Konfrontation mit Fremden und Fremdem zwischen Stereotypen, Vorurteilen, Xenophobie und Exotismus


Hausarbeit, 2000

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Stereotype und Vorurteile – die „Bilder im Kopf“
1. Ursachen
2. Vermittlung und Aneignung

III. Xenophobie und Exotismus – die „Bilder im Bauch“
1. Entstehung
2. Mechanismen
3. Zusammenhänge

IV. Wirkungen der „Bilder im Kopf“ und der „Bilder im Bauch“
1. Bedrohung der eigenen Person
2. „Verteidigungsstrategien“ zur Angstabwehr
3. Diskriminierende Gegnerschaft

V. Schlußbetrachtung

VI. Literaturverzeichnis

VII. Anhang

I. Einleitung

Vorab möchte ich darauf hinweisen, daß ich die Begriffe „Fremdes“, „Fremde“, „Fremder“, usw. immer – von Zitaten abgesehen – bewußt in Anführungszeichen gesetzt habe. Ich will damit meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, daß es völlig relativ ist und nur vom Blickwinkel abhängt, wer oder was „fremd“ ist.

Konfrontation mit „Fremdem“ und „Fremden“ birgt immer ein gewisses Konfliktpotential in sich und stellt somit eine große Herausforderung dar, die als Chance gesehen werden kann. Zwei Hauptaspekte spielen hierbei eine Rolle: Zum einen haben Menschen unterschiedlicher Herkunft verschiedene Bezugssysteme für ihr Denken und Fühlen und zum anderen löst das, der und die „Fremde“ Grundlegendes in der menschlichen Psyche aus.[1]

In meinen Ausführungen beziehe ich mich vor allem auf „Fremde“ und „Fremdes“ im kulturellen Sinne. Die meisten der im Folgenden dargestellten Prozesse und Mechanismen gelten allerdings generell. Dabei können anstelle von Ausländern auch beispielsweise Behinderte die „Fremden“ sein.

Verweisen möchte ich an dieser Stelle bereits auf die schematische Darstellung im Anhang, die für die gesamten Ausführungen relevant ist. Aus diesem Grunde verzichte ich auf spezielle Hinweise an bestimmten Stellen im Text. Im Anhang findet sich ein von mir ergänztes Ablaufschema, das auf einer Vorlage aus dem Buch von Ausländer – Aussiedler – Übersiedler / Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland von Günther Gugel basiert. Dieses Gedankenmodell möglicher Folgereaktionen und Verhaltenstendenzen auf die Konfrontation mit „Fremden“ und „Fremdem“ will als stark vereinfachte Übersicht zur Orientierung verstanden werden – nicht als zwangsläufiger Mechanismus. In der Realität gibt es natürlich viele Modalitäten, wie zum Beispiel komplexere Wechselwirkungen, das Überspringen einzelner Stufen, Rückkopplungen und auch Ausstiegsmöglichkeiten.

II. Stereotype und Vorurteile – die „Bilder im Kopf“

„Stereotypen sind soziale Schemata über Menschengruppen. Jeder gebraucht solche Schemata in seinen alltäglichen Interaktionen. Die meisten Stereotypen enthalten ein oder mehrere negative Attribute. (Beispiele: Iren sind Trunkenbolde, Schotten sind Geizhälse, Juden sind skrupellose Geschäftemacher, Südländer klauen.) Solche Stereotypen bilden die kognitive Basis für Vorurteile.“[2]

1. Ursachen

Die Ursachen für das Entstehen von Vorurteilen und Stereotypen sind vielschichtig und wirken meist in komplexer Art und Weise zusammen.

Ein gewichtiger Faktor ist sicherlich „das Unbekannte“, das die Phantasie anregt und den Nährboden für Spekulationen und Interpretationen bildet. Man könnte es auch als Vakuum bezeichnen, das geradezu danach schreit, gefüllt zu werden.

Hierzu schreibt Arzu Toker:

„Warum nur diese Aggressivität, diese infamen Beschimpfungen, fragt sich unsereins? Wenn man bedenkt, daß die deutsche Bevölkerung am wenigsten mit den türkischen Frauen in Kontakt kommt, warum werden gerade sie, mehr noch als die Männer, beschimpft? Man könnte sagen, gerade deswegen, weil sie die Unbekannten sind, aber nicht allein deswegen, so meine ich.“[3]

Zudem erfüllen „Bilder im Kopf“ bestimmte Funktionen. Sie helfen beispielsweise, die Komplexität des Lebens erträglich zu machen, indem durch „Schubladendenken“ die Welt geordnet werden kann.[4] Dies bedeutet auf der anderen Seite allerdings, daß die Wahrnehmung gefiltert wird und man durch die Brille des Vorurteils sieht, was verschiedene Auswirkungen nach sich zieht (siehe Kapitel IV.).

