Kein Gott wird innerhalb der griechisch-römischen Mythologie so sehr mit dem goldenen Zeitalter, Fruchtbarkeit und Wohlstand, aber auch mit Unheil und Verderben in Verbindung gebracht wie Saturn. Er ist eine sehr vielschichtige Gestalt, blickt er doch einerseits gütig und gnädig auf die jenigen, welche ihm nahe stehen und ihn verehren, andererseits ist er aber auch brutal und blutrünstig, indem er seinen eigenen Vater verstümmelt und seine Kinder verspeist. Im Alltag der Römer ist Saturn besonders durch sein großes Fest, die Saturnalien, ein Fixpunkt im Kalender gewesen, und dies alles wäre nicht möglich gewesen durch die interpretatio romana des nordafrikanischen Ba'al-Hammon als Saturn.
Die Kernthemen dieser Bachelorarbeit sind es, darzulegen, woher beide Kulte - der griechisch-römische ebenso wie der afrikanische - kommen und ihre Ursprünge haben, wie die Römer mit den neuen Einflüssen umgingen und wie die Verehrung des im Folgenden als Saturn-Ba'al-Hammon bezeichneten Gottes vonstatten ging, regional wie auf staatlicher Ebene.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Einleitung
Etymologie
Mythologische Ursprünge Saturns
Mythologische Ursprünge Ba'al-Hammons
Ikonographie
Die Saturnalien
Resümee
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturhistorische und religionspolitische Verbindung zwischen dem römischen Gott Saturn und der nordafrikanischen Gottheit Ba'al-Hammon. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie diese Synkretisierung durch die interpretatio romana im Kontext der Auseinandersetzungen zwischen Rom und Karthago als strategisches und identitätsstiftendes Instrument genutzt wurde.
- Mythologische Genese und etymologische Herleitung beider Gottheiten
- Analyse der kultischen Ikonographie und deren Entwicklung
- Die Rolle der Saturnalien als Ausdruck der religiösen Integration
- Kritische Beleuchtung der historischen Debatte um Opferpraktiken
- Religionspolitische Instrumentalisierung in der römischen Kriegführung
Auszug aus dem Buch
Die Saturnalien
Abschließend kommen wir nicht umhin, uns mit den Saturnalien auseinanderzusetzen, dem wichtigsten Fest Saturns und einem der wichtigsten Feste der Römer überhaupt. Es begann stets am 17. Dezember des Julianischen Kalenders und wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgedehnt, sodass es im Endeffekt bis zum 23. Dezember andauerte. Die Festlichkeiten begannen mit einem Opfer am Tempel des Saturn und einem öffentlichen Bankett am Forum Romanum. Danach beschenkten sich die Menschen untereinander, es wurde gefeiert und die Stadt versank in einem Straßenfest. Schließlich war auch das Glücksspiel an diesen Tagen im Jahr völlig legal, und es war so üblich, dass die Herren ihre Sklaven bei Tisch bedienten. Nach Catullus waren dies die größten Feierlichkeiten des Jahres. Obwohl die Saturnalien die vermutlich bekannteste Festivität der Römer sind, gibt es keinen antiken Autor, der sich ausschließlich ihrer Niederschrift gewidmet hat – dies kann auch daran liegen, dass Hintergrund und Ablauf der Festlichkeiten einem jeden Bürger so durch und durch bekannt waren, dass ein Text allein mit ihnen zum Thema keine Leser_innen gefunden hätte.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Der Autor erläutert die Entstehungsgeschichte dieser Publikation als eine fachlich erweiterte und überarbeitete Fassung seiner ursprünglichen Bachelorarbeit.
Einleitung: Es wird die Forschungsfrage nach der Verbindung zwischen Saturn und Ba'al-Hammon sowie die methodische Herangehensweise an die vielschichtige Thematik dargelegt.
Etymologie: Dieses Kapitel widmet sich der Herkunft und den unterschiedlichen Deutungsansätzen der Namen Saturn und Ba'al-Hammon.
Mythologische Ursprünge Saturns: Die Untersuchung beleuchtet die autochthonen römischen sowie griechischen Wurzeln der Saturn-Gestalt.
Mythologische Ursprünge Ba'al-Hammons: Hier steht die phönizisch-punische Gottheit und die kontroverse wissenschaftliche Debatte um Opferriten im Vordergrund.
Ikonographie: Das Kapitel analysiert die bildliche Darstellung beider Götter und vergleicht ihre Attribute.
Die Saturnalien: Eine detaillierte Betrachtung des wichtigsten römischen Festes und seiner gesellschaftlichen Bedeutung.
Resümee: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden zusammenfassend bewertet und in den historischen Kontext der römisch-karthagischen Beziehungen eingeordnet.
Schlüsselwörter
Saturn, Ba'al-Hammon, römische Religion, Karthago, Saturnalien, interpretatio romana, Mythologie, Ikonographie, Antike, Kinderopfer, Synkretismus, Kulturgeschichte, Opferkult, römische Geschichte, Fruchtbarkeitsgott
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der religionshistorischen Verbindung zwischen dem römischen Gott Saturn und dem karthagischen Ba'al-Hammon im Kontext der antiken Kulturbegegnung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Etymologie, vergleichende Mythologie, ikonographische Analysen sowie die Untersuchung der Saturnalien als gesellschaftliches und politisches Fest.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, darzulegen, wie und warum die Römer Ba'al-Hammon als Saturn in ihr Pantheon integrierten und welche Rolle diese Verschmelzung in der kriegerischen Auseinandersetzung mit Karthago spielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine philologische Analyse antiker Quellen, die Auswertung archäologischer Funde (insbesondere Ikonographie und Tofets) sowie eine religionshistorische Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Etymologie der Götternamen, die mythologischen Ursprünge, die bildliche Darstellung in verschiedenen Medien sowie die Abläufe und die soziopolitische Bedeutung der Saturnalien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Saturn, Ba'al-Hammon, Interpretatio Romana, Karthago und Saturnalien charakterisieren.
Gibt es einen Konsens über die Herkunft des Namens Ba'al-Hammon?
Nein, es existieren verschiedene Theorien, etwa die Deutung als "Herr der Räucherpfannen" oder "Herr des Errichtens von Bauwerken", wobei keine der Deutungen als abschließend gesichert gilt.
Wie bewertet der Autor die Berichte über Kinderopfer?
Der Autor ordnet diese Berichte als historisch komplex ein; während römische Autoren zu Propagandazwecken übertrieben haben könnten, deuten archäologische Befunde in karthagischen Tofets auf grausame Riten hin, die nicht ignoriert werden können.
Inwiefern beeinflussten die Saturnalien heutige Traditionen?
Der Autor führt aus, dass die Tradition des Schenkens und das festliche Beisammensein während der Saturnalien als Inspiration für spätere weihnachtliche Bräuche und Festlichkeiten zum Jahreswechsel gedient haben könnten.
- Citation du texte
- BA Patrick Johann Schmidt (Auteur), 2014, Der Herr von Saat und Rauch. Eine archäologische Untersuchung zu den Ursprüngen des römischen Saturnkults in der Verehrung Ba’al-Hammons in Nordafrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/336978