Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein Problem für die Gesellschaft und Unternehmen sind ständig damit konfrontiert. Definitions- und Abgrenzungsschwierigkeiten und unzureichende theoretische Modelle führten bisher zu keiner nachhaltigen Lösung des Problems. Die vorliegende Bachelorarbeit ist als Literaturreview konzipiert und untersucht anhand von 20 empirischen Studien, welche organisationalen Faktoren als Ursache von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz benannt werden können und unter welchen Konstellationen Frauen Hindernisse beim beruflichen Aufstieg erleben. Dazu werden die Ergebnisse anhand der Fragestellungen chronologisch aufgestellt und diskutiert.
Das Organisationsklima und soziale Bindungen werden dabei als Hauptfaktoren herausgestellt. Frauen erfahren den meisten Widerstand in männerdominierenden Arbeitsumgebungen und wenn sie ein für sie atypisches Geschlechtsverhalten zeigen. Zur Prävention von sexueller Belästigung werden eine offenere Kommunikation innerhalb und zwischen Betrieben sowie eine klares Bekenntnis gegen sexuelle Belästigung herausgestellt. Auch die offiziellen Stellen stehen in der Pflicht direkter auf die Unternehmen zuzugehen.
Anders als in der Bevölkerung angenommen ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz keine Randerscheinung. Sie betrifft einen Großteil der Bevölkerung, möglicherweise mehr als jede andere Form von Diskriminierung und Gewalt. Nahezu alle Unternehmen sind als Teil der Gesellschaft regelmäßig mit dem Phänomen konfrontiert.
Die Equal Employment Opportunity Commission (nachfolgend: EEOC), die Bundesbehörde zur Sicherstellung von Gleichbehandlung in Beruf und Arbeit in den USA, berichtete für das Jahr 2011 von 11.364 gemeldeten Fällen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Sie beziffert den gesellschaftlichen Gesamtschaden auf 52,3 Millionen US-Dollar. Dabei ist von einer hohen Dunkelziffer an Opfern auszugehen, die aus Angst und Unwissenheit schweigen und damit erst gar nicht den Weg in die offizielle Statistik finden. In der Europäischen Union und der Bundesrepublik Deutschland gestaltet sich die Situation ähnlich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Definition: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
2.2 Prävalenz und Belästigungskonstellationen
2.3 Erscheinungsformen
2.4 Folgen für Betroffene und Unternehmen
2.5 Psychologische Begriffsbestimmung
2.6 Ursachen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
2.6.1 Natürlich-biologische Perspektive
2.6.2 Soziokulturelle Perspektive
2.6.3 Organisationstheoretische Perspektive
2.6.4 Weitere Erklärungsansätze
2.7 Fragestellungen
3. Methodik
3.1 Vorgehensweise
3.2 Ein- und Ausschlusskriterien für Literatur
3.3 Einbezogene Quellen
4. Ergebnisse
4.1 Einflussfaktoren des Arbeitsumfelds
4.2 Berufliche Hindernisse für Frauen
5. Diskussion
5.1 Präventionsmöglichkeiten für Unternehmen
5.3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis eines systematischen Literaturreviews die organisationalen Faktoren, die sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz begünstigen, sowie die beruflichen Konstellationen, unter denen Frauen Hindernisse beim beruflichen Aufstieg erfahren.
- Analyse organisationaler Ursachen für sexuelle Belästigung
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Organisationsklima und Belästigung
- Identifikation beruflicher Barrieren für Frauen in männerdominierten Umfeldern
- Ableitung präventiver Maßnahmen für Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.3 Erscheinungsformen
Es wurden zwei verschiedene Kategorien von sexueller Belästigung identifiziert: Quid pro quo und hostile work environment (MacKinnon, 1979; McCann, 2005).
