Die vorliegende Arbeit thematisiert den Zusammenhang zwischen der baulichen Gestaltung der Freien Waldorfschule Köln und dem dort praktizierten Schulkonzept, das auf pädagogischen Impulsen Steiners basiert.
Beim Zurückdenken an meine Schulzeit habe ich das Bild eines „Betonklotzes“ vor Augen. Dieses Gebäude entstand in den sechziger Jahren und erzielte sowohl durch sein trostlos wirkendes Äußeres als auch durch eine wenig ansprechende Innengestaltung eine abstoßende Wirkung. Das ist keine Seltenheit; in den Sechzigern entstanden vermehrt solche Bauten (vgl. Brenner 2006: 13ff.) und bereits im 19. Jahrhundert glichen Schulen Kasernen, die eine von Drill und Unterordnung geprägte Atmosphäre hatten (vgl. Hintz 2011: 52f.). In der Tat spiegeln Schulen den jeweiligen „historischen und regionalen Habitus oder auch nur Moden“ ihrer Entstehungszeit wider (vgl. BLLV 2013: 23); daneben sind im gleichen Zeitalter bauliche Unterschiede von staatlichen und Reformschulen festzustellen, die pädagogisch zu begründen sind: Mit Aufkommen der Reformpädagogik gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte Kritik an den bestehenden Schulgebäuden ein und Anstöße zu einem Umdenken im pädagogischen Bereich wurden gegeben (vgl. Gass-Bolm 2005: 105). Von nun an sollte „vom Kinde aus“ agiert und selbständiges sowie handlungsorientiertes Lernen erfolgen (Krammer 2009: 25ff.). Um die Leitgedanken dieser Bewegung angemessen umzusetzen, sollten die räumlichen Gegebenheiten der Schulen auf die Bedürfnisse der Lernenden angepasst werden. Eine ansprechendere Gestaltung von Schulgebäuden etablierte sich zunächst generell nicht umfassend (vgl. Gass-Bolm 2005: 105), ist aber seit jeher fester Bestandteil in Waldorf- und heute zunehmend auch in einigen staatlichen Schulen. In den letzten Jahren entstanden mehrere Schulbauten, die auf ihre jeweiligen Benutzer individuell ausgerichtet wurden. Darunter ist die Freie Waldorfschule Köln, die für ihre bauliche Gestaltung eine Auszeichnung bekam (vgl. Architektenkammer NRW o.J.). Diese betrachte ich in der vorliegenden Arbeit detaillierter und möchte folgenden Fragestellungen nachgehen:
Inwiefern unterstreicht die bauliche Gestaltung der Freien Waldorfschule Köln das pädagogische Schulkonzept? Welche Kriterien spielen hierbei eine besondere Rolle?
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Impulse Steiners als Basis der Waldorfpädagogik
2.1 Kurzbiographie Steiners und Definition des Begriffs Anthroposophie
2.2 Entstehung, Grundlagen und Ziele der Waldorfpädagogik
2.3 Unterrichtsorientierung an den Entwicklungsphasen der Lernenden
3. Die architektonische Gestaltung von Waldorfschulen
3.1 Die organische Architektur
3.2 Beziehungen zwischen Architektur und Mensch
4. Der Zusammenhang zwischen Schulbau und -konzept in Köln- Chorweiler
4.1 Findungs- und Bauplanungsphase
4.2 Interpretation des Grundrisses
4.2.1 Raumunterbringung und zentrale Punkte im Hauptgebäude
4.2.2 Raum- und Schulgebäudeform
4.3 Fotografien als Quellen - zur Methodik
4.4 Bildanalyse der Pausenhalle
4.4.1 Externe und technische interne Klassifikationsfaktoren
4.4.2 Die vorikonographische Ebene
4.4.3 Die ikonographische Analyse
4.4.3.1 Formale Elemente der Fotografie
4.4.3.2 Symbolbedeutungen nach Steiner
4.4.4 Die ikonologische Interpretation
4.4.4.1 Ästhetische Gestaltung der Pausenhalle - Runde Formen
4.4.4.2 Ästhetische Gestaltung der Pausenhalle - Pflanzen und Baumaterialien
4.4.4.3 Gestaltung der Pausenhalle - Säule
4.4.5 Mögliche Bildentstehung und Intuition der Fotografin
4.5 Kritische Reflexion
5. Zusammenfassung und Ausblick
6. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der architektonischen Gestaltung der Freien Waldorfschule Köln und dem ihr zugrunde liegenden pädagogischen Konzept, wobei insbesondere der Frage nachgegangen wird, inwiefern die bauliche Form das pädagogische Konzept unterstreicht und welche Kriterien dabei eine zentrale Rolle spielen.
