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Tijuana. Fremd- und Selbstbilder einer Stadt und ihrer Bewohner

Title: Tijuana. Fremd- und Selbstbilder einer Stadt und ihrer Bewohner

Term Paper , 2015 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Paul Wendel (Author)

Romance Studies - Spanish Studies
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Der Frage danach, was das mexikanische an Mexiko sei, möchte ich am Beispiel der Stadt Tijuana nachspüren, die – so meine Vermutung – durch ihre Nähe zum nördlichen Nachbarland USA solche Abgrenzungen deutlicher zeigt als beispielsweise die zentraler gelegene Hauptstadt. Dass von einer einzigen Stadt nur bedingt auf die ganze Nation zu schließen ist, steht außer Frage. Ich beschränke alle Aussagen dieser Arbeit daher strikt auf die Stadt Tijuana. Ziel dieser Arbeit ist es, die kulturelle Formation Tijuanas in ihrer geschichtlichen Genese zu begründen und ihr heutiges Erscheinungsbild darzustellen.

Den weiteren Verlauf dieser Arbeit werden zwei klischeehafte Vorstellungen über Tijuana bestimmen, nämlich die der ciudad del vicio und der ciudad de paso. Zur näheren Beschreibung dieser Stadtbilder werde ich einerseits die mediale Repräsentation derselben heranziehen und auf deren historischen Entstehungsbedingungen eingehen, andererseits werde ich auf Studien zur Stadt und ihren Bewohnern zurückgreifen.

Die theoretische Grundlage für diese Arbeit bietet Jan Assmans Konzept der „kulturellen Formation“. Dieses umfasst das gemeinsame Wissen und Gedächtnis, das sich über die Geschichte der Stadt entwickelt hat und zu einem Zeichensystem geführt hat, das die Eigenart Tijuanas zum Ausdruck bringt. Assmann zählt zu diesen Zeichen nicht nur die Sprache, sondern auch „Riten und Tänze, Muster und Ornamente, Trachten und Tätowierungen, Essen und Trinken, Monumente, Bilder, Landschaften, Weg- und Grenzmarken. Alles kann zum Zeichen werden, um Gemeinsamkeit zu kodieren.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tijuana, ciudad del vicio

2.1. Die Geschichte der ciudad del vicio

2.2. Die ciudad del vicio in der medialen Darstellung

2.3. Wie tijuanenses die ciudad del vicio sehen

3. Tijuana als ciudad de paso

3.1. Die Entwicklung Tijuanas zur ciudad de paso

3.2. Arbeit in den maquilas

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle Identität der Stadt Tijuana vor dem Hintergrund ihrer historischen Entwicklung und ihrer Repräsentation als Grenzstadt. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich Tijuana durch die Wechselwirkung von Fremdbildern, wie der „ciudad del vicio“ (Stadt des Lasters) oder „ciudad de paso“ (Stadt des Übergangs), und der tatsächlichen Lebensrealität ihrer Bewohner als kulturelle Formation konstituiert.

  • Die historische Genese von Tijuana als Grenzstadt.
  • Die mediale Konstruktion von Tijuana durch US-amerikanische Diskurse.
  • Die Ambivalenz zwischen Klischee und Identitätsstiftung der Bewohner.
  • Der ökonomische Einfluss der Maquiladora-Industrie auf das Stadtbild.
  • Die kulturelle Selbstbehauptung durch lokale Kunst- und Musikphänomene.

Auszug aus dem Buch

Die ciudad del vicio in der medialen Darstellung

Was für die Realität gilt, gilt auch, und in diesem speziellen Fall ganz besonders, für das medial transportierte Bild: Es kommt aus den USA. Humberto Félix Berumen kompilierte eine Liste von Filmen über Tijuana, die in Hollywood (das ja keine 200 Kilometer entfernt liegt) produziert wurden. Sie alle, ob nun 1924 oder 2004 gedreht, entwerfen das gleiche Bild der Stadt, die von Verbrechen und Gewalt beherrscht wird. Des weiteren schreibt Berumen von Tijuana als (vielleicht unfreiwilligem) Mekka der Pornographie, zumindest in den 1930er und 1940er Jahren, einer Zeit, in der in Tijuana Pornofilme aller Arten, von „normalen“ Sexfilmen über solche, die in speziellen Situationen, wie zum Beispiel einem Romalager angesiedelt sind, bis zu speziellen Filmen pädo- oder zoophilen Inhalts.

Was für Berumen das Entscheidende ist, beschreibt folgender Absatz:

„Tijuana is a city that is continually reinvented, recreated, and imagined by and through the cinema. It is possible that the urban landscapes, the streets and familiar neighborhoods are the least important, which in large part they are. It could also be true that the reasons really matter very little, as in fact is true for the majority of these movies; cinematic objectivity is of minimal im- portance. It could also be that no one cares about their relative faithfulness to the reality of the setting or the details of the physical environs. What is most important in the end in all of these movies is the images that come off the screen; those that the viewer accepts as if they were a simple transposition of social reality.“ (Berumen 2012: 34)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der mexikanischen Identität ein und definiert Tijuana als Untersuchungsgegenstand, um die kulturelle Formation der Stadt unter Anwendung des Konzepts von Jan Assmann zu beleuchten.

