Nach h.M. stammt „Restorative Justice“ aus den erfolgreichen einschlägigen Erfahrungen von Maoris. Tatsächlich kann man ähnliche Gedanken und Erfahrungen auch in China finden. Es ist sogar möglich, dass „Restorative Justice“ in China sogar früher entsteht und größere Auswirkung hat. Dennoch stimmt die traditionelle Idee in China nicht vollständig mit der Theorie von „Restorative Justice“ überein, weil die traditionelle Idee zur verschiedenen Epochen natürlich unterschiede Merkmalen besitzt, die nicht völlig von dem modernen Rechtsdenken aufgenommen werden können. Einfach gesagt, es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der traditionellen Idee von „Restorative Justice“ in China und der modernen Theorie über „Restorative Justice“.
Dementsprechend ist in dieser Arbeit hauptsächlich die Rechtfertigung von „Restorative Justice“ aus dem Gesichtspunkt von und im Vergleich zu dem traditionellen chinesischen Rechtsdenken zu erörtern. Durch die Auseinandersetzung mit „Restorative Justice“ mit chinesischer Eigenschaft kann man mittelbar auch die Rechtfertigung der Strafe im chinesischen Rechtsdenken besser verstehen kann.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Die Merkmale von Restorative Justice: mit Retributive Justice als Vergleich
I. Täter oder Opfer als zentrale Rolle der Strafjustiz
II. Isolierung oder Integration des Täters
III. Konfrontation oder Konsultation zwischen Täter und Opfer
IV. Staatliche oder gemeinschaftliche Justiz
V. Führung von Fachpersonen oder direkte Beteiligung
VI. Typisierter Tatbestand oder eigentliches Tatgeschehen
C. Die Ähnlichkeiten zwischen der modernen Theorie von Restorative Justice und dem traditionellen chinesischen Rechtsdenken
I. Der Gedanke von „Harmonie“ in konfuzianischer Theorie und dessen Einfluss auf Restorative Justice
II. Der Gedanke von „Treue und Nächstenliebe“ in konfuzianischer Theorie und dessen Einfluss auf Restorative Justice
III. Der Gedanke von „Erziehung der Bevölkerung“ im traditionalen chinesischen Rechtsdenken und dessen Einfluss auf Restorative Justice
E. Die Widersprüche zwischen der modernen Theorie von Restorative Justice und dem traditionellen chinesischen Rechtsdenken
I. Unterordnung des Individuums zu Staat und Familie
II. Der Gedanke von der Vermeidung des Gerichtsverfahrens
III. Verbindliches statt freiwilliges Mediationsverfahren
IV. Die Idee der „Rache“ im traditionellen China
F. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das innere Verhältnis zwischen dem modernen Konzept der Restorative Justice und dem traditionellen chinesischen Rechtsdenken, um die Rechtfertigung und Anwendungsmöglichkeiten einer opferorientierten Strafjustiz im chinesischen Kontext zu erörtern.
- Grundmerkmale und Konzepte der Restorative Justice im Vergleich zur Retributive Justice.
- Gemeinsamkeiten durch konfuzianische Denktraditionen wie Harmonie und moralische Erziehung.
- Widersprüche durch soziopolitische Strukturen wie Familismus und die Rolle des Staates.
- Einfluss traditioneller Konzepte wie Rache und autoritärer Verwaltung auf moderne Reformansätze.
Auszug aus dem Buch
I. Täter oder Opfer als zentrale Rolle der Strafjustiz
Nach der tradionellen Rechtsphilosophie und Strafrechtswissenschaft wird das strafrechtliche Verbrechen als moralisch verwerflich betrachtet, gegen das ausschließlich entsprechend dem Grad der sozialen Schädlichkeit der Tat sowie der Höhe der persönlichen Gefährlichkeit des Täters strafrechtliche Sanktionen zu verordnen, zu verhängen und zu vollstrecken sind. Dementsprechend liegt Sinn und Zweck der Strafen in erster Linie in der Vergeltung der schädlichen Tat bzw. Verbesserung des gefährlichen Täters. Im Allgemeinen stehen der Täter und seine Tat in der zentralen Stelle der Strafjustiz, während der Opfer, der auf der gegenüberliegenden Seite des Täters steht, im Rahmen der Strafjustiz marginalisiert wird. Daher besitzt das Opfer keine wesentliche und unentbehrliche Funktion während des traditionellen strafrechtlichen Gerichtsverfahrens, an der strafrechtlichen Verfolgung nimmt das Opfer in den meisten Fällen bloß als Zeuge teil. Im Gegensatz dazu, dass die Menschenrechte des Täters während der strafrechtlichen Verfolgung sowie des Gerichtsverfahrens berücksichtigt werden, werden jedoch die grundsätzlichen Bedürfnisse des Opfers bedauerlicherweise übersehen.
Im Unterschied dazu steht das Opfer nach der Konzeption von Restorative Justice nicht nur auf der gegenüberliegenden Seite des Täters, sondern auch gilt als der unmittelbare Übernehmer der Straftat, durch die die Rechtsgüter des Verletzten beeinträchtigt werden. Deshalb sind die Rechte und Interessen des Opfers von der strafrechtlichen Gesetzgebung und Rechtsprechung wieder zu berücksichtigen. Zum einen ist das Opfer in der Lage, selber und direkt an dem Gerichtsverfahren mitzuwirken, zum anderen ist das Opfer berechtigt, von dem Täter materiellen und immateriellen Ersatz zu fordern.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Ziel der Arbeit, die Rechtfertigung von Restorative Justice unter Berücksichtigung des traditionellen chinesischen Rechtsdenkens zu analysieren.
B. Die Merkmale von Restorative Justice: mit Retributive Justice als Vergleich: Dieses Kapitel kontrastiert die retributive Justiz mit der restorativen Justiz und definiert deren Kernmerkmale wie Täter-Opfer-Beteiligung und Gemeinschaftsbezug.
C. Die Ähnlichkeiten zwischen der modernen Theorie von Restorative Justice und dem traditionellen chinesischen Rechtsdenken: Das Kapitel beleuchtet konfuzianische Prinzipien wie Harmonie, Treue, Nächstenliebe und Erziehung, die mit modernen Ansätzen der Restorative Justice korrespondieren.
E. Die Widersprüche zwischen der modernen Theorie von Restorative Justice und dem traditionellen chinesischen Rechtsdenken: Hier werden Spannungsfelder wie die Unterordnung unter den Staat, die Vermeidung von Rechtswegen, Zwangskontexte bei der Mediation und die Racheidee analysiert.
F. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, dass trotz der Widersprüche eine Integration von Restorative Justice in das heutige China möglich ist, sofern die historischen und ideologischen Hürden berücksichtigt werden.
Schlüsselwörter
Restorative Justice, Retributive Justice, chinesisches Rechtsdenken, Konfuzianismus, Harmonie, Strafjustiz, Täter-Opfer-Ausgleich, Mediation, Rechtsgeschichte, Rechtfertigung der Strafe, Rache, Familismus, Zivilgesellschaft, Moral, Resozialisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das theoretische und praktische Verhältnis zwischen modernen Konzepten der Restorative Justice und dem traditionellen chinesischen Rechtsdenken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Vergleich zwischen retributiver und restorativer Gerechtigkeit sowie die historische Prägung des chinesischen Rechts durch den Konfuzianismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erörterung der Rechtfertigung von Restorative Justice im Kontext chinesischer Traditionen, um Strafrechtsreformen besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rechtsphilosophische und rechtsvergleichende Analyse vorgenommen, die sowohl moderne Straftheorien als auch historische chinesische Rechtsquellen und Lehren untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Restorative Justice, die Analyse von Übereinstimmungen mit konfuzianischen Werten und die kritische Auseinandersetzung mit Widersprüchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Restorative Justice, Konfuzianismus, Harmonie, Strafjustiz und Täter-Opfer-Ausgleich.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Opfers in den zwei Systemen?
Während in der traditionellen strafrechtlichen Justiz das Opfer oft marginalisiert wird, stellt Restorative Justice das Opfer als zentralen, unmittelbar Betroffenen in den Mittelpunkt des Verfahrens.
Warum ist das Konzept der „Harmonie“ für die Arbeit so wichtig?
Harmonie gilt als Kern des Konfuzianismus und ist ein verbindendes Element, da auch die Restorative Justice auf die Wiederherstellung gesellschaftlicher Verhältnisse und den sozialen Frieden zielt.
Warum wird die „Idee der Rache“ im traditionellen China als Problem gesehen?
Die Racheidee steht im direkten Widerspruch zu den Grundsätzen der Restorative Justice, da sie auf Vergeltung statt auf Versöhnung und den Dialog zwischen Täter und Opfer setzt.
Welche Bedeutung hat die „Familie“ in diesem Rechtskontext?
Die Familie fungiert im traditionellen China als verwaltende Einheit, die anstelle einer westlich geprägten Zivilgesellschaft tritt und damit Einfluss auf die Autonomie der Individuen im Mediationsprozess nimmt.
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- Tan He (Autor), 2016, Das innere Verhältnis zwischen Restorative Justice und dem chinesischen traditionellen Rechtsdenken, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337419