Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Das höfische Ideal in "Tristan und Isolde". Darstellung und Übertragung im Medium Film

Titel: Das höfische Ideal in "Tristan und Isolde". Darstellung und Übertragung im Medium Film

Seminararbeit , 2016 , 27 Seiten , Note: 5,5

Autor:in: Benjamin Kettner (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Thematik von Tristan und Isolde wird vom öffentlichen Publikum anders wahrgenommen, als es in der Forschung der Fall ist. Dieser Umstand zeigt sich besonders bei Filmen, da dabei der Stoff sowohl interpretiert, als auch gekürzt werden muss, um eine gebräuchliche Vorstellung zu gewährleisten. Dieser Schritt sagt bereits sehr viel über die Umstände der Herstellung aus, da sie durch die Auswahl der Szenen zeigt, wo der Schwerpunkt des Inszenierenden ist und was er dem Betrachter näherbringen möchte.

Heute wird die Geschichte von Tristan und Isolde gerne neben Romeo und Julia als Sinnbild einer wahren Liebe betrachtet, doch ist dies nicht eine moderne Zuschreibung, die nichts mit der Vorlage aus dem 12. Jahrhundert zu tun hat? Diese Anschauung ist jedoch nicht neu. Ehebruch und gesellschaftlicher Druck bleiben ausgeblendet sowie rechtliche Folgen ihrer Liebe.

Es stellt sich also die Frage nach der mittelalterlichen Gesellschaftsordnung oder genauer nach der höfischen Gesellschaftsordnung. War Tristan und Isolde das Ideal der mittelalterlich höfischen Liebe oder ist diese Interpretation neuerer Herkunft? Nachdem eine allgemeine Deutung zur Tristan-Version von Gottfried von Strassburg im Forschungsstand vorgestellt wurde, könnte eine genauere Betrachtung der höfischen Gesellschaft etwas mehr Einblick zu dieser Fragestellung gewähren.

Deshalb werden die neuesten Tristan-Verfilmungen Grundlage dieser Untersuchung. Sie sollen im Quervergleich aufzeigen, welche Elemente nach heutigen Massstäben als wichtig anzusehen sind und einen Vergleich zur höfischen Vorlage zulassen. Die letzten Kapitel widmen sich der Umsetzung der Buchvorlage im Film sowie speziell dem Minnetrank und dem Ende. Dieser nicht von Gottfried verfasste Part der Geschichte wird jedoch bereits im Prolog angedeutet, weshalb die gesamte Geschichte einem prädestinierten Ende entgegengeht. Dies und der Minnetrank als fremdes Element werden genauer betrachtet, um auch hier szenisch nachvollziehen zu können, was für Änderungen vorgenommen wurden, weshalb und ob dies aus moderner Notwendigkeit geschehen musste.

Die Filme haben durch ihre bescheidenen Erfolge gezeigt, dass sie nicht dem Geschmack der Massen entsprechen. Aber ob dies an der Inszenierung oder der fremden Geschichte liegt, gilt es zu hinterfragen. Somit soll sich zeigen, ob Tristan und Isolde eine mittelalterliche Geschichte bleiben muss, die zur Uninszenierbarkeit verurteilt wurde.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Êre und triuwe als handlungsbeeinflussende Elemente

4. Der Minnetrank und die Inszenierung des Endes

5. Die Umsetzung von mittelalterlichen Motiven im Film

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der höfischen Vorlage von Gottfried von Strassburg und deren filmischer Adaption. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie das mittelalterliche Idealbild von Liebe, Ehre und Treue in modernen Filmen interpretiert, gekürzt oder durch zeitgenössische Konzepte ersetzt wird, um eine filmische Umsetzbarkeit zu gewährleisten.

  • Die Bedeutung von Ehre und Treue in der mittelalterlichen Gesellschaft.
  • Die Rolle des Minnetranks und dessen Einfluss auf die Handlung und Moral.
  • Die filmische Umsetzung mittelalterlicher Motive und ritterlicher Konventionen.
  • Das Konzept des "Sekundärmittelalters" in der filmischen Darstellung.
  • Der Einfluss moderner Zuschauererwartungen auf die Adaption historischer Stoffe.

Auszug aus dem Buch

3. Êre und triuwe als handlungsbeeinflussende Elemente

Aus heutiger Sicht ist die einvernehmliche Entscheidung Tristans und Isoldes zur Rückkehr aus der Minnegrotte schwer nachzuvollziehen. Dies wohl deswegen, weil das persönliche Erfüllen von eigenen Wünschen niemals einen derart hohen Stellenwert besessen hat wie heute.

Die mittelalterliche Gesellschaft ist nicht mit der höfischen Gesellschaft gleichzusetzen. Vielmehr kann die höfische Welt Tristans als Vorbild für die historische Welt angesehen werden. Beherrscht war diese Vorlage nicht von politischen Ränken, finanzieller Gier und Eroberungslust, sondern von Idealen, die ihre Charaktere definierten. Es lässt sich von einem künstlichen Ausklammern zugunsten des Erreichens hoher Ideale sprechen.10 Diese grundlegenden Attribute waren êre, milte, triuwe, staete.11 Insbesondere die Ehre bestimmte das Verhalten der Charaktere entscheidend. Dies geschah im Zusammenhang mit dem dienest, was als durchaus historischer Fakt zu sehen ist. Noch Ende des 12. Jh. wurden Dienstleute grosser Herren und Söldner von Adligen als Ritter bezeichnet.12 Auch die höfischen Ritter waren an den dienest gebunden. Ihre Dienstpflicht war einerseits an ihren Lehensherrn gebunden, aber auch ihrer Minneherrin schuldeten sie Folgepflicht. Ein Wechselspiel von Ehre und Minne sind die Konsequenz zwischen der Bindung des Ritters und der hohen Dame. Die Ehre war Voraussetzung für eine Werbung, aber auch danach zogen die Ritter aus, um für ihre Minneherrin zu streiten.13 Tristans Weg unterscheidet sich grundlegend von jenem anderer höfischer Ritter wie Erec oder Iwein. Der ehrenvolle Kampf als (Minne)dienst bleibt ihm verwehrt. Erecs verligen gleich, sucht er keine Herausforderungen mehr, was auf den Minnetrank zurückzuführen ist und somit sein Dienstverhalten korrumpiert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung von Tristan und Isolde als romantisches Ideal und der mittelalterlichen Vorlage unter Berücksichtigung der filmischen Adaptierbarkeit.

