Einflüsse der englischen Migranten auf die Gesellschaft (Nord-) Amerikas am Beispiel der Puritaner


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
25 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung „Puritanismus“

3. Die Phasen des Puritanismus
3.1 Puritanismus in Neuengland

4. Eigenschaften der Puritaner
4.1 Religiöse Ansichten
4.2 Moralische Werte
4.3 Staat und Gesellschaft

5. Einflüsse auf die Gesellschaft (Nord-) Amerikas

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Globale Migration“ liegt der Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf der englischen Migration nach Amerika, die im 17. Jahrhundert ihren Ursprung hatte. Dabei soll die Gruppe der Puritaner beispielhaft herausgegriffen und deren Einfluss auf Staat und Gesellschaft Nordamerikas beschrieben werden. Die Puritaner gehörten zu den ersten Einwanderern, die gezwungen waren ihre Heimat aus religiösen und politischen Gründen zu verlassen und nach Amerika auszuwandern.

Ich werde in meiner Arbeit der Frage nachgehen, wie die Puritaner die Gesellschaft durch ihre Einwanderung beeinflusst und bis heute geprägt haben. Zuerst werde ich mich mit dem Begriff der Puritaner genauer beschäftigen, indem ich zuerst einige Definitionen differenziere, an der sich meine weiteren Untersuchungen orientieren werden.

Im Folgenden werde ich einen kurzen historischen Überblick zur Geschichte der Puritaner geben, um den zeitlichen Rahmen einzugrenzen und die geschichtlichen Hintergründe darzulegen. Anschließend werde ich die Gruppe der Puritaner ausführlicher betrachten und dabei auf religiöse Ansichten, moralische Werte sowie Staat und Gesellschaft näher eingehen.

Zum Abschluss werde ich die Einflüsse, die die Puritaner bis heute auf die amerikanische Gesellschaft ausüben, aufzeigen und zu einem abschließenden Fazit gelangen.

Ich werde mich in meiner Hausarbeit hauptsächlich mit den Ansätzen von John Adair und Francis J. Bremer beschäftigen, die meiner Meinung nach zu den zentralen Werken bei der Auseinandersetzung mit dieser Thematik zählen. Meine Ergebnisse stützen sich zudem auf die Werke von Nicholas Canny/ Philip Morgan, Patrick Manning/ Tiffany Trimmer, Roger Daniels und Bernard Bailyn, die ich bereits in meinem Referat über die Migration nach Nordamerika verwendet habe.

2. Begriffserklärung „Puritanismus“

Bis heute ist sich die Forschung uneins über die Verwendung der Begriffs „Puritanismus“. Mit dem Begriff wird der anfängliche, noch unsystematische religiöse Widerstand gegen die Elizabethanische Religion beschrieben.[1] Ralph Barton Perry definiert den Puritanismus als ein religiöses Reformstreben, „eine ,Reinigung' der in einem gewachsenen kirchlichen System sich vollziehenden religiösen Äußerung“.[2]

Der Begriff „Puritanismus“ wurde ursprünglich als Schimpfwort gebraucht und bezeichnete die als übereifrig erachteten Protestanten. Im dritten Jahrhundert hatte eine dubiose Sekte diesen Namen benutzt und stieß deshalb bei den Puritanern auf Gegenwehr.[3] Trotz des Widerstandes der als Puritaner titulierten, die sich selbst „die Frommen (godly)“ nannten, setze sich der Name durch.[4] Die Strömung der Puritaner tauchte erstmals in den sechziger Jahren des 16. Jahrhunderts im frühen Elizabethanischen England auf, „nachdem mit dem Regierungsantritt der Königin Elizabeth 1558 der Sieg der Reformation entschieden war.“[5] Waren die Protestanten unter der katholischen Königin Mary Tudor (1553-1558) noch erbittert verfolgt worden, so sollte sich dies unter ihrer Halbschwester Königin Elizabeth Tudor grundlegend ändern.[6] Ziel der neuen Königin war es die Menschen des Landes zu vereinen. Sie wollte mittels neuer Gesetze den unterdrückten Protestantismus wiederherstellen. Viele Protestanten kehrten daraufhin aus dem Exil zurück, in das sie während der Regierungszeit Mary Tudors fliehen mussten. Jedoch kritisierten sie die immer noch überwiegend am Katholizismus orientierte Kirchenordnung, die sich beispielsweise durch die mittelalterlichen Gewänder und Kreuzzeichen abzeichnete.[7]

