Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Beantwortung der Frage: Was ist der absolute Geist?
Die Antwort verlangt eine Analyse und Interpretation der Formen des absoluten Geistes im Werk von G.W.F. Hegel, wobei in dieser Arbeit die entsprechenden Passagen aus der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften (Dritter Teil; Die Philosophie des Geistes) der Quell- oder Primärtext sein soll. Weitere Texte Hegels werden bei Bedarf, zum Beispiel im Falle von Unklarheiten, die sich aufgrund der dichten und zusammenfassenden Form der Enzyklopädie ergeben könnten, hinzugezogen. Dieser Text ist aufgrund seiner Klarheit, Präzision und auch aufgrund weiterer strategischer und methodischer Überlegungen für die Beantwortung der zentralen Frage dieser Arbeit besonders geeignet.
Zur Interpretation und Erschließung dieses Stoffes wird in besonderem Maße die Einführung2 in Hegels Philosophie von Charles Taylor herangezogen, da diese in einfacher Sprache einen Einstieg zu diesem schwierigen und komplexen Thema ermöglicht. Das hat zwei entscheidende Vorteile: Zum einen hat der Einstieg über Taylor eine orientierende und retardierende Funktion, zum andern kann an Taylors Perspektive, in einem zweiten, durchaus kritischen und die Sache weiterführenden Schritt, mit weiterführenden und alternativen Interpretationen angesetzt werden.
Eigene bisherige Versuche, mit ähnlich komplexen und dichten Themen möglichst erfolgreich und transparent zu arbeiten, haben gezeigt, dass es sehr sinnvoll ist, sich solch einen Ausgangspunkt zu schaffen, von dem aus man in einem zweiten Schritt in dialektischer, kritischer oder spekulativer Manier weiter vorankommen kann, auch damit sich das eigene Denken nicht an jedem strittigen Punkt schon in allzu viele Querverweise und Ausführungen des Stoffes verstrickt. Also bremst Taylors Perspektive auf die Formen des absoluten Geistes zunächst den eigenen spekulativen und kritischen Impuls, um diesen hernach und in einem zweiten Schritt zu ermöglichen und zu motivieren.
Die weiterführenden Gedanken und die angedachte Kritik an Taylors Perspektive werden überwiegend dem eigenen Verständnis des Primärstoffes folgen. Es wird an geeigneten Stellen die entsprechende Literatur3 Prof. Dr. Stekeler-Weithofers hinzugezogen, nämlich nach Möglichkeit immer da, wo Taylor, nicht zuletzt im Sinne einer analytischen Leseweise Hegels, zu einfach oder unvollständig erklärt. Das erste Kapitel4 aus Stekeler-Weithofers Werk zur Philosophie des Selbstbewusstseins wird [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Der absolute Geist in der Kunst
1.1. Die Perspektive Charles Taylors
1.2. Frage nach dem Absoluten in der Kunst
1.3. Die Kunst und ihre Götter
2. Der absolute Geist in der Religion
2.1. Die Perspektive Charles Taylors
2.2. Die Frage nach dem Absoluten in der Religion
2.3. Hegel und der Geist Gottes
3. Der absolute Geist als Philosophie
3.1. Die Perspektive Charles Taylors
3.2. Selbstbewusstsein und Selbstkonstitution
3.3. Die Macht der Reflexion
3.4. Was ist der absolute Geist
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Hauptziel, das Wesen des absoluten Geistes im Werk von G.W.F. Hegel zu klären und zu interpretieren, wobei insbesondere die drei Formen Kunst, Religion und Philosophie in ihrer Bedeutung für das menschliche Selbstbewusstsein untersucht werden.
- Analyse der Hegelschen Kategorien von Kunst, Religion und Philosophie.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Interpretation von Charles Taylor.
- Explikation der Rolle des Selbstbewusstseins und der Selbstkonstitution.
- Untersuchung der Philosophie als höchste Form der Reflexion und Wissensbildung.
- Beitrag zur Frage nach dem absoluten Geist als Form des menschlichen Selbstverständnisses.
