Ziel dieser Arbeit ist es, die Anforderungen an eine professionelle Literaturkritik zu erarbeiten und daraufhin zu überprüfen, ob Laienrezensionen im Netz diesen nachkommen. Die Literaturkritik als literarische Institution stellt heute eine der essentiellen Vermittlungsinstanzen zwischen Literatur und Leser dar. Erst seit jüngster Zeit beschäftigt sich auch die Germanistik mit der Literaturkritik als Untersuchungsgegenstand, da sie sie lange unterschätzte und ihrem Nutzen wenig bis keine Bedeutung beimaß.
Nachdem zunächst in den 1980er Jahren die ersten empirisch-analytischen Beiträge dazu verfasst und veröffentlicht wurden, folgten im deutschsprachigen Raum erst ab 2001 umfangreiche, theoretische sowie praxisorientierte Publikationen von Wolfgang Albrecht, Stefan Neuhaus, Thomas Anz und Reiner Baasner, die in der vorliegenden Arbeit Verwendung finden. Der Großteil der bisherigen Forschungsarbeiten in diesem Bereich bezog sich auf die Literaturkritik in den Printmedien, wie Zeitungen und Zeitschriften, sowie im Rundfunk und Fernsehen. Indessen verbreiten sich literaturkritische Beiträge jedoch auf zügigem Wege an einem weiteren Ort – dem Massenmedium Internet, weswegen diese zum Gegenstand der vorliegenden Bachelor-Arbeit gewählt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die gegenwärtige Literaturkritik
2.1 Definition Literaturkritik
2.2 Funktionen der Literaturkritik
2.3 Wann ist eine Literaturkritik professionell?
2.3.1 Die Wertung von Literatur
2.3.2 Formale Faustregeln für Rezensionen
3. Die Besonderheiten des Massenmediums Internet in Bezug auf Literaturvermittlung
3.1 Aktualität und Verfügbarkeit
3.2 Demokratisierung der Literaturkritik
4. Das universitäre Rezensionsforum literaturkritik.de
4.1 Hintergrund und Funktionsweise des Forums
4.2 Der literaturkritische Anspruch an die Rezensenten
5. Rezensionen auf der Seite des Online-Buchhändlers Amazon
5.1 Voraussetzungen und Funktionsweisen der Amazon-Rezensionen
5.2 Merkmale des kritischen Laienvokabulars
6. Vergleich der Rezensionen auf literaturkritk.de und Amazon am Beispiel von Bernhard Schlinks Roman Die Frau auf der Treppe
6.1 Aufbau, Inhalt und axiologische Werte
6.2 Stil und Subjektivität
6.3 Erfüllen die Rezensionen auf literaturkritik.de und Amazon die Funktionen einer professionellen Literaturkritik?
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Bachelorarbeit untersucht die Qualität und Professionalität von Internetrezensionen im Vergleich zur klassischen, professionellen Literaturkritik. Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob Laienrezensionen – insbesondere auf Plattformen wie Amazon – den fachlichen Ansprüchen an Literaturkritik gerecht werden oder ob sie sich durch inhaltliche und stilistische Defizite als unprofessionell erweisen.
- Kriterien für professionelle Literaturkritik und deren Funktionen.
- Die Auswirkungen des Massenmediums Internet auf die Literaturvermittlung.
- Vergleichende Analyse des universitären Forums literaturkritik.de und der Kundenrezensionen bei Amazon.
- Diskussion über die Demokratisierung der Literaturkritik und die Rolle von Gatekeepern.
Auszug aus dem Buch
6.2 Stil und Subjektivität
Wie bereits im vorherigen Teil der Arbeit wird mit den zwei Rezensionen von literaturritik.de begonnen, wenn es nun gilt, den Stil und die Subjektivität in den Texten zu untersuchen. Die erste Rezension von Thorsten Schulte gewichtet wie bereits erwähnt die Inhaltsangabe des Romans sehr stark, sodass sie ein Drittel der Kritik einnimmt. Auch wenn der Kritiker verständlich und sachlich bleibt in seiner Beschreibung, verstößt er jedoch gegen einige Faustregeln bezüglich einer Inhaltsangabe von Literatur. Zunächst liegt bei der Länge dieses Teils nahe, dass Schulte auf zu viele Details der Handlung eingeht, obwohl eine Inhaltsangabe den Zweck erfüllt, eine kompakte Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse zu geben.
Schulte konzentriert sich zu stark auf die Hintergründe, die sich dann erst zu der Haupthandlung entwickeln und verliert sich in Einzelheiten, die der Leser erst erfahren sollte, wenn er die Lektüre selbst liest. Außerdem besteht so die Gefahr, dass er die Leserschaft um das Lesevergnügen bringt, da er viele Wendungen und Einzelheiten verrät wie beispielsweise: „Die an Krebs erkrankte und sterbende Irene und der Rechtsanwalt bleiben zurück und träumen davon, wie ein gemeinsames Leben hätte aussehen können“. Er bietet nahezu eine komplette Wiedergabe der Handlung, was in einer professionellen Kritik nicht vorgesehen ist. Des Weiteren benutzt er in der Inhaltseingabe wörtliche Rede, die er aus dem Originalwerk zitiert, wie beispielsweise:
Karl Schwind, der Maler, bezichtigte Peter Gundlach, einen Unternehmer aus dem Taunus, eines seiner Gemälde immer wieder zu beschädigen: ,Es ist mein Bild. Ich habe es verkaufen müssen, und es hängt bei ihm, aber es ist mein Bild. Ich will es wieder richten’.
