Wie stellen Kinder sich Armut vor? Diskussion der Ergebnisse der Worldvision-Studie 2013

Politisches Lernen im Sachunterricht


Ausarbeitung, 2014
10 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Politik?

3 Politische Bildung im Sachunterricht
3.1 Soziales Lernen (nach Prote)
3.2 Politisches Lernen (nach von Reeken)
3.3 Soziales und politisches Lernen (nach Herdegen)

4 Basis- und Fachkonzepte politischer Bildung
4.1 World Vision Kinderstudie 2013 und das Wohlbefinden „unserer“ Kinder

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Werden alle Kinder in Deutschland gerecht behandelt? Fühlen sich alle Kinder in Deutschland wohl? Geht es womöglich einigen Kindern schlechter als Anderen? Diese und viele weitere Fragen sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Insbesondere unsere Kinder selbst besitzen viele Vorstellungen und Meinungen dazu, was Gerechtigkeit und Wohlbefinden für sie bedeutet. Nur wird oftmals von uns Erwachsenen (ob bewusst oder unbewusst) verdrängt, dass Kinder durchaus ihre eigene Meinung über diese Inhalte besitzen und diese auch kundtun möchten, um im Sinne eines politischen Zusammenlebens ein mündiger Teil der Gesellschaft sein zu können. Im Zuge dieser Erkenntnis haben heutige Forscher und Schuldidaktiker die World Vision Kinderstudie 2007 ins Leben gerufen und seitdem mittlerweile dreimal durchgeführt. Hierauf geht der Autor dieser Arbeit im weiteren Verlauf dieser Arbeit explizit ein. Vorerst soll in aller Kürze der Politikbegriff erläutert und definiert wird, woraufhin anschließend allgemein ein Einblick in das politische Lernen des Sachunterrichts und die Basis- und Fachkonzepte politischen Lernens gegeben wird. Darauf aufbauend beschäftigt sich der Autor dieser Arbeit mit dem Basiskonzept des Gemeinwohls in Verbindung mit den aktuellen Forschungsergebnissen der World Vision Kinderstudie aus dem Jahr 2013 mit dem Fokus auf die Beeinflussung des Wohlbefindens der Kinder durchdie immerwährende Gefahr der Armut.

