Die folgende Arbeit soll untersuchen, wie aus Jugendlichen Teenager wurden und seit wann man von dieser neuen und eigenen Konsumentenschicht sprechen kann. Welche Vorraussetzungen beziehungsweise Umstände haben zu dieser Entwicklung geführt?
Aufgrund des aktuellen Forschungsstandes wird der Schwerpunkt der Untersuchung auf dem letzten Drittel der 50er Jahre liegen. Um jedoch eine stetige Entwicklung deutlich zu machen, wird zu Beginn der Analyse auf die Situation der Jugendlichen am Anfang des Jahrzehnts eingegangen. Im weiteren Verlauf wird versucht, die Faktoren herauszuarbeiten, die für die Entstehung des Teenagers wesentlich waren. Das Ende der Arbeit soll dazu dienen, die jungen Heranwachsenden und die Teenager-Kultur genauer zu betrachten.
Neben Quellen, wie zum Beispiel der Jugendzeitschrift BRAVO und amerikanischen Spielfilmen, werden in erster Linie die Untersuchungen von Kaspar Maase, Axel Schildt und Thomas Grotum als Hilfe dienen, die sich intensiv mit den Jugendlichen der 50er Jahre beschäftigt haben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Situation junger Heranwachsender in der BRD der 50er Jahre
2. Amerikanisierung und die Entstehung einer neuen Konsumkultur
3. Die „Halbstarken" - Eine Bewegung zwischen Konsum und Subkultur
4. BRAVO - Der Erfinder des deutschen 'Teenagers'?
5. Der 'Teenager' - Ein amerikanischer Traum und der perfekte Konsument
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entstehung des „Teenagers“ als neue Konsumentenschicht in der Bundesrepublik Deutschland während der 1950er Jahre, wobei insbesondere die Rolle von Amerikanisierung und Medien beleuchtet wird.
- Lebensverhältnisse und Alltag Jugendlicher in den frühen 1950er Jahren
- Einfluss der amerikanischen Popkultur auf die deutsche Jugend
- Die „Halbstarken“-Bewegung als Vorläufer und Abgrenzung zum Teenager
- Die Rolle der Zeitschrift BRAVO bei der Konstruktion des Teenager-Bildes
- Wirtschaftliche Bedeutung des Teenagers als neue Zielgruppe
Auszug aus dem Buch
Die amerikanische Popkultur und die Anziehungskraft des „Vulgären“
Ab 1955 kamen weitere amerikanische Filme in die bundesdeutschen Kinos, die speziell für Jugendliche gemacht waren und sich wesentlich von der Mainstream-Unterhaltung für die Mittelschicht unterschieden. Marlon Brando in The Wilde One war nicht mit den netten, lässigen Typen wie Dean Martin, die in der klassischen Tin Pan Alley-Tradition standen, zu vergleichen. Der „Held” der neuen Generation trug Blue Jeans und Lederjacke und war Außenseiter und Rebell zugleich. An Stelle des glatten, positiven und familienfreundlichen Typen, traten junge Männer, die sich kaugummikauend und etwas wortkarg gegen alles auflehnten und nicht mehr in die übrige Gesellschaft passten. Sie waren Teil der neuen amerikanischen Popkultur, die von den deutschen Jugendlichen mit Begeisterung aufgenommen wurde. Großkarierte Jacken, Hemden und die berühmte Haartolle, ganz nach dem Vorbild von James Dean in Rebel Without a Cause („Denn sie wissen nicht was sie tun"), wurden zum modischen Trend, und diente auch als optische Abgrenzung zu den biederen Eltern.