2. Forschungsstand: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Tristan-Stoff, insbesondere im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen Minne und Pflicht sowie die Inszenierung im Film.

3. Êre und triuwe als handlungsbeeinflussende Elemente: Es wird analysiert, wie die höfischen Werte Ehre und Treue das Handeln der Charaktere im Roman bestimmen und warum das Einhalten dieser Werte im Kontext der Minnegrotte problematisch ist.

4. Der Minnetrank und die Inszenierung des Endes: Die Untersuchung befasst sich mit der Rolle des Minnetranks als Schicksals- oder Zwangselement und dessen unterschiedlicher Umsetzung oder Weglassung in den verschiedenen Filmfassungen.

5. Die Umsetzung von mittelalterlichen Motiven im Film: Hier wird untersucht, wie filmische Mittel und das Konzept des Sekundärmittelalters genutzt werden, um mittelalterliche Kämpfe und ritterliche Symbole darzustellen, und wo dabei die Grenzen der Authentizität liegen.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Filme durch die moderne Perspektive und das Bedürfnis nach Unterhaltung wesentliche Grundgedanken der Vorlage verändern, insbesondere die Bedeutung von Ehre und Schuld.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen sowie der analysierten Filme.

Schlüsselwörter

Tristan und Isolde, Mittelalter, Film, Gottfried von Strassburg, höfische Minne, Ehre, Treue, Minnetrank, Sekundärmittelalter, Adaption, Ritterlichkeit, höfische Kultur, Gesellschaftsordnung, Literatur, Filmtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie die mittelalterliche Romanvorlage „Tristan und Isolde“ von Gottfried von Strassburg in verschiedenen Filmverfilmungen adaptiert wurde und welche Veränderungen sich dabei im Hinblick auf die zugrundeliegenden höfischen Werte ergeben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das höfische Ideal der Ehre und Treue, die Funktion des Minnetranks als handlungssteuerndes Element sowie die filmische Repräsentation mittelalterlicher Weltbilder.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Bedürfnis nach einer modernen Inszenierung und die Erwartungshaltung eines breiten Publikums dazu führen, dass komplexe mittelalterliche Motive in Filmen teilweise entfremdet oder durch zeitgenössische Konzepte ersetzt werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der die literarische Vorlage von Gottfried von Strassburg direkt mit verschiedenen filmischen Adaptionen (z.B. von Fürstenberg, Costa, Reynolds) verglichen wird, unterstützt durch Fachliteratur zur höfischen Kultur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Aspekte wie die ethischen Kodizes der Charaktere, die moralische Deutung des Ehebruchs, die technische und visuelle Umsetzung des "Sekundärmittelalters" und die dramaturgische Rolle des Minnetranks.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Tristan und Isolde, höfische Minne, Ehre (Êre), Treue (Triuwe), Adaption und Sekundärmittelalter.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Ehre im Film von der Buchvorlage?

Im Film wird Ehre oft als abstraktes oder weniger relevantes Konzept behandelt und durch moderne Rechtsvorstellungen oder die Angst vor persönlichen Konsequenzen ersetzt, während sie im Buch das essenzielle, nach außen gerichtete Fundament des ritterlichen Handelns bildet.

Warum wird der Minnetrank in einigen Filmen weggelassen?

Der Minnetrank wird in modernen Adaptionen teilweise ausgelassen, da er dem Wunsch nach einer "authentischen" Darstellung widerspricht, in der Liebe als bewusste Entscheidung des Individuums und nicht als Resultat von Magie oder Zwang gezeigt werden soll.

Welches Bild des "Sekundärmittelalters" wird vermittelt?

Das "Sekundärmittelalter" beschreibt ein im Film konstruiertes, künstliches Bild des Mittelalters, das weniger auf historischer Realität basiert, sondern auf intertextuellen Bezügen und der populärkulturellen Erwartungshaltung an Ritter, Kämpfe und romantische Liebesgeschichten.

Warum ist das Ende der Tristan-Geschichte für die Filme problematisch?

Das tragische Ende der Buchvorlage ist im Kontext moderner Unterhaltungsfilme schwierig, da diese oft auf ein Happy End abzielen oder die Protagonisten durch die Ausblendung des Minnetranks als autonom handelnde Individuen darstellen möchten, was den im Buch als notwendig erachteten Liebestod entwertet.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das höfische Ideal in "Tristan und Isolde". Darstellung und Übertragung im Medium Film
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar)
Veranstaltung
Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit im Film
Note
5,5
Autor
Benjamin Kettner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
27
Katalognummer
V337097
ISBN (eBook)
9783656984818
ISBN (Buch)
9783656984825
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tristan Isolde Höfisch Ideal Film Darstellung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Benjamin Kettner (Autor:in), 2016, Das höfische Ideal in "Tristan und Isolde". Darstellung und Übertragung im Medium Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337097
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  27  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum