Tennessee Williams hatte Zeit seines Lebens eine sehr enge Beziehung zum Film. Bereits in frühester Jugend fühlte er sich von Lichtspielhäusern magisch angezogen: „I used to want to climb into the screen and join the action. My mother had to hold me down“. So überrascht es nicht, dass der erwachsene Williams vor seiner steilen Karriere als Dramaturg seinen Lebensunterhalt als Drehbuchautor verdiente. Seine Anstellung bei Metro-Goldwyn-Mayer stand jedoch unter keinem guten Stern und Williams wurde vorzeitig entlassen. Aus den damals abgelehnten Drehbüchern entstanden schließlich seine ersten erfolgreichen Bühnenstücke. Nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung in der Filmbranche entwickelte Williams seinen eigenen Darstellungsmodus, den er plastic theatre nannte. Wenngleich Foster Hirsch der Meinung ist, dass diese Art der Dramaturgie die filmische Adaption der Werke Williams’ erschwert, so gehört Williams dennoch zu den wenigen Dramaturgen, deren wichtigste Werke komplett verfilmt wurden5. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Vergleich zweier der populärsten Verfilmungen seiner Dramen: A Streetcar Named Desire (Reg. Elia Kazan, Warner Brothers, 1951) und Cat on a Hot Tin Roof (Reg. Richard Brooks, MGM, 1958).
Inhaltsverzeichnis
I Allgemeine Vorbemerkungen
1. Fragestellung und Zielsetzung
2. Struktur der Arbeit
II Dramenverfilmung im Vergleich: Tennessee Williams’ A Streetcar Named Desire und Cat on a Hot Tin Roof
1. Literatur und Film
1.1 Das Verhältnis von Literatur und Film
1.2 Die Literaturverfilmung
1.2.1 Die Romanverfilmung
1.2.1.1 Erzählsituation
1.2.1.2 Deskriptives Potential
1.2.1.3 Raum und Zeit
1.2.2 Die Dramenverfilmung
1.2.2.1 Erzählsituation
1.2.2.2 Deskriptives Potential
1.2.2.3 Raum und Zeit
1.2.2.4 Stil der Darstellung
1.2.3 Ergebnisse der Untersuchung
2. Elia Kazans A Streetcar Named Desire
2.1 Schlüsselpositionen der Produktion
2.1.1 Elia Kazan und Tennessee Williams
2.1.2 Besetzung
2.2 Aufbau und Struktur
2.2.1 Gestaltung der Zeit
2.2.2 Gestaltung des Raums
2.2.3 Handlung
2.2.3.1 Darstellung der Handlung
2.2.3.2 Einfluss der Zensur
2.3 Sprachliche und außersprachliche Elemente
2.3.1 Figurenrede
2.3.2 Musik
2.3.3 Licht und Schatten
2.4 Ergebnisse der Untersuchung
3. Richard Brooks’ Cat on a Hot Tin Roof
3.1 Schlüsselpositionen der Produktion
3.1.1 Richard Brooks und James Poe
3.1.2 Besetzung
3.2 Aufbau und Struktur
3.2.1 Gestaltung der Zeit
3.2.2 Gestaltung des Raums
3.2.3 Handlung
3.2.3.1 Darstellung der Handlung
3.2.3.2 Einfluss der Zensur
3.2.3.3 Zensurunabhängige Änderungen
3.3 Sprachliche und außersprachliche Elemente
3.3.1 Figurenrede
3.3.2 Musik
3.4 Ergebnisse der Untersuchung
III Schluss
1. Vergleich des Umgangs mit medienbedingten Unterschieden zwischen Drama und Film
2. Vergleich der medienunabhängigen Handlungsveränderungen
3. Abschließende Bewertung
4. Ausblick auf weiterführende Forschungsgegenstände
IV Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, warum die Verfilmung von Tennessee Williams' "A Streetcar Named Desire" durch Elia Kazan von Autor und Kritik weitaus positiver bewertet wird als Richard Brooks' Adaption von "Cat on a Hot Tin Roof". Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Regisseure die medienbedingten Herausforderungen bei der Umsetzung dramatischer Texte in das audio-visuelle Medium Film bewältigt haben.
- Vergleich der medialen Bedingungen von Drama und Film
- Analyse der Werktreue in der filmischen Umsetzung
- Einfluss der Zensur auf die narrative Gestaltung
- Rolle von Besetzung und Regie bei der Charakterdarstellung
- Verwendung von Symbolik (Musik, Licht, Raum) im Filmkontext
Auszug aus dem Buch
Die Literaturverfilmung
Es gibt viele Gründe für die Verfilmung von Literatur. Einerseits besteht natürlich das Bestreben des künstlerisch ambitionierten Filmemachers, bereits vorhandenen, hochwertigen literarischen Stoff in einen ebenso hochwertigen Film zu transferieren. Somit würde man das Gedankengut eines brillanten Literaten und dessen künstlerisches Charakteristikum in einem anderen Medium erfahrbar machen. Zwangsläufig würde man mit einer Literaturverfilmung eine weitaus größere Rezipientenzahl erreichen als es das Medium Buch vermag, denn, wie Alfred Estermann bemerkt, „Filme sind für alle Menschen gedacht. Eine Verfilmung muss darum in der Vermassung der Literatur enden“.