Nach dem Tod Elizabeths folgten James I. und danach sein Sohn Charles I. auf den Thron. Beide verabscheuten die Religion der Puritaner und drohten mit der Ausweisung aus England. Daraufhin verließen viele ihre Heimat, um ihr Glück in der Neuen Welt zu suchen. Viele Puritaner wurden hingerichtet, weil sie sich strikt weigerten am anglikanischen Gottesdienst teilzunehmen und im Geheimen ihre eigenen Gottesdienste abhielten. Unter Charles I. waren die Fronten noch feindlicher als zuvor unter seinem Vater und die Puritaner entfernten sich immer mehr von der Anglikanischen Kirche. Charles I. ließ vermehrt puritanische Geistliche aus ihrem Amt entheben und bestrafte übereifrige puritanische Laien mit harten Strafen.[8]

Als ihre Ziele werden die weitgehende Ausmerzung der katholischen Überreste aus der Gottesverehrung sowie die Abwendung der Anglikanischen Kirche von den Einflüssen der katholischen Kirche betrachtet.[9] Somit wurden alle Geistlichen und Laien als Puritaner bezeichnet, die die Kirche Englands zwischen 1570 und 1640 zu reformieren versuchten.[10]

William Haller beschreibt in seinem Werk The rise of puritanism ausführlich die zentrale Rolle des Berufungsglaubens in der puritanischen Theologie. Die Puritaner sahen aufgrund der vorherrschenden Religionsordung in England keine Möglichkeit ihre Religion zu entfalten. Sie wollten ihre besonders starke Betonung der Berufung zum Ausdruck bringen und anderen ihre Auserwähltheit bewusst machen. Um für den wahren Glauben zu wirken und den religiösen Widerstand aufrechtzuerhalten, wurde dem englischen Puritanismus ein hoher Grad an innerlicher Festigung verliehen. William Haller formuliert dies mit den Worten „Election-vocation-justification-sanctification-glorification was more than an abstract formula. It became the pattern of the most profound experience of men through many generations.“[11]

Die Bewegung der Puritaner wuchs durch die heftige politische Unterdrückung von außen in den Folgejahren im Inneren immer mehr an.[12] Dabei konnte sich der puritanische Widerstand im Kampf gegen die Staatskirche auf anerkannte Reformatoren wie Bullinger und Bucer berufen. Der Puritanismus ist nach Haller jedoch „als die englische Ausformung der calvinistischen Reformation“ zu betrachten.[13] Dogmatisch betrachtet ist der Puritanismus dem englisch-reformatorischen Protestantismus zuzuordnen, da er die Theologie Calvins mit früher gelegten Grundlagen verbindet. Die klassischen Themen wie beispielsweise die Souveränität Gottes, die Sündhaftigkeit des Menschen, das Sühneopfer sowie die begrenzte Anzahl der Erwählten spielen ebenso im Puritanismus eine zentrale Rolle.[14]

3. Die Phasen des Puritanismus

Am Anfang stand der Elizabethanische Puritanismus (1565-1640), der, wie der Name bereits andeutet, die Amtszeit von Elizabeth I. (1558-1603) betrifft. Die Puritaner widersetzten sich zur damaligen Zeit der Einführung einheitlicher Priesterkleidung und Zeremonien.[15] Sie waren unzufrieden und sehnten sich nach einer Reformierung hinsichtlich Leitung, Gottesdienst, Lehre und Lebensführung. Trotz allem blieb die Mehrheit der Puritanern bis zum Jahre 1640 der Anglikanischen Staatskirche treu.[16]

