Sonia Seymour Mikich ist eine renommierte Journalistin des deutschen Fernsehens. Die 1951 in England geborene und in Deutschland ausgebildete Reporterin beendete 1979 ihr Studium in Politologie, Soziologie und Philosophie mit einem Magisterabschluss. 1982 arbeitete sie als Volontärin beim „Westdeutschen Rundfunk“, wo sie seit 1984 auch als Moderatorin, Reporterin und Redakteurin eingesetzt wurde. Ab 1992 übernahm Sonia Mikich einige Auslandskorrespondenzen, zum Beispiel in Moskau und Paris, bei denen sie oftmals aus Krisengebieten berichtete und dadurch 1998 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. 1998 bis 2002 leitete sie die ARD-Studios in Paris, bevor sie 2002 die Redaktionsleitung der Sendung „Monitor“ übernahm. In dieser Sendung werden gesellschaftliche Themen kritisch hinterfragt.
Als Sonia Mikich schließlich im Sommer 2011 wegen anhaltender Bauchschmerzen ins Krankenhaus eingewiesen wurde, begann für sie eine erschreckende Reise durch einen Irrgarten voller Fremdwörter, Diagnosen, Komplikationen, Schmerzen und vor allem Fragen. Nach einigen Untersuchungen vermuteten die Ärzte Darmkrebs, welcher operiert werden sollte. Es folgten weitere Operationen, einige Komplikationen und Untersuchungen sowie unbefriedigende Gespräche mit medizinischem Personal, was nach und nach zum Verfall ihrer Motivation und der Genesungshoffnung beitrug. Diese einschneidenden Erfahrungen hat sie in ihrem Buch „Enteignet – Warum uns der Medizinbetrieb krank macht“ festgehalten.
In Diesem Buch stellte sie mit Hilfe von Ursel Sieber, Autorin und Journalistin der ARD-Politmagazine „Monitor“ und „Kontraste“ sowie dem ARD-Autor Jan Schmitt, mehr als nur die Eindrücke einer Patientin vom Krankenhausalltag dar. Diese schonungslose Darstellung eines so mächtigen Systems erntete viel Zuspruch. Ich als Gesundheit- und Krankenpfleger, als Teil dieses Systems, war an diesem Buch sehr interessiert. Es fesselte mich inhaltlich, ermöglichte mir neue, interessante Blickwinkel auf meinen Arbeitsalltag und erweiterte mein Verständnis für die Maschinerie Krankenhaus. Da Pflege ein großer Teil der Patientenbehandlung und des Gesundheitssystems ist, wird natürlich auch diese Thematik in ihrem Buch oftmals kritisch betrachtet. Dieses Bild der Pflege möchte ich auf den folgenden Seiten darstellen und mit Textzitaten des Buches belegen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Pflege aus verschiedenen Blickwinkeln
Darstellung der Pflege aus Patientensicht
Das Bild der Pflege aus der Sicht anderer Berufsgruppen des Gesundheitssystems
Pflege über Pflege – die berufsinterne Selbstdarstellung
Ein Fazit unter Berücksichtigung eigener Erfahrungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Buches „Enteignet – Warum uns der Medizinbetrieb krank macht“ von Sonia Seymour Mikich das gesellschaftliche Bild der professionellen Pflege. Ziel ist es, durch eine qualitative Auswertung der im Buch enthaltenen Berichte und Meinungen aufzuzeigen, wie Pflegekräfte in verschiedenen klinischen Situationen wahrgenommen werden und welchen Einfluss Zeitdruck, Personalmangel und Organisationsstrukturen auf das pflegerische Selbst- und Fremdbild haben.
- Wahrnehmung der Pflege aus Sicht von Patienten und Angehörigen
- Perspektiven anderer Berufsgruppen im Gesundheitswesen auf die Pflege
- Die berufsinterne Sichtweise und Selbstdarstellung der Pflegekräfte
- Der Einfluss von Arbeitsverdichtung und Zeitmangel auf die Pflegequalität
- Kompetenzgrenzen und das Phänomen des eigenmächtigen Handelns in der Pflege
Auszug aus dem Buch
Darstellung der Pflege aus Patientensicht
In Sonia Mikichs Buch sind häufiger Bemerkungen von Patienten eingebaut, die über ihren Krankenhausaufenthalt berichten. Dabei gibt es natürlich auch Schnittstellen mit dem pflegerischen Personal, welche teilweise nachfolgend aufgeführt werden.
Im Allgemeinen ist zu sagen, dass das Pflegepersonal oftmals als Ansprechpartner wahrgenommen wird, ob es um medizinische, pflegerische oder logistische Belange geht, ist dabei nicht von Belangen. So beschrieb Sonia Mikich aus ihrem eigenen Krankenhausaufenthalt, als sie frühzeitig aus dem Wochenendausgang wieder ins Krankenhaus kam, weil sich ihr Zustand verschlechterte, beispielsweise: „Eine einsame Schwester wird von meinem Mann bedrängt, doch schnell einen Arzt zu rufen“ (S.20). Dies liegt wahrscheinlich daran, dass die Schwestern und Pfleger als nahbarer wahrgenommen werden, als z.B. das ärztliche Personal. Möglicherweise auch deshalb, weil man mit Pflegenden in ganz anderen Situationen im Krankenhausalltag aufeinander trifft, wie z.B. bei der Körperpflege, wo Schamgrenzen überwunden werden müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Autorin Sonia Seymour Mikich, des Buches „Enteignet“ und der Zielsetzung der Hausarbeit unter Berücksichtigung der persönlichen Motivation des Autors.
Pflege aus verschiedenen Blickwinkeln: Analyse der unterschiedlichen Wahrnehmungen von Pflege durch Patienten, Kollegen anderer Berufsgruppen und die Pflegenden selbst, unter Einbeziehung zentraler Herausforderungen wie Personalmangel und Arbeitsverdichtung.
Darstellung der Pflege aus Patientensicht: Untersuchung der Rolle der Pflege als enger Vertrauter und Verbündeter des Patienten sowie der Problematik mangelnder Empathie und Kommunikation im Klinikalltag.
Das Bild der Pflege aus der Sicht anderer Berufsgruppen des Gesundheitssystems: Erörterung der unterschiedlichen Einschätzungen durch Ärzte und Experten, die Pflege teils als hochspezialisiert, teils als universelles, aber unter Druck stehendes Funktionselement sehen.
Pflege über Pflege – die berufsinterne Selbstdarstellung: Reflektion über das Selbstverständnis des Pflegepersonals, das trotz hoher Arbeitsbelastung und Dokumentationspflicht versucht, das Patientenwohl in den Mittelpunkt zu stellen.
Ein Fazit unter Berücksichtigung eigener Erfahrungen: Zusammenfassende Bewertung der im Buch beschriebenen Zustände im Vergleich zur eigenen beruflichen Praxis und Überlegungen zur Zukunft des Pflegeberufs.
Schlüsselwörter
Pflege, Enteignet, Patientenperspektive, Krankenhausalltag, Arbeitsverdichtung, Zeitmangel, Professionalität, Sozialkompetenz, Personalunterbesetzung, Dokumentationspflicht, Pflegekompetenz, Interdisziplinarität, Patientenwohl, Berufsbild, Gesundheitssystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das gesellschaftliche Bild der professionellen Pflege anhand des Buches „Enteignet“ von Sonia Seymour Mikich, um aktuelle Herausforderungen in der stationären Versorgung aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Patientenbild der Pflege, die Einschätzung durch andere Berufsgruppen, die interne Sicht der Pflegenden sowie die Auswirkungen von Ressourcenknappheit auf die Qualität der Pflege.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem hohen Anspruch an die Pflegequalität und den realen Arbeitsbedingungen im Krankenhaus darzustellen und zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem Literaturstudium, bei dem qualitative Aussagen aus dem Buch „Enteignet“ extrahiert und mit pflegewissenschaftlichen Aspekten diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Fremdwahrnehmung durch Patienten und andere Berufsgruppen sowie die Selbstdarstellung der Pflegenden unter Berücksichtigung von Stressfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Pflege, Patientenwohl, Arbeitsverdichtung, Krankenhausalltag, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Berufsbild.
Warum spielt die Dokumentation in der Arbeit eine so große Rolle?
Die Arbeit thematisiert Dokumentation als kritischen Faktor, da sie von den Pflegenden zunehmend als Last und Barriere für die direkte Zuwendung am Patienten wahrgenommen wird.
Wie gehen Pflegekräfte laut Buch mit Kompetenzüberschreitungen um?
Pflegende greifen laut Buch in Notsituationen manchmal eigenmächtig ein, um Patientenleid zu verhindern, wenn Ärzte aufgrund von Zeitmangel nicht rechtzeitig verfügbar sind.
- Citation du texte
- Andre Günther (Auteur), 2014, Beschreibung des gesellschaftlichen Bildes von beruflicher Pflege anhand von "Enteignet – Warum uns der Medizinbetrieb krank macht", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337543