Im folgenden Essay möchte ich genauer untersuchen, wie in beiden Werken, „Brehms Thierleben“ und Kafkas „Bericht für eine Akademie“, die Affen in Abgrenzung zum Menschen dargestellt werden und wie Kafka in seinem Werk das wissenschaftliche Gut der damaligen Tierforschung verarbeitet, um eine Lehre für den modernen, zivilisierten Menschen zu ziehen. In dem Zusammenhang werde ich wissenschaftliche sowie literarische Textelemente beider Werke aufzeigen. Abschließend möchte ich zu der Fragestellung, wie Wissenschaft in der Literatur aufgenommen und umgesetzt wird, Kafkas Kritik zur wissenschaftlichen Moderne, die in seinem „Bericht für eine Akademie“ deutlich wird, darstellen. Kafka übt hierin Kritik an der Entwicklung des Menschen im Zuge der Zivilisation bzw. Modernisierung, da sie ein Paradox aus Ursprung und Jetzt im menschlichen Dasein hervorruft.
In Kafkas „Bericht für eine Akademie“, verfasst im Jahre 1917, wird der Affe Rotpeter von der etablierten Wissenschaft aufgefordert, einen Bericht über seine Entwicklung zum zivilisierten Menschen, die nur fünf Jahre dauerte, einzureichen. Eine Grundlage, die Kafka für die Tierfigur des Affen verwendete, war der erste Band von „Brehms Thierleben“, in dem neben anderen Säugetierarten, die Affen und Halbaffen in ihrer äußeren Erscheinung und ihrem Verhalten beschrieben werden. Parallelen der Tierfigur Rotpeters zu den Beschreibungen Brehms lassen sich durch wörtliche Textübereinstimmungen belegen. Kafka soll demnach in etwa 20 Merkmale aus den Gattungen Schimpanse und Orang-Utan für seinen Rotpeter verwendet haben.
„Brehms Thierleben“ trägt den zur damaligen Zeit aktuellen Forschungsstand der Biologie und Zoologie zusammen und untermalt seine Schilderungen des Tierreichs mit vielfältigen Illustrationen, die anatomische Begebenheiten verschiedener Tierarten abbilden. Alfred E. Brehm beschreibt in seinem Werk das Leben und Verhalten der Tiere in ausführlicher Art und Weise und setzt sich mit seiner „tierpsychologischen Betrachtungsweise“ von einer bloßen Wiedergabe anatomischer Merkmale und einer reinen Systematik der damaligen Zoologie ab. Bei seinen Schilderungen stützt er sich vor allem auf eigene Beobachtungen aus Reiseerlebnissen und Forschungsexpeditionen, auf „Merkwürdigkeiten“ aus dem Zoologischen Garten und Varieteevorstellungen und auf Erzählungen von Dresseuren und Tierhändlern.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Darstellung von Affe und Mensch in:
- Brehms Thierleben
- Kafka - Bericht für eine Akademie
- Wissenschaft in Literatur...
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Essay untersucht die Darstellung von Affen in Abgrenzung zum Menschen in "Brehms Thierleben" und Kafkas "Bericht für eine Akademie". Der Fokus liegt auf der Verarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Affen in Kafkas Werk und der daraus resultierenden Lehre für den modernen Menschen.
- Die Darstellung von Affen in "Brehms Thierleben" und Kafkas "Bericht für eine Akademie"
- Die Verarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Affen in Kafkas Werk
- Die Lehre für den modernen Menschen, die aus Kafkas Werk gezogen werden kann
- Die Kritik an der wissenschaftlichen Moderne, die in Kafkas "Bericht für eine Akademie" deutlich wird
- Die Aufnahme und Umsetzung von Wissenschaft in der Literatur
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Kafkas "Bericht für eine Akademie" beschreibt die Entwicklung eines Affen (Rotpeter) zum Menschen. Der Essay untersucht, wie Brehms "Thierleben" als Grundlage für Kafkas Tierfigur diente und wie Kafka wissenschaftliche Erkenntnisse über Affen in seinem Werk verarbeitet.
Darstellung von Affe und Mensch in:
Brehms Thierleben
Brehm beschreibt die Affen als nah verwandt mit dem Menschen, doch gleichzeitig als "Zerrbild" des vollendeteren Wesens. Er betont sowohl die Ähnlichkeiten (körperliche Merkmale, Intelligenz) als auch die Unterschiede (Verhalten, Moral) zwischen Affen und Menschen.
Kafka - Bericht für eine Akademie
Kafkas Rotpeter berichtet von seiner Menschwerdung, die in nur fünf Jahren stattfand. Der Essay beleuchtet die Parallelen zwischen Rotpeters Schilderung und Brehms Beschreibungen von Affen, sowie die Paradoxie von Rotpeters Existenz zwischen Ursprung und Jetzt.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Einfluss hatte „Brehms Thierleben“ auf Franz Kafka?
Kafka nutzte Brehms wissenschaftliche Beschreibungen von Schimpansen und Orang-Utans als anatomische und verhaltensbiologische Grundlage für seine Figur des Affen Rotpeter.
Was thematisiert Kafkas „Bericht für eine Akademie“?
Der Affe Rotpeter berichtet vor einer Akademie über seine erzwungene Anpassung und Entwicklung zum zivilisierten Menschen innerhalb von nur fünf Jahren.
Wie stellt Alfred Brehm das Verhältnis zwischen Affe und Mensch dar?
Brehm sieht den Affen als nah verwandtes Wesen, bezeichnet ihn jedoch gleichzeitig als „Zerrbild“ des Menschen, wobei er psychologische Beobachtungen über bloße Anatomie stellt.
Was ist das „Paradoxon“ in Rotpeters Existenz?
Es beschreibt den inneren Konflikt zwischen dem tierischen Ursprung und der zivilisierten Gegenwart, wobei die Menschwerdung eher als ein „Ausweg“ denn als echte Freiheit dargestellt wird.
Welche Kritik übt Kafka an der wissenschaftlichen Moderne?
Kafka kritisiert die Entmenschlichung durch Zivilisation und die Tendenz der Wissenschaft, Lebewesen rein nach ihrer Funktionalität und Anpassungsfähigkeit zu beurteilen.
- Citar trabajo
- B.A. Henriette Frädrich (Autor), 2011, Rotperts Paradox. Darstellung von Affe und Mensch in "Brehms Thierleben" von Alfred Brehm und "Bericht für eine Akademie" von Franz Kafka, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337299