Den Wendepunkt in der Geschichte der Puritaner stellte die Unterdrückung der Presbyterianer[17] und der Separatisten[18] in den 90er Jahren des 16. Jahrhunderts dar. Nach dem Scheitern der Puritaner die Anglikanische Kirche zu reformieren, konzentrierten sich diese von nun an auf die Predigertätigkeiten unter dem englischen Volk. Sie wollten durch eine Reform der Lebensführung, fromme Predigten, strenges Halten der Sonntagsruhe, Armenfürsorge und Krankenhäuser eine gesellschaftliche Veränderung erreichen. Dadurch machten englische Puritaner im protestantischen Europa auf sich aufmerksam und arbeiteten eng mit calvinistisch geprägten Bischöfen zusammen.[19]

Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges und der Thronbesteigung Charles I. im Jahre 1625 fand das Goldene Zeitalter des englischen Puritanismus ein jähes Ende. Charles I. unterstütze die hochkirchlich orientierten Arminianer[20] und begann die Macht der Puritaner zu verlagern.[21] Seit den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts setzten sich die Puritaner massiv gegen die Arminianer zur Wehr, daraufhin ließ Charles I. die englischen Puritaner brutal verfolgen. In den 30er Jahren wanderten daher Tausende Puritaner in die Niederlande, in die Karibik, nach Irland und Neuengland[22] aus.[23] Dort versuchten sie die Grundsätze zu verwirklichen, die in England gescheitert waren.[24] Die Siedler begannen eine auf puritanischen Vorstellungen abzielende Gesellschaft aufzubauen und Gesetze zu verabschieden, die zur Teilnahme an Gottesdiensten verpflichtete sowie Ehebruch und Trunkenheit verbot. Mitglieder einer solchen amerikanisch-puritanischen Kirche konnten nur diejenigen werden, die sich als „Visible Godly“, also ein aufrechtes und frommes Leben führend, bezeichneten.[25]

Die Puritanische Revolution wurde im Jahre 1640 mit einem erneuten Versuch Kirche und Nation zu reformieren, eingeläutet. Durch finanzielle Gründe war Charles I. gezwungen 1640 das Parlament wieder einzuberufen. Mit dem Ausbruch des englischen Bürgerkrieges im Jahre 1642 kam es zu einer Unterstützung des Parlaments seitens der Puritaner. Allerdings standen hier nicht alle protestantischen Parteien auf Seiten des Parlaments. Mit dem Sieg des Parlaments im Jahre 1646 endete der Bürgerkrieg und spaltete die Puritaner in zwei Gruppen.[26]

England erlebte die Herrschaft der Puritaner unter Oliver Cromwell, der entscheidende Siege über irische Katholiken und schottische Covenanters[27] errang. Im Dezember 1653 wurde Cromwell zum Lordprotektor von England, diese Stellung behielt er bis zu seinem Tod im Jahre 1658. Gelang ihm doch die Reformation der Kirche, so glücklos blieb Cromwell bei dem Versuch England in zwölf Verwaltungsbezirke aufzuteilen (1655/56). Dies zeigte die tiefe und weit verbreitete Feindschaft gegen die strengen Sitten der Puritaner. Trotz ihres Triumphs blieben die Puritaner und die Pilgrim Fathers auch zu dieser Zeit nur eine Minderheit.[28]

Die Restaurationsphase, die die Wiedererrichtung der Englischen Kirche auf anglikanischer Grundlage beabsichtigte, fand in den Jahren von 1660 bis 1685 statt.[29] Zu Beginn der 60er Jahre mussten die Puritaner mit der Wiederherstellung der Monarchie in ganz England einen schweren Rückschlag hinnehmen.[30] Diese politischen Umstände zerstörten den Zusammenhalt des Puritanismus und es wurde sich fortan um einen mittleren Weg zwischen Calvinismus und Arminianismus bemüht.[31]

Da sich die Puritaner weigerten das neue Gebetsbuch zu übernehmen, kam es zum Ausschluss von fast 2000 puritanischen Geistlichen aus der Anglikanischen Kirche sowie zu Verfolgungen während des darauffolgenden Vierteljahrhunderts. Tausende wurden wegen Nonkonformismus[32] inhaftiert, Hunderte starben. Trotz allem erwies die Restauration die „Widerstandsfähigkeit des Puritanismus“, in deren Zeitraum die Puritaner Klassiker der dramatischen Literatur und Theologie hervorbrachten.[33] Damit wurde eine immer umfassendere Verinnerlichung protestantischer Moral und protestantisch religiöser und kultureller Wertvorstellungen zum Ausdruck gebracht. Diese fortschreitende Verinnerlichung des Protestantismus trug einen großen Teil zum Aufstieg des Puritanismus bei.[34]

3.1 Puritanismus in Neuengland

[...]