Diese, aus ästhetischer Sicht, negative Feststellung führt automatisch zu einem weiteren Reiz der Verfilmung von Literatur: wirtschaftlicher Erfolg. Ein preisgekröntes literarisches Werk würde, so die Vermutung der Filmbranche, mindestens ebensoviel Erfolg auf der Leinwand haben und somit Millionengewinne in die Taschen der Filmwirtschaft fließen lassen. Doch wer kommerziellen Erfolg will, muss sein Werk auch für die breite Masse verständlich machen. Daher folgert André Bazin: „Das Problem der Adaption ist das der Popularisierung“.
Ein dritter, nicht zu leugnender Aspekt der Vorteile einer Literaturverfilmung begründet sich dadurch, dass Filmemacher stetig auf der Suche nach geeigneten Drehbüchern sind. Es liegt auf der Hand, dass es einfacher ist in dem jahrhundertealten Fundus der Literatur nach verfilmbarem Material zu suchen, als mühsam selbst neue Geschichten zu erfinden. Doch genau hier liegt die Problematik der Literaturverfilmung. Trotz der zuvor geschilderten charakteristischen Gemeinsamkeiten in Bezug auf Narrativität und Zeit handelt es sich bei Film und Literatur immer noch um zwei unterschiedliche Medien. Es muss also ein Weg gefunden werden das literarische Material von der einen Kunstform in die andere zu übertragen, von einem nichttechnisierten Medium in eines, das von der Technik höchst abhängig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I Allgemeine Vorbemerkungen: Einleitung in die Thematik der Dramenverfilmung bei Tennessee Williams sowie Definition der Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit.
II Dramenverfilmung im Vergleich: Tennessee Williams’ A Streetcar Named Desire und Cat on a Hot Tin Roof: Theoretische Analyse des Verhältnisses von Literatur und Film, gefolgt von der detaillierten Untersuchung der beiden Filmproduktionen in Bezug auf Produktion, Struktur, Handlung und Symbolik.
III Schluss: Synthese der Untersuchungsergebnisse und abschließende Bewertung der unterschiedlichen Erfolge der Regisseure bei der Übertragung der Dramenvorlagen.
IV Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Tennessee Williams, Literaturverfilmung, Elia Kazan, Richard Brooks, A Streetcar Named Desire, Cat on a Hot Tin Roof, Dramenadaption, Werktreue, Filmgeschichte, Zensur, Symbolik, Medienvergleich, Narration, Regie, Charakterdarstellung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Magisterarbeit untersucht und vergleicht die filmischen Adaptionen der Dramen "A Streetcar Named Desire" und "Cat on a Hot Tin Roof" von Tennessee Williams.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen das Verhältnis zwischen literarischer Vorlage und filmischer Umsetzung, die medienbedingten Anforderungen an die Regisseure sowie der Einfluss externer Faktoren wie der Zensur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach den Gründen für die unterschiedliche Wertschätzung der beiden Verfilmungen: Warum wird Kazans Arbeit als gelungener und werkgetreuer angesehen als die von Brooks?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und medienwissenschaftliche Vergleichsanalyse, die Aspekte wie Regieentscheidungen, Drehbuchentwicklung, Zensurvorgaben und filmästhetische Gestaltungsmittel einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Literaturverfilmung und eine praktische Analyse der beiden spezifischen Filme, unterteilt in Schlüsselpositionen der Produktion, Aufbau/Struktur sowie sprachliche/außersprachliche Elemente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf Begrifflichkeiten wie Werktreue, Medienvergleich, Dramenverfilmung, Regieinterpretation, Zensurbestimmungen und die filmische Gestaltung von Raum, Zeit und Symbolik.
Inwiefern hat die Zensur den Film "Cat on a Hot Tin Roof" geprägt?
Die Zensur erzwang die weitgehende Streichung des zentralen Motivs der Homosexualität, was Regisseur Brooks zu inhaltlichen Änderungen zwang, die laut Autor Williams den Kern des Stücks verfehlten.
Warum schneidet Kazans "A Streetcar Named Desire" im Vergleich besser ab?
Kazan gelang es laut der Untersuchung besser, die Essenz des Dramas trotz Zensurvorgaben zu wahren, indem er Symbolik geschickt nutzte, anstatt zentrale inhaltliche Motive durch triviale "Happy Ends" zu ersetzen.
- Quote paper
- Nikolaus Wildenauer (Author), 2004, Dramenverfilmung im Vergleich: Tennessee Williams' A Streetcar Named Desire und Cat on a Hot Tin Roof, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33751