Ein anderer Gesichtspunkt ist die Rechtfertigungsfunktion von Vorurteilen. Kolonisation, Eroberung, Völkermord, Ausbeutung, Sklaverei, Unterdrückung und Diskriminierung wurden und werden vor allem auch durch die gezielte Verbreitung von Vorurteilen gerechtfertigt. Traurige Beispiele in der Geschichte und Gegenwart sind auf der ganzen Welt zu finden.

2. Vermittlung und Aneignung

„Bilder im Kopf“ werden von Kindheit an in verschiedenen Prozessen erlernt. Durch außerschulische und schulische Erziehung werden vom Erziehenden mit den jeweiligen Inhalten auch immer bestimmte Sichtweisen vermittelt. Dies geschieht unvermeidlich, wenngleich oft unbewußt.

„Das Kind lernt also die Vorurteile der Eltern und Erzieher, lernt, ob gerade die Juden, die Russen, die Türken oder die Neger als Objekt für Haß und Aggressionen freigegeben sind. Und es lernt, welche Vorstellungen mit den Begriffen ‘Neger’ oder ‘Jude’ verbunden werden.“[5]

Bei der Vermittlung von Stereotypen und Vorurteilen spielen besonders auch die Werbung und unterschiedlichste Medien eine große Rolle. Filme, Hörspiele, Kinderbücher, Comics und Romane sind oft voll von systematisch falschen und einseitigen Informationen. Auch die Wirkung von Witzen ist nicht zu unterschätzen, gerade deshalb, weil der eigentliche diskriminierende Inhalt unter dem Deckmantel des Humors harmlos erscheinen mag.

Niemand kann sich dem Einfluß von Stereotypen und Vorurteilen vollständig entziehen, da diese allgegenwärtig und alltäglich sind. Dadurch erfolgt die Vermittlung und Aneignung der „Bilder im Kopf“ sehr oft völlig unbewußt.

III. Xenophobie und Exotismus – die „Bilder im Bauch“

Xenophobie und Exotismus sind untrennbar mit den „Bildern im Kopf“ verbunden und stehen mit diesen in einer wechselseitigen Beziehung. Diese beiden Phänomene nenne ich „Bilder im Bauch“, weil durch sie „Fremdes“ gefühlsmäßig, sozusagen „aus dem Bauch heraus“ bewertet wird. „Fremde [werden] je nach gefühlsmäßiger Ausgangslage entweder eher zu positiv oder zu negativ, auf jeden Fall emotional eingefärbt gesehen (..).“[6]

Unter Xenophobie versteht man die Angstbesetzung alles „Fremden“, unter Exotismus die Bewunderung alles „Fremden“.

1. Entstehung

Die Grundlagen für die „Bilder im Bauch“ bilden sich bereits im frühesten Kindesalter heraus. Schon bei Säuglingen entsteht mit dem Bild der Mutter gleichzeitig das Gegenstück, welches Erdheim „Repräsentanz des Fremden“[7] nennt. Von Margaret Mahler und ihrer Forschergruppe wurde bei Beobachtungen an Kleinkindern festgestellt, daß die Reaktionen bei der Konfrontation mit „Fremden“ von Verwunderung und Neugier bis zu starker Fremdenangst reichen und auch schnell vom einen ins andere Extrem wechseln können.[8]

„Um diese beiden frühkindlichen Reaktionsformen herum kristallisieren sich jene Haltungen, die zum Exotismus und zur Xenophobie führen werden. Allmählich entwickeln sich die inneren Bilder – Repräsentanzen –, die den Fremden (oder die, das Fremde) als etwas Anziehendes, Begehrenswertes, eben Exotisches, oder als etwas Furchterregendes, zu Vermeidendes erscheinen lassen.“[9]

[...]


[1] vgl. Platzbecker 1997, S. 63

[2] Bourne, L. und Ekstrand, B. 1992, S. 404

[3] Toker, zitiert nach Gugel 1994, S. 134

[4] vgl. Gugel 1994, S. 139

[5] Riepe 1995, S. 172

[6] DFJW Arbeitstexte Nr. 7, 1987, S. 29 f., zitiert nach Rademacher 1991, S. 25

[7] Erdheim 1988, S. 258

[8] vgl. ebd., S. 258 f.

[9] ebd., S. 259

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Konfrontation mit Fremden und Fremdem zwischen Stereotypen, Vorurteilen, Xenophobie und Exotismus
Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg
Veranstaltung
Interkulturelle Soziale Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V33770
ISBN (eBook)
9783638341660
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit wird zwar Referat genannt, ist aber eine schriftliche Ausarbeitung entsprechend einer Hausarbeit, die wissenschaftlichen Kriterien entspricht!
Schlagworte
Konfrontation, Fremden, Fremdem, Stereotypen, Vorurteilen, Xenophobie, Exotismus, Interkulturelle, Soziale, Arbeit
Arbeit zitieren
Thomas Haug (Autor), 2000, Konfrontation mit Fremden und Fremdem zwischen Stereotypen, Vorurteilen, Xenophobie und Exotismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33770

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