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Nepotismus unter Alexander VI. Zur Familienpolitik der Borgia-Dynastie

Title: Nepotismus unter Alexander VI. Zur Familienpolitik der Borgia-Dynastie

Term Paper , 2015 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Fabio Freund (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Welchen Anlass gaben die beiden Borgia-Päpste Calixtus III und Alexander VI ihren Zeitgenossen, das Andenken an sie in beträchtlichem Maße negativ zu beeinflussen? Die Antwort auf diese Frage liegt in deren Familienpolitik. Hatte der in der Forschung als erster Papst der Renaissance angesehene Nikolaus V (1447-1455) jeglicher Art von Nepotismus abgesagt, so gewann diese Art der Ämterbesetzung in der Kurie unter seinem Nachfolger auf dem Stuhle Petri Calixtus III (1455-1458) erheblichen Einfluss.

Für den Emporkömmling aus Játiva (Valencia), der unter Papst Eugen IV. unter anderem durch den Kampf gegen die Expansion der Osmanen erheblichen Einfluss gewonnen hatte, galt es als eine Art „Versicherung“, am Hofe des Papstes Verwandte, also Nepoten einzusetzen. Eine zentrale Rolle kam hierbei seinem Neffen Rodrigo Borgia zu, dem er neben der Kardinalswürde auch das Amt des Vizekanzlers verlieh. Auch Rodrigo Borgia setzte, nachdem er selbst die Cathedra Petri verliehen bekommen hatte, seine eigenen Kinder gezielt ein, um seine Machtinteressen in Italien und dem restlichen Wirkungsbereich der Kirche durchzusetzen. Hierbei überstieg er jedoch alle Formen des Nepotismus seiner Vorgänger um ein weites. Denn Rodrigo Borgia pflegte – selbst nach der Wahl zum Papst – eine einer offensichtlichen Ehe nahekommende Beziehung zu der römischen Matrona Vanozza de Cattanei, der Mutter seiner illegitimen Kinder Juan, Cesare, Lucrezia und Jofré.

Darüber hinaus stellten diese Kinder einen bedeutenden Teil seiner Familienpolitik dar. Der Älteste, Juan Borgia, war bis zu seinem Tod 1497 für die Ausübung weltlicher Ämter vorgesehen, während Cesare zunächst das Amt des Kardinals verliehen wurde –ähnlich wie bei Rodrigo Borgia selbst durch seinen Onkel.

In dieser Arbeit sollen eben diese Umstände (die jeweilige Rolle der Kinder Alexanders VI.) näher betrachtet werden und die Frage beantwortet werden, inwiefern Alexander VI. einer der ersten Päpste war, der über die Sicherung seiner aktuellen Macht hinaus eine bewusste dynastische Familienpolitik führte. Des Weiteren soll untersucht werden, ob es Indizien dafür gibt, dass diese gezielte Familienpolitik des Katalanen Borgia tatsächlich ein unter der Kontrolle einer Borgia-Dynastie stehendes Herzogtum in Italien zum Ziel hatte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nepotismus an der Kurie vor dem Pontifikat Alexanders VI.

2.1. Phänomenologische Betrachtung

2.2. Der Aufstieg der Rodrigo Borgias

3. Dynastische Familienpolitik Alexanders VI. anhand seiner vier anerkannten Kinder

3.1. Juan Borgia (1476-1497)

3.2. Jofré Borgia (1482-1517)

3.3. Lucrezia Borgia (1480-1519)

3.4. Cesare Borgia (1475-1507)

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Pontifikat von Papst Alexander VI. mit dem Ziel, die Rolle seiner Kinder in seiner dynastischen Familienpolitik zu beleuchten und zu klären, inwiefern er ein systematisches Streben nach der Etablierung eines erblichen Borgia-Herzogtums in Italien verfolgte.

  • Phänomenologie des Nepotismus im spätmittelalterlichen Papsttum
  • Aufstieg der Familie Borgia und Rolle von Calixtus III.
  • Dynastische Einbindung der Kinder Juan, Jofré, Lucrezia und Cesare Borgia
  • Machtkalkül, Heiratspolitik und territoriale Ambitionen des Papsttums
  • Rezeption der Borgia-Politik in zeitgenössischen Quellen

Auszug aus dem Buch

3.1. Juan Borgia (1476-1497)

Mit seiner Unterstützung ging Alexander VI. bei der systematischen Errichtung eines Herzogtums der Borgia nun in die Offensive, sein Augenmerk fiel auf die römische Campagna. Seit dem 13. Jahrhundert stellte die Campagna einen Zankapfel zwischen den rivalisierenden römischen Adelsfamilien dar. Von deren Machtkämpfen waren im ausgehenden 14. Jahrhundert nur noch die Colonna, die Orsini, die die meiste Macht im Umland der Ewigen Stadt ausübten, die Conti, die Savelli und die Caetani übriggeblieben. Alexanders Plan: die systematische Auslöschung der Adelsgeschlechter und deren Ersetzung durch seine eigene Hausmacht. Gelingen sollte dieses Vorhaben unter dem Deckmantel des Vertragsbruches und der damit verbundenen Propagierung einer Stärkung des Kirchenstaates, auch wenn die gewonnenen Ländereien in Wahrheit der Papstfamilie zufielen. Das erste seiner Ziele war das schwächste der fünf Herrscherhäuser, die Orsini. Aber der erste Anlauf unter Juan Borgia, der für den Feldzug zum Generalkapitän der päpstlichen Truppen gemacht worden war, schlug nach anfänglichen Erfolgen schließlich fehl. Grund hierfür war die fehlende militärische Kompetenz des Papstsohns.