2 Was ist Politik?

Politik lässt sich in ihrer Komplexität nicht in Gänze erfassen. Trotzdem benötigt die politische Bildung einen theoretisch konsistenten und zugleich didaktisch praktikablen Begriff der Politik (vgl. Weißenoet al. 2010,28). Einfach ist dieses Unterfangen jedoch nicht, einen einheitlichen Politikbegriff zu definieren, da „die Politik ein außerordentlich vielschichtiges sowie an den Rändern auch unscharfes Phänomen ist“ (ebd.). Grundsätzlich regelt die Politik das Zusammenleben von Menschen in einer Gesellschaft unter Berücksichtigung von den jeweils in dem Land bestehenden Wert- und Interessendivergenzen und der politischen Einstellung eines Staates. Folgende Definition versucht diesen Sachverhalt zu konkretisieren: „Politik ist jenes menschliche Handeln, das allgemein verbindliche und am Gemeinwohl orientierte Entscheidungen und Regelungen in und zwischen Gruppen von Menschen vorbereitet und herstellt“ (Patzelt, 1993, 14; Meyer, 2006, 41 zitiert nach Weißeno et al. 2010, 29). Der Aspekt des Gemeinwohls ist aber nicht zwingend ein fester Bestandteil der Politik, weil es auch politischeOrdnungen, Akteure und Handlungsweisen gibt, die dem Grundsatz der Demokratie nicht folgen und andere Ziele (vor allem Macht und Kontrolle)mit ihren Handlungen anstreben. Im Hinblick auf den Wirkungsbereich der Politik kann festgestellt werden, „dass sie potentiell alleEbenen menschlichen Zusammenlebens erfasst“ (ebd. 30). Hierbei wird zwischen einem weiten und einem engen Politikbegriff unterschieden, welche auch in der World Vision Kinderstudie ihre Anwendung finden. Der Aspekt des weiten Politikbegriffs erfasst den sozialen Nahraum von Menschen in verschiedenen Situationen (im Freundeskreis, am Arbeitsplatz, in der Kirche usw.). Hierbei wird aber nicht direkt von Politik im eigentlichen Sinne gesprochen, sondern in diversen alltäglichen Situationen können ebenfalls Konflikte und Probleme auftreten, die nach einer Lösung verlangen und „politische Anstrengungen“ (ebd. 30) unerlässlich machen. Dies bedeutet, dass politische Prozesse auf Alltagssituationen übertragen werden können, um diese Konflikte zu beheben. „Politik im engen Sinne meint ein Handeln, das gesamtgesellschaftlich verbindliche Regelungen bzw. Regelungen zwischen Staaten zum Gegenstand hat. Im Zentrum steht das politische Handeln des Staates“ (ebd. 31). Erlangt werden, können diese Regelungen nur, wenn Politik als ein immerwährender Prozess betrachtet wird. Jener Prozess kann in drei Dimensionen des Politischen aufgefächert werden. Polity ist der gesamte Handlungsrahmen in dem Politik vollzogen wird. Dieser „ist zwar nicht unveränderbar, aber doch nicht beliebig und zu jeder Zeit veränderbar“ (ebd. 30). PolitischeInstitutionen wie beispielsweise der Deutsche Bundestag verkörpern einen Handlungsrahmen in unserer Demokratie, welcher versucht durch verschiedene Akteure die Probleme, Konflikte und Anliegen der Gesellschaft, also die Policy (den Inhalt von Politik), zu regeln. „Von [der Policy] wird erwartet, die Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse so vorzunehmen, dass die Betroffenen die Lösung für sich als förderlich akzeptieren“ (ebd. 33). Dies geschieht in vielen unterschiedlichen konflikthaften Prozessen die als Politics definiert sind. Hierbei werden strittige Fragen öffentlich ausgetragen, um die Prozesse der politischen Akteure für die Gesellschaft transparent zu halten. Rückblickend kann also festgestellt werden, dass es schwierig ist, einen einheitlichen Politikbegriff zu definieren. „Politikbegriffe gehen auf unterschiedliche ideengeschichtliche Traditionen und historische Erfahrungen zurück und sind von unterschiedlichen Interessen geprägt“ (Massing und Skuhr1993). Resümierend betrachtet, behandelt Politik immer wieder neu aufkommende Prozesse, die nicht nur Einzelpersonen oder kleine Gruppen, sondern zumindest potenziell eine ganze Gesellschaft betreffen und die daher keinen privaten, sondern einen öffentlichen Charakter besitzen (vgl. von Reeken 1999, 10). Wie aber können diese Erkenntnisse nun in den Unterricht der Grundschule übertragen werden und inwiefern trauen Erwachsene Kinder zu, politisch zu denken und zu handeln?

3 Politische Bildung im Sachunterricht

Oberstes Ziel politischer Bildung in der Grundschule ist die „politische Mündigkeit“. „Politische Mündigkeit ist aus Sicht der Einzelnen eine Bedingung für erfolgreiche Partizipation, sie ist aber auch aus gesellschaftlicher Sicht für die Erhaltung und Weiterentwicklung einer demokratischen politischen Kultur und eines demokratischen politischen Systems eine unerlässliche Zielperspektive schulischer Bildung“ (GPJE 2004, 7). Um diesen Grundsatz politischen Lernens umsetzen zu können, werden verschiedene Konzeptionen in der Politikdidaktik verwendet. Im politischen Lernen des Sachunterrichts haben sich drei unterschiedliche Kategorien für das politische Lernen in der Grundschule entfaltet. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass Kindern politische Denkweisen zugetraut werden sollten und dass sie mit politischen Denkweisen in ihrer Lebenswelt aufwachsen und diese auch bewusst wahrnehmen. Zu klären sei, ob alle drei Kategorien diese Sichtweise stützen und bewerkstelligen können oder ob selbst Sachunterrichtsdidaktiker Kindern keine politischen Konzepte zutrauen.

