Werden alle Kinder in Deutschland gerecht behandelt? Fühlen sich alle Kinder in Deutschland wohl? Geht es womöglich einigen Kindern schlechter als Anderen? Diese und viele weitere Fragen sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Insbesondere unsere Kinder selbst besitzen viele Vorstellungen und Meinungen dazu, was Gerechtigkeit und Wohlbefinden für sie bedeutet. Nur wird oftmals von uns Erwachsenen (ob bewusst oder unbewusst) verdrängt, dass Kinder durchaus ihre eigene Meinung über diese Inhalte besitzen und diese auch kundtun möchten, um im Sinne eines politischen Zusammenlebens ein mündiger Teil der Gesellschaft sein zu können.
Im Zuge dieser Erkenntnis haben heutige Forscher und Schuldidaktiker die World Vision Kinderstudie 2007 ins Leben gerufen und seitdem mittlerweile dreimal durchgeführt. Hierauf geht der Autor dieser Arbeit im weiteren Verlauf dieser Arbeit explizit ein. Vorerst soll in aller Kürze der Politikbegriff erläutert und definiert wird, woraufhin anschließend allgemein ein Einblick in das politische Lernen des Sachunterrichts und die Basis- und Fachkonzepte politischen Lernens gegeben wird. Darauf aufbauend beschäftigt sich der Autor dieser Arbeit mit dem Basiskonzept des Gemeinwohls in Verbindung mit den aktuellen Forschungsergebnissen der World Vision Kinderstudie aus dem Jahr 2013 mit dem Fokus auf die Beeinflussung des Wohlbefindens der Kinder durch die immerwährende Gefahr der Armut.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Politik?
3 Politische Bildung im Sachunterricht
3.1 Soziales Lernen (nach Prote)
3.2 Politisches Lernen (nach von Reeken)
3.3 Soziales und politisches Lernen (nach Herdegen)
4 Basis- und Fachkonzepte politischer Bildung
4.1 World Vision Kinderstudie 2013 und das Wohlbefinden „unserer“ Kinder
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Kinder im Grundschulalter in der Lage sind, politische Sachverhalte zu erfassen, und analysiert die Bedeutung der politischen Bildung im Sachunterricht. Dabei wird insbesondere hinterfragt, ob Kindern politische Kompetenzen zugetraut werden und wie zentrale Fachkonzepte wie das Gemeinwohl und Gerechtigkeit im Kontext aktueller Studien – insbesondere der World Vision Kinderstudie 2013 – didaktisch erschlossen werden können.
- Politische Mündigkeit als Leitziel der Grundschulbildung
- Vergleich didaktischer Konzeptionen zur politischen Bildung
- Die Rolle des Gemeinwohls und der Gerechtigkeit im Kindesalter
- Analyse kindlicher Wahrnehmung von Armut und sozialer Ungleichheit
- Förderung der Partizipationsfähigkeit durch schulische Bildung
Auszug aus dem Buch
2 Was ist Politik?
Politik lässt sich in ihrer Komplexität nicht in Gänze erfassen. Trotzdem benötigt die politische Bildung einen theoretisch konsistenten und zugleich didaktisch praktikablen Begriff der Politik (vgl. WEIßENO et al. 2010, 28). Einfach ist dieses Unterfangen jedoch nicht, einen einheitlichen Politikbegriff zu definieren, da „die Politik ein außerordentlich vielschichtiges sowie an den Rändern auch unscharfes Phänomen ist“ (ebd.). Grundsätzlich regelt die Politik das Zusammenleben von Menschen in einer Gesellschaft unter Berücksichtigung von den jeweils in dem Land bestehenden Wert- und Interessendivergenzen und der politischen Einstellung eines Staates. Folgende Definition versucht diesen Sachverhalt zu konkretisieren: „Politik ist jenes menschliche Handeln, das allgemein verbindliche und am Gemeinwohl orientierte Entscheidungen und Regelungen in und zwischen Gruppen von Menschen vorbereitet und herstellt“ (PATZELT, 1993, 14; MEYER, 2006, 41 zitiert nach WEIßENO et al. 2010, 29).
Der Aspekt des Gemeinwohls ist aber nicht zwingend ein fester Bestandteil der Politik, weil es auch politische Ordnungen, Akteure und Handlungsweisen gibt, die dem Grundsatz der Demokratie nicht folgen und andere Ziele (vor allem Macht und Kontrolle) mit ihren Handlungen anstreben. Im Hinblick auf den Wirkungsbereich der Politik kann festgestellt werden, „dass sie potentiell alle Ebenen menschlichen Zusammenlebens erfasst“ (ebd. 30). Hierbei wird zwischen einem weiten und einem engen Politikbegriff unterschieden, welche auch in der World Vision Kinderstudie ihre Anwendung finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz kindlicher Vorstellungen von Gerechtigkeit und stellt die World Vision Kinderstudie als zentralen Bezugspunkt der Untersuchung vor.