Die Mauern der Orsini-Trotzburg Bracciano konnten im Januar 1497 nicht erstürmt werden, er selbst musste nach Rom fliehen. Die Folge war ein Kompromissfriede mit den Orsini, der die Rivalität nur scheinheilig aufhob. Der Traum vom Borgia-Staat in Italien konnte also zunächst nicht erfüllt werden. Doch sollte sich Alexander mit der Niederlage diesen Wunsch keinesfalls aus dem Kopf schlagen: Bereits am 7. Juni 1497 verkündete er die Verleihung der päpstlichen Enklaven Benevent und Terracina im Königreich Neapel an Juan, ersteres gedachte er sogar zum Herzogtum zu erheben. Um den Frieden mit Neapel zu wahren, sollte nach Alexanders Vorstellungen die Investitur sowohl durch den Stellvertreter des Papstes als durch den König erfolgen, und zwar bei dessen eigener Krönung durch den Kardinalslegaten Cesare Borgia. Er wäre somit der Dankbarkeit wegen zur weltlichen Investitur Juans verpflichtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Faszination um Alexander VI. ein und skizziert die Fragestellung nach seiner bewussten dynastischen Familienpolitik.

2. Nepotismus an der Kurie vor dem Pontifikat Alexanders VI.: Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung des Nepotismus im Papsttum und den Aufstieg der Familie Borgia vor Alexanders Pontifikat.

3. Dynastische Familienpolitik Alexanders VI. anhand seiner vier anerkannten Kinder: Der Hauptteil untersucht detailliert die Rolle von Juan, Jofré, Lucrezia und Cesare Borgia in den machtpolitischen Strategien ihres Vaters.

4. Fazit: Das Fazit bewertet den Erfolg der dynastischen Pläne Alexanders VI. und schließt auf das Scheitern des Borgia-Staates in Italien.

Schlüsselwörter

Alexander VI., Borgia, Nepotismus, Kurie, Papsttum, Familienpolitik, Machtkalkül, Cesare Borgia, Lucrezia Borgia, Kirchenstaat, Renaissance, Dynastie, Juan Borgia, Jofré Borgia, Romagna

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die spezifische Familienpolitik von Papst Alexander VI. und untersucht, wie er seine illegitimen Kinder gezielt einsetzte, um eine dynastische Machtbasis in Italien zu festigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen der kuriale Nepotismus der Renaissance, die politische Instrumentalisierung der Familie Borgia sowie das Verhältnis zwischen päpstlicher Amtsgewalt und weltlichem Territorialanspruch.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Hauptziel ist es zu belegen, inwiefern Alexander VI. über bloße Machtabsicherung hinaus eine bewusste dynastische Strategie verfolgte, die auf die Errichtung eines erblichen Borgia-Staates abzielte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur sowie zeitgenössischer Quellen wie dem Tagebuch des Zeremonienmeisters Johann Burckhard basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der individuellen Rolle der vier Kinder Juans, Jofrés, Lucrezias und Cesares und analysiert, wie deren Ämter, Heiraten und militärische Laufbahnen das politische Kalkül des Papstes widerspiegeln.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Nepotismus, Borgia-Dynastie, Kirchenstaat, dynastische Heiratspolitik und päpstliche Machtausübung definiert.

Welche Rolle spielte der Tod von Juan Borgia für die Strategie des Papstes?

Der Tod Juans war ein entscheidender Wendepunkt, da er den Papst zwang, seinen Plan für die weltliche Nachfolge anzupassen und den als Kardinal vorgesehenen Cesare Borgia in die Rolle des weltlichen Machtträgers und Herzogs der Romagna zu drängen.

Wie bewertet der Autor den Erfolg von Lucrezia Borgia in der Familienpolitik?

Der Autor zeigt auf, dass Lucrezia zwar als politisches "Faustpfand" in verschiedenen Ehen diente, aber im Vergleich zu ihren Brüdern in ihrem späteren Herzogtum Ferrara ein überlebensfähigeres, privates Glück fand, während der dynastische Plan des Papstes für sie insgesamt nicht aufging.

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Details

Title
Nepotismus unter Alexander VI. Zur Familienpolitik der Borgia-Dynastie
College
University of Mannheim  (Historisches Institut)
Course
PS Das Papsttum im Mittelalter
Grade
1,0
Author
Fabio Freund (Author)
Publication Year
2015
Pages
22
Catalog Number
V337576
ISBN (eBook)
9783668268050
ISBN (Book)
9783668268067
Language
German
Tags
Papst Nepotismus Alexander Mittelalter
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabio Freund (Author), 2015, Nepotismus unter Alexander VI. Zur Familienpolitik der Borgia-Dynastie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337576
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