3.1 Soziales Lernen (nach Prote)

Soziales Lernen „umschreibt […] die pädagogische Beeinflussung des Sozialverhaltens von Kindern in Interaktionsprozessen“ (Massing 2007, 20) und bezieht sich vor allem auf den weiten Politikbegriff. Dabei wird durch bspw. Klassensprecherwahlen versucht, einen demokratischen Sachverhalt zu simulieren, der den Kindern demokratische Grundvoraussetzungen liefern soll, um diese dann im späteren Verlauf ihres Lebens auf „echte“ politische Gegebenheiten übertragen lassen zu können (vgl. ebd. 20). Dies soll vornehmlich der Identitätsförderung und Verantwortungsübernahme für sich und andere dienen, aber das Politische lässt sich hierdurch nur sehr schwer bis gar nicht erkennen. „Vom sozialen Lernen führt kein unmittelbarer Weg zum politischen Wissen oder zu politischen Kategorien, weder zum Aufbau eines politischen Weltbildes noch zur Erschließung des Politischen in der Lebenswelt […]. Kritik in der Klasse oder in der Schule ist etwas anderes als politische Opposition und Mitbestimmung im Unterricht hat wenig mit Partizipation in der Demokratie zu tun“ (ebd. 21). Parallelisierung von sozialem mit politischen Lernen führt also zu Entpolitisierung.

3.2 Politisches Lernen (nach von Reeken)

„Ausgangspunkt dieses Konzepts […] ist die Feststellung, dass in der Grundschule bisher kaum intentionales politisches Lernen zur Förderung eines demokratischen Bewusstseins stattfindet“ (ebd. 21). Essentiell wichtig ist, dass die Lehrperson über einen reflektierten und handhabbaren Politikbegriff verfügt, um politische Prozesse (polity, policy, politics) für Kinder erschließbar darstellen zu können (vgl. ebd.21). Des Weiteren sei zu beachten, dass Politik Teil der Realität von Kindern ist und gleichzeitig aber auch eine „fremde Welt“ mit unbekannten Strukturen und Ordnungen. Politisches Lernen beinhaltet allgemeine Kategorien, schult Anschauungsvermögen und Urteilskraft, kommunikative Kompetenz und Handlungsfähigkeit und erzeugt Wissen und Kenntnisse sowie methodische Kompetenzen. Leider wird der Politikbegriff vor dem Hintergrund der spezifischen Lernausgangslagen der Grundschulkinder aber so erheblich eingeschränkt und seine Komplexität wird so stark reduziert, dass er in die Gefahr einer Vereinfachung des Politischen gerät (vgl. ebd. 25).

3.3 Soziales und politisches Lernen (nach Herdegen)

Demgegenüber wird bei der dritten Kategorie versucht, die beiden vorangegangenen Konzeptionen miteinander zu verknüpfen (vgl. ebd. 23). Soziales Lernen bedeutet hier, sich in sozialenZusammenhängen zurechtfinden zu können und Kenntnisse, Fähigkeiten und Einsichten zu erwerben, die diese Aufgabe erleichtern (vgl. ebd. 23). Der politische Aspekt dieser Konzeption nimmt klaren Bezug zum politischen Prozess der polity, policy und politics, welcher im Zuge dieser Arbeit bereits ausreichend thematisiert worden ist und daher keiner weiteren Erläuterung bedarf. Im Zusammenhang betrachtet, sollen bspw. Regelungen und Entscheidungen die in der Politik getroffen werden (politisches Lernen), auf Schulklassen übertragbar sein (soziales Lernen). Hierbei sollen Fähigkeiten und Einstellungen erworben werden, die auch bei politischen Abläufen notwendig sind.Massing kritisiert aber, dass Herdegen grundsätzlich ein reines politisches Lernen in der Grundschule ablehne und Kindern politische Kategorien wie Macht, Ideologie und Manipulation nicht zutraue.

[...]

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Details

Titel
Wie stellen Kinder sich Armut vor? Diskussion der Ergebnisse der Worldvision-Studie 2013
Untertitel
Politisches Lernen im Sachunterricht
Hochschule
Universität Paderborn  (Fakultät für Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Ist das (un-)gerecht?! Gerechtigkeit als Thema politischer Bildung im Sachunterricht
Note
2.0
Autor
Jahr
2014
Seiten
10
Katalognummer
V337779
ISBN (eBook)
9783668271722
ISBN (Buch)
9783668271739
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politisches Lernen, Kinder, Aarmut, Vorstellungen, World Vision Kinderstudie
Arbeit zitieren
Jascha Czajka (Autor), 2014, Wie stellen Kinder sich Armut vor? Diskussion der Ergebnisse der Worldvision-Studie 2013, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337779

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