Die Jugendlichen begannen dadurch langsam eine eigene Identität anzunehmen, obwohl der amerikanische Einfluss dabei nicht zu übersehen war. Der Großteil der Elterngeneration reagierte auf das "vulgäre" Verhalten vornehmlich mit Abneigung. Auf sie wirkte es befremdlich, respektlos und hatte nichts mit den alten deutschen Tugenden zu tun, die noch vor einigen Jahren so viel bedeuteten. Doch für die Jugendlichen war es genau das, was es so anziehend machte. "Vulgarität" und Aufbegehren gehörten zur Tradition der Amerikanischen Popkultur und stand im kompletten Gegensatz zum zackigen, militaristischen und ordnungsfixierten Habitus der Deutschen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Relevanz des Teenagers als Wirtschaftsfaktor und Definition der forschungsleitenden Fragen zur Entstehung dieser Konsumentenschicht.
1. Die Situation junger Heranwachsender in der BRD der 50er Jahre: Analyse der schwierigen sozialen und materiellen Bedingungen in den frühen Nachkriegsjahren sowie der beginnenden beruflichen Integration Jugendlicher.
2. Amerikanisierung und die Entstehung einer neuen Konsumkultur: Darstellung des wachsenden US-Einflusses auf die deutsche Gesellschaft und die Etablierung einer neuen Lebenswelt nach dem Vorbild des „American Way of Life“.
3. Die „Halbstarken" - Eine Bewegung zwischen Konsum und Subkultur: Untersuchung der Halbstarken-Phänomene und ihrer Rolle als erste jugendkulturelle Identität, die sich stilistisch an der Popkultur orientierte.
4. BRAVO - Der Erfinder des deutschen 'Teenagers'?: Analyse der Rolle des Jugendmagazins bei der Medialisierung und Kommerzialisierung jugendlicher Lebensweisen zum Teenager-Ideal.
5. Der 'Teenager' - Ein amerikanischer Traum und der perfekte Konsument: Beschreibung des Teenagers als konstruiertes Produkt der Industrie und der daraus resultierenden modernen Konsumgesellschaft.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung vom Halbstarken zur kommerzialisierten Teenager-Kultur am Ende der 1950er Jahre.
Schlüsselwörter
Teenager, Halbstarke, Konsumgeschichte, Amerikanisierung, BRAVO, 50er Jahre, Jugendkultur, Wirtschaftswunder, Populärkultur, Identitätsbildung, Konsumentenschicht, Rock' n' Roll, Nachkriegszeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entstehung des Begriffs und der Lebenswelt des „Teenagers“ in der Bundesrepublik Deutschland während der 1950er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt den sozialen Wandel, den Einfluss amerikanischer Popkultur, die Rolle der Medien (insbesondere der BRAVO) und die Entwicklung hin zu einer jugendzentrierten Konsumgesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie aus „Jugendlichen“ „Teenager“ wurden und durch welche Umstände diese neue, eigenständige Konsumentenschicht in Deutschland entstand.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse historischer Untersuchungen (u.a. von Kaspar Maase und Axel Schildt) sowie auf die Auswertung von zeitgenössischen Quellen wie der Zeitschrift BRAVO und Spielfilmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch: Von der schwierigen Situation der Jugend Anfang der 50er Jahre, über die Amerikanisierung und die Halbstarken-Bewegung bis hin zur gezielten Kommerzialisierung durch Medien und Industrie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Teenager, Halbstarke, Konsumgeschichte, Amerikanisierung, BRAVO, 50er Jahre, Jugendkultur und Konsumgesellschaft.
Welche Rolle spielte die Zeitschrift BRAVO bei der Formung des Teenagers?
BRAVO fungierte als medialer Multiplikator, der Trends aufgriff, diese durch gezielte Werbung kommerzialisierte und durch idealisierte Figuren wie „Steffi“ ein konsumorientiertes Jugendbild in der deutschen Gesellschaft festigte.
Warum war das „Vulgäre“ für Jugendliche in den 50er Jahren so anziehend?
Das als „vulgär“ empfundene Verhalten (wie Lederjacken, Rock'n'Roll-Musik und Aufbegehren) diente als bewusste Abgrenzung zum traditionellen, ordnungsfixierten Habitus der Elterngeneration und ermöglichte eine eigene Identitätsfindung.
- Arbeit zitieren
- Daniel Macher (Autor:in), 2011, Teenager. Erfindung einer neuen Konsumentengruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337710