Die Minnegrottenepisode in "Tristan und Isolde"

(Wie) lebt man, wenn man alles hat, außer Ehre?


Ausarbeitung, 2015

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Allgemeines und Einführung in das Thema

2. Die vorhöfischen Bearbeitungen

3. Flucht oder Rückzug - wie gelangt das Paar in den Wald?

4. Der Aufenthalt - Entbehrung oder Idylle?

5. Die Entdeckung des Paares durch Marke

6. Das Ende der Minnegrottenepisode - wie und warum gelangen sie aus dem Wald?

7. Literaturverzeichnis

1. Allgemeines und Einführung in das Thema

Dieses Protokoll basiert auf der Sitzung vom 08.10.2015. Thema der Sitzung war die Minnegrotte. Am Anfang machte Frau darauf aufmerksam, dass für das Staatsexamen nur die Bearbeitung von Gottfried von Straßburg relevant ist. Die anderen Bearbeitungen von Tristan und Isolde werden in der Vorlesung nur in Betracht gezogen, um einen möglichst dif- ferenzierten Blick auf Gottfried zu ermöglichen. Dementsprechend wird Frau die jeweils anderen Bearbeitungen auch nicht im Staatsexamen prüfen.

Danach führte sie in das Thema der Sitzung ein, nämlich die Minnegrotte. Wie auch im gan- zen Roman steht in dieser Episode das Thema der ehebrecherischen Liebe im Vordergrund. Für die Rezeption von Liebe ist die Minnegrottenepisode so zentral, weil sie zeigt, dass Tris- tan und Isolde zwischen einem Ideal und einer gegengesellschaftlichen Kraft schwanken. Das liegt zum einen daran, dass in der Minnegrottenepisode eine implizite Bewertung der Minne vorgenommen ist. Zum anderen ist diese Episode eine der wenigen Stellen im Roman, in der sich die höfischen und vorhöfischen Bearbeitungen so stark voneinander unterscheiden.

2. Die vorhöfischen Bearbeitungen

Bei den vorhöfischen Bearbeitungen wird die Minnegrottenepisode charakterisiert durch Entbehrung, Not, Verzicht und Mangel. Dies sieht man daran, dass sich die beiden allein von wilden Kräutern ernähren. Außerdem leben sie in einer selbstgebauten, kleinen Hütte und in ständiger Angst vor Entdeckung, da sie auf der Flucht vor Marke sind. Das kommt daher, da sie in der Mehlstreuepisode als Ehebrecher entlarvt und zum Tode verurteilt werden. Um sich dem zu entziehen, fliehen die beiden. Diesen Aspekt von Entbehrung und Mangel kann man auch in der Bebilderung in der Eilharthandschrift erkennen. Die Hütte, die von Tristan und Governal gebaut werden muss, steht im Vordergrund. Auf dem zweiten Bild sieht man, dass in den vorhöfischen Bearbeitungen die Beschaffung von Nahrung wichtig war, da man erkennen kann, wie Tristan einen Fisch angelt. Weiterhin wird auf dem dritten Bild dargestellt, wie die beiden Kräuter essen müssen, die sie von Governal erhalten.

Im Folgenden wird erörtert, inwiefern sich die vorhöfischen und die höfischen Bearbeitungen in Bezug auf verschiedene thematische Aspekte der Minnegrottenepisode unterscheiden.

3. Flucht oder Rückzug - wie gelangt das Paar in den Wald?

Bei Bérol wird der Aufenthalt im Wald durch das Todesurteil Markes bestimmt. Sie fliehen vor ihm in den Wald und befinden sich deswegen in ständiger Angst und Not.1 Eilhart berich- tet es ebenfalls auf diese Art.2 Der Unterschied zu den höfischen Bearbeitungen liegt darin, dass in diesen Tristan und Isolde sich nicht auf der Flucht befinden und keine Angst vor der Entdeckung haben. Marke verbannt sie zwar, aber es ist deutlich, dass sie vor ihm nichts zu befürchten haben. Bei Gottfried verlassen sie den Hof ohne Angst und Eile, Marke ist eher verletzt und resigniert anstatt zornig, und befiehlt ihnen sogar, zu gehen. Es erscheint fast, als habe Gottfried die Szene als Gegenstück zu den vorhöfischen Bearbeitungen konzipiert.3 Auch bei Robert überwiegt bei ihrer Abreise der wehmütige Ton, Marke lässt das Paar ihrer Wege ziehen und droht ihnen keine Gewalt an.4 Wichtig ist auch, dass in den höfischen Bear- beitungen der Abschied der beiden an die Peticrüepisode anschließt. Weiterhin betonen diese Bearbeitungen die positiven Aspekte des Waldlebens. Die Frage nach Nahrung stellt sich nicht. Wichtig bei der Unterscheidung zwischen den höfischen und den vorhöfischen Bearbei- tungen ist außerdem die unterschiedliche Reihenfolge der Geschehnisse (Siehe Folie 7). Die Reihenfolge verändert natürlich den gesamten Stil der Episode. In der einen Version besteht die Verbannung aus Angst und Mangel, wohingegen in der anderen Version die Verbannung etwas Gutes zu sein scheint. In der Münchner Tristanhandschrift wird der Abschied am Hof wie in der Bearbeitung von Gottfried dargestellt: auf dem oberen Abschnitt sieht man sowohl Marke, wie er den beiden mitteilt, dass sie fliehen müssen, als auch den Abschied von Tristan und Isolde. Interessanterweise blickt Isold zu Marke zurück, während Tristan mit ausgestrecktem Arm hinaus schreitet.

[...]


1 Vgl. Béroul: Tristan und Isolde, übersetzt von Ulrich Mölk. München 1962 (Klassische Texte des romanischen Mittelalters in zweisprachigen Ausgaben), S. 67 f.

2 Vgl. Eilhart von Oberg: Tristrant und Isalde, hrsg. von Danielle Buschinger und Wolfgang Spiewok mit neuhochdeutscher Übersetzung. Göppingen 1986 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 436), V. 4700 - 4719.

3 Vgl. Gottfried von Straßburg: Tristan. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu hrsg., ins Neuhochdeutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. Stuttgart 2010 (13. Aufl.) [RUB 4471], V. 16621 - 16630.

4 Vgl. Bruder Robert: Die norwegische Saga von Tristram und Königin Isönd, in: Der mittelalterliche Tristan-Stoff in Skandinavien: Einführung - Texte in Übersetzung - Bibliographie. Berlin, New York 2008, S. 89.

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Details

Titel
Die Minnegrottenepisode in "Tristan und Isolde"
Untertitel
(Wie) lebt man, wenn man alles hat, außer Ehre?
Hochschule
Universität Mannheim  (Germanistische Mediävistik)
Veranstaltung
VL Tristan und Isolde
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V337160
ISBN (eBook)
9783668267206
ISBN (Buch)
9783668267213
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottfried von Straßburg, Minnesang, Minnegrotte, Tristan und Isolde, Sizungsprotokoll
Arbeit zitieren
Larissa Pöltl (Autor:in), 2015, Die Minnegrottenepisode in "Tristan und Isolde", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337160

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