In der vorliegenden Arbeit sollen Gedichte von zwei großen deutschsprachigen Autoren des 17. Jahrhunderts miteinander verglichen werden. Andreas Gryphius‘„Vber die Geburt Jesu“ und Friedrich Spees „Der Wind auff laeren strassen“ haben einen ähnlichen Umfang und das gleiche Thema, nämlich die Geburt Jesu, zum Gegenstand. In Darstellungsweise, Stil und Wirkabsicht könnten die beiden Texte jedoch unterschiedlicher kaum sein.
Während der evangelische Laie Gryphius in einem feierlichen Sonett hymnenhaft die heilsgeschichtliche Bedeutung der Geburt Jesu als zentrales Ereignis der Menschheitsgeschichte hervorhebt und dogmatisch erläutert, führt der katholische Theologe und Jesuitenpater Spee dem Leser im genus humile die Krippenszene vor die Sinne, weckt beim Rezipienten Mitleid für den schutzbedürftigen Neugeborenen und lädt den Leser ein, seine Liebe zu Jesus performativ zu vollziehen.
Nach einigen knappen Anmerkungen zu den poetologischen Grundlagen barocker Gelehrtendichtung sollen zunächst Gryphius‘ Sonett, dann Spees strophisches Gedicht hinsichtlich ihrer inventio und dispositionellen Struktur untersucht und interpretiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I.
II.
III. Vber die Geburt Jesu
IV. Ein kurtzes Poetisch Christgesang, vom Ochs, vnd Eselein bey der Krippen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Weihnachtslyrik von Andreas Gryphius und Friedrich Spee hinsichtlich ihrer Darstellungsweise, stilistischen Mittel und Wirkabsichten, um die unterschiedlichen poetologischen Ansätze im 17. Jahrhundert aufzuzeigen.
- Vergleich der barocken Gedichte „Vber die Geburt Jesu“ und „Der Wind auff laeren strassen“
- Analyse der rhetorischen Grundlagen und des Regelwerks von Martin Opitz
- Untersuchung der allegorischen Darstellung der Nacht bei Gryphius
- Erläuterung der jesuitischen Andachtstechnik (applicatio sensuum) bei Spee
- Gegenüberstellung von divinitas und humanitas in der christologischen Motivik
Auszug aus dem Buch
III. Vber die Geburt Jesu
NAcht / mehr denn lichte Nacht! Nacht / lichter als der Tag / Nacht / heller als die Sonn' / in der das Licht geboren / Das Gott / der Licht / in Licht wohnhafftig / ihm erkohren: O Nacht / die alle Nächt' und Tage trotzen mag!
O freudenreiche Nacht / in welcher Ach und Klag / Vnd Finsternüß / und was sich auff die Welt verschworen Vnd Furcht und Höllen-Angst und Schrecken war verlohren. Der Himmel bricht! doch fällt numehr kein Donnerschlag.
Der Zeit und Nächte schuff / ist dise Nacht ankommen! Vnd hat das Recht der Zeit / und Fleisch an sich genommen! Vnd unser Fleisch und Zeit der Ewikeit vermacht.
Der Jammer trübe Nacht / die schwartze Nacht der Sünden Des Grabes Dunckelheit muß durch die Nacht verschwinden. Nacht lichter als der Tag! Nacht mehr denn lichte Nacht!
Zusammenfassung der Kapitel
I.: Diese Einleitung skizziert den geplanten Vergleich zwischen den Gedichten von Gryphius und Spee und benennt die grundlegenden Unterschiede in Stil und Zielsetzung.
II.: Dieses Kapitel beleuchtet die rhetorischen Rahmenbedingungen des 17. Jahrhunderts, insbesondere den Einfluss der Regelpoetik von Martin Opitz auf die zeitgenössische Dichtung.
III. Vber die Geburt Jesu: Hier erfolgt eine detaillierte Interpretation des Sonetts von Gryphius unter besonderer Berücksichtigung der allegorischen Bedeutung von Licht und Nacht.
IV. Ein kurtzes Poetisch Christgesang, vom Ochs, vnd Eselein bey der Krippen: Dieses Kapitel analysiert Spees Gedicht und zeigt auf, wie durch jesuitische Andachtstechniken Mitleid geweckt und der Leser in das Geschehen eingebunden wird.
Schlüsselwörter
Barock, Lyrik, Andreas Gryphius, Friedrich Spee, Weihnachtslyrik, Rhetorik, Martin Opitz, Allegorese, Jesuitische Andacht, Applicatio sensuum, Geburt Jesu, Inventio, Dispositio, Elocutio, Genus humile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht zwei bedeutende Weihnachtsgedichte des 17. Jahrhunderts von Andreas Gryphius und Friedrich Spee.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die poetologischen Grundlagen des Barock, die rhetorische Gestaltung der Texte sowie die unterschiedliche religiöse Vermittlung des Weihnachtsereignisses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie bei ähnlichem Thema und Umfang durch unterschiedliche Stile (hymnenhaft bei Gryphius, genus humile bei Spee) verschiedene Wirkabsichten erzielt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt Methoden der literaturwissenschaftlichen Gedichtanalyse, basierend auf Inventio, Dispositio und Elocutio, eingebettet in einen historisch-poetologischen Kontext.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Barockrhetorik sowie die detaillierte Interpretation der beiden Gedichte unter Einbeziehung theologischer und hermeneutischer Kontexte.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind die barocke Regelpoetik, das allegorische Verständnis der Natur, die Jesuiten-Andachtstechnik der Anwendung der Sinne und die christologische Motivik.
Wie unterscheidet sich die Darstellung Jesu bei Gryphius von der bei Spee?
Gryphius betont die göttliche Natur (divinitas) und Heilsbedeutung Jesu, während Spee dessen Menschsein (humanitas), Verletzlichkeit und Bedürftigkeit in den Fokus rückt.
Welche Rolle spielen die Stalltiere in Spees Gedicht?
Spee nutzt die Stalltiere, um den Leser durch die Vorstellung eines "süßen Atems" aktiv in die Krippenszene einzubinden, was als jesuitische Andachtstechnik interpretiert wird.
- Citation du texte
- Stefan Lippert (Auteur), 2014, Barocke Weihnachtslyrik. "Vber die Geburt Jesu" von Andreas Gryphius und "Der Wind auff laeren strassen" von Friedrich Spee, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337566