2 Was ist Politik?: In diesem Kapitel werden komplexe Politikbegriffe (polity, policy, politics) definiert und theoretisch für die pädagogische Anwendung aufbereitet.
3 Politische Bildung im Sachunterricht: Dieses Kapitel analysiert drei didaktische Konzeptionen zur politischen Bildung in der Grundschule und kritisiert die teilweise stattfindende Entpolitisierung.
3.1 Soziales Lernen (nach Prote): Der Fokus liegt hier auf der pädagogischen Beeinflussung des Sozialverhaltens und der kritischen Abgrenzung zum eigentlichen politischen Lernen.
3.2 Politisches Lernen (nach von Reeken): Dieses Konzept betont die Notwendigkeit, Kindern den Zugang zu politischen Prozessen trotz deren Komplexität zu ermöglichen.
3.3 Soziales und politisches Lernen (nach Herdegen): Das Kapitel diskutiert den Versuch, soziale und politische Aspekte zu verknüpfen, zeigt jedoch die Grenzen dieser Sichtweise auf.
4 Basis- und Fachkonzepte politischer Bildung: Hier wird der systematische Wissensaufbau durch Basis- und Fachkonzepte als didaktisches Werkzeug zur Komplexitätsreduktion erläutert.
4.1 World Vision Kinderstudie 2013 und das Wohlbefinden „unserer“ Kinder: Anhand der Studie wird die Bedeutung des Gemeinwohls und Gerechtigkeitsempfindens bei Kindern, insbesondere unter dem Aspekt der Armut, untersucht.
5 Fazit: Das Fazit bekräftigt, dass Kinder politische Akteure sind, und fordert eine stärkere Verankerung politischer Bildung in den Lehrplänen.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Sachunterricht, Gemeinwohl, Gerechtigkeit, World Vision Kinderstudie, politische Mündigkeit, Partizipation, Armut, Kindheit, Politikdidaktik, Sozialverhalten, Demokratie, Basiskonzepte, Politikverständnis, soziale Ungleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie politische Bildung in der Grundschule stattfinden kann und inwiefern Kindern politische Denk- und Handlungsweisen bereits in diesem Alter zuzutrauen sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Politikverständnis, der Didaktik des Sachunterrichts, der Rolle des Gemeinwohls und der wissenschaftlichen Auswertung kindlicher Perspektiven auf Gerechtigkeit und Armut.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Möglichkeiten einer kindgerechten, aber fachlich fundierten politischen Bildung zu beleuchten, um das Leitziel der „politischen Mündigkeit“ zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse politikdidaktischer Konzepte und verknüpft diese kritisch mit den empirischen Ergebnissen der World Vision Kinderstudie 2013.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Politikbegriffe, didaktische Modelle des politischen Lernens sowie Basis- und Fachkonzepte diskutiert und anhand der Kinderstudie auf ihre praktische Relevanz hin geprüft.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Politische Mündigkeit, Partizipation, soziale Gerechtigkeit, Sachunterricht und Gemeinwohl bilden den inhaltlichen Kern der Arbeit.
Warum ist das Konzept des „Gemeinwohls“ für die Untersuchung so wichtig?
Das Gemeinwohl dient als Basiskonzept, um politische Zusammenhänge greifbar zu machen und zu verstehen, wie Kinder zwischen ihrem individuellen Interesse und dem Wohl der Gemeinschaft unterscheiden.
Welche Rolle spielt die „World Vision Kinderstudie“ in der Argumentation?
Die Studie dient als empirische Basis, um zu belegen, dass Kinder durchaus eigene, klare Vorstellungen von Gerechtigkeit besitzen, die oft durch Faktoren wie die ökonomische Lage der Eltern beeinflusst werden.
Wie kritisch beurteilt der Autor den aktuellen Stand der politischen Bildung?
Der Autor sieht eine Gefahr in einer „vorpolitischen“ oder „stiefmütterlichen“ Behandlung von Politik im Grundschulunterricht und fordert eine explizitere didaktische Aufarbeitung.
Was bedeutet die „politische Mündigkeit“ für Grundschulkinder?
Sie beschreibt die Befähigung der Kinder, gesellschaftliche Prozesse zu verstehen und aktiv an demokratischen Strukturen teilzuhaben, anstatt lediglich in eine vorpolitische Lebensweltorientierung zu verfallen.
- Quote paper
- Jascha Czajka (Author), 2014, Wie stellen Kinder sich Armut vor? Diskussion der Ergebnisse der Worldvision-Studie 2013, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337779