Dies könnte man als No-Go in der Literaturwissenschaft bezeichnen, da wörtliche Rede in einer reinen Inhaltsangabe nicht verwendet werden darf. In ihr sollte auf die Verwendung von wörtlicher Rede verzichtet werden – erst im Analyseteil bzw. wertenden Teil der Kritik sollten Zitate aufgegriffen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Internets als Ort literaturkritischer Beiträge und definiert das Ziel der Arbeit, diese kritisch mit professionellen Standards zu vergleichen.
2. Die gegenwärtige Literaturkritik: Es werden grundlegende Definitionen der Literaturkritik sowie deren Funktionen nach Thomas Anz und formale Anforderungen an eine professionelle Rezension dargelegt.
3. Die Besonderheiten des Massenmediums Internet in Bezug auf Literaturvermittlung: Dieses Kapitel erläutert, wie technische Gegebenheiten wie Aktualität und Verfügbarkeit sowie die Demokratisierung der Kritik das Feld der Literaturvermittlung verändert haben.
4. Das universitäre Rezensionsforum literaturkritik.de: Die Vorstellung des Portals verdeutlicht, wie durch redaktionelle Prüfung und journalistische Standards Professionalität gewahrt wird.
5. Rezensionen auf der Seite des Online-Buchhändlers Amazon: Es wird analysiert, wie Amazon durch eine extrem niedrige Zugangsschwelle die Demokratisierung der Literaturkritik vorantreibt und welche Richtlinien für Kundenrezensionen gelten.
6. Vergleich der Rezensionen auf literaturkritk.de und Amazon am Beispiel von Bernhard Schlinks Roman Die Frau auf der Treppe: Der Hauptteil vergleicht systematisch Aufbau, Stil und Erfüllung der Funktionen zwischen professionellen Kritiken und Laienrezensionen anhand eines konkreten Werks.
7. Fazit und Ausblick: Zusammenfassend wird festgestellt, dass literaturkritik.de den professionellen Ansprüchen weitgehend gerecht wird, während Amazon-Rezensionen vor allem durch ihren Gesprächscharakter überzeugen, aber stilistische und formale Defizite aufweisen.
Schlüsselwörter
Literaturkritik, Internet, Online-Rezensionen, Professionalität, Laienkritik, literaturkritik.de, Amazon, Bernhard Schlink, Die Frau auf der Treppe, Funktionen der Literaturkritik, Gatekeeper-Funktion, Demokratisierung, Literaturvermittlung, Wertung, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht professionelle Literaturkritik mit Laienrezensionen im Internet, um zu prüfen, ob letztere den Anforderungen an fachliche Qualität und Professionalität entsprechen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Literaturkritik, die Auswirkungen digitaler Medien auf die Literaturvermittlung sowie eine detaillierte Analyse der Plattformen literaturkritik.de und Amazon.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Laienrezensionen im Internet die Funktionen einer professionellen Literaturkritik erfüllen können oder ob sie von geringerem fachlichem Niveau zeugen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es wird eine vergleichende Analyse durchgeführt, bei der Rezensionen zu einem konkreten Werk (Bernhard Schlinks "Die Frau auf der Treppe") sowohl formal als auch inhaltlich mit theoretischen Kriterien für professionelle Kritik abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem direkten Vergleich der beiden Portale in den Kategorien Aufbau, Inhalt, axiologische Werte, Stil und Subjektivität sowie der Überprüfung, welche der sechs Funktionen einer professionellen Literaturkritik jeweils erfüllt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Literaturkritik, Demokratisierung, Gatekeeper-Funktion, Laienkritik, Professionalität und Internetrezensionen.
Warum wurden gerade literaturkritik.de und Amazon als Vergleichsobjekte gewählt?
Diese Plattformen wurden gewählt, da literaturkritik.de als professionelle Referenzplattform gilt, während Amazon die am weitesten verbreitete und zugänglichste Plattform für spontane Laienrezensionen darstellt.
Welche Rolle spielt die "Demokratisierung" der Literaturkritik im Internet?
Die Autorin diskutiert, dass das Internet jedem die Möglichkeit gibt, seine Meinung zu veröffentlichen, was einerseits die Beteiligung an Literaturdebatten erhöht, andererseits aber die klassische Gatekeeper-Funktion professioneller Kritiker infrage stellt.
- Quote paper
- Michelle Hegmann (Author), 2016, Literaturkritik im Netz. Ein Vergleich professioneller Kritik mit Laienrezensionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337782