt als Lesart drei.

Diese ist mit dem Codex Sinaiticus ( א) in Kategorie I bezeugt und mit zahlreichen Textzeugen in den Kategorien II und III, darunter in Kategorie II die griechische Majuskelhandschrift Θ.

Wenn man also nur die äußeren Kriterien betrachtet, wäre Lesart drei die wahrscheinlich ursprüngliche.

Nun müssen aber die inneren Kriterien betrachtet werden, um eine endgültige Entscheidung zu treffen.

„Συροφοινίκισσα“ ist Nominativ Singular Feminin und bedeutet Syrophönizierin. „Φοινισσα“ ist Nominativ Singular Feminin und bedeutet Phönizierin. „Συρα Φοινικισσα“ ist eine Kombination aus „Συρα“, das Nominativ Singular Feminin ist und Syrerin bedeutet, und aus „Φοινικισσα“, das auch Nominativ Singular Feminin ist und Phönizierin bedeutet.

Hier lassen sich die lectio difficilior und die lectio brevior anwenden. Demnach sind entweder das kürzere „Φοινισσα“ oder das schwierigere „Συρα Φοινικισσα“ die ursprüngliche Lesart.

Es gibt Gründe für eine unabsichtliche Textänderung. Ein Grund dafür ist, dass durch scriptio continua der Text unklar war und somit statt „Συρα Φοινικισσα“ „Συροφοινίκισσα“ geschrieben wurde. Das würde dafür sprechen, dass Lesart eins die ursprüngliche Lesart ist.

Da es bei den inneren Kriterien die Wahl zwischen Lesart eins und zwei gibt, entscheide ich mich mit einem Blick auf die äußeren Kriterien für Lesart eins als die ursprüngliche Lesart und stimme damit nicht mit NA 27 überein.

In Markus 7, 28 gibt es laut NA 27 für „κύριε· καὶ“ drei weitere Lesarten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beim Betrachten der Textzeugen fällt zunächst auf, dass Lesart drei die am wenigsten belegte Lesart ist. Die am qualitativ stärksten (unter anderem mit dem Codex Vaticanus und mit dem Codex Sinaiticus) bezeugte Lesart ist Lesart eins. Sie bezeugen auch viele Textzeugen in den Kategorien II und III. Außerdem ist Lesart eins auch die quantitativ am stärksten bezeugte.

Lesart vier wird dahingegen in Kategorie I von einer der wichtigsten Handschriften bezeugt (dem Papyri P 45) und in Kategorie II von der griechischen Majuskelhandschrift Θ.

Lesart zwei wird vom Mehrheitstext M und der Vulgata bezeugt und weiterhin von wenigen Textzeugen in Kategorie II und III.

Nach Betrachtung der äußeren Kriterien gibt es die leichte Tendenz dazu, Lesart eins als die ursprüngliche Lesart zu sehen.

Auch hier wird ein Blick auf die inneren Kriterien bei der Entscheidung helfen.

Lesart vier: „κύριε· καὶ“: Hier ist „κύριε“ ein Vokativ Maskulin Singular von „κύριος“ und bedeutet: „Herr!“, danach folgt ein Doppelpunkt und der Beginn des Satzes mit „καὶ“: „aber“.

Lesart drei: „κυριε, αλλα και“: Hier ist auch „κυριε“ mit „Herr!“ als Vokativ zu übersetzen, danach folgt ein Komma und „αλλα και“, das bedeutet „aber auch“.

Lesart eins: „vαι, κυριε, και“: Hier beginnt der Satz mit „vαι“, das bedeutet „fürwahr“, danach folgt nach dem Komma wieder der Vokativ „Herr!“ und „aber“.

Lesart zwei: „ναι, κυριε, και γαρ“: Hier findet sich der gleiche Aufbau wie bei Lesart eins, aber es wird am Ende noch „γαρ“ angehängt, was im Zusammenhang mit και bedeutet: „denn auch“. Wenn man die lectio brevior in Betracht zieht, dann ist die vierte Lesart die ursprüngliche Lesart. Die Erweiterungen in den anderen Lesarten zeugen von einer absichtlichen Änderungen, um den Stil zu verbessern und die wörtliche Rede auszuschmücken.

Außerdem kommt „vαι“ bei Markus sonst nicht vor, was ein weiteres Indiz dafür ist, dass die Lesarten eins und zwei nicht die ursprünglichen Lesarten ist.

Nach Betrachtung der äußeren und inneren Kriterien schließe ich mich NA 27 an, dass Lesart vier die ursprüngliche Lesart ist.

3. Textanalyse

Dieser Arbeitsschritt betrachtet die innere Ordnung des Textes, er untersucht den Text im Hinblick auf seine sprachliche Struktur sowie seine Bedeutung, um den Text möglichst genau beschreiben zu können.

3.1 Kolometrische Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

1 Weiterhin als NA 27 abgekürzt.

2 Vgl. Aland/Aland: Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart 21989, S. 167ff.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Frau aus Syrophönizien (Mk 7,24-30)
Note
2,3
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V336900
ISBN (eBook)
9783656985235
ISBN (Buch)
9783656985242
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Markus 7, Mk 7, Neues Testament
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Die Frau aus Syrophönizien (Mk 7,24-30), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336900

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