Bei Quid pro quo (lateinisch: dieses für das) werden Mitarbeitern Vorteile wie Gehaltserhöhungen oder Beförderungen im Tausch gegen sexuelle Gefälligkeiten versprochen. Bei einer Weigerung drohen dem Mitarbeiter berufliche Konsequenzen, die bis zur Kündigung reichen können. Es handelt sich hierbei also um eine Belästigungsform mit erpresserischem Charakter, hinter der sich ein Abhängigkeitsverhältnis verbirgt. Wenn von sexueller Belästigung die Rede ist, ist am häufigsten Quid pro quo gemeint (Ducret & Kurz, 2004).
Bei hostile work environment ist der Mitarbeiter sexistischen Anmerkungen und Witzen ausgesetzt und wird in vielen Fällen mit pornographischem Material in der Arbeitsstelle konfrontiert. Es geht hier mehr darum, eine generell unangenehme und verunsichernde Arbeitsatmosphäre zu schaffen, durch die das Opfer ebenfalls in eine unterlegene Position versetzt wird. Anders als Quid pro quo ist diese Form der Belästigung zwar weniger bekannt, aber weiter verbreitet (Ducret & Kurz, 2004).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als allgegenwärtiges Problem und stellt die Notwendigkeit dar, die Einflussfaktoren des Arbeitsumfelds wissenschaftlich zu untersuchen.
2. Theoretischer Hintergrund: Es werden grundlegende Konzepte, Definitionen, Erscheinungsformen und die psychologischen Hintergründe der Thematik sowie existierende Erklärungsansätze erläutert.
3. Methodik: Der systematische Prozess der Literaturrecherche anhand von 20 empirischen Studien sowie die angewandten Ein- und Ausschlusskriterien werden dargelegt.
4. Ergebnisse: Die zentralen Erkenntnisse aus der Literaturrecherche bezüglich organisationaler Einflussfaktoren und beruflicher Hindernisse für Frauen werden chronologisch und thematisch präsentiert.
5. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch hinterfragt, Präventionsmöglichkeiten für Unternehmen werden abgeleitet und die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit.
Schlüsselwörter
Sexuelle Belästigung, Arbeitsumfeld, Organisationsklima, Geschlechterrollen, Diskriminierung, Quid pro quo, hostile work environment, Frauen am Arbeitsplatz, Prävention, Unternehmenskultur, Machtstrukturen, Sexual Harassment, Arbeitszufriedenheit, Literaturreview, Geschlechtsdiskriminierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz als multidimensionales Problem und analysiert, welche organisationalen Faktoren dieses Verhalten begünstigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören das Organisationsklima, Machtstrukturen, die Auswirkungen von geschlechtsspezifischen Zusammensetzungen der Arbeitsgruppen und die psychologischen sowie beruflichen Folgen für die Betroffenen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Identifikation von relevanten Einflussfaktoren des Arbeitsumfelds, die sexuelle Belästigung begünstigen, sowie die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen zur Prävention für Unternehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem systematischen Literaturreview, in dem 20 ausgewählte empirische Originalstudien aus dem Zeitraum 2005 bis 2015 ausgewertet und diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung verschiedener Ursachenperspektiven und eine detaillierte Ergebnisschau, die den Forschungsverlauf und die Risikokonstellationen für Frauen beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Sexuelle Belästigung, Organisationsklima, Geschlechterrollen, Diskriminierung und präventive Maßnahmen für Unternehmen.
Was unterscheidet Quid pro quo von hostile work environment?
Quid pro quo ist durch einen erpresserischen Charakter und ein Abhängigkeitsverhältnis (Gegenleistung für sexuelle Gefälligkeiten) geprägt, während hostile work environment eine feindselige, sexistische Arbeitsatmosphäre beschreibt.
Warum sind Frauen in Führungspositionen laut den Ergebnissen teilweise stärker betroffen?
Studien deuten darauf hin, dass Frauen in hohen Positionen als "atypisch" für ihr Geschlecht wahrgenommen werden können, was zu einer verstärkten Ablehnung oder "Gender Policing" führen kann.
- Arbeit zitieren
- Marco Müller (Autor:in), 2016, Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Einfluss von Organisationsklima und sozialen Bindungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337758