Auszug aus dem Buch
Die Macht der Reflexion
Die Philosophie erkennt erst in der Rückschau, aber in dieser Rückschau liegt ihr eine Welt zu Füßen. Die Macht der Reflexion scheint daher zunächst etwas eingeschränkt, aber zugleich erhält sie durch ihren späten Zugriff auf die Wirklichkeit ihre besondere Macht und Kraft. Wenn Hegel in seiner Vorrede zu den Grundlinien der Philosophie des Rechts gleichsam poetisch wie durchdringend weise vom Grau in Grau in der Philosophie und vom Flug der Eule der Minerva spricht, so ist das für das Ziel dieser Arbeit ein passendes und einleitendes Bild, welches die Richtung anzeigt, in die nun weitergedacht werden soll.
Die Eule der Minerva, Sinnbild für die Weisheit und für ebendiese besondere Macht und Stellung der philosophischen Reflexion, beginnt ihren Flug erst beim Einbrechen der Dämmerung. Auch von diesem Bild aus, aus dieser zunächst noch eher weltanschaulichen und sehr weiten Perspektive, kann man versuchen, eine Antwort auf die Frage nach dem Wesen des absoluten Geistes zu geben. Der absolute Geist in seiner vollkommenen Form ist die Philosophie, weil sie als das Selbstbewusstsein auch der Wissenschaft(en) selber, das Denken und Handeln bedenkt und reflektiert, weil sie ferner das Ganze einer Welt zu denken versucht und dabei um die Beschränktheit dieses Denkens, wie um seine Macht weiß.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der absolute Geist in der Kunst: Dieses Kapitel untersucht die Kunst als erste Form des absoluten Geistes, wobei der Fokus auf ihrer begrenzten, aber bedeutungsstiftenden Rolle im Verhältnis zwischen Mensch und Absolutem liegt.
2. Der absolute Geist in der Religion: Die Religion wird als Vermittlerin analysiert, die Vorstellungen von einem göttlichen Gegenüber nutzt, während sie gleichzeitig auf die vollendete Form der Philosophie verweist.
3. Der absolute Geist als Philosophie: Das abschließende Hauptkapitel definiert die Philosophie als spekulative Wissenschaft, die durch Reflexion und Selbstbewusstsein die Wahrheit über das menschliche Sein und dessen Weltbezug expliziert.
Schlüsselwörter
Hegel, absoluter Geist, Philosophie, Kunst, Religion, Selbstbewusstsein, Reflexion, Selbstkonstitution, Spekulative Philosophie, Selbstwissen, Freiheit, Idealismus, Charles Taylor, Weltgeschichte, Wissensformen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verständnis des absoluten Geistes im philosophischen System von G.W.F. Hegel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Analyse der drei Gestalten des Geistes (Kunst, Religion, Philosophie) und deren Bedeutung für das menschliche Selbstbewusstsein.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, was der absolute Geist bei Hegel ist, gestützt auf die Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die interpretative Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung und kritischer Würdigung der Hegel-Interpretation von Charles Taylor.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Kunst, Religion und Philosophie als aufeinander aufbauende Stufen der Explikation des Geistes.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch die Begriffe Reflexion, Selbstkonstitution, spekulative Philosophie, absolute Geist und Selbstbewusstsein.
Wie unterscheidet sich die Kunst von der Philosophie?
Während die Kunst ihre Inhalte noch anschaulich und bildhaft darstellt, erreicht die Philosophie eine begriffliche und systematische Durchdringung der Realität.
Welche Bedeutung hat Charles Taylor für die Argumentation?
Taylor dient als orientierender Einstieg, dessen historische Lesart jedoch kritisch hinterfragt wird, um eine logisch-explikative Deutung des Hegelschen Systems zu favorisieren.
Warum wird die Eule der Minerva als Bild herangezogen?
Das Bild illustriert die Philosophie als eine Kraft, die erst im Rückblick auf die Wirklichkeit ihre volle Bedeutung und ordnende Funktion entfaltet.
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- Daniel R. Kupfer (Author), 2016, Die Macht der Reflexion. Zum Verhältnis von Kunst, Religion und Philosophie bei G.W.F. Hegel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337335