- Waldorfpädagogik und ihre anthropologischen Grundlagen
- Merkmale der organischen Architektur im Schulbau
- Analyse des Raumkonzepts der Freien Waldorfschule Köln
- Methodische Bildanalyse von Architekturfotografien
- Zusammenhang zwischen baulicher Umgebung und Lernatmosphäre
Auszug aus dem Buch
4.4.3.1 Formale Elemente der Fotografie
Auffallend ist, dass die Fotografie von runden Elementen geprägt ist, die in der nachfolgenden Abbildung (5) rot gekennzeichnet sind. Der rundliche Verlauf der übrigen Innengestaltung wurde gelb hervorgehoben. Die durchgezogenen gelben Konturen umrahmen hierbei die in der Fotografie sichtbare rundliche Formgebung, während die gestrichelten die weitere, hier nicht eindeutig ersichtliche Linienführung markieren:
Kreisförmige Objekte sind beispielsweise die drei zu sehenden Tische in der Pausenhalle, die zwei Holzelemente in der Holzstütze und die um sie herum verlegten Steine. Des Weiteren ist das im Vordergrund ersichtliche Wendeltreppengeländer leicht gerundet und hat einen s-förmigen Verlauf, der anhand der Fotografie erahnt werden kann; konkret ist hier nur der mittlere Teil eines S dargestellt. Die Treppe selbst führt in die Pausenhalle, in der sich die Holzstütze befindet, hinein, was in der Abbildung (5) mit roten Pfeilen angedeutet wurde. Somit kann sie dem Bildbetrachter das Gefühl geben, selbst mit in die Halle hinein zu gehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema und die Fragestellung bezüglich des Zusammenhangs von Schulbau und Waldorfpädagogik an der Schule in Köln-Chorweiler.
2. Impulse Steiners als Basis der Waldorfpädagogik: Darstellung der anthroposophischen Grundlagen sowie der pädagogischen Ziele und Entwicklungsphasen der Waldorfpädagogik.
3. Die architektonische Gestaltung von Waldorfschulen: Erläuterung der organischen Architektur und deren beabsichtigter Einfluss auf den Menschen.
4. Der Zusammenhang zwischen Schulbau und -konzept in Köln- Chorweiler: Detaillierte Untersuchung und Interpretation des konkreten Schulbaus anhand von Grundriss und Bildanalyse zur Beantwortung der Leitfragen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der theoretischen und praktischen Ergebnisse sowie Reflexion der methodischen Vorgehensweise und Grenzen der Arbeit.
6. Bibliografie: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Waldorfpädagogik, Rudolf Steiner, Anthroposophie, organische Architektur, Freie Waldorfschule Köln, Pausenhalle, Bildanalyse, Schularchitektur, Raumgestaltung, pädagogische Architektur, Holzbauten, Bildungsraum, Lernatmosphäre, Schulgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die architektonische Gestaltung der Freien Waldorfschule Köln das pädagogische Schulkonzept widerspiegelt und unterstützt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Waldorfpädagogik, die Prinzipien der organischen Architektur sowie deren praktische Anwendung im Schulbau, untersucht durch Grundrissinterpretation und Bildanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Kompatibilität zwischen dem anthroposophisch geprägten pädagogischen Konzept und der baulichen Umsetzung (pädagogische Architektur) in der Praxis zu erforschen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden eine bauliche Analyse anhand des Grundrisses sowie eine methodische Bildanalyse (angelehnt an das Panofskysche Stufenschema) von Architekturfotografien durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine theoretische Einführung in die Waldorfpädagogik und Architektur, gefolgt von der konkreten Analyse der Freien Waldorfschule Köln, inklusive der Findungsphase und einer tiefgehenden ikonographischen und ikonologischen Interpretation des Schulbaus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Waldorfpädagogik, organische Architektur, pädagogische Architektur, Raumgestaltung und Bildanalyse charakterisiert.
Welche symbolische Bedeutung misst der Autor der Holzstütze in der Pausenhalle bei?
Die Holzstütze wird als Raumplastik und "Neuschöpfung" interpretiert, die das Gebäude stützt, den "Stiel einer Rose" symbolisiert und die "Widerspiegelung unseres eigenen Stehens" darstellt.
Inwiefern beeinflusst die Gestaltung der Pausenhalle die Gemeinschaftsbildung?
Die Pausenhalle fungiert als zentraler Treffpunkt ("Marktplatz-Konzept" oder "Oase"), der durch runde Formen und die Möglichkeit der Begegnung das soziale Miteinander und das Gefühl der Zusammengehörigkeit fördert.
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- M.Ed. Nora Schrader (Autor), 2014, Waldorfpädagogik und Schulbau. Welcher Zusammenhang besteht in Köln-Chorweiler?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/337788