2. Tijuana, ciudad del vicio: Dieses Kapitel analysiert die historische und mediale Entstehung des Klischees der Stadt als Ort des Lasters und untersucht, wie Bewohner und Besucher dieses Bild wahrnehmen und verhandeln.

2.1. Die Geschichte der ciudad del vicio: Hier wird die historische Entwicklung der Stadt während der Prohibition und des Zweiten Weltkriegs als Ursprung für den Ruf von Tijuana als Ort des Verbrechens und der Korruption dargelegt.

2.2. Die ciudad del vicio in der medialen Darstellung: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Hollywood-Filme und literarische Werke Tijuana als ein Klischee von Gewalt und Laster konstruieren, das wenig mit der Realität zu tun hat.

2.3. Wie tijuanenses die ciudad del vicio sehen: Der Autor erörtert hier die Ambivalenz der Bewohner, die einerseits von dem Mythos profitieren, andererseits versuchen, der Stadt ein sichereres und familienfreundlicheres Image zu verleihen.

3. Tijuana als ciudad de paso: Dieses Kapitel widmet sich dem Bild Tijuanas als Transitort für Waren und Menschen sowie den daraus resultierenden ökonomischen und sozialen Auswirkungen.

3.1. Die Entwicklung Tijuanas zur ciudad de paso: Hier wird der Einfluss des Bracero-Programms und des Border Industrialization Programs auf das rapide Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung durch Maquiladoras beschrieben.

3.2. Arbeit in den maquilas: Dieser Teil thematisiert die prekären Arbeitsbedingungen in den Fabriken sowie die mangelhafte Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten im Kontext der NAFTA-Integration.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Tijuana trotz oder gerade wegen der Klischees eine eigenständige kulturelle Identität entwickelt hat, die sich symbolisch etwa im „Zonkey“ oder dem Musikstil „Nortec“ manifestiert.

Schlüsselwörter

Tijuana, Identität, kulturelle Formation, ciudad del vicio, ciudad de paso, Maquiladoras, Mexiko, USA, Grenzstadt, kulturelles Gedächtnis, Medienrepräsentation, Nortec, Zonkey, Migration, Klischee.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Konstruktion und Wahrnehmung von Tijuana als Grenzstadt, insbesondere die Diskrepanz zwischen externen Klischees und der gelebten Identität vor Ort.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Stadt, die mediale Verzerrung in Film und Literatur sowie die sozioökonomischen Realitäten der Maquiladora-Industrie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die kulturelle Formation Tijuanas in ihrer geschichtlichen Entwicklung zu begründen und das heutige, durch Mythen geprägte Erscheinungsbild kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine diskursanalytische Herangehensweise und nutzt das Konzept der „kulturellen Formation“ von Jan Assmann als theoretischen Rahmen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Tijuana als „Stadt des Lasters“ und als „Stadt des Übergangs“ unter Berücksichtigung medialer Diskurse und der industriellen Entwicklung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Besonders prägend sind Tijuana, Identität, Grenzstadt, Maquiladoras sowie die zentralen Begriffe „ciudad del vicio“ und „ciudad de paso“.

Was verbirgt sich hinter dem Symbol des „Zonkey“?

Der Zonkey (ein als Zebra bemalter Esel) dient in der Arbeit als Sinnbild für die Strategien der Stadtbewohner, Touristen eine Exotik vorzutäuschen, die der Stadt ihre eigene Form von kulturellem Überleben sichert.

Wie bewertet der Autor das Bild der Stadt in der akademischen Forschung?

Der Autor stellt fest, dass sich auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung häufig auf die bereits bekannten Klischees von Laster und Kriminalität konzentriert, was die eigene Stimme der Stadtbewohner im transnationalen Diskurs oft überlagert.

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Details

Title
Tijuana. Fremd- und Selbstbilder einer Stadt und ihrer Bewohner
College
University of Kassel  (Institut für Romanistik)
Course
Identität und nationales Bewusstsein in der spanischen und lateinamerikanischen Literatur
Grade
1,3
Author
Paul Wendel (Author)
Publication Year
2015
Pages
17
Catalog Number
V337773
ISBN (eBook)
9783668271296
ISBN (Book)
9783668271302
Language
German
Tags
Assmann Anderson Tijuana Mexico Spanisch Kulturelle Formation
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Paul Wendel (Author), 2015, Tijuana. Fremd- und Selbstbilder einer Stadt und ihrer Bewohner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337773
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