[1] Meenken, Immo: Reformation und Demokratie. Zum politischen Gehalt protestantischer Theologie in England 1570-1660. Stuttgart 1996, S. 21.

[2] Perry, Ralph Barton: Amerikanische Ideale. Puritanismus und Demokratie. Bd. 1. Nürnberg 1947 z. n. Meenken 1996, S. 22.

[3] Adair, John: Founding Fathers. The Puritans in England and America. London 1982, S. 118.

[4] Cohen, Charles L.: Puritaner/Puritanismus. In: Betz, Dieter et.al. (Hgg.): Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Bd. 6. Tübingen 2003, Sp. 1831-1832; Bremer, Francis J.: Puritanism. A Very Short Introduction. New York 2009, S. 2.

[5] Ebd., Sp. 1831-1832; Schücking, Levin L.: Die Familie im Puritanismus. Studien über Familie und Literatur in England im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Leipzig, Berlin 1929, S. V.

[6] Adair 1982, S. 75.

[7] Ebd., S. 83-85.

[8] Bremer 2009, S. 12-14.

[9] Schücking 1929, S. V.

[10] Cohen 2003, Sp. 1832.

[11] Haller, William: The rise of puritanism. Or, the way to the new Jerusalem as set forth in pulpit and press from Thomas Cartwright to John Lilburne and John Milton, 1570-1643. Philadelphia 1984, S. 93.

[12] Schücking 1929, S. V.

[13] Haller 1984 z. n. Meenken 1996, S. 24-25.

[14] Cohen 2003, Sp. 1832.

[15] Ward, W. R: Puritaner. In: Fahlbusch, Erwin et.al (Hgg.): Evangelisches Kirchenlexikon. Internationale theologische Enzyklopädie. Bd. 3. Göttingen 1992, Sp. 1405-1406.

[16] Cohen 2003, Sp. 1833.

[17] Angehörige protestantischer Kirchen mit Presbyterialverfassung.

[18] Angehörige streben nach Separation, wollen einen separaten Staat gründen.

[19] Cohen 2003, Sp. 1834.

[20] Angehörige des reformierten Protestantismus.

[21] Ward 1992, Sp. 1407.

[22] Gebiet im Nordosten der USA, dass die Bundesstaaten New Hampshire, Connecticut, Massachusetts, Rhode Island, Maine und Vermont umfasst

[23] Cohen 2003, Sp. 1834.

[24] Collinson, Patrick: Puritanismus I. In: Müller, Gerhard (Hg.): Theologische Realenzyklopädie. Bd. 18. Berlin u.a. 1997, S. 19.

[25] O´Callaghan, Bryn: An Illustrated History of the USA. Harlow 1997, S. 18.

[26] Cohen 2003, Sp. 1834.

[27] Angehörige des Presbyterianismus.

[28] Cohen 2003, Sp. 1835; Daniels, Roger: Coming to America. A history of immigration and ethnicity in American life. New York 2002, S. 43.

[29] Ward 1992, Sp. 1408.

[30] Cohen 2003, Sp. 1835-1836.

[31] Ward 1992, Sp. 1405.

[32] Individualistische Haltung in politischen, weltanschaulichen, religiösen und sozialen Fragen.

[33] Cohen 2003, Sp. 1835-1836.

[34] Collinson 1997, S. 19-20.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Einflüsse der englischen Migranten auf die Gesellschaft (Nord-) Amerikas am Beispiel der Puritaner
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V337560
ISBN (eBook)
9783668267992
ISBN (Buch)
9783668268005
Dateigröße
564 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einflüsse, migranten, gesellschaft, nord-, amerikas, beispiel, puritaner
Arbeit zitieren
Julia Wagner (Autor), 2015, Einflüsse der englischen Migranten auf die Gesellschaft (Nord-) Amerikas am Beispiel